Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 26.09.2018, 15:37

Noch mal zum Thema Inklusion:

Das Problem ist, bedingt durch die Ausbildung, dass die wenigsten Lehrer richtig Ahnung davon haben > weil es einfach kein Thema im Studium war. Denke mal, dass es erst jetzt langsam einen.größeren bzw. überhaupt ein Schwerpunkt ist -> es gab ja bisher die Förderschulen mit ihren speziell ausgebildeten Pädagogen.
Die Lehrer, die das heute schon gut machen, sind die, die selber ein Interesse an dem Thema haben oder wirklich motiviert sind. Beim Großteil läuft es aber nach dem Thema "du musst" - und dann klappt es auch nicht wirklich. Welcher Lehrer hat wirklich Ahnung von Autismus, Sprachstörungen, ... - und wenn doch, wie das Material dann angepasst werden muss. Deshalb ist das momentan nichts halbes und nichts ganzes.

Das sehe ich jetzt auch bei meinem Sohn, da sind stellenweise selbst die Lehrer in den Förderschulen überfordert - da er in jedem Förderbereich (Sprache, Sozio-Emotional, Lernen)Probleme hat > die leider auch nicht klar abgrenzbar sind >> jetzt haben wir an der FS (Sozio-E.) zum Glück jemand engagierten gefunden.
An einer Regelschule würden die Lehrer mit dem momentanen Wissenstand ihm einfach nichtgerecht werden können.
Zum
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 30.09.2018, 15:13

Nach der Neuauflage des Nachteilsausgleichs:

am übernächsten Tag findet ein kurzfristig angesagter Ausflug zur Weinlese statt. Während der Unterrichtszeit. Die Lehrerin schafft es aber, am Vorabend anzurufen, um Bescheid zu sagen. H. geht am Ausflugstag für nur eine Unterrichtsstunde zur Schule. Selbstverständlich geht er nicht in den Weinberg mit (erstens hat er Wachstumsschmerzen, zweitens hat er panische Angst vor Wespen, drittens fasst er inzwischen gar nichts mehr an - seit in der Schule so viele Ausflüge angesetzt werden, können wir auch als Familie keine mehr machen. Sein Ausflugskontingent wird schon allein durch die schulischen Ansagen ausgeschöpft. Nächste Woche wird sein Vetter getauft. Da müssen wir hin. Das ist aber leider auch im Kontingent Ausflüge enthalten. Ich finde es allemal wichtiger als eine Weinlese mitzuerleben. Ich hoffe nur, dass die Ankündigung der Weinlese - zu der er ja nicht einmal mitgegangen ist - uns die Taufe nicht streicht.)

In der einen Unterrichtsstunde soll er einen Aufschrieb von einer laminierten Vorlage fertig machen - er hat den Text in der vorigen Stunde nicht fertig abschreiben können. An sich gut, dass er nacharbeiten darf. Es stellt sich aber heraus, dass er in dieser Stunde doch nicht nacharbeiten darf. Es wirdPiep-piep-Wo ist das Vögelchen gespielt. Er meldet sich mehrmals, wird aber nicht drangenommen. (Der Nachteilsausgleich ist auch schon in der Klassenkonferenz vorgelesen worden. Die Sachunterrichtslehrerin ist informiert worden, dass H. nur aufgerufen werden soll, wenn er sich meldet. Um auf der sicheren Seite zu sein, ruft sie ihn also gar nicht mehr auf. - Wir werden ihr den Nachteilsausgleich erklären müssen. So ist der Nachteilsausgleich nicht gemeint.)

Nachdem das jetzt schon über ein Jahr geht, bin ich etwas pingelig geworden. Die Lehrerinnen setzen auf dumm. Oder?

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon AnnalenaO » 30.09.2018, 16:34

Hallo Heike!
Ich kann dich schon verstehen, ich glaube aber dass du da jetzt doch etwas reininterpretierst was so nicht unbedingt sein muss. Woher weißt du eigentlich so detailliert was im Unterricht passiert ist? Erzählt dein Sohn dir das? Meiner erzählt mir keinen Brumm was in der Schule gelaufen ist. Auch vielleicht gar nicht so verkehrt, so kann ich auch nichts überbewerten ;)
Insgesamt hab ich den Eindruck dass dieser Nachteilsausgleich fast so wie eine Gebrauchsanweisung für deinen Sohn zu deuten ist. Vielleicht macht das manchen Lehrern auch irgendwie Angst? Angst etwas falsch zu machen meine ich. Das ist nicht böse gemeint und du schriebst ja schonmal dass du leider schon sehr schlechte Erfahrungen machen musstest. Manchmal ist es trotzdem hilfreich auch mal fünfte gerade sein zu lassen. Ich weiß nicht ob es unbedingt nötig ist zur Sachkundelehrerin zu gehen nur weil dein Kind in einer Stunde mal nicht dran genommen wurde. Das war vielleicht einfach Zufall. Nicht alles ist böser Wille. So erlebe ich das zumindest.
Liebe Grüße, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Beitragvon AnnalenaO » 30.09.2018, 16:35

Hallo Heike!
Ich kann dich schon verstehen, ich glaube aber dass du da jetzt doch etwas reininterpretierst was so nicht unbedingt sein muss. Woher weißt du eigentlich so detailliert was im Unterricht passiert ist? Erzählt dein Sohn dir das? Meiner erzählt mir keinen Brumm was in der Schule gelaufen ist. Auch vielleicht gar nicht so verkehrt, so kann ich auch nichts überbewerten ;)
Insgesamt hab ich den Eindruck dass dieser Nachteilsausgleich fast so wie eine Gebrauchsanweisung für deinen Sohn zu deuten ist. Vielleicht macht das manchen Lehrern auch irgendwie Angst? Angst etwas falsch zu machen meine ich. Das ist nicht böse gemeint und du schriebst ja schonmal dass du leider schon sehr schlechte Erfahrungen machen musstest. Manchmal ist es trotzdem hilfreich auch mal fünfte gerade sein zu lassen. Ich weiß nicht ob es unbedingt nötig ist zur Sachkundelehrerin zu gehen nur weil dein Kind in einer Stunde mal nicht dran genommen wurde. Das war vielleicht einfach Zufall. Nicht alles ist böser Wille. So erlebe ich das zumindest.
Liebe Grüße, AnnalenaO
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Beitragvon HeikeLeo » 03.10.2018, 15:54

Nachdem ich in REHAkids einen Hinweis auf https://fragdenstaat.de gefunden habe, habe ich heute eine Anfrage gestellt:

https://fragdenstaat.de/anfrage/auerunterrichtliche-veranstaltungen/

Liebe Grüße
Heike

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 03.10.2018, 17:42

Das summiert sich dann doch ganz schön auf.

Habe gerade mal überlegt, wieviel das bei meiner Tochter war (Förderschule L):
3 Wandertage (fußläufig)
5 Tage Schullandheim (Bus/Bahn)
2 Tage Theater (Bahn)
1 Sportfest Sommer
1 Sportlicher Weihnachtsmarkt - Sportfest Turnhalle
1 Crosslauf
Macht zusammen aber auch 13 Tage. Vergleiche ich das mit anderen Schulen, sind nur das Wintersportfest und die 2 Theatertage eine Besonderheit an der Schule, das andere gibt es auch an GS im Umfeld.
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Anjali
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Beitragvon Anjali » 03.10.2018, 18:13

Hallo Heike,

was du als Zumutung empfindest, wurde in der Grundschulklasse meines Sohnes von der Elternschaft durchgehend begrüßt.
Mein Sohn hatte eine ähnlich engagierte Klassenlehrerin.
Trotz zahlreicher „Nebenveranstaltungen“ waren die Kinder am Ende erstklassig auf die weiterführende Schule vorbereitet.
Solche kulturelle Erlebnisse wie eine
Stadtführung, eine Weinlese und der Besuch der Kinderuni empfinde ich persönlich als wertvolle Bildungsangebote.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Beitragvon SandyErgo » 03.10.2018, 18:25

Anja, im Prinzip geb ich dir recht, was du sagst > solche Angebote sind nicht schlecht und als wertvoll zu bezeichnen.
Bei uns würde das aber eben als Wandertag laufen und nicht zusätzlich zu den vorhandenen Wandertagen - und ich glaube das ist das, was Heike stört. Und das es eben nicht dabei bleibt, sondern noch andere Dinge dazu => externer Sport, diverse Theaterproben.
Und da ja der Sohn von Heike soetwas nicht teilnehmen will/kann/soll - ist bei der Menge davon auszugehen, dass es kaum mal eine Woche gibt, wo mal alle Tage Schule ist und nicht irgendein "Sonderprogramm". So kann auch nicht wirklich eine Kontinuität entstehen.
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Beitragvon Anjali » 03.10.2018, 18:34

Externer Sportunterricht ist an der Schule meines Sohnes die Regel, das die schuleigene Sporthalle nicht für alle Schulklassen ausreicht.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 03.10.2018, 19:52

Letztes Jahr gab es bei meinem Sohn (Klasse3) gut über 40 Aktionstage und zusätzlich noch etwas mehr als 20 Vertretungstage/Prüfungstage der Referendarinnen. Das sind bei ungefähr 35 Schulwochen im Jahr ungefähr zwei unvorhersehbare Tage pro Woche. Klar muss die Lehrerin dafür sehr engagiert sein - aber manche Aktionen wurden ganz spontan gemacht, manchmal einen Tag vorher angesagt, manchmal eine ganze Woche vorher, manchmal entfiel eine angesagte Aktion auch.

Für mein autistisches Kind, das eine gewisse Vorhersehbarkeit braucht, um überhaupt zu funktionieren, hat das bedeutet, dass er die Arbeit letztlich gänzlich eingestellt hat. Das kann es dann doch nicht sein.

Wenn wir Bescheid wussten, blieb er zu Hause - es kamen aber eben auch noch genug unvorhersehbare Aktionen dazu. Gegen ein paar Ausflüge im Jahr ist ja auch nichts auszusetzen oder gegen regelmäßig Sportunterricht in einer anderen Halle. Aber diese spontanen sporadischen Aktionen bringen uns um. Da hilft auch nicht das Argument, dass es für die anderen 16 Kinder der Klasse toll ist. Wenn zwanzig Leute es toll finden einen Einundzwanzigsten zu töten, dann dürfen sie das - meiner Meinung nach - trotzdem nicht tun. Mehrheit hin oder her.

Liebe Grüße
Heike


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