Wohnheim bald anschauen für unser Kind an, auf was achten?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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mijo
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Beitragvon mijo » 19.08.2018, 22:32

Hallo Andrea.

Worauf ich nach schlechten Erfahrungen achtete.
Ist nicht nach dem was mir die Einrichtung (schön)redet.
Sondern wie wirken die Betreuten.
Wie reagieren sie auf die Betreuenden.
Eher Ängstlich/Vorsichtig,oder pasiv.
Oder Freudig.
Dan wie reagieren die Betreuer/gehen mit den zu Betreuenden um.
Wirken sie gestreßt/genervt,oder gehen sie Freundlich /Akzeptierend mit Ihnen um.
Wird auf die Interessen/Wünsche/Hobys der zu Betreuenden Rücksicht genommen.
Wie viel “Freiheit“/Selbstbestimmung haben die zu Betreuenden im Rahmen Ihrer Möglichkeiten.
All das wahren Dinge,die mir unter anderem auch wichtig wahren.
Mein Sohn füllt sich wohl,das ist das wichtigste.
Wenn die Einrichtung bleibt wie sie ist,werd ich in ein Paar Jahren wenn Platz ist auch meinen 2Sohn dahin geben.
Aber bis dahin ist noch etwas Zeit.
Er ist erst 12.

VG
Fuer Wunder brauchen wir Augen,die sehen und EIN Herz,DAs versteht ,fuer EIN Wunder zu Danken.

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Rob
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Beitragvon Rob » 20.08.2018, 22:17

Hallo, Silvia,

zu Deiner Frage: "Und da frage ich mich auch: Ist es gescheiter, wenn die Betroffenen dort wohnen, wo sie auch unter Tags sind, oder wenn da eine gewisse Entfernung ist?"

Meiner Ansicht nach sollte ein Zwei-Milieu-Prinzip verfolgt werden. Schau Dir dazu auch mal die Stellungnahme der Lebenshilfe auf Seite 20 an (Link: https://www.lebenshilfe-sh.de/wData/doc ... listLink=1)

Einen schönen Gruß

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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 21.08.2018, 15:03

Hallo alle Zusammen,

so gestern haben Ben, mein Mann und ich uns die erste Einrichtung angesehen.
Sie ist ganz in unserer Nähe. Auf uns machte sie einen ganz passabellen Eindruck.Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer. Ein junger Bewohner hat uns freiwillig sein Zimmer gezeigt. Dort ist alles notwendige wie eigenes Waschbecken, Bett,Art Schreibtisch, Kleiderschrank. Und auch noch Platz für eigene Möbelstücke.Die Einrichtung ist in unserer Gemeinde. Wir wohnen südlich von Hamburg.Aufnahmekriterien erfüllt Ben. Jetzt kommt aber das große ABER. Er könnte zwar als Einwohner unserer Gemeinde oder des Landkreises dort aufgenommen werden. Die nehmen im Moment pro Jahr 4 Bewohner auf. Aber das Verhältnis dazu ist: 3 Hamburger Bewohner und einen aus unser wie beschrieben aus unser Region. Da kann man sich ja denken, dass es sehr lange dauern kann bis man aufgenommen wird. Warum es überwiegend Hamburger sind verstehe ich nicht so recht, weil diese Einrichtung ja in Niedersachsen ist. Wir haben uns auf die Interessenliste setzten lassen.
Autisten mit geistiger Behinderung wohnen dort auch. Dort ist es auch Vorausetzung eine geistige Behinderung zu haben.

Und das wird auf sicher nicht die letzte Einrichtung sein die wir uns ansehen.
Ich halte euch auf den laufenden. Meinen Fragezettel hatte ich auch dabei gehabt wie der Betreuungsschlüssel aussieht, Freizeitmöglichkeiten etc.


LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

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Beitragvon Rob » 21.08.2018, 22:07

Hallo Andrea5,

das ist eine sehr eigenartige Beschränkung. Vielleicht ist der Träger der Einrichtung vertraglich mit dem überörtlichen Sozialhilfeträger an diese Platzbelegung gebunden. Denkbar ist aber auch eine andere (betriebswirtschaftliche) Konstellation. Handelt es sich um einen "großen" Hamburger Leistungserbringer / Träger?

Hier gibt es eine Möglichkeit, nach weiteren Angeboten zu suchen - allerdings mit der Einschränkung, dass nur ein paar Leistungserbringer aufgeführt sind.

http://www.nueva-online.info/de/Angebote/

Und hier wäre z.B. eine andere Datenbank, die sich allerdings auf Angebote in Hamburg bezieht. Die Daten sind aber teilweise sehr veraltet (z.B. Fachkraftquote).

https://gateway.hamburg.de/hamburggatew ... e/?sid=101

Gerade was diese Fachkraftquote angeht, kann es sogar von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Begrifflichkeiten geben. Am besten ist es, man fragt danach, wie hoch der Anteil an Stellen ist von Fachkraften mit 3jähriger Ausbildung, mit 2jähriger Ausbildung und den Nichtfachkräften. Das gibt einem zwar keine Sicherheit, was die Qualität der Leistung betrifft, aber es ist schon ein Merkmal, dass hinterfragt werden kann.

Alles Gute.

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Beitragvon Silvia & Iris » 27.08.2018, 17:58

Liebe Natascha,

wegen Personalausfälle habe ich mich jetzt erkundigt...

Das Personal ist so aufgestellt, dass es - auch bei Ausfällen (unerwartet) alle zu erledigenden Arbeiten erledigen kann. Auf auswärtige Arbeitskräfte wird nicht zugegriffen. - Wobei da Wohnheim und Arbeitsstätte / Tageseinrichtung unterschiedlich aufgestellt sind.


LG

Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon IlonaN » 28.08.2018, 08:08

Hallo Andrea5,
Meine Autistische Tochter (25) lebt seit April in einer Einrichtung, auf den freien Platz haben wir 3 Jahre gewartet. gerade für Autisten ist es schwierig etwas passendes zu finden. Uns war es wichtig sie auf ein leben mit ambulanter Betreuung vorzubereiten(ob sie es wirklich mal soweit schafft werden wir sehen). Daher war nur ein einzelnes Zimmer nicht unsere Vorstellung, noch dazu mit Waschbecken drinn, das war uns zu unpersönlich zu Krankenhausmäßig, aber da ist ja jeder anders. wir haben uns für eine Einrichtung entschieden wo Maria sich mit einer andern Jungen Frau eine Art Wohnung teilt. Jeder hat sein eigenes Zimmer mit Balkon und sie teilen sich eine große Wohnküche, das Bad und den Flur.Sie bekommt ihr verpflegungsgeld wöchentlich ausgezahlt, es fährt jemand mit ihr Einkaufen, sie kann Hilfe beim Kochen und Waschen bekommen. Es schaut immer jemand nach dem rechten, es werden ausflüge organisiert und Arbeit und Wohnen sind getrennt, das war uns auch sehr wichtig. Der betreuungsbedarf wird halbjährlich in Gesprächen neu ermittelt. Von der äußeren Optik gibt es moderneres, aber unser Bauchgefühl sagte ja dazu und hat uns bis jetzt nicht betrogen.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Beitragvon Engrid » 28.08.2018, 10:27

Hallo Illona,

das hört sich ziemlich gut an. Darf sie in dieser Wohnform und in dieser Wohnung unbegrenzt bleiben? Oder gibt es einen Zeitrahmen, und wenn sie es schließlich nicht alleine schafft, muss sie in eine Wohnform mit weniger Coaching und Aktivierung?

Grüße
Engrid
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Beitragvon IlonaN » 28.08.2018, 10:34

Hallo Engrid,
Sie darf, wenn Sie möchte dort ewig leben. wenn sie es schafft durch mehr Aktivierung etwas mehr auf Menschen zuzugehen und alleine z.B. Einkaufen , ihr Zeitmanagment besser im Griff haben würde, könnte sie auch mal alleine leben mit ambulanter Unterstützung. Sie bieten dort z.B. vor Übersiedlung in die komplett eigene Wohnung ein einzelwohnen zum üben an. Im Moment gefällt es ihr so wie es ist gut und sie hat schon Fortschritte gemacht. Neulich war sie das erstemal mit einer Freundin etwas Einkaufen. Seit sie dort wihnt hat sie es schon geschafft 2-3 mal mit uns zu telefonieren(nicht nur zu schreiben) und sich Hilfe beim Betreuer einzufordern. Das sind enorme entwicklungsschritte für sie.
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Beitragvon Rob » 28.08.2018, 21:51

Einen schönen Abend in die Runde.

Hier noch mal ein paar Gedanken zu Personal, Konzeption und Wohnen.

Eine gute Personalausstattung ist natürlich prima. Man kann darunter einen guten Betreuungsschlüssel verstehen, z.B. 1:3,75 für Werkstattgänger in einer Wohneinrichtung für erwachsene, behinderte Menschen. Doch der muss eingehalten werden. Die Vorgabe bzw. das, was in einer Leistungsvereinbarung vorgegeben ist, reicht nicht aus. Wichtig ist, dass kaum Einzeldienste stattfinden und selten Notfall-Fremdpersonal benötigt wird; ein gut eingespieltes Stammpersonal ist schon ein Gewinn. Mini-Jobber, Ehrenamtliche oder sogar FSJ/BFD’ler können mit dabei sein, aber sollen nur „bereichern“ und nicht zum einzig verlässlichen Personalkörper gehören.

Tarifbindung ist ganz hilfreich, aber kein Garant für wirklich zufriedenes Personal. Große Träger können trotz Tarifzugehörigkeit im Dauer-Clinch mit dem Betriebsrat liegen, was den Betriebsfrieden sehr belastet. Sie können aber auch für eine sehr gute Arbeitskultur sorgen und sogar intern Fachkonferenzen organisieren.

Leider finden sich immer wieder Leute, die diesen Beruf aus ganz anderen Gründen ausüben. Ein hoher Krankenstand oder eine ständige Fluktuation könnten dafür ein Anzeichen sein. Darüber wird aber nicht sehr viel geredet. Auch eine Veröffentlichung von Statistiken über die psychische Belastung von Betreuungspersonal (§ 53 TVöD-BT-B) wäre ganz interessant. Ein Anzeichen für eine solche Über-Belastung wäre es, wenn Mitarbeiter „gleichzeitig“ und „zusammen“ (Zigaretten-) Pause machen, so dass plötzlich niemand da ist. Für mich ein Alarmzeichen – ich erinnere hier mal an die Reportage des Wallraff-Teams vom Februar 2017.

Diese eine Sache mit dem wöchentlichen Verpflegungsgeld ist eine gute Idee. Die Menschen, die in stationären Einrichtungen sehr viel Unterstützung bekommen, können damit etwas selbstbestimmter und „eigensinniger“ ein Leben führen. Sie können ausprobieren und lernen, haben aber gleichzeitig immer noch den Schutzraum der Einrichtung.

Mehrbett-Zimmer bieten eigentlich keine Privatsphäre. Und viele Bewohner brauchen eine offene Tür, um die Nähe zu den anderen zu spüren. Es scheint, dass Wohngemeinschaften immer beliebter werden, also eine große Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit einem Bewohner pro Zimmer (aber nicht pro halbes Zimmer). Das Wohnen in einem Studentenwohnheim mit ambulantem Betreuungsdienst ist auch eine Möglichkeit, allerdings nicht für jeden Menschen etwas.

Es gibt sehr viele Qualitätsmerkmale. Die Heimaufsichten wissen, „ein Lied davon zu singen“.

Alles Gute.

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Senem
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Beitragvon Senem » 29.08.2018, 07:00

Hallo,

in unserer Einrichtung spüre ich gerade am eigenen Leib, wie heftig der Personalmangel ist!! Es ist unerträglich!

Und das Geld, spiel eine große Rolle. Also kann ich wieder sagen: Geld regiert die Welt! Warum ausgerechnet für die wichtigsten Unternehmen oder Dinge Geld fehlt, tja.... :roll:

Ich habe manchmal die Befürchtung und Angst, das man so verzweifelt nach Personal sucht, dass man einfach irgend jemanden einstellt.
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen


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