Dyspraxie und Wahrnehmungsstörung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Marie-Lena
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Dyspraxie und Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Marie-Lena » 18.07.2018, 20:16

Guten Abend,

bei meiner Tochter(30 Monate) steht aktuell der Verdacht auf Dyspraxie und Wahrnehmungsstörung im Raum.
Sie spricht nicht und hat auch kein gutes Sprachverständnis.
Sie konnte schon einige Wörter aber die sind wieder weg. Sie lautiert hauptsächlich mit A, ei, Au, ü, aü, Mamama und Bababa.

Im September kommt sie in einen integrativen Kindergarten und bekommt Logo, Ergo und Frühförderung. Seit April bekommt sie schon Logo. Hat mir jemand Erfahrungsberichte, Tipps etc. Ich bin für alles dankbar.

Vielen Dank!!!

Hat

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Angela77
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Beitragvon Angela77 » 18.07.2018, 21:36

Hallo Marie-Lena,
herzlich willkommen. Du schreibst, die Sprache ist wieder weg? Wurde bereits ein Schlaf-EEG geschrieben? Wenn nicht, dringend einen Termin vereinbaren!
Zum Thema Dyspraxie und Wahrnehmungsstörung hier wäre es wichtig einen von Sensorische Integration speziaisierten Ergotherapeuten zu finden!

Wie ist sie denn vom Sozial und vom Spielverhalten her? Kommt sie gut mit Veränderungen klar? Interessiert sie sich für Menschen?

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Marie-Lena
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Beitragvon Marie-Lena » 19.07.2018, 06:10

Hallo Angie,

Danke für deine Antwort! Schlaf-EEG wurde versucht aber hat nicht geklappt. Wird im Oktober nochmals versucht. Hast du ne Idee auf was das Vergessen der Wörter hindeuten könnte?

Auf was die Ergotherapeutin im Kiga spezialisiert ist weiss ich gar nicht. Ertrag ich aber gleich mal.

Sie liebt andere Kinder. Ist gerne unter Leuten. Spielt gerne Rollenspiele mit ihrer Puppe und liebt ihr Laufrad heiß und innig.

LG
02/2016: Entwicklungsverzögert (aktuell 6-8 Monate, schwere Dyspraxie: noch keine endgültige Diagnose

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 19.07.2018, 07:43

Hallo Marie Lena,

Rückschritte in der Sprache können auf nächtliche Epilepsie hindeuten. Die muss man von außen gar nicht sehen. Es werden im Schlaf sosuagen Wörter, die man im Laufe des Tages hört oder Sprechbewegungen, die man übt gelöscht bzw. können einfach nicht gespeichert werden.
Unser Sohn ist ein solches Kind. Er ist außerdem noch Autist. Aber da klingt euer Sozial- und Spielvehalten anders als bei ihm.
Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin

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Marie-Lena
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Beitragvon Marie-Lena » 19.07.2018, 07:57

Ja genau das wollen sie glaube ich ausschließen, aber die kleine schläft dort einfach nicht :(
Kann man diese Art von Epilepsi "behandeln"?

Autismus stand auch mal im Raum, aber das wurde vom SPZ und Logopädin ausgeschlossen. Sie spielt gerne mit Kindern, am liebsten immer mit der großen Schwester und deren Freunde. Geht offen auf andere Menschen zu (manchmal sogar zu offen :roll: )
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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 19.07.2018, 08:53

Hallo Marie-Lena,

mein Kind ist auch so eins, das durch nächtliche Epilepsie die Sprache vorübergehend verloren hatte und auch jetzt noch nicht altersgerecht sprechen kann.
Die Epilepsie ist medikamentös behandelbar. Manchmal dauert es etwas, bis man das richtige Medikament gefunden hat und manche Kinder werden leider auch nie ganz anfallsfrei.

Eine Logopädin ist in Sachen Autismus nicht der richtige Ansprechpartner. Das SPZ leider auch meist nicht.
In der Tat hört es sich aber eher nicht danach an.
Dass sie manchmal zu offen ist, also distanzlos, kann allerdings auch ein Anzeichen für (und nicht gegen) Autismus sein.

Habt ihr beim EEG mit Melatonin nachgeholfen? Wie lief das EEG ab? Musstets ihr das Kind nachts wecken, damit es zum EEG richtig müde ist oder wart ihr zur Mittagsschlafzeit dort?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 19.07.2018, 09:44

Hallo Marie-Lena,

frag mal, ob vielleicht ein Schlafentzugs-EEG möglich und sinnvoll ist.

Bei uns hieß das mit 2 Jahren um 5 Uhr wecken und um 12 Uhr zum Mittagsschlaf da sein.
Ist zwar für uns Eltern Sau anstrengend, aber das einschlafen geht oft leichter.

Für die Kommunikation wäre, egal welche Ursache das Problem hat, Visualisierung mit Fotos oder Piktogrammen hilfreich.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Marie-Lena
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Beitragvon Marie-Lena » 19.07.2018, 10:08

Ja ihr wurde Melatonin gegeben, aber es war keine Chance. Sie war hundemüde aber ist nicht eingeschlafen (aber der Raum war auch nicht dunkel und sie schläft zu Hause auch erst nach hundertmal umdrehen usw. ein). Ständig ist ein Stöpsel raus und ne Schwester kam angerannt.

Wir machen viel über Handzeichen oder Geräusche. Mit uns Eltern und Schwester kann sie sich schon verständigen. Im Kiga bin ich gespannt. Leider erst jetzt habe ich von einem neuen Sprachheilkindergarten ganz in unserer Nähe erfahren. Sollte sich im nächsten HJ herausstellen, dass sie in unserem Kiga nicht klar kommt (obwohl sie ja als I-Kind eine Sonderpädagogin an die Seite bekommt), werde ich sie dort anmelden.
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Sheila0505
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Beitragvon Sheila0505 » 19.07.2018, 11:09

Hi Marie-Lena,

kurz mal weg von Epilepsie, so könnte deine Beschreibung auch super auf VED (verbale Entwicklungsdyspraxie) passen, bis auf das Sprachverständnis.
Die VED ist eine Störung der Sprechbewegungsplanung und je nach Schwere der VED sind Kinder besser oder schlechter zu verstehen. Innerhalb des Familienbundes klappt ein Verstehen meist noch besser, auch wenn Außenstehende nichts verstehen würden.

Einzelne Laute und Silben klappen bei einer VED i.d.R. noch besser, aber bei der Sprechbewegungsplanung diese miteinander zu einem Wort zu verknüpfen haben VED Kinder i.d.R. große Schwierigkeiten.

Einfaches Beispiel: Das Kind spricht "M" und "A" und irgendwann gelingt dem Kind dann das Zusammensetzen der Buchstaben zur Silbe "Ma". Die nächste Herausforderung stellt dann zum Beispiel beim Wort "Mama" die Verdopplung der Silbe "Ma" dar, also das Sprechen der Silbe Ma hintereinander zu MAMA.

Das Symptome können aber sehr vielseitig sein und Einzelne können, müssen aber nicht auftreten.

Häufig aber ist die VED gekennzeichnet durch eine
- nur sehr schwer bis kaum verständliche Aussprache
- Umso länger ein Wort/Satz, umso mehr Fehler werden gemacht oder es gelingt gar nicht
- Laute zu Wörtern zu verbinden, stellt eine große Herausfoderung dar
- Bei den Lautfehlbildungen ist kein Muster zu erkennen
- Die Sprechleistung unterliegt Schwankungen
- plötzlich und unerwartet kann die Aussprache eines schwierigen Wortes oder gar eines Satzes oder Satzteiles völlig überraschend gelingen, doch bei einem Wiederholungsversuch ist es wieder verschwunden und Erfolge bleiben aus
- Verlust des Sprechens bereits erlernter Wörter - entweder gänzlicher Verlust oder Verlust über einen längeren Zeitraum
- Wörter welche häufig im Gebrauch sind und automatisiert wurden, gelingen besser
- das Kind scheint Wörter angestrengt zu suchen, zeigt Suchbewegungen oder zeigt ein stilles Positionieren der Zunge

Merkmale einer reinen VED (ohne anderweitige Behinderungen) können zum Beispiel sein
- extrem verspäteter Sprechbeginn, bei einem normalen bishin zu gutem rezeptiven Wortschatz (das mit dem schlechtem Sprachverständnis wie bei eurem Kind, passt hingegen gar nicht auf VED und ist eher untypisch für eine VED)
- zu Babyzeiten eher stille Babies mit keiner oder nur wenig Lallproduktion
- Konsonanten bleiben bei den ersten Lallproduktionen häufig aus, das Kind neigt zu eine Vokalsprache
- häufig kommunikative Kinder, welche auf anderweitige Kommunikationsversuche zurückgreifen. Der IQ ist ja in der Regel nicht betroffen bzw ist unabhängig von einer VED, so wenn bspwu. keine anderweitige, zusätzliche Störung oder Behinderung vorliegt.
- die Kinder entwickeln oft ihre eigenen festen Äußerungen für Wörter, im Rahmen ihrer Möglichkeiten (Sprechbewegungsplanung und Motorik). Das macht manchmal den Anschein einer Phantasiesprache.

Unbehandelte VEDs können großen, negativen Einfluss auf die psychosoziale Entwicklung betroffener Kinder nehmen, welche ebenfalls therapeutische Unterstützung bedürfen/erforderlich machen können.

VED Kinder sind nie zu faul zum Sprechen, sie können es einfach nicht. Daher wäre unterstützte Kommunikation bei Zeiten sehr sinnvoll, neben einer auf VED ausgerichteter sprachtherapeutischer Förderung und Unterstützung.

Für mich passt das was du erzählt hast, super ins Störungsbild einer klassischen VED. Aber das kann nur eine VED versierte Sprachtherapeutin beurteilen, welche sich zudem mit deinem Kind beschäftigt hat und dein Kind kennt.

Nichts desto trotz finde ich ein SchlafentzugsEEG ebenso sehr sinnvoll, weil es ebenso gut sein kann, dass es ganz andere Ursachen hat oder ein pathologisches EEG mit einfließt.

Aber wenn du mich fragst, so würde ich an deiner Stelle primär bei einer VED versierten Logopädin vorstellig werden um das abklären zu lassen und vorerst das Kind mit unterstützter Kommunikation unterstützen.

Unser Kleiner hat Verdacht darauf und umso älter er wird, umso deutlicher werden seine Schwierigkeiten hinsichtlich des Sprechens.
Er kann zum Beispiel "B" sagen, er kann mittlerweile zum Beispiel "Ba" sagen und er kann "L" sagen. Aber "Ba-LL" bekommt er nicht hin.

Liebe Grüße und alles Gute, Sheila

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Marie-Lena
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Beitragvon Marie-Lena » 19.07.2018, 11:37

Danke Sheila für deine ausführliche Nachricht. Das stand auch schon im Raum, allerdings wäre das dann in Kombination mit einer Sprachverständnisstörung. Unsere aktuelle Logopädin (ab September aber ja dann eine im Kindergarten aus dem SPZ) äußerte auch diesen Verdacht. Bei ihr haben wir nächste Woche ein ausführliches Elterngespräch. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Wir machen viel über Bildkommunikation oder mit Handbewegungen. Aber sie ist frustriert und ich merke sie will mehr als sie kann.

Wie alt ist denn dein Sohn? Nach welchem Ansatz wird er therapiert?
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