Aktuell Diagnose ASS mit Zwangsstörungen

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rena99
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Beitragvon rena99 » 14.11.2018, 16:42

Hallo nettie,

na, da drücke ich die Daumen, dass es weiterhin bergauf geht und sich stabilisiert. Wundere dich aber nicht, wenn das mit dem richtigen Einsetzen der Pubertät erst noch mal wieder schlimmer wird. Nie ist die Schere größer zwischen intellektuellem und emotionalem Verständnis als zu Beginn der Pubertät, gerade bei einem HB- und Autismus-Kind. Das ängstigt und muss verarbeitet werden.

Bei uns geht es im Moment wirklich gut. Die oben erwähnte Schere schließt sich ja irgendwann tatsächlich von selber. Ob man real 15, vom Kopf her 19 und emotional 11 ist, macht eine Riesenunterschied. Wenn man dann 20 ist, ist das dann alles nicht mehr ganz so dramatisch.

Was geblieben ist, ist alles, was mit Autismus zu tun hat und dies führt zu vielen Stress-Situationen im sozialen Kontext. Weil meine Tochter vieles will, was ihr aber eigentlich gar nicht so gut tut, braucht sie entsprechend viele Auszeiten, um sich zu erholen. Die Zwangsstörung ist weitesgehend abgeklungen, aber nicht weg. So etwas ist chronisch, egal, was Ärzte einem da sagen. Man gilt den Leitlinien nach als "geheilt", wenn die Störung den Alltag nicht mehr negativ beeiträchtigt. Und das hat meine Tochter geschafft. Man darf aber nicht vergessen, dass Zwänge immer hinter der nächsten Kurve lauern und in Stresssituationen wieder auftreten können. Das ist natürlich für Autisten besonders doof, weil die Stresssituationen sich im Alltag ja nun durchaus häufen.

Aber im Moment, toi toi toi, klappt es wirklich gut und aus meinem Kind, das das Zimmer nicht mehr verlassen wollte, ist eine echte junge Persönlichkeit geworden, die auch ein wenig Frieden mit sich gefunden hat.

Diese Entwicklung wünsche ich euch auch. Und man darf auch wirklich dankbar sein, dass die hohe Begabung einfach mehr Mittel zur Bewältigung des Alltags bereitstellt.

Ich freue mich über jeden Tag, der gut läuft und weiß aber auch, dass es morgen wieder anders sein kann. Das ist etwas, was wir alle gelernt haben, schöne Tage einfach zu genießen.

Wenn du ein Ohr zum Ausheulen brauchst, nur zu, dann schick mir einfach eine PN. Ich glaube, denn Alltag mit einer Zwangserkrankung muss man tatsächlich erlebt haben, sonst kann man das kaum glauben.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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Petty
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Beitragvon Petty » 14.11.2018, 17:19

Hallo Nettie.
danke für Deine schnelle Antwort.
wie ist das denn mit den Nebenwirkungen?
Als der Autismus noch nicht bekanntwar bei meinem Sohn hat er lange Zeit Abilify bekommen und etliche Nebenwirkungen mitgenommen.
Da sind wir natürlich etwas vorsichtig.Aber passieren muß was

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nettie75
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Beitragvon nettie75 » 14.11.2018, 17:48

Hallo Rena,

Oh ja, die Pubertät 🙈! Selbst aktuell ist jeder Tag anders und mal entspannt, mal explosiv. Und sie ist immer noch völlig platt nach der Schule und nur zu Hause. Allerdings verlässt sie jetzt wieder das Zimmer und nimmt auch mal an Familien Aktivitäten teil.
Aber du hast bestimmt recht, viele Zwänge werden sie bestimmt lange begleiten. Da versuchen wir Lösungen zu finden und immer besser lässt sie sich auch darauf ein. Z.B. hat sie durch ihren Waschzwang offene Hände gehabt und konnte trotzdem nicht aufhören zu waschen und Creme nicht zulassen. Jetzt kann ich sie eher stoppen oder Vereinbarungen treffen und an 5 von 7 Nächten(hart verhandelt) trägt sie jetzt Handschuhe über einer Schicht bepanthen.
Also du siehst, wir freuen uns an der kleinen Dingen.
Ebenso in der Schule, sie schafft jetzt zwar alle Stunden mit Begleitung in der Schule zu bleiben aber nur ca 60%davon auch im Klassenraum. Mal sehen was die Lehrerinnen nächste Woche am Elternsprechtag dazu sagen. Danke dir für das Angebot mit der PN😊

@Petty: Nebenwirkungen halten sich in Grenzen, zumindest bei der Kombi jetzt. Man muss aber immer erst provozierten, was zum Kind passt. Wir hatten z.b. erst Medikinet, das passte irgendwie nicht so gut. Der Abfall nachmittags bzw mittags war zu heftig. Mit Concerta geht das besser. Ebenso Fluvoxamin: es sollten die 100mg abends genommen werden, davon musste aber meine mindestens zweimal nachts auf die Toilette. Als dann noch 2mg circadin dazu kamen, führte das dazu, dass sie sich plötzlich wieder eingenässt hat. Das hat meine Tochter verrückt gemacht, eigentlich passiert das nämlich nicht. Wir haben dann ausprobiert und nehmen die 100 mg Fluvoxamin morgens und teilen einfach die circadin. Jetzt schläft sie zwar nicht mehr durch aber dafür wird sie wach wenn sie zur toilette muss.
Und was wir merken, was einmal funktioniert muss nicht von Dauer sein. Ändert sich der Hormonhaushalt bspw muss wieder geschaut werden...
Euch alles Gute bei der Einstellung

LG Nettie
N *1975 mit Mann *1974
T1 *2005 und
T2 *2008, Asperger, leichte LRS, Laktose- und Fruktoseintoleranz, ADS und Angststörung
Schreibe am Handy, daher gilt: Wer Fehler findet, darf sie behalten☺

Caroline27
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Re:

Beitragvon Caroline27 » 29.09.2019, 06:56

rena99 hat geschrieben:Hallo nettie,

na, da drücke ich die Daumen, dass es weiterhin bergauf geht und sich stabilisiert. Wundere dich aber nicht, wenn das mit dem richtigen Einsetzen der Pubertät erst noch mal wieder schlimmer wird. Nie ist die Schere größer zwischen intellektuellem und emotionalem Verständnis als zu Beginn der Pubertät, gerade bei einem HB- und Autismus-Kind. Das ängstigt und muss verarbeitet werden.

Bei uns geht es im Moment wirklich gut. Die oben erwähnte Schere schließt sich ja irgendwann tatsächlich von selber. Ob man real 15, vom Kopf her 19 und emotional 11 ist, macht eine Riesenunterschied. Wenn man dann 20 ist, ist das dann alles nicht mehr ganz so dramatisch.

Was geblieben ist, ist alles, was mit Autismus zu tun hat und dies führt zu vielen Stress-Situationen im sozialen Kontext. Weil meine Tochter vieles will, was ihr aber eigentlich gar nicht so gut tut, braucht sie entsprechend viele Auszeiten, um sich zu erholen. Die Zwangsstörung ist weitesgehend abgeklungen, aber nicht weg. So etwas ist chronisch, egal, was Ärzte einem da sagen. Man gilt den Leitlinien nach als "geheilt", wenn die Störung den Alltag nicht mehr negativ beeiträchtigt. Und das hat meine Tochter geschafft. Man darf aber nicht vergessen, dass Zwänge immer hinter der nächsten Kurve lauern und in Stresssituationen wieder auftreten können. Das ist natürlich für Autisten besonders doof, weil die Stresssituationen sich im Alltag ja nun durchaus häufen.

Aber im Moment, toi toi toi, klappt es wirklich gut und aus meinem Kind, das das Zimmer nicht mehr verlassen wollte, ist eine echte junge Persönlichkeit geworden, die auch ein wenig Frieden mit sich gefunden hat.

Diese Entwicklung wünsche ich euch auch. Und man darf auch wirklich dankbar sein, dass die hohe Begabung einfach mehr Mittel zur Bewältigung des Alltags bereitstellt.

Ich freue mich über jeden Tag, der gut läuft und weiß aber auch, dass es morgen wieder anders sein kann. Das ist etwas, was wir alle gelernt haben, schöne Tage einfach zu genießen.

Wenn du ein Ohr zum Ausheulen brauchst, nur zu, dann schick mir einfach eine PN. Ich glaube, denn Alltag mit einer Zwangserkrankung muss man tatsächlich erlebt haben, sonst kann man das kaum glauben.

LG
Rena


Hallo Rena,

Ich habe den Beitrag nach oben geholt, da ich gerade große Sorge um meinen autistischen Sohn habe. Er hat massive Zwänge entwickelt u. A. mit starken Aggressionen. Er kommt mit dem Wetter nicht zu recht und möchte auch im Winter am Liebsten im T Shirt gehen . Er fragt auf seine Art 100mal in einer halben Stunde ob er den Pulli anlassen muss. Er rutscht immer weiter rein. Bei schlechtem Wetter ist es sehr extrem. Man kommt nicht mehr an ihn ran. Er wird immer agressiver(Anfang der Pubertät) und die Therapeuten wissen auch nicht weiter....
Ich finde dein geschriebener Beitrag oben sehr schön und er macht etwas Hoffnung.
Unser Kleiner verlangt zur Zeit alles von Uns ab. Und wir hoffen das es irgendwann besser wird.
LG
Ich (Ehlers-Danlos- Syndrom, Fibromyalgie ,chronische Erschöpfung)
Der Grosse *2003 Diagnosen frühkindlichen Autismus, Adhs und Verdacht auf Marfan Syndrom.
Der Kleine *2010 frühkindlichen Autismus mit schwerem Verlauf ,kaum aktive Sprache bei gutem Sprachverständnis ,inkontinent.2018 Diagnose Ehlers-Danlos Syndrom bekommen.
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Anjali
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Re: Aktuell Diagnose ASS mit Zwangsstörungen

Beitragvon Anjali » 29.09.2019, 08:31

Hallo,
hast du eine Ahnung, warum genau dein Sohn die wärmere Kleidung, speziell die Pullover ablehnt?
Ich mache mal ins Blaue hineien einige Vorschläge:

Die Materialien der wärmeren Kleidungsstücke auf Unverträglichkeietennabchecken. Inwiefern unterscheiden sich diese Materialien von denen der gewohnten T-Shirts? Könnten z.B. Nähte stören, könnte das Material zu rauh sein etc.


Falls die Umgewöhnung /Umstellung auf auf Neues (neue Gegebenheiten) schwer fallen sollte:

Arbeitet ihr bereits mit Visualisierung und z.B. mit Tagesplänen?
Tagespläne können Orientierungshilfen sein und dabei helfen, sich auf bevorstehende Ereignisse/Aufgaben besser vorzubereiten und innerlich einstellen zu können.
Ihr könntet das allmorgendliche Pullover-Anziehen zu einem fixen „Punkt“ im Tagesablauf machen, der im besten Fall dann nicht immer wieder aufs neue geklärt/hinterfragt werden müsste.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
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Re: Aktuell Diagnose ASS mit Zwangsstörungen

Beitragvon Anjali » 29.09.2019, 08:47

...und noch ein Vorschlag:

...deinen Sohn möglichst in die Vorbereitungen/Kleidungsauswahl miteinbeziehen und ihn aktiv mitarbeiten lassen. Z.B. am Vorabend gemeinsam die Kleidungsstücke für den nächsten Tag heraussuchen und bereit legen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 29.09.2019, 09:36

Hallo Caroline,

Junior hatte mal so einen Stress mit Kleidung entwickelt, weil in der Einrichtung (ihm oder einem anderen Kind) recht vehement etwas dazu „vorgeschrieben“ wurde. Daran hing er dann so zwängig fest.
Vielleicht passt das bei Euch auch? Es fing sehr plötzlich an, klar, denn es hing an einem konkreten Vorfall.

Ansonsten kann ich mir gut vorstellen, dass die körperlichen Veränderungen in der Pubertät da Stress machen. Vielleicht reicht ihm ein T-Shirt echt, Junior hat eigentlich nie Pullover an, der hat einen „Extra-Ofen“. Das ist ein Stück Selbstbestimmung, das tut gut, besonders in der Pubertät.

Mehr Aggressivität haben wir hier phasenweise auch, pubertätsbedingt, was gegensteuert ist:
- eine Möglichkeit zu einer „robusten Körperlichkeit“ finden, zb (friedliches) Rangeln und Raufen, oder Massagen, Schwimmbad zb
- viel Bewegung, da freundet er sich leichter mit dem veränderten Körper an
- Erfolgserlebnisse und Fortschritte waren sehr wichtig die letzten Jahre, das gibt Perspektive (er fängt selber nach wie vor nichts Neues an, aber er nimmt es besser an). Ich habe den klaren Eindruck beim Junior, dass der Drang zu mehr Unabhängigkeit von den Eltern und zu mehr Gemeinsamkeit mit Gleichaltrigen eindeutig auch da ist, aber halt schwerer umgesetzt werden kann. Das macht Gift und Stress.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Caroline27
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Re: Aktuell Diagnose ASS mit Zwangsstörungen

Beitragvon Caroline27 » 29.09.2019, 12:16

Hallo,
vielen Dank für eure Antworten. Ich werde mal einen eigenen Thread eröffnen.
LG
Ich (Ehlers-Danlos- Syndrom, Fibromyalgie ,chronische Erschöpfung)
Der Grosse *2003 Diagnosen frühkindlichen Autismus, Adhs und Verdacht auf Marfan Syndrom.
Der Kleine *2010 frühkindlichen Autismus mit schwerem Verlauf ,kaum aktive Sprache bei gutem Sprachverständnis ,inkontinent.2018 Diagnose Ehlers-Danlos Syndrom bekommen.
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