Hyperaktivität "triggern"

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Ilka_Mama
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Hyperaktivität "triggern"

Beitrag von Ilka_Mama »

Hallo ihr Lieben,
Unsere Tochter hat die Diagnose noch nicht all zu lange und bekommt auch (noch) keine Medikamente.

Mir ist schon immer mal wieder aufgefallen, dass sie oft noch komplett aufdreht, nachdem sie sich ausgetobt haben sollte. Wir gehen den ganzen Nachmittag ins Schwimmbad. Sie schwimmt und planscht und turnt durch die Gegend. Im Anschluss ist sie nicht ruhiger, sondern noch deutlich wilder und aktivier, als sonst.

Kennt ihr das? Ist das "typisch"? Man sagt ja ständig ADHS sei das A und O bei ADHS. Bei uns bringt Sport absolut keine Ruhe.

Lg

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

diejenigen die sagen, ADHSler müssten sich nur mal richtig austoben, das sind diejenigen, die keine Ahnung von ADHS haben. Austoben ist schon auch gut zur rechten Zeit, aber Runterfahren lernen ist mindestens genauso wichtig. Dabei kann zb eine gute Verhaltenstherapie oder/und eine gute Ergotherapie helfen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Anjali
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Beitrag von Anjali »

Hallo,
vielleicht spielt die Umgebung auch eine Rolle?
Ein Schwimmbad ist ja nicht gerade eine reizarme Umgebung.
Dort ist es in der Regel laut und wuselig und gerade im Hochsommer auch recht grell.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

JohannaG
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Beitrag von JohannaG »

Hallo IlkaMama,

ich hab zwei betroffene Kinder, und kann aus meiner Erfahrung sagen: Bewegung und Aktivität sind schon gut - aber nicht im Exzess, zur richtigen Zeit und in der richtigen Umgebung.

Das heißt:
- wirklich kräftig aktiv sein, das ist gut. Aber "wildes toben" putscht auf. so kann es z.B. für meine große Tochter sehr hilfreich sein, wenn die eine halbe Stunde auf dem Trampolin springt, und da ihre Ruhe hat. Aber wenn drei Kinder auf dem Trampolin durcheinander toben, dann wird sie eher aufgedrehter.

- körperliche Aktivität sollte deutlich vor dem schlafen gehen abgeschlossen sein. "Müde toben lassen" und dann gleich ins Bett gehen, das funktioniert bei uns nie. Meine Kinder brauchen wirklich lang, um sich in einen "Ruhemodus" runter zu fahren. Das geht schon, aber nicht von jetzt auf gleich.

- Umgebung spielt eine große Rolle. Schwimmbad ist für meinen Sohn die Hölle, weil viel zu laut und wiselig und unübersichtlich. Der dreht da in der Regel total ab. Meine Tochter kommt inzwischen besser klar damit, aber als sie jünger war, ist sie uns im Schwimmbad auch öfter mal aus lauter Überforderung völlig geflippt und nur noch rumgerannt. Jetzt kann sie sich im Schwimmbad ziemlich in sich selbst zurückziehen und nur ihr Ding machen, aber das hat sie vielleicht in den letzten zwei JAhren gelernt (sie ist jetzt 13).

Was bei meinen Kindern ziemlich gut ist zum Energie abeiten: Fahrrad fahren (Sohn), Trampolin springen (Tochter) - aber nach Möglichkeit allein.

Liebe Grüße!

Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

Ilka_Mama
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Beitrag von Ilka_Mama »

Hallo,
Vielen Dank für eure Antworten. Dass wildes Toben aufdreht, erschließt sich mir ja noch. Wobei sie eben auch aufdreht, wenn sie auf dem heimischen Trampolin in Garten hüpft oder nach dem Kinderturnen (wobei da eben auch wieder mehrere Kinder dabei sind).

LG
Lena

Anjali
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Beitrag von Anjali »

Deine Tochter hat ja nicht nur ADHS. Wie ich einem anderen Thread entnehmen konnte, ist sie auch autistisch.
Die Kombination Autismus/ADHS würde ich nicht unterschätzen.
Durch Austoben alleine wird sie die vielen Reize, die täglich auf sie einströmen, wahrscheinlich nicht ausreichend verarbeiten können. Zumal es -je nach Umgebung und Situation- beim Austoben ja auch zu Reizüberflutungen kommen kann.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Gertrud Braun
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Beitrag von Gertrud Braun »

Hallo,

kann es vielleicht Unterzuckerung wg. Verausgabung beim Sport sein?

Unser Kind ist nach dem Sport auch jedesmal massiv überdreht.

Ich führe seitdem eine Packung Müsliriegel oder einen halben Liter Schokomilch mit, die ich ihm beim Abholen vom Sport direkt zum Essen gebe.

Man kann von Riegel zu Riegel sehen, wie es ruhiger wird.

Vielleicht einfach mal ausprobieren.

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