Leidensdruck bei gut kompensierenden Aspergern

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 210
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Leidensdruck bei gut kompensierenden Aspergern

Beitragvon Bika » 23.07.2018, 10:58

Hallo,

Ich weiß nicht genau, wie ich mein Anliegen verständlich rüberbringen soll aber versuche es einfach mal.

Also, mein Sohn (12) hat mit 10 die Asperger-Diagnose erhalten, niedriges Symptomlevel.
FSK : Cut-Off-Wert unterschritten
ADI-R: Cut-Off-Wert überschritten (bei den stereotypen Verhaltensweisen nur genau erreicht)

ADOS-2: Symptomlevel niedrig, Gesamtwert 4

Zusätzlich ist er hochbegabt und die Ärztin meinte, er würde optimal kompensieren und würde gut klarkommen.

Nun ist es aber so, dass wir überhaupt keine Möglichkeit haben, an ihn heranzukommen.
Er blockt alles ab.
Wenn es ihm nicht gut geht, spürt man das sofort, es ist jedoch vollkommen unmöglich für ihn, sein Unwohlsein in Worte zu fassen.
Er kann sich überhaupt nicht öffnen.
Und das wird immer schlimmer.

Bis vor kurzem hielt ich mich für überspannt und zu sehr auf die Kinder fixiert (Tochter hat ADS), mein Mann war eher gelassen.

Nun macht er sich, nach einem gemeinsamen Familienurlaub, auch grössere Sorgen, da mein Sohn die gesamte Zeit derart gequält wirkte, aber nicht äußern konnte was ihn stört.
Es war einfach ein anstrengender Urlaub (Rundreise) und für ein autistisches Kind nicht geeignet.
Nur merken wir es so schlecht, wann er überfordert ist, weil er eben so gut kompensiert und durchaus anpassungsfähig ist und weil er mit uns nicht über seine Gefühle
redet.
Und genau das verunsichert mich so.

Manchmal sind Situationen, die eigentlich überfordern müssten, kein Problem.
Dann fordert er das vehement ein.
Freizeitpark, z.b, geht immer. :D

Ein Strassenfest jedoch ist keine gute Idee......... :cry:

Er ist extrem neugierig und will gerne unbekannte Situationen erleben.

Das kostet aber viel Energie und wenn er „durch“ ist, weiß ich oft nicht, wie wir reagieren sollen.

Was kann und darf man einem, gut kompensierenden, Asperger denn
zumuten?

So behandeln, als wäre er ganz normal?

Mein eigenes Gedankenkarussel ist unstrukturiert, das verunsichert meinen Sohn ebenfalls.

Hoffe, irgendwer kann mit meinem Beitrag was anfangen und/ oder hat vielleicht ähnliche Probleme.

Kurz gesagt:
Mein Asperger ist eigentlich sehr anpassungsfähig, fällt kaum auf, ist sehr zurückhaltend ( wirkt aber oft unhöflich) und „erträgt“ Überforderungen.
(will sogar oft aus einer überfordernden Situation nicht herausgeholt werden).

Er wehrt sich aber nie, kann sich nicht öffnen und hat keinen Zugang zu seinen Gefühlen.

Kann man da unterstützen und wenn, wie?

ich danke allen
für ihr
„lesendes Auge“

LG :D

Werbung
 
Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13793
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 23.07.2018, 11:34

Hallo Bika,

ich finde es super, dass du da so genau reflektierst. Vermutlich liegst du richtig.

Es gibt einen eindrücklichen Blogbeitrag von Birke Opitz-Kittel, in dem sie über ihre eigene Kindheit und das Thema Kompensation schreibt.
https://ellasblog.de/kolumne-autistin-n ... pensation/

Auf die Schnelle würde ich sagen, zwei zentrale Dinge: erstens ihr lernt gemeinsam Wege, wie dein Sohn dazu kommt, seine Überlastung selbst einzuschätzen und dann auch die richtigen Worte zu finden. Zweitens geht es darum, ihn konkret „vorauseilend“ zu entlasten. Dazu hilft es, Autismus möglichst gut zu verstehen, und die persönliche Ausprägung bei deinem Sohn möglichst gut zu verstehen. (Buchtipp: die Bücher von Peter Vermeulen)

Rummel im Gegensatz zu Straßenfest ist okay für ihn, weil er beim Rummel eine Eigenmotivation hat, und deshalb einen starken Fokus. Er kann also andere Dinge ausblenden. Beim Straßenfest hat er das offenbar nicht, zudem trifft man dort gewöhnlich auch überraschend Menschen (Nachbarn, Lehrer, ...), das kann ein enormer zusätzlicher Stress sein. Übers Straßenfest wird auch meist eher planlos gebummelt, beim Freizeitpark kann er sich eine klare Struktur im Kopf machen: Fahrgeschäft wählen, anstellen, fahren, Fahrgeschäft wählen, anstellen, fahren, ... Es ist also selten die Lärmbelastung und der Trubel alleine, sondern es kommt auf die genauen Umstände an.

Vielleicht kann er zb schriftlich leichter kommunizieren? Eine Userin hat hier mal geschrieben, dass sie mit ihrem ähnlich verschlossenen Sohn am besten über seine Befindlichkeiten kommunizieren kann über E-Mail, auch wenn sie beide im selben Haus, zur gleichen Zeit, schreiben. Oder während einer Autofahrt, da gucken beide nach vorne, ist schonmal eine soziale Dimension weniger, man muss keine Mimik lesen, sondern nur zuhören.

Zugang zu den eigenen Gefühlen kann man lernen. Da wäre eine Autismustherapie gut.
Hier etwas zur Schwierigkeit, die eigenen Gefühle zu erkennen: https://innerwelt.wordpress.com/2013/03 ... mpathisch/

Bleib dran. :wink:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 210
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Beitragvon Bika » 23.07.2018, 12:16

vielen liebe Dank liebe @engrid,

deine Antwort hat mir schon sehr geholfen,

„Autismus als Kontextblindheit“ habe ich schonmal gelesen und gerade wieder herausgekramt.

Das „Hauptproblem“ ist halt, dass Sohnemann immer so gelichmütig erscheint und alles erdulden will.
Ich müsste ihn, mehr oder weniger, zu seinem Glück zwingen un kann oft nicht abschätzen, ob ich eigene Ängste und unangenehme Empfindungen auf ihn projiziere und er im Grunde weniger leidet, als ich denke.

Aber dran, bleibe ich auf jeden Fall!

Wir werden auch wieder Kontakt zu der KJP aufnehmen, an die wir durch unser ADS- Kind noch angebunden sind und unsere Probleme schildern.

Verhaltenstherapeutische Unterstützung,
um sein Innenleben besser zu verstehen und sich bei Bedarf mitzuteilen, könnte er gut gebrauchen.

nochmal, vielen Dank!

Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 210
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Beitragvon Bika » 23.07.2018, 12:18

Entschuldige bitte die Fehler,

diese Sch.....Tablett!

(ignoriert meine Korrekturen oft einfach :oops: )

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13793
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 23.07.2018, 13:48

Hallo Bika,

un kann oft nicht abschätzen, ob ich eigene Ängste und unangenehme Empfindungen auf ihn projiziere und er im Grunde weniger leidet, als ich denke.
Das kenne ich leider nur zu gut. Unsere autistischen Kinder nehmen Emotionen, Stimmungen, Einschätzungen oft mit superfeinen Antennen auf. Und was die Antennen betrifft, so ist der Apfel oft nicht weit vom Stamm gefallen ... Da muss man dann aufpassen, sich nicht gegenseitig anzustecken.
Unsere langjährige Therapeutin ist uns da ein gutes Korrektiv. Das hilft mir sehr, allerdings haben das beileibe nicht alle Therapeuten im Kreuz. Im guten sonderpädagogischen Umfeld, so wie bei uns, gibt es auch viel Kompetenz und andere Perspektiven, da hat Junior schon viel gewuppt, das ich ihm vielleicht nicht zugetraut hätte. Das ist immer ein Balanceakt. Bei Euch an der Regelschule ist das sicher viel schwieriger. Aber er ist da auf sich allein gestellt, er leistet da Enormes, da darf/muss man zuhause schon zurückfahren. Ich versuche sicherzustellen, dass Junior in seiner Freizeit viel Selbstbestimmung hat, viel seinen Interessen nachgehen kann, viel „Flow“ hat, das ist wie Tanken.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 210
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Beitragvon Bika » 23.07.2018, 15:19

@engrid,
hat denn eure Therapeutin gleich einen Draht zu deinem Sohn herstellen können oder
hat sich das erst mit der Zeit ergeben?

Mein Sohn war damals bei der Diagnosestellung derart „verstockt“, dass selbst die erfahrene Ärztin meinte, dass er erstaunlich schwierig zu
„knacken“ sei dabei aber zufrieden wirke.

Das ist nun nicht mehr so gegeben.

Ich fürchte nur, dass er sich auf psychotherapeutische Hilfe nicht einlassen wird und nur das von sich gibt, was er als
sozial erwünscht
einstuft.

Und ich kann nicht einschätzen, wie hartnäckig Therapeuten (mit langen Wartelisten :( ) sind, wenn der Patient sich verschließt.

Mein Sohn wird sich ganz bestimmt nur einmal darauf einlassen und wenn er kein Vertrauen aufbauen kann, wird er alles komplett boykottieren.

Da habe ich halt Sorge, dass wir alles nur
„verschlimmbessern“.

Was die Ärztin damals sagte war sinngemäß,
dass wir lernen müssen, die andersgeartete Emotionalität unseres Sohnes zu akzeptieren.
Nur so könne er sich angenommen und „richtig“ fühlen.

Ach, immer diese Unsicherheit.

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13793
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 23.07.2018, 19:11

Hallo,

ja, akzeptieren ist natürlich wichtig. Aber wenn das Kind leidet, oder das in Zukunft abzusehen ist, dann braucht es Hilfen. Er muss Strategien an die Hand bekommen, er braucht kompetente Anleitung, Dinge zu entwickeln, ...

Mein Sohn wird sich ganz bestimmt nur einmal darauf einlassen und wenn er kein Vertrauen aufbauen kann, wird er alles komplett boykottieren.
Damit hätte er dann ja auch völlig recht.

Eine tragfähige Bindung aufzubauen, ist der Job der Therapeutin. Ohne Bindung funktioniert es nicht. Ihr bräuchtet wohl einfach jemand, der besonders gut und engagiert ist, nicht leicht zu finden.
Vielleicht einen anderen Weg gehen, zb Reittherapie, ...? Anders gefragt, wann/wem öffnet er sich denn?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

AnnalenaO
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 371
Registriert: 08.02.2018, 17:32

Beitragvon AnnalenaO » 23.07.2018, 22:32

Hallo Bika!
Ich denke dass unsere Söhne durchaus ähnlich sind. Zumindest in 2 Punkten:
Sohn würde jedem Arzt oder Therapeuten auch erstmal das erzählen was sozial gewünscht ist und nicht die Realität.
Sohn kann sehr sehr gut kompensieren und kommt in der Schule gut klar, kann auf Pfadfinderfreizeit alleine mitfahren, kann auswärtig übernachten und kann eigentlich alles machen was von ihm verlangt wird.
Wie das für ihn war merke ich dann im Nachgang zuhause, manchmal auch vorher schon.
Mein Sohn ist übrigens 9 Jahre alt.
Wenn es für ihn zu viel war kann er Grenzen zu Hause schwer einhalten. Er provoziert dann alle Familienmitglieder massiv und ist sehr albern/findet alles zum Lachen.
Gibt es bei deinem Sohn auch solche Veränderungen an denen du Überforderung festmachen kannst? Oder hat er sich sogar im häuslichen Umfeld so gut im Griff dass er sich nichts anmerken lässt?
Was passiert denn wenn du ihn fragst wie es ihm geht wenn er so gequält wirkt? Hast du schonmal versucht ihn in solch einer Situation zu fragen ob es ihm vielleicht zu viel ist? Indem du ihm sagst dass er so angestrengt auf dich wirkt? Und du ihn ermutigst ehrlich zu sein weil du möchtest dass es ihm gut geht?
Das wäre denke ich mein Ansatz. Dass du deinen Sohn in dem Moment wenn du gequältheit empfindest nach seinem Befinden fragst und ihm sagst dass er bitte ganz ehrlich sein soll weil du ihn gut verstehen möchtest.
Bei meinem Sohn hilft genau das nämlich wenn er provoziert/albern ist. Es dauert immer eine Weile, aber irgendwann nachdem ich die Frage gestellt habe kommt er dann zu mir und sagt mir was gerade nicht passt oder gepasst hat bzw. wovor er Angst hat. Wir fahren damit sehr gut.
Liebe Grüße, AnnalenaO

NicoleWW
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1339
Registriert: 11.05.2012, 16:13
Wohnort: Hülben

Beitragvon NicoleWW » 23.07.2018, 22:33

Hallo,

unsere J. (10 Jahre) muß auch lernen ihre eigene Grenzen zu erkennen, sie wahr zu nehmen und ganz wichtig zu akzeptieren. Sie macht dafür eine Autismustherapie bei einer Helipädagogin. Es zeichnet sich ab dass das ein sehr sehr langer Weg wird.

Im Moment würde sich das Kind von einer Überforderung in die andere bugsieren, sie will es einfach nicht wahrhaben und wir müssen durchaus auch mal sagen dass sie etwas nicht machen darf weil wir genau wissen dass es Zuviel ist.

Auch bei unserem S. (14 Jahre) entscheiden im Zweifelsfalle wir ob er etwas machen darf oder nicht. Auch er bekommt bei einer Heilpädagogin Autismustherapie.

Freizeitpark mögen auch beide sehr für J. nehmen da aber immer einen Rehawagen mit weil sie sehr schnell so überfordert wäre dass sie nicht mehr gut kompensieren kann, das wäre dann für mich/uns zu anstrengend.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

Werbung
 
rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1674
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Beitragvon rena99 » 24.07.2018, 11:25

Bika hat geschrieben:Ach, immer diese Unsicherheit.


Die Unsicherheit wird dich leider auch noch eine ganze Zeit begleiten. Das sollte dich nicht grämen, das ist einfach so. Leider ist ja kein Autist wie der andere. Ich selbst habe eine Tocher mit der Kombi autistischer Hintergrund und hohe Intelligenz. Allerdings ist das ein Mädchen und kein Junge. Das gute Kompensieren kenne ich allerdings auch. Das hat bei uns die ASS-Dignose verhindert, die "Probleme" sind natürlich trotzdem da.

Mittlerweile ist sie ein junge Erwachsene und hat sich wirklich gut entwickelt.

Was kann ich dir raten?

1. Therapeutische Begleitung
a) für dich
mir hat das geholfen, meine eigenen Gedanken zu ordnen, meine Unsicherheit (!) aufzuarbeiten und in einem geschützten Raum Kraft zu tanken für den Alltag. Gerade, als meine Tochter in der Pubertät war (davor hatten wir kaum Probleme).
b) für ihn
Das ist schon schwieriger. Nur sehr wenig Therapeuten haben Erfahrung mit HB-Kindern. Meine Tochter hat praktisch jeden therapeutischen Ansatz "durchschaut" und entsprechend gekontert. Viele Ansätze waren für ihr Intelligenzalter zu kindisch. Andererseits war sie emotional immer jünger, als ihr Lebensalter und therapeutische Begleitung notwendig. Da klafft dann eine große Lücke. Auch snd viele Therapeuten Frauen, das muss mit Jungen dann nicht unbedingt funktionieren. Wir haben letztendlich verschiedene Therapeuten ausprobiert und irgendwann hat es halt gepasst. Das wichtigste scheint mir, dass sich die Kinder/Jugendlichen Ernst genommen fühlen. Ich würde das als stehendes Angebot betreiben. Dein Sohn sollte wisse, dass ihr euch gerne mit ihm auf die Suche macht, wenn notwendig. Mit "Zwang" erreicht man maximal etwas bis etwa 15 Jahre, insofern kann man es (in Richtung Autismus-Therapie) jetzt ruhig noch mal versuchen mit entsprechend fundierten Argumenten (ggf. Literatur dazu suchen und zu lesen geben (nachdem man die selbst vorher gelesen hat natürlich)). Da kann man sich dann neutraler mit auseinandersetzen.

2. Überforderung
Ich sehe das wie Engrid. Es gibt Dinge, die will er unbedingt und die überfordern ihn und es gibt Dinge, die will er gar nicht und die überfordern ihn. Mit 12 würde ich die Dinge, die er vermutlich nicht will und die auch nicht notwendig sind (Straßenfest) eher vermeiden. Das kostet dich und ihn zu viel Kraft, die ihr für andere Dinge nötiger braucht.
Bleiben die Dinge, die er will. In dem Alter haben die bei uns zu Meltdowns oder anderen Stressreaktionen am Tag danach geführt (hier gab es ja schon das Thema Krankheit am Tag danach), die meine Tochter unendlich getroffen und geärgert haben (warum ich? die anderen kriegen das auch auf die Kette?). Da ist der Lernprozess, dass das einfach so ist und man die notwendigen Auszeiten am besten schon mit einplant und sich deswegen nicht grämt. Gott sei Dank braucht ein HB-Kind nicht so viel für die Schule lernen, da kann man dann einfach den Sonntag abhängen (mit Lieblingsbeschäftigungen) nach einem antrengenden Samstag oder tatsächlich mal den Montag blau machen. Allerdings muss man das begleiten. Ein Automatismus, ich bleibe aus der Schule, wenn es anstrengend wird, ist nämlich eher schädlich als nützlich.

Für meine Tochter war es ein ganz wesentlicher Schritt, ihr "Stressmanagement" selbst in den Griff zu bekommen. Nur so kann sie wirklich eigenbestimmt leben, planen und handeln. Dazu gehört auch die Akzeptanz ihrer Person und ihrer individuellen Besdonderheiten. Das ist für jeden pubertierenden Jugendlichen eine Herausforderung, für einen Autisten ist sie noch größer.

Du kannst da nur einfühlsam begleiten. Es wird zwischendurch 3 Schritte vor und 2,999 zurück gehen. Gräme dich dann nicht. Sie für ihn da, aber setze ihm auch (wenige) aber sehr verlässliche Grenzen. Lass dich nicht auf Diskussionen ein (leichter gesagt als getan bei einem HB Kind), bei den wenigen Dingen, die dir wichtig sind. Diese Grenzen geben ihm Sicherheit und die braucht er.

Viel Kraft, das wird schon und es lohnt sich

Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)


Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 11 Gäste