Erfahrungen mit Neurophysiologischer Entwicklungsförderung

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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Mamaella
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Erfahrungen mit Neurophysiologischer Entwicklungsförderung

Beitragvon Mamaella » 19.08.2018, 15:54

Liebe Leser!

Nun waren wir in der letzten Woche mit unserem Sohn zur ausführlichen Diagnostik ("Erfassung des neurophysiologischen Entwicklungsstandes") für die Neurophysiologischen Entwicklungsförderung beim Behandler. Diese dauerte 2,5 Stunden und erwies sich nun wirklich als äußerst umfangreich und brachte sowohl uns als auch unseren Sohn an die Grenzen unserer Belastbarkeit. Diente sie nicht nur zur Erfassung des Entwicklungsstandes, sondern auch zur Demonstration für uns Eltern, was der Therapeut so Erstaunliches feststellt und worauf (fast) alle Defizite zurückzuführen sind. Uns ist schon klar, dass, wie alle Therapien, die Probleme einem gewissen Hintergrund (hier: das Fortbestehen frühkindlicher Reflexe) zugeschrieben werden. An den zu glauben fällt nicht wirklich leicht - aber wo es nur eine minimale Chance gibt, machen wir fast alles mit.
An das Forum habe ich folgende Fragen:
Wer hat Erfahrungen mit der Neurophysiologischen Entwicklungsförderung?
Und natürlich: Wie hilfreich waren die Übungen?
Waren Euch die Zusammenhänge einleuchtend?
Allen noch einen schönen, sonnigen Sonntag!

Mamaella

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Silvia80
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Beitragvon Silvia80 » 19.08.2018, 20:32

Hallo Mamaella,

ich habe Erfahrungen in dem Bereich, allerdings von der "anderen" Seite, da ich selber in den Grundlagen der neurophysiologischen Entwicklungsförderung ausgebildet bin. :wink:
Sprich: Ich darf in meiner Einrichtung die Basisdiagnostik machen (dauert ca. 1/2 Stunde, ist quasi das grobe Screening, ob überhaupt in dem Bereich Handlungsbdarf besteht), und anschließend das "Breitband"-Förderprogramm für Vor- und Grundschulkinder durchführen.

In der Arbeit habe ich inzwischen alle Varianten erlebt: Kinder, bei denen die Übungen super geholfen haben, andere, die mehr davon gehabt hätten, wären die Übungen regelmäßig (auch zu Hause) durchgeführt worden und Kinder, bei denen es herzlich wenig gebracht hat.
Große Fortschritte konnte ich bei den Kindern sehen, die (wie ihr) die volle neurophysiologische Entwicklungsförderung mitgemacht haben. Das waren allerdings erst 3 (die nächste Therapiemöglichkeit ist einiges entfernt, was manchmal Eltern abschreckt). Bei den dreien waren schon nach einem halben Jahr deutliche Verbesserungen erkennbar.

Mir mit entsprechender Berufsausbildung sind die Zusammenhänge natürlich einleuchtend. Aus dem Grund entschied ich mich auch für die Vertiefung der Thematik und dem Besuch der Basisausbildung. Denn ich fand in meiner Arbeit immer wieder das eine oder andere Kind mit frühkindlichen Restreflexen.

Allerdings sehe ich diesen Bereich trotzdem eingeschränkt erklärungsfähig. Es gibt immer wieder Kinder, bei denen andere "Probleme" im Vordergrund stehen oder ähnliche Verhaltensweisen andere Ursachen haben. Die "eierlegende Wollmilchsau" als Begründung sind frühkindliche Restreflexe nicht.
Wenn sie wirklich nötig ist, ist die neurophysiologischen Entwicklungsförderung eine gute Sache. Aber sie ist nicht bei jedem Kind mit (Verhaltens-)Auffälligkeiten angezeigt.

LG! Silvia
Motopädin, Sonderpädagogin und verwaistes Geschwisterkind

michie
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Beitragvon michie » 19.08.2018, 22:08

Hi,

wir machen auch INPP. Ich habe mich sehr intensiv in die Thematik eingelesen und für mich entschlossen: hilft es am Ende doch nicht, dann haben wir nicht wirklich einen Schaden davongetragen.

Wir machen die Übungen wirklich jeden Abend vor dem Schlafengehen (außer mein Mann bringt die Kinder ins Bett), und es gibt schon ein paar Kleinigkeiten, die ich fix auf diese Übungen zurückführen kann (links-rechts sitzt bei uns, dabei ist er erst 5!). Aber generell finde ich, dass es bei umfassender Förderung häufig schwierig ist festzunageln, woher der Fortschritt kommt. Wichtig ist es, dass man dahintersteht. Wenn man es mit Zweifeln oder so macht, hat man ja auch keinen Spaß dran, das ist meine Einstellung.

Wir fahren ca. alle 8 Wochen zu unserem Therapeuten, der mir persönlich sehr sympathisch ist, und auch der kleine Prinz hat einen guten Draht zu ihm.

LG
michie
michie mit kleinem prinzen (11/2012; ASS) und kleiner fee (02/2015)
Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic122077.html

Mamaella
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Beitragvon Mamaella » 19.08.2018, 23:40

Liebe Michie!

Danke für die Antwort mit Erfahrungswert.
Natürlich machen wir sehr viele andere Therapien und man wird nicht sagen können, ob es hilft oder nicht. Tatsächlich wissen wir, das alles davon abhängt, dass wir Eltern die Übungen selbst regelmäßig machen werden....
Mich stimmt nachdenklich, dass du schreibst, wie sympathisch Euch der Therapeut ist, dass ist unserer ganz gewiß nicht....
Wie lange führt Ihr die Übungen schon durch?

Viele Grüße,
Mamaella

michie
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Beitragvon michie » 20.08.2018, 10:44

Hi Mamaella!

Wenn du mit dem Therapeuten keine gute Basis hast, dann würde ich mir einen anderen suchen. Ich habe das bisher immer so gehandhabt. Niemand kann auf seinem Gebiet so gut sein, wenn mein Bauchgefühl mir sagt, dass da was nicht stimmt, dann passt die Person zu uns einfach nicht. Wir fahren zu unserem Therapeuten 45 Minuten mit dem Auto pro Richtung. Aber da es nur alle 8 Wochen ist, passt das.

Wir machen die Übungen schon bald ein Jahr. Unser Therapeut gibt mir immer ein verdammt gutes Gefühl. Er bestärkt mich in dem, was ich mache, stellt aber auch kritische Fragen, wenn er meinen Erzählungen entnimmt, dass ich vielleicht wieder einmal zu viel auf einmal "abhaken" will.

Alles Liebe für euch & lg
michie
michie mit kleinem prinzen (11/2012; ASS) und kleiner fee (02/2015)

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic122077.html

Sheila0505
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Beitragvon Sheila0505 » 27.10.2018, 10:31

Hallo Mamaella, bei uns sieht ein Therapeut auch ein Fortbestehen der frühkindlichen Reflexe als Ursache allen Übels. Er arbeitet zwar schon seit Jahren mit ihm daran, aber explizit die INPP Ausbildung beginnt er jetzt ganz frisch und nimmt unser Kind als Ausbildungsbegleitkind mit auf. Auf ca. 1,5 Jahre sollen wir uns einstellen und eine enge Zusammenarbeit und eine konsequente häusliche Mitarbeit wären wohl das A.O.
Wir freuen uns ehrlich gesagt schon darauf, wenn es denn hilft, wäre es unsagbar toll.

Darf ich fragen wie es weiterging bei euch? Ich sehe es aktuell auch so: bestenfalls hilft es ihm. Wenn nicht, ist nichts verloren.
Von diesem Therapeuten halte ich übrigens menschlich als auch fachlich sehr-sehr viel und er begleitet uns schon am Längsten von allen Therapeuten.

Vllt. findet sich ja auf diesem Wege doch noch den ein oder anderen User der Erfahrung damit hat und berichten kann und möchte? Ich würde mich freuen :D

Liebe Grüße, Sheila


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