Aktuell Diagnose ASS mit Zwangsstörungen

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KathtinK
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Aktuell Diagnose ASS mit Zwangsstörungen

Beitragvon KathtinK » 29.07.2018, 22:06

Hallo an alle
Danke das ich hier bei euch sein darf.
Ich habe mich hier angemeldet wegen meines 12 jährigen Sohnes Jonas.
Um ganz vorne zu beginnen...Jonas wurde 6 Wochen zu früh geboren und entwickelte kurz nach der Geburt einen bösartigen Tumor am Gesäß. Daraufhin musste er zahlreiche Operationen durchstehen und auch seinerzeit eine Chemo. Er hat dies alles geschafft obwohl es manchmal nicht danach aussah.
Er war in den folgenden Jahren immer irgendwie "anders" nur konnte man nicht genau greifen warum. Soziale Interaktion war nicht möglich, er konnte die Denkensweise und Gefühlsregungen anderer Menschen nicht erkennen z.B. Er war motorisch ungeschickt und bekam Förderung jeglicher Art.
In der Schule hatte er 2 1/2 Jahre eine I Kraft die er aber zum Schluss ablehnte. Er hat einen Förderstatus ESE und Lernen. Ich hegte schon länger den Verdacht das er im Autismusspektrum sein könnte und habe auf meinen Wunsch hin eine Autismustestung angestrebt im Frühjahr beim KJP. Es wurde jetzt eine ASS final diagnostiziert. Als Komorbidität einhergehend starke Zwangsstörungen. Der KJP empfahl die Gabe von Fluvoxamin. Wir befinden uns grade in der Eindosierungsphase. Er bekommt 50 mg ( 2 x 1/2 ) am Tag. Heute sollte ich raufdosieren auf 100 mg ( 2 x 1 ) Nun trat heute eine richtige Panikattacke bei ihm auf mit Suizidgedanken. Die Attacke war ca. 1 1/2 Stunden und hat mich sehr verstört. Ich war drauf und dran in die KJP Ambulanz zu fahren in unserer Nähe weil ich es mit der Angst zu tun bekam. Eine etwaige Verstärkung von suizidalen Gedanken in der Eindosierungsphase wird sogar explizit beschrieben und der KJP hat uns auch darüber aufgeklärt.

Ich habe grade das Gefühl ich weiß garnicht mehr was richtig ist und falsch. Der Vater meines Sohnes (es gibt auch noch seine 8 jährige Schwester die auch total verstört war auf Grund der Panikattacke ihres Bruders) umd ich sind seit 7 Jahren getrennt und haben uns immer einigermaßen verstanden bis zum Zeitpunkt des Beginns der Zwangsstörungen vor ca. 7 Monaten. Er unterstellt mir ich wolle Jonas nur ruhigstellen und hat das in Anwesenheit des KJP und auch unseres Sohnes so gesagt. Ich war schockiert. Die Schule beschreibt Jonas' Zwangshandlungen ähnlich wie ich und mein langjähriger Lebensgefährte sieht die Problematik auch als gravierend und unterstützt mich.

Gibt es unter euch Eltern, die ein Kind im ASS haben das auch unter Zwangshandlungen leidet und ggfs. medikamentös unterstützt wird? Komme mir heute nach diesem Vorfall so vor als wüsste ich garnicht mehr wie ich meinem geliebten, besonderen Jungen helfen soll. Er sagt er will das Medikament nicht. Sein Vater hat ihm das mehrfach auch so eingeflüstert.

Danke für euer Ohr

Liebe Grüße von einer völlig am Boden zetstörten Kathi

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Anjali
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Beitragvon Anjali » 30.07.2018, 10:04

Hallo Kathi,

Herzlich willkommen im Forum🌞

Mein Sohn hat(te) immer mal wieder leichtere Zwänge.
Ein besonders einschränkender Zwang konnte innerhalb einer Autismustherapie auf überraschend „einfache“ Weise behandelt werden.
Mit Medikamenten haben wir keine Erfahrung.

Ist denn (begleitend) zur medikamentösen Therapie auch eine Verhaltenstherapie angedacht oder vielleicht schon in die Wege geleitet worden?

Magst du uns die Zwänge deines Sohnes etwas näher beschreiben?
Schränken sie euren Alltag sehr ein?
Leidet dein Sohn auch unter seinen Zwängen bzw. möchte er sie unbedingt loswerden?

Ich frage deshalb, weil es manchmal nicht so einfach ist, Zwänge von Stereotypien zu unterscheiden.
Den Unterscheid könnte man -grob verallgemeinernd- so beschreiben: Zwänge werden von den Betroffenen selbst als quälend/störend empfunden, Stereotypien als angenehm/erleichternd.

Hast du eine Ahnung, was vor 7 Monaten ein Auslöser für die Zwänge gewesen sein könnte?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

rena99
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Beitragvon rena99 » 30.07.2018, 13:40

Hallo Kathi,

vor 7 Jahren ging es mir genau wie dir. Ich habe auch ein Kind mit stark autistischen Zügen und einer massiven Zwangsstörung.

Erst einmal: meine Tochter hat wieder gut ins Leben zurückgefunden. Aber man braucht Geduld.

Ich unterschreibe erst mal bei Anja und bestätige gerne, was sie geschrieben hat.

Zwänge sind etwas sehr belastendes für die ganze Familie und besonders für die, die den tägichen Umgang mit den Zwänglern haben. Fühl dich also erst mal unterstützt.

Der Einsatz von Medikamenten erfolgt in der Regel zusammen oder knapp vor einer Verhaltenstherapie. Bei Autisten gibt es da noch einige Besonderheiten zu beachten, sowohl, was mögliche Nebenwirkungen als auch was den Umgang miteinander angeht. Hat euer KJP dazu etwas gesagt? Oder soll das Medikament erst einmal den Leidensdruck mindern?

Auf jeden Fall braucht eine Zwangserkrankung auch familientherapeutische Begleitung. Denn man rutscht da schnell in eine Abwärtsspirale, wenn man die Zwänge untersützt oder für den Betroffenen ausführt. Bei Autisten muss man natürlich auch schauen, wie sich das von autismusspezifischen Stereotypen abgrenzt.

Alles wirklich nicht einfach. Wenn du Fragen hast, nur zu. Wie Anja schon schrieb, ohne genauere Beschreibung ist es schwierig zu raten. Wobei echte Zwänge eh in die Hand von erfahrenen KJPs gehören. Da kann ein Forum nur unterstützen.

Bei uns ist es auch ohne Medikamente gegangen (unsere Tochter hat die abgelehnt und die Behandlungsleitlinien für Zwänge enthalten auch den nicht-medikamentösen Weg), aber das kommt sehr auf den Einzelfall an und erfordert viel Kooperationsbereitschaft vom Betroffenen.

Panikattacken haben wir übrigens auch gehabt (auch ohne Medikamente), ich kann mich noch gut erinnern, wie hilflos ich mich gefühlt habe. Allerdings war meine Tochter nicht suizidal. Zwar sagte sie, sie wolle "so" nicht leben, aber nicht, dass sie an sich nicht mehr leben möchte. Da Abgrenzung ist wichtig. Wollte es wirklich Richtung Suizidgedanken gegangen sein, dann würde ich mich direkt wieder an den KJP wenden.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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Beitragvon nettie75 » 30.07.2018, 23:19

Hallo Kathi,

Ich klinke mich mal ein. Meine Tochter hat ebenfalls ASS, ADS und eine zwanghafte Angststörung. Aktuell wechseln wir von Medikinet auf Concerta. Eigentlich klassische ADHS Medikamente, die meiner Tochter aber "filtern" helfen und die Zwanghaftigkeit der Angstgedanken mindert (weg sind sie so definitiv nicht, aber sie wird etwas mobiler. Zuvor hatten die Ängste dazu geführt, dass sie ihr Zimmer nicht verlassen hat.. )
Ich bzw wir haben uns und tun uns noch immer sehr schwer, so starke Medikamente zu geben. Allerdings war der Leidensdruck unserer Tochter seeehr groß (mit suizidalen Gedanken, Isolation,...) und sie beschreibt die Wirkung selber sehr genau. Um bessere Strategien bei Ängsten kennen zu lernen und um ihr Selbstbewusstsein zu stärken waren wir gerade 6 Wochen zur Reha in Wangen. Parallel geht sie zwei Stunden die Woche zur Autismustherapie.

Deine Unsicherheit in Bezug auf die Medikamente verstehe ich sehr gut, allerdings geht es ja in keinster Weise um ein Ruhigstellen, sondern in erster und einziger Linie um eine (1.) Hilfe für deinen Sohn.
Alles Gute
Nettie
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T1 *2005 und
T2 *2008, Asperger, leichte LRS, Laktose- und Fruktoseintoleranz, ADS und Angststörung
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Beitragvon nettie75 » 30.09.2018, 21:21

Hallo Kathi,
Ich wollte mal hören, wie es bei euch mit dem fluvoxamin weiter gegangen ist. Ist eine Besserung eingetreten, haben die Nebenwirkungen nachgelassen? Wie verträgt dein Sohn das Medikament?
Wir schleichen es auch gerade ein, zusätzlich zu Concerta. Ich bin nicht gerade glücklich über die beiden Medikamente, allerdings ist die Not meiner Tochter (und damit auch unsere) so groß, dass wir bereit sind, es zu versuchen. Die Ängste, Zwänge und Depressionen sind einfach zu heftig.

Wäre toll von dir zu hören.
Lg Nettie
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Beitragvon Petty » 14.11.2018, 10:43

Hallo, ich klinke mich hier auch mal ein. Mein sohn(15) ist AspergerAutist
und hat zurZeit auch sehr starke zwänge.
Die Ärztin hat jetzt auch überFluvoxamin nachdedacht.
Wir würden das zwar gerne vermeiden, aber angeblich ist das das einzige Medikament gegen Zwänge, dass Kinder bekommen dürfen.
Auf einen Autismustherapieplatz warten wir zur Zeit

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Beitragvon nettie75 » 14.11.2018, 11:34

Hallo Petty,

Mittlerweile kann ich von unseren Erfahrungen mit Fluvoxamin berichten. Meine Tochter nimmt das jetzt seit Anfang Oktober und ihr geht es damit viieel besser. Sie ist im haben zufriedener und entspannter und nicht mehr so verzweifelt. Auch lässt sie sich schneller aus den "Teufelskreisen" holen. Manche Zwänge (waschzwänge, Zwänge immer wieder bestimmte Fragen zu stellen, Dinge in bestimmten Reihenfolge zu machen...) haben weiterhin Bestand, aber es ist lange nicht mehr so extrem wie vorher. Sie klagt vor allem abends über Kopfschmerzen, das war aber vorher schon immer Thema.
Wünsche euch alles Gute
Lg Nettie
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Beitragvon rena99 » 14.11.2018, 11:40

Hallo Kathi,
Ich wollte mal hören, wie es bei euch mit dem fluvoxamin weiter gegangen ist. Ist eine Besserung eingetreten, haben die Nebenwirkungen nachgelassen? Wie verträgt dein Sohn das Medikament?
Wir schleichen es auch gerade ein, zusätzlich zu Concerta. Ich bin nicht gerade glücklich über die beiden Medikamente, allerdings ist die Not meiner Tochter (und damit auch unsere) so groß, dass wir bereit sind, es zu versuchen. Die Ängste, Zwänge und Depressionen sind einfach zu heftig.

Wäre toll von dir zu hören.
Lg Nettie
Wie geht es euch denn im Moment? Hat euch die Reha etwas gebracht? Deine Tochter ist ja noch vergleichsweise jung. Da ist, denke ich, der medikamentöse Weg auf jeden Fall richtig, da es ohne Medikamente die Einsichtsfähigkeit und den absoluten Willen des Betroffenen erfordert, die Verhaltenstherapie anzugehen und durchzuhalten. Das ist von einem jungen Kind sicher zuviel verlangt. Also: geißel dich da nicht.

Auf jeden Fall sollte eine medikamentöse Behandlung durch ein Psychotherapie begleitet werden.

LG
Rena

P.S. Sehe gerade, dass du parallel auch Petty geantwortet hast. Ich lasse meinen Text trotzdem mal stehen.
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Beitragvon nettie75 » 14.11.2018, 11:49

Hallo Rena,

Lieb, dass du fragst.
Aktuell geht es unserer Tochter ganz gut und die Lage entspannt sich etwas. Das macht uns die Entscheidung, die Medikamente zu geben sehr viel leichter. Aktuell nimmt die zu 100 mg Fluvoxamin morgens concerta und abends eine halbe circadin (Ja, ich weiß die sind eigentlich nicht teilbar und die retardwirkubg wird so aufgehoben, uns fehlen aber Alternativen dazu) und 50mg Fluvoxamin.
Vor den Medis ging gar nichts mehr und ich hatte schon Sorge, dass wir eine Alternative zur Regelschule finden müssten, bzw sprach der KiArzt von einer Einweisung in die KJP.
Von der Reha hatte ich mir idiotischerweise versprochen, die Anspannung aus unserer Tochter zu nehmen und ggf bessere Medikamente zu
N *1975 mit Mann *1974
T1 *2005 und
T2 *2008, Asperger, leichte LRS, Laktose- und Fruktoseintoleranz, ADS und Angststörung
Schreibe am Handy, daher gilt: Wer Fehler findet, darf sie behalten☺

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Beitragvon nettie75 » 14.11.2018, 11:53

Hallo Rena,

Lieb, dass du fragst.
Aktuell geht es unserer Tochter ganz gut und die Lage entspannt sich etwas. Das macht uns die Entscheidung, die Medikamente zu geben sehr viel leichter. Aktuell nimmt die zu 100 mg Fluvoxamin morgens concerta und abends eine halbe circadin (Ja, ich weiß die sind eigentlich nicht teilbar und die retardwirkubg wird so aufgehoben, uns fehlen aber Alternativen dazu) und 50mg Fluvoxamin.
Vor den Medis ging gar nichts mehr und ich hatte schon Sorge, dass wir eine Alternative zur Regelschule finden müssten, bzw sprach der KiArzt von einer Einweisung in die KJP.
Von der Reha hatte ich mir idiotischerweise versprochen, die Anspannung aus unserer Tochter zu nehmen und ggf bessere Medikamente zu bekommen. Dazu haben die 6 Wochen jedoch nicht gereicht. Es war aber trotzdem gut, weil wir eine ganz intensive Zeit zusammen hatten und uns beiden viel klar geworden ist und wir viel besser besprechen können jetzt, was geht und was nicht.
Zur Autismus Therapie geht sie ja zusätzlich auch.
Im Moment geht es also wieder bergauf, die Baustellen werden kleiner...
Wie läuft es denn bei euch aktuell?
LG Nettie
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