Kind wird ausgegrenzt - wie als Mama verhalten?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Evi Schießl
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Kind wird ausgegrenzt - wie als Mama verhalten?

Beitrag von Evi Schießl »

Hallo.

Jetzt ist es soweit. Mein Kind (4,5 Jahre) wird ausgegrenzt, weil er anders ist.
Er sieht normal aus, man versteht ihn kaum wenn er spricht und er ist auch nicht so schnell wie die Anderen.
Gestern haben eine Gruppe an Kindern ausgemacht, dass sie vor ihm weglaufen. Sie sagten, er darf nicht mitspielen. Zuerst sagte mein Sohn "Doch", aber schon schnell wurde er unsicher und zog sich zurück.

Es tut so weh. Ich wusste, es wird kommen und ich weiß das wird noch schlimmer werden. Was mache ich nur?
Gestern habe ich zu dem "Anführer" der Gruppe dann streng gesagt: Wie würdest Du dich fühlen, wenn... ? Danach ließen sie ihn mitspielen.

Trotzdem- nächstes mal bin ich vielleicht nicht daneben. Und er merkt ja auch, wenn er nur aus Mitleid mitspielen darf.

Danke, Evi

eval
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Beitrag von eval »

Hallo Evi,

meinst du nicht, dass du etwas zu viel hineininterpretierst? Für mich klingt das völlig normal und liegt sicherlich nicht an den Einschränkungen deines Kindes.
Durch dein Eingreifen gibst du deinem Sohn meiner Meinung nach eine Sonderstellung und machst es unattraktiv, mit ihm zu spielen.
Mein Sohn ist knapp 4 und er hat auch Konflikte mit anderen Kindern. Mal darf er mitspielen und ein anderes Mal nicht. Wichtig ist, dass du ihn bestärkst und ihm zeigst, dass es schön ist, mit ihm zu spielen.

Alles Gute

HannahKillian
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Beitrag von HannahKillian »

Hallo Evi,

ich kann's dir gut nachfühlen - das tut im ersten Moment schon weh, wenn das eigene Kind nicht mitspielen darf...

Bei meinen eigenen - gesunden- Kindern (bei uns bin ich derjenige mit "Webfehler") gab's aber in diesem Alter auch immer wieder Zoff, weil irgendjemand wieder mal bei irgendetwas nicht mitmachen durfte. Einmischung von Seiten der Eltern bringt da leider nicht viel - das gibt dem Ganzen nur noch mehr Dynamik.

Manchmal dauert es auch einfach eine Zeit, bis Kinder dann doch zueinander finden und dann ist auch ein Handicap kein Hindernis an sich mehr. Hab Geduld und lass ihn nicht spüren, dass es dir "an die Nieren" geht - das macht ihn nur unsicher. Wenn's mit den anderen Kindern grad nicht so klappt, dann macht ihr zwei halt was Tolles zusammen! Was mag er denn besonders gern?

Geht dein Junior denn in den Kindergarten?

Liebe Grüße
Hannah
"Aufgeben?'" Komisches Wort, kenn ich gar nicht...

Meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... hannah+icp

GretchenM
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Beitrag von GretchenM »

Hallo,

Das war mit Sicherheit eine unschöne Situation. Ist das jetzt wirklich jedes Mal so wenn die Kinder in dieser Konstellation zusammen sind?

Ansonsten ist es leider so, dass es in gewisser Weise „normal“ ist das Kinder mal das eine, und mal das andere Kinder in so einer Art trietzen. Das ist unschön und ich würde es in diesem Alter auch kommentieren. Komplett verhindern kann man es nicht.

Ich denke, ich würde das beobachten ob wirklich immer nur dein Kind so geärgert wird. Mehr als das kann man da meines Erachtens erstmal nicht machen. Geht er in die Kita?

Das hat übrigens meistens keinen konkreten Auslöser und muss überhaupt nichts mit der Behinderung Deines Kindes zu tun haben. Ich galt als gesund und war oft die die gemobbt wurde.

Lg

GretchenM
Mama *76 Epilepsie (anfallsfrei), SB
Sohn *07 starkes Träumer-ADS, grenzwertig ASS

Die Freiheit besteht nicht in erster Linie aus Privilegien, sondern aus Pflichten.

Camus

Ilse B.
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Beitrag von Ilse B. »

Hallo, nein, verhindern kann man es nicht. Aber darauf reagieren, so wie Du es gemacht hast. Kinder wachsen heute häufig auf, ohne von Erwachsenen dazu gebracht zu werden, mal über ihr Verhalten nachzudenken. Hinzu kommt, gerade wenn Dein Sohn sich sprachlich nicht verständlich machen kann, dass sie sich überlegen fühlen und denken, dass der Andere "dumm" ist. Haben wir alles genau so erlebt, Simon konnte auch lange Zeit nicht sprechen.

Und ich weiß es aus meiner eigenen Kindheit. In der Nachbarschaft wohnte ein Mädchen mit Sprachbehinderung, dessen Eltern mich immer einluden, bei ihnen zu spielen, damit die Tochter sich das Sprechen abhören kann. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie oft ich stattdessen mit deren Bruder gespielt habe und wir dann dem Mädchen die Tür vor der Nase zuknallten. Die Mutter von dem Mädchen hat uns allerdings immer wieder "zurechtgestutzt". Man muss Kindern ihr Verhalten spiegeln, erst so entwickeln sie Einfühlungsvermögen. LG Ilse

GretchenM
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Beitrag von GretchenM »

Hallo Ilse,

Genauso sehe ich es auch. Die Kinder brauchen durchaus eine Rückmeldung darüber, wie man ihr Verhalten findet, gerade in dem Alter probieren sie ja oft noch einfach aus was ihnen „interessant“ erscheint und agieren nicht notwendigerweise wirklich aus Bösartigkeit (auch wenn es die durchaus auch gibt)

Mir fällt da ein Beispiel ein:

Mein Sohn hatte einige Kinder zum Kindergeburtstag eingeladen (sie waren alle so um die fünf Jahre alt) - als ich auf einmal den Satz von einem Mädchen höre „komm, wir machen mal dass der weint!“

„Der“ war ein älteres Kind aus unserer Familie, gesund, aber den anderen Kindern nicht bekannt.

Ich habe dann sehr deutlich gemacht, dass hier nicht geärgert wird und dass Kinder die ärgern definitiv sofort abgeholt werden müssen.

Danach war Ruhe.

Ich finde nicht, dass ich in dem Moment die Klappe halten hätte sollen. In meinen Augen sagen Erwachsene viel zu selten etwas.

Noch etwas, das mein Sohn erlebt hat: er hat sich in der Kita sehr an ein Kind geklammert, das heißt, die beiden waren quasi unzertrennlich - bis es irgendwann „kippte“ - die Sache wurde einseitig, als sie sich ihrer Macht über ihn bewusst wurde.

Irgendwann war es dann für die anderen Kinder wohl spannend zu sehen, wie sehr er in Panik gerät wenn jemand ihm sagt, sie sei nicht in der Kita - totale Panikattacke. Das uferte dann so aus, dass die Kinder seine Freundin irgendwo versteckten und sich gemeinsam mit ihr (!) freuten, weil er so „interessant“ weinte...

Genauso passierte es, dass sie mitten im Spiel anfing ihn zu ignorieren - ihm betont und mit breitem Grinsen den Rücken zudrehte.

Kommentar der Mutter „Ja, so sind wir Frauen eben.“ :evil: :shock: :roll: (Na hoffentlich bin ich nie so!!!)

In solchen Momenten erwarte ich ein Eingreifen, in diesem Alter definitiv.

Die Erzieher haben sich dann bemüht dafür zu sorgen, dass die beiden nicht mehr so ständig zusammen waren, einfach um diese Machtspielchen zu unterbinden.

Natürlich muss ein Kind auch lernen, sich selbst zu verteidigen, aber wenn es so ungute Machtverhältnisse gibt (mehrere gegen einen, oder so ein Ausspielen der Gefühle des anderen...) sollte man als Erwachsener schon eingreifen.

LG

GretchenM
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Beate139
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Beitrag von Beate139 »

ich kann dich gut verstehen, denn ich kenne genau solche Momente mit meinem Sohn

im Kindergarten war noch soweit alles ok, er war in einem Behindertenkindergarten und die Betreuer haben sich rührend um alle gekümmert und Ausgrenzungen sofort entgegengewirkt.

In der Schule allerdings wirds dann richtig schwer. Mein Sohn konnte nicht sprechen. Er hatte aber trotzdem schnell einen Freund gefunden. Der Freund wollte dann, das mein Sohn ihn mal besucht. Aber die Mutter hat sofort abgeblockt und gesagt : der darf nicht zu uns, der kann nicht reden, der versteht mich wohlmöglich nicht, so einen will ich nicht bei uns zuhause haben..... ich stand wenige Meter daneben.

Und es tat höllisch weh

Ilse B.
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Beitrag von Ilse B. »

Hallo, @ Beate, das kenne ich auch. Mittlerweile wäre ich so weit, dass ich dann einen blöden Spruch mache, früher hätte ich genau wie Du den Mund gehalten.
Es sind gar nicht so sehr die Kinder, sondern deren ignorante Eltern, die die Probleme machen. Sie sind selber nur mit normtypischen Kindern in der Schule zusammen gewesen, deshalb können sie sich nicht vorstellen wie es ist, wenn jemand nicht spricht. Deshalb ist er doch über andere Wege erreichbar! Sei es über Augenkontakt, leichtes Berühren o.ä.
Wie sagte mein Schwager neulich: "Du bist zu nett". Das kann man ändern :twisted: LG Ilse

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