Essen, Essen, Essen

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Luuri
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Essen, Essen, Essen

Beitragvon Luuri » 21.08.2018, 10:38

Hallo ihr Lieben,

langsam bin ich am verzweifeln und weiß nicht mehr weiter. Mein Sohn der mittlerweile fast 1 Jahr ist wiegt schon über 13 Kg. Durch seine eingeschränkte Mobilität muss ich ihn natürlich viel herumtragen.

Sobald er essen sieht spielt er verrückt. Er zappelt richtig aufgeregt und ist nicht mehr zu bremsen. Er macht richtiges Theater echt schlimm. Er bekommt regelmäßig was zu essen. Also Frühstück ( eine Stulle mit Frischkäse), dann Mittag (meistens Gläschen) dann Vespa (Obst und paar Hirsekringel oder reiswaffeln) und Abendbrot (Milchbrei). zwischendurch bekommt er Sprudelwasser zum Trinken. In der Nacht bekommt er noch eine Milch, allerdings nur eine Schorle mit der Hälfte an Milchpulver.

Er isst auch immer auf!!! IMMER. Und ich muss ihn meistens mit Gebrüll aus dem Stuhl nehmen und ihn ablenken.
Ich hatte ihn 5 Monate voll gestillt und nach Bedarf. Da hat er auch ordentlich zugelegt.

Getestet wurde er auch, ob eventuell ihm ein Hormon fehlt, was die Sättigung auslöst. Dieser fiel Unauffällig aus.

Man kann mit ihm nicht zusammen essen Bzw nur sehr schwer,weil er die ganze Zeit zappelt und meckert und nur diesen einen Kanal hat und zwar ESSeN.
Seine beiden Sehnerven sind blass und wir wissen nicht wie weit er gucken kann. Er sieht was definitiv aber ich glaube eben nicht so weit. Denn im Kinderwagen schaut er sich eigentlich kaum um und wenn dann schaut er nur nach unten oder mich oder andere Personen an.

Nun gut soviel dazu. Hat jemand von euch sowas auch schon durch? Hat er da vielleicht eine Wahrnehmungsstörung? Was kann ich tun, damit er beim Essen etwas runter fährt?

Ich danke euch schonmal!

Viele Grüße

Laura
F. 26.08.2017 IVH 2-3. Grades links im Mutterleib, Hydrocephalus, shuntversorgt, entwicklungsverzögert, fokale Epilepsie, V.a. Hemiparese rechts

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Jakob05
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Beitragvon Jakob05 » 21.08.2018, 11:20

Hallo Laura,
diese "Fresserei" ist sicher sehr anstrengend für Euch, denn entspanntes, gemeinsames Essen ist ja ein wichtiger Tagesbaustein.
Wenn es keinen organischen Grund für die Vielesserei gibt, würde ich versuchen gut sättigende, kalorienarme Nahrungsmittel einzuführen. Magerquark ist z.b. sehr langanhaltend sättigend und lässt sich gut unter alles rühren. Da er viele wertvolle Bestandteile hat, kannst du ihn auch gut grosszügig füttern.
Auch Lebensmittel, die er mehr und mehr kauen muss, könnten helfen, das Sättigungsgefühl schon während des Essens zu erreichen.
Nachts würde ich die Flasche auf jeden Fall NUR mit Wasser füllen und baldmöglichst ganz abschaffen. So kommt auch sein Magen zur Ruhe. Der Verdauungsapparat sollte jede Nacht min. 6 Stunden lang LEER sein, damit er sein Desinfektionsprogramm laufen lassen kann, um gesund zu bleiben.
Gibt es etwas, woran er wirklich auch mal länger Spass hat ? Spiegel gucken, bunte Klötzchen, Blinkspielzeug ?? Dann würde ich dieses Spielzeug in der Nutzung beschränken und es ihm nur geben, wenn er die vorgesehene Menge aufgegessen hat. Also: Gemeinsam an den Tisch, er isst, was vorgesehen ist, gemeinsam mit Euch und darf sofort "aufstehen" und bekommt sein Lieblingsspiel, während ihr in Ruhe zu Ende esst. Er sollte und kann lernen, dass ihr in dieser Zeit für ihn nicht ansprechbar seid.
In diesem Alter kann kein Kind so lange am Tisch sitzen, wie das den Großen gefallen würde, aber Regeln lernen, kann es nach und nach. Das klappt vorallem über Routine und Regelmässigkeit.

Zusätzlich könntest du mit einer Logopädin schauen, ob er sein Essen, denn altersgemäß kaut und lange genug im Mund vorbereitet. Ein gut Teil des Sättigungsgefühls entsteht bereits durch die Mundschleimhaut.
Vielleicht kann dir eine professionelle Ernährungsberatung, die Kindererfahrung hat, auch seine Ernährung durchforsten und Änderungsvorschläge machen.

Ich denke, es ist gut, dass du bereits früh erkennst, dass das Thema beachtet werden muss, das ist schon ein wichtiger Schritt. Lass dich damit von Kinderarzt etc. nicht abwimmeln.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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RolliTanteSilvi
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Beitragvon RolliTanteSilvi » 21.08.2018, 11:35

Hallo Luuri,

seltsam hier zu lesen dein Kind isst zu viel bzw. ist nur auf Lebensmittel fixiert - viele hier haben meist das ganze Gegenteil als Problem. Natürlich hilft Dir meine Festellung nicht dein Problem zu lösen.

Hast Du schon mal versucht vor dem Essen deinem Sohn ein Glas Wasser (möglichst still) an zubieten das sättigt und er isst nicht zu "viel" - mit ständigem Nahrungsangebot zur "Beruhigung" kannst Du deinem Sohn das Sättigungsgefühl abtrainieren!

Wie Du schon selbst schreibst könnte eine Wahrnehmungsstörung dahinterstecken - er spürt sich nur beim Essen / Kau-und Schluckakt selbst - was ihm wiederum zeigt ich kann etwas selbst.

Versuch es mal mit Kauspielzeug für Kinder - https://ringelfee.de/suche?controller=s ... timulation - schau Dir in Ruhe das Angebot der Seite an vielleicht findest Du was passendes.

Ich hoffe ihr findet eine schnelle Lösung damit das Essen nicht der Fixpunkt ist womit sich dein Sohn beruhigen lässt.

LG Silvi
Moritz (geb.2007) - richtiger Sonnenschein und "Wirbelwind" mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne - hat beide Eltern bei einem Autounfall verloren - seit 2017 Diffuser Ösophagusspasmus (Schluckstörung) - seit 2018 Tracheastoma & GastroTube
" Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas bauen". (Erich Kästner)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 21.08.2018, 12:34

Mir fällt dazu ein, dass manche Lebensmittel "solo" gegessen noch mehr Hunger machen. Zum Beispiel der Obst-Klassiker Apfel. Ein Apfel zwischendurch ist gesund und kalorienarm, aber er regt auch die Verdauung an und etwa 30-60 Minuten später ist der Hunger größer als vorher. Besser ist daher, zusätzlich zum Apfel z.B. fünf Haselnüsse zu essen und ein Glas Wasser zu trinken.

Das am meisten sättigende Lebensmittel ist übrigens die Kartoffel. Einfach in Salzwasser gekocht (und geschält) ist sie außerdem noch kalorienarm und auch für jüngere Kinder bekömmlich.

Wenn dein Sohn kein Wasser trinkt (mein jüngerer war so ein Exemplar) dann geht auch Saftschorle z.B. mit mildem Apfelsaft. Bei uns war 40% Saft mit 60% Wasser eine gute Mischung. Aber wenn möglich nicht aus dem Nuckelfläschchen, wegen der Zähne! Mittlerweile trinkt mein ehemaliger Wasser-Verweigerer übrigens fast ausschließlich Wasser (und im Gasthaus hie und da mal Orangensaft).

Von Reiswaffeln für Kleinkinder halte ich persönlich wenig. Sie haben zwar wenig Kalorien, aber auch praktisch null Nährstoffe, mit denen der Körper was anfangen kann. Statt dessen habe ich meinen Kindern im Kleinkindalter gern gekochte Vollkornnudeln als Fingerfood angeboten. Sehr gern hatten wir da die Penne von Barilla Integrali. Die sind auch für unterwegs praktisch zum mitnehmen (in der Jausenbox) und sättigen gut.

Grundsätzlich würde ich einem sehr hungrigen Kind bei zumindest einer Hauptmahlzeiten viel hochwertiges Eiweiß anbieten, also z.B. Fisch oder Geflügel, schonend zubereitet (durchaus auch aus dem Gläschen).

Meine Kinder hatten nie Probleme mit übermäßigem Hunger, aber der Sohn einer Cousine war auch so ein Exemplar. Und meine Cousine ist eine sehr gesundheits- und ernährungsbewusste Frau. Ich weiß noch, wie sie immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt hat "Die Küche ist jetzt GESCHLOSSEN!"

Alles Gute für Euch!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon jonasb » 21.08.2018, 13:51

Hallo,
Milch würde ich in dem alter nicht verdünnen, vielleicht wird er damit einfach nicht satt? So gesund ist das Verdünnen auch nicht.
Generell würde ich mich fragen: ist das genug? Wird er satt? Kann ich zwischendurch vielleicht doch noch was anbgieten?
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie...
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Beitragvon Jörg75 » 21.08.2018, 14:11

Moin,
jonasb hat geschrieben:Generell würde ich mich fragen: ist das genug? Wird er satt? Kann ich zwischendurch vielleicht doch noch was anbgieten?

bei einem 1-Jährigen, der 13 kg wiegt? Ich finde, der ist damit schon ziemlich schwer für einen 1jährigen.

Gruß
Jörg
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Beitragvon jonasb » 21.08.2018, 14:37

Hallo Jörg
weil ein 1-jähriger schon 13 KG wiegt, ist es kein Grund ihm essen zu verweigern und er kann _ _ nicht sattwerden. Denn Hunger und Sättigung hängt nicht mit dem Gewicht zusammen, sondern dem Gefühl des Kindes. Kinder in dem Alter brauchen Nährstoffe und nur weil er so viel wiegt, heißt das nicht, dass man jetzt weniger Essen gibt oder es reglementiert.
Das wäre ein Freifahrdsschein zu einer Essstörung.

Wie wäre es denn mit einer Testung auf die Schilddrüsenhormone und die Frage, was für Auffälligkeiten er noch hat, stellt sich mir auch. Es gibt Syndrome, die das verursachen.
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Beitragvon RikemitSohn » 21.08.2018, 15:53

Hallo,

ich habe keinen Tipp für dich, aber würde dir raten noch einmal bei Ärzten nachzuhaken. Denn das Verhalten ist schon ungewöhnlich und das Quengeln spricht ja auch für einen gewissen Leidensdruck bei deinem Sohn. Nur Kontrolle wird euch nur bedingt helfen, denn irgendwann kann er sich selber Essen organisieren.
Ich weiß nicht, wie konsequent ihr die beschriebenen Essensmengen einhaltet. Aber wenn er wirklich nur so viel isst wie beschrieben, fände ich die Gewichtzunahme auch nicht stimmig dazu.

LG Rike
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Beitragvon Luuri » 21.08.2018, 19:36

Hallo ihr Lieben,

Ich danke euch schonmal sehr für eure Antworten!
Ich habe morgen die U6 und werde das Thema ansprechen. Was ja allerdings schon bekannt ist. Das mit den Quark werde ich mal versuchen! Das klingt super.

Vielleicht kam das jetzt falsch rüber, aber sobald ich ihn dann aus dem Stuhle nehme ist er auch meistens ruhig und lacht wieder. Und danach meckert er auch nicht mehr. Es ist wirklich nur dabei und wenn er den leeren Teller sieht.

Mein Sohn hat auch noch nie abgenommen, weder nach einer OP ( er hatte 3!!!!) noch ein anderes Mal.
Er hat schon im Januar über 10 Kg gewogen, die Gewichtszunahme hat sich somit etwas verlangsamt.
Achso und beide Eltern sind auch nicht übergewichtige, falls einer sich noch die Frage stellte. Motorisch lief bei ihm sehr lange nichts, was sicherlich den OP’s als auch seinem Gewicht zuzuschreiben ist.

@Jörg: ja ich weiß dass er schwer ist!;) deswegen schreib ich ja:)

@Jonas: Ich stelle mir auch oft die Frage, ob ihm das reicht. Aber ich will es nicht ausprobieren. Es gibt auch Tage da signalisiert er mir dass er nichts mehr möchte und die Chance ergreife ich. Und an die Schilddrüse hab ich auch schon gedacht und im SPZ angesprochen. Aber das würde etwas ignoriert. Werd mixh a nochmal melden.

@Lisaneu: Trinken nimmt er selber. Wasser (meist mit etwas Sprudel... da steht er so drauf..) und schon lange nicht mehr aus der Flasche er hat ein Trinklernbecher. Trinkt sogar während dem Essen immer zwischendurch. Ich biete ihm auch immer ganz viel trinken an.

Vielen Dank für die vielen Tips!:)
F. 26.08.2017 IVH 2-3. Grades links im Mutterleib, Hydrocephalus, shuntversorgt, entwicklungsverzögert, fokale Epilepsie, V.a. Hemiparese rechts

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Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 21.08.2018, 20:16

Moin,

es geht mir nicht darum, dass man Essen verweigert - ich halte es aber auch für falsch, einem 1jährigen mit 13 kg bedenkenlos Nahrung zugeben. Das sehe ich ebenfalls als Weg in eine Ess-Störung.

Ich halte es für dingend nötig, dass die Sache ärztich abgeklopft wird ... und zwar vermutlich über den KiA hinausgehend bei einem Spezialisten, evtl. Endokrinologen bzgl. der Hormone.

Gruß
Jörg
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