Unterstützte Kommunikation nach Hirnblutung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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simoner
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Beitragvon simoner » 04.07.2018, 14:55

Hallo Claudia
Etwas, was für den Anfang schneller geht als die Buchstabentafel wäre die Arbeit mit Kodierungen. Dafür kann man auch nur ein Blatt Papier nutzen, aber die Buchstaben werden anders angeordnet als bei Alphabet - in sechs Blöcken. Die Person zeigt oder schaut nun zuerst zum Block, in dem der Buchstabe ist, und dann nochmals nach oben rechts, mitte, links, ... um die Position des Buchstabens im Block zu zeigen. Tönt grad ziemlich abstrakt, aber hier im Video ist es sehr gut erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=dlblMVK6sf0

So kann der richtige Buchstabe mit zwei Mal blicken oder zeigen herausgefunden werden.

Ich würde auch insgesamt zusätzlich zu einer Beratung und Versorgung mit Tablet tendieren, aber das wäre mal eine Low-tech-Version, und das zu haben ist immer praktisch.

lg
simone

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ElisabethM
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Beitragvon ElisabethM » 04.07.2018, 15:48

Hallo Claudia,


Als vor 3 Jahren die Mutter meiner Schwiegertochter eine Hirnblutung hatte, haben wir ihr diese App auf dem Handy installiert.


http://www.letmetalk.info/de.html

Es ist Gratis, läuft auch auf Android und für den Übergang vielleicht ausreichend

Claudia78
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Beitragvon Claudia78 » 04.07.2018, 19:03

Hallo Simone und Elisabeth,

vielen Dank auch für Eure Anmerkungen. Ich habe den Freund unserer Freundin bereits kontaktiert, er hat sich aber noch nicht gemeldet. Ich will mich auch nicht aufdrängen, aber wenn ich in einer Woche noch nichts gehört habe, wird er mal mit den geballten Erkenntnissen dieses Threads beglückt (wobei ich aber denke, dass Letmetalk viel zu kleinteilig ist für sie).
Vielen Dank nochmal

Claudia

Claudia78
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Beitragvon Claudia78 » 17.07.2018, 18:56

Hallo nochmal,

Darf ich bitte nochmal Euer Fachwissen bemühen?
Ich habe jetzt über vier Ecken ein Feedback (der Partner der Patientin hat mit ihren Eltern gesprochen, die haben es bei einem Geburtstagstelefonat dem Vater meines Freundes erzählt, der es bei einem zufälligen Kontakt meinem Freund gesagt hat und der dann mit mir) bekommen zu meiner Frage, ob unterstützte Kommunikation schon probiert wurde.
Angeblich geht alles mit App nicht, weil sie ihre Hand (noch) nicht so gezielt auf/ über dem Tablet bewegen kann um Schaltflächen zu treffen. Der Partner hat sich da schon viel erkundigt, und das würde alles nicht gehen für sie.

Aber wenn ich Euch richtig verstanden habe, gibt es dafür doch Führungsraster und sowas? Ich stelle es mir leichter vor, die "abgelegte" Hand über Rasterrippen zu ziehen anstatt sie freischwebend zu führen. Aber ich hab da ja keine Erfahrung. Und bei Apps kann man doch manchmal einstellen, nach welcher Kontaktzeit der Befehl ausgelöst wird?
Gibt es wirklich keine Lösung für Patienten, die nicht so stark in der Feinmotorik sind? Kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich meine, Stephen Hawking hat's die letzten Jahre ganz ohne Handmotorik hinbekommen...
Klar, hoffentlich braucht sie das alles irgendwann nicht mehr, aber 1,5 Jahre nach so einer Erkrankung sind die Fortschritte jetzt nicht mehr so flott, dass das ratzfatz in zwei Wochen erledigt wäre. Ein bisschen Investment und Training könnte man da durchaus rechtfertigen.

Ich weiß, das Beste wäre, wenn sie eine Beratung in Anspruch nehmen würden.
Wir sind den beiden aber persönlich nicht so nah, dass wir da viel Einfluss nehmen könnten. Und ich habe die Patientin nur einmal kurz gesehen und kenne mich nicht aus.
Wäre ich gut befreundet mit ihnen, dann würde ich mal auf den Tisch hauen und einen Beratungstermin bezahlen und organisieren (wer mit mir befreundet ist, kann sowas ab...). Und danach dürften sie dann ruhig sagen, dass alles nix ist, wenn es denn wirklich so wäre. Aber das ist aus gesellschaftlichen und familienpolitischen Gründen leider hier nicht so einfach :-(

Vielen Dank und viele Grüße

Claudia

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 17.07.2018, 22:51

Hallo Claudia,

das ist ja echt ein Elend ... eigentlich sollte die Frau selber mal auf den Tisch hauen.

Der Fachbegriff der UK, für die alternativen Wege der Bedienung der Kommunikationshilfen ist Ansteuerung. Da gibt es eigentlich für jedes individuelle Problem eine Lösung, von der Fingerführung bei einfachen handmotorischen Problemen, bis hin zur Augensteuerung. Wenn sie irgendein Körperteil oder einen Muskel kontrolliert bewegen kann, dann kann man damit ansteuern. Man kann Taster an Talkertastaturen anschließen, und so über Auswahl (Scanning) arbeiten.

Guck mal hier rein. https://uk-app-blog.blogspot.com/p/ansteuerung.html

https://www.rehamedia-shop.de/lightwrit ... -scan.html
Als Beispiel für ein Gerät (könnte man bei einer UK-Beratungsstelle ausprobieren), das über Ansteuerung funktioniert, wenn die Feinmotorik nicht für die Bedienung der Tastatur direkt ausreicht.

Augensteuerung (als Bebilderung für die Ignoranten, für mich klingt es so, als gäbe es evtl schon Chancen für den einfacheren Weg über Fingerführung oder Ansteuerung über Hand/Kopf/...): https://m.youtube.com/watch?v=Qqxk5CuDvZg

Und bleibe bitte sanft, aber hartnäckig! :icon_thumright:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Claudia78
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Beitragvon Claudia78 » 18.07.2018, 00:10

Hallo Engrid,

vielen Dank für Dein Feedback! Ich schaue mir das alles an, wenn ich wieder von meiner Dienstreise daheim bin (und nicht noch bis Mitternacht arbeite :-D ).
Da scheint also wirklich noch was zu gehen, wie ich es mir dachte. Und ich glaube nicht, dass eine Augensteuerung (oder Ansteuerung durch Wangenmuskeln, Zunge, Kopfbewegung etc.) nötig ist. Mit etwas Hilfsmitteln sollte eine Nutzung der Handfunktion möglich sein, gerade mit den ganzen Einstellmöglichkeiten.

Ich bleibe ganz sicher hartnäckig (niederbayrischer Granitschädel...), soweit es mir als "entfernte Bekannte" möglich ist und es zugelassen wird. Auch wenn Diplomatie nicht wirklich meine Stärke ist.
Aber ich will einfach erreichen, dass sie mal ausprobieren kann was so möglich ist. Wenn das, was machbar ist, dann nicht passt für sie, ist es ja auch okay. Aber das soll sie bitte selber feststellen, finde ich.
So hat mein Freund letztens z.B. festgestellt, dass ein orthopädisch für ihn theoretisch sinnvoller kompletter Ausgleich der Beinlängendifferenz (bisher wegen seines Sports nicht komplett gemacht) zwar kurzzeitig guttut, dann aber sofort seine Kniearthrose anfängt zu meckern. Klar fang ich jetzt nicht an, ihm noch 2 cm Sohle unter die Schuhe zu nageln, weil das besser sein MUSS...Aber das Ausprobieren hat ihm auch nicht geschadet.
Und dieses Ausprobieren hätte ich gerne für die besagte Patientin auch...Ich will, ich will, ich will ;-)
Ich bleib dran :-)
Viele Grüße

Claudia

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Beitragvon Claudia78 » 24.07.2018, 07:32

Hallo zusammen,

ich freu mich so! Ohne weiteres Zutun meinerseits (Arbeitsstress und Dienstreisen...) hat sich gestern Abend der Freund der Patientin gemeldet und um Infos gebeten!
Vielen Dank für Eure tollen Infos, jetzt kann ich sie weitergeben und sie werden hoffentlich ganz viel helfen!
Nochmal ganz herzlichen Dank an alle!
Liebe Grüße

Claudia

TobiasBührs
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Beitragvon TobiasBührs » 22.08.2018, 15:00

Das klingt doch schon mal ganz erfreulich. Ich könnte sonst noch als weiteres Lesematerial dieses Dokument aus der Materialkiste empfehlen:http://tdvox.web-downloads.s3.amazonaws.com/Materialkiste/Maerchen_UK/TobiiDynavox_Maerchen_Zu_frueh_nach_neurologischer_Erkrankung.pdf

Und evtl. noch als Anmerkung: Grundsätzlich sollten die Bedürfnisse und Anforderungen des potentiellen Anwenders im Fokus stehen und man sollte es auch immer bei der Kasse versuchen, auch wenn der Preis evtl. zu hoch erscheint. Das ist aber auch häufig recht subjektiv.

Viel Erfolg auf dem Weg

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Claudia78
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Beitragvon Claudia78 » 22.08.2018, 15:24

Hallo Tobias,

vielen Dank für Deine Anmerkung.
Und was das Finanzielle angeht, stimme ich mit Dir vollkommen überein. Wäre mein Freund der Betroffene, dann würde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um eine optimale Versorgung durchzuboxen.
Allerdings bin ich wie beschrieben nur die Freundin eines losen Familienfreundes. Und die vorherrschende Meinung der Familie war bisher, dass keine Versorgung möglich ist.
Ob da dann der Elan da ist, sich in den Kampf mit der Krankenkasse zu stürzen, weiß ich nicht.
Und deshalb eben mein "Preisbewusstsein", weil eine ideale, aber zu teure und von der Kasse erstmal abgelehnte und daher nicht realisierte Lösung in meinen Augen in dem Fall schlechter ist als eine 75%-Lösung, die realisiert wird, weil Familie, mein Freund und ich Geld dazugeben.
Das schmeckt mir absolut nicht, ich bin aber leider nicht in der Position, die Angehörigen zu beeinflussen. Leider.
Wie gesagt, wäre es mein Freund, würde ich das bei der Kasse durchboxen. Und wenn sie nur zahlen, damit sie mich endlich los sind...
Viele Grüße

Claudia


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