Schadenersatz für Nenad - keine geistige Behinderung!

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Ayala
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Beitragvon Ayala » 25.08.2018, 14:45

@UrsulaK Die vielen Fehlzeiten wurden in den Berichten genannt und waren laut Nenad sein Protest gegen die Schulform.
Der Schule einfach so ein Fehlverhalten nachzusagen, ist m.E. nicht richtig, so lange man die ganzen Details nicht kennt. Das ist das, was mich an der Berichterstattung so stört. So wird z.B. ja auch nicht erwähnt, welcher IQ-Test durchgeführt wurde. Aber ich kenne keine G-Schule, die überhaupt sprachbasierte Tests besitzt! Und selbst wenn das so wäre, sind Lehrer nicht so dumm, dass sie ein Kind, das kein deutsch versteht, mit einem sprachbasierten Test überprüfen.
Lehrkraft an einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten ganzheitliche und motorische Entwicklung

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PaulaW
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Beitragvon PaulaW » 25.08.2018, 14:54

Jaja, die bösen Medien und die armen Lehrer. Bestimmt gibt es viele Lehrer, die die Kinder fördern und sich sehr engagieren.

Fakt ist, dass hier ein Kind jahrelang offenbar nicht oder nicht mit den geeigneten Methoden getestet wurde und ihm das sein Leben versaut hätte wenn es nicht den Verein "Mittendrin" gäbe, der ihm geholfen hat.
Das ist ein Verbrechen !

Ich möchte nicht wissen, wieviele Kinder es gibt, denen es noch so geht und denen niemand hilft. Nicht alle Eltern haben die Möglichkeiten dazu.

Aus eigener sehr leidervoller Erfahrung kann ich leider bestätigen, dass es kein Einzelfall ist.
Auch unser Sohn wurde als geistig behindert eingestuft obwohl er es nicht ist. Und er kann sehr gut deutsch !

Fakt ist weiterhin, dass man mit diesem Förderschwerpunkt GAR KEINEN Schulabschluss machen kann und wenn man nicht verdammt gute Anwälte hat und genügend Geld kommt man aus der Nummer auch nicht mehr raus.

Das wünsche ich niemandem !

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 25.08.2018, 15:20

Ayala hat geschrieben:@UrsulaK Die vielen Fehlzeiten wurden in den Berichten genannt und waren laut Nenad sein Protest gegen die Schulform.
Der Schule einfach so ein Fehlverhalten nachzusagen, ist m.E. nicht richtig, so lange man die ganzen Details nicht kennt. Das ist das, was mich an der Berichterstattung so stört. So wird z.B. ja auch nicht erwähnt, welcher IQ-Test durchgeführt wurde. Aber ich kenne keine G-Schule, die überhaupt sprachbasierte Tests besitzt! Und selbst wenn das so wäre, sind Lehrer nicht so dumm, dass sie ein Kind, das kein deutsch versteht, mit einem sprachbasierten Test überprüfen.


Berichterstattung hin oder her. Das Urteil fußt sicher auf allen Details, die zur Urteilsfindung auch nötig sind.
Dass die Medien nicht jedes Detail und jede Zahl aufgreifen können, ist doch normal. Das würde den Rahmen völlig sprengen.

Mein Kind hat inzwischen drei verschiedene Schulen besucht. Nur an einer waren wirklich engagierte Lehrer, denen es in erster Linie ums einzelne Kind ging.
Beide anderen Schulen sind komplett durchgefallen. Es wird gar nicht geschaut, warum das Kind etwas nicht leisten kann. Es wird nicht „gekonnt“ (oder verweigert :wink: ), also ist es geistig zurück. Und dann heißt es noch, die Verweigerung sei auch eine Art geistiger Behinderung - das aus dem Mund von Pädagogen.
Mir wurde z.B. von der Sonderpädagogin unseres Kindes „vorgeworfen“, dass ich es außerhalb der Schule diagnostizieren ließe. Alle anderen Eltern würden da ja schließlich auf das Urteil der Schule vertrauen.
Manche Pädagogen haben offenbar noch nicht begriffen, dass sie medizinische Diagnosen gar nicht stellen dürfen. In unserem Fall ging es um eine AVWS. Wer bitte soll die Diagnose stellen, wenn nicht ein Pädaudiologe, also ein Arzt? Das gleiche bei der Autismusdiagnostik. Dafür bedarf es eines KJP - sonst bekommt man nämlich weder Therapien, noch Hilfsmittel bewilligt.

Man hat uns durch die Blume quasi gesagt, wir sollen uns doch bitte raushalten aus der Diagnostik UNSERES Kindes. :shock: Dann hat man als Pädagoge ja auch weniger „Last“ mit den Eltern. :wink:

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon UrsulaK » 25.08.2018, 16:07

@Ayala Leider steht in dem Artikel nicht mehr drin, welcher IQ Test gemacht wurde. Aber selbst wenn es ein spachfreier Test war, hat er dennoch falsch gemessen. Für die Durchführung benötigt man viel Erfahrung. Ich bin mittlerweile der Meinung, das solche IQ-Tests von Sonderschullehrern nicht mehr durchgeführt werden sollten. Man sollte solche Diagnostik trennen von den Sonderschulen!
Ich verstehe deine Argumentation auch nicht inwieweit es relevant sein soll, das Nemad die Schule geschwänzt hat, denn er nennt ja auch die Gründe für sein Verhalten. Er muß sich auf der Schule massiv gelangweilt haben! Das kann für ein Kind genauso schlimm sein, wie ständige Überforderung.
Und man darf auch nicht vergessen, daß die Schule ihm massiv geschadet hat. Sie hat es ihm unmöglich gemacht einen normalen Schulabschluß zu machen und folglich in ein bezahltes selbstständiges Arbeitsleben zu kommen.


Gruß, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon Sinale » 25.08.2018, 23:11

Hallo Zusammen,

für mich ist das Urteil entscheidend, mithin die Urteilsbegründung. Allein darauf kommt es an.

2017 kam eine Sendung zum Thema, aus der auch hervorging, wie es zur Klage kam:

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sen ... --100.html
Viele Grüße
Sinale

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Beitragvon Sandra F » 26.08.2018, 01:00

Hallo,

in diesem Artikel hier wird weiter ausgeführt wie es dazu kam:

www.google.de/amp/s/amp.ksta.de/koeln/k ... e-30971686

Grundschule in Bayern wurde getestet.

LG Sandra
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Beitragvon melly210 » 26.08.2018, 09:53

Ich denke das Problem war nicht mal unbedingt der falsche IQ Test am Anfang. Nicht unsonst darf ein Förderschwerpunkt nicht nur aufgrund eines IQ Tests vergeben werden. Es zählt immer das Grsantbild. Es hätte in der Schule definitiv irgendwann auffallen müssen, daß die Einschätzung komplett falsch ist. Wurscht wieviel er gefehlt hat. Das ist nicht passiert, obwohl der Schüler sogar darauf hingewiesen hat, und das ist einfach ein Fehler der nicht wegzudieskutieren ist.

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Beitragvon monika61 » 26.08.2018, 14:11

Ayala hat geschrieben:Die Medien stellen halt auch dar, dass er auf Grund der falschen Schulzuweisung hohe Fehlzeiten hatte. Die genauen Zahlen werden halt nicht veröffentlicht. Aber wenn die Fehlzeiten zu hoch sind, kann halt auch keine adäquate Einschätzung erfolgen,...



Hallo zusammen,

dazu gibt es hier einen Beitrag von mittendrin e.V.:
https://www.facebook.com/mittendrin.koe ... 5546776744

LG
Monika

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Beitragvon Bika » 26.08.2018, 15:05

Hallo,

Mich hat das Urteil sehr gefreut, da ich Nenads Schicksal schon länger verfolge.

Dieser WDR-Beitrag:
https://m.youtube.com/watch?v=miMenY9TdaI

hatte mich damals sehr berührt.

Nenad wurde mit 19 Jahren nochmal mit dem I-S-T 2000 R
getestet und erreichte dort einen Gesamt-IQ von 90.

Allerdings erreichte er im Grundmodul und im Merkaufgaben-Modul deutlich höherer Werte als im Wissensmodul.
Letzteres hat seinen GesamtIQ nach unten gezogen.

So stark und nachhaltig wirkt sich unpassende Beschulunng aus.

Ich hoffe für ihn, dass ihm noch einen angemessene Entschädigung zugesprochen wird.

LG

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Sinale
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Beitragvon Sinale » 26.08.2018, 15:23

Hallo Zusammen,

die Sendung, die Bika eingestellt hat, habe ich zuvor auf der gleichen Rehakids-Seite mit dem Link des WDR auch eingestellt:

Sinale hat geschrieben:Hallo Zusammen,

für mich ist das Urteil entscheidend, mithin die Urteilsbegründung. Allein darauf kommt es an.

2017 kam eine Sendung zum Thema, aus der auch hervorging, wie es zur Klage kam:

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sen ... --100.html

Viele Grüße

Sinale



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