Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Konrad02
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Beitragvon Konrad02 » 20.09.2018, 19:30

Hallo Heike,

der Anwalt ist Eure Interessensvertretung, nicht die der Schule. Damit kann er nicht das Sprachrohr der Schule werden. Und wer soll ihn denn für so etwas bezahlen?

Wenn die Schule eine Mediation will, dann muss sie damit jemand anderen beauftragen. Und ihr solltet vorher gefragt werden, ob ihr das auch wollt.

Wie hat der Anwalt reagiert?

Offensichtlich möchte die Schule nicht mehr mit Euch reden. Das gehört aber zu den Dienstpflichten als Lehrer, besonders dann, wenn die Situation mit den Eltern schwierig ist.

Viele Grüße
Konrad02

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HeikeLeo
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Gespräch am 26.9.2018 7:00 Uhr (!)

Beitragvon HeikeLeo » 26.09.2018, 09:32

Hallo Leute,

so, heute Morgen war jetzt das geplante Gespräch in der Schule. Wir sind als Eltern zu zweit gegangen, die Schulrätin war da , der Schulleiter und die Klassenlehrerin.
Die Schulrätin hat uns erst abgekanzelt, da wir eine Agenda vorgelegt hatten, die wir mit Gesetzteszitaten untermauert hatten - sie kenne die Gesetze.

Danach wurde uns eine neuer Nachteilsausgleich vorgelegt, den ich gleich anhänge und den wir mit folgenden Punkten ergänzen lassen haben: Bei der Beschreibung von Sohn: "Er hat Angst, Fehler zu machen" und "er hat Startschwierigkeiten". Die Passage "Er benötigt längere Arbeitszeit zur Erledigung von Aufgaben" haben wir mit einigem Aufwand streichen lassen (da wird unserer Erfahrung nach zu leicht eine kognitive Beeinträchtigung daraus gebastelt und dann tut sich eine andere Schublade auf.)
Bei der Leistungsmessung haben wir beim Punkt : "Klassenarbeiten werden grundsätzlich angekündigt" ""mindestens 10 Tage" ergänzen lassen. Den letzten Punkt, der die Idee der Schulrätin war, haben wir streichen lassen. Stattdessen soll da jetzt stehen; "Nachschreibearbeiten werden mit 10 Tagen angekündigt. Er schreibt sie in einem ablenkungsfreien Nebenraum unter Aufsicht der pädagogischen Assistentin Frau.." Gerade gegen die zusätzliche Ankündigungszeit gab es großen Widerstand (!).

Wir konnten nicht durchsetzen, dass im Stundenplan einzelne Fächer aufgeführt werden statt GU (Gesamtunterricht). Wir konnten nicht durchsetzen, dass uns die Klassenarbeitstermine jetzt schon für das ganze Schuljahr angesagt werden einschließlich Thema und Struktur der Arbeiten. Wir konnten nicht die große Batterie an Extraveranstaltungen reduzieren. Die Struktur der Schule ist der situative Ansatz sprich Chaos pur - da muss Sohn durch, so der Tenor.

Bei der letzten Besprechung im Juli hatten wir verloren. Der Elternabend vorgestern war auch ein Punkt gegen uns:
Es sind allein bis Weihnachten 10 Extraveranstaltungen angesagt worden,
Klassenarbeitstermine wollte die Lehrerin beim Elternabend auch schon nicht ansagen (im Gegensatz zu ihren Fachkolleginnen, die das getan hatten ohne Bitte) und
der erste Aufsatz wird sich um das Thema Märchen drehen, aber die Form des Aufsatzes wollte sie auch nicht ansagen, also Reizwortgeschichte oder Bildergeschichte oder Nacherzählung oder Inhaltsangabe oder Anfang- bzw. Schlussaufsatz oder... , - und das wird uns Probleme bereiten -
Probeklassenarbeiten wollte sie auch nicht zur Verfügung stellen, so wie es in der weiterführenden Schule durchaus üblich ist.
Diese Besprechung heute werte ich als unentschieden. Es ist leider immer noch die gleiche Lehrerin und die wird weiter ihre krummen Dinger machen. Das Schulamt sieht sich nur bedingt in der Pflicht. Aber: wir haben die Schulpflicht noch weiter ausgehöhlt und wir legen im Grunde genommen fest, wann Sohn Arbeiten schreibt und können bei Nachschreibearbeiten mit etwas Glück die Form doch schon vorher erkennen.

Wir werden auf der Basis des Nachteilsausgleichs Sohn großzügig freistellen, wenn wir unstrukturierte Situationen antizipieren. Leider werden wir keine Regelmäßigkeit herstellen können, weil diese unstrukturieren Situationen wild in den Stundenplan eingestreut werden.
Ich werde in den nächsten Tagen den drei anderen Lehrerinnen und der neuen Schulsozialarbeiterin den Nachteilsausgleich kopieren und erklären.

Der Nachteilsausgleich soll in der Klassenkonferenz zum Halbjahresende evaluiert werden.

Ich habe noch ein bis zwei Dienstaufsichtsbeschwerden in der Schublade und einen offenen Brief. Wir haben einen Termin in einer Facharztpraxis. Wir halten den Kontakt zur überlasteten Autismusbeauftragten. Den Anwalt haben wir vorerst entpflichtet. Wir können den Kontakt zur Mediatorin halten. Ich bin jetzt aber gerade unschlüssig, wie lange wir was zuwarten sollen. Immerhin waren die ersten zwei Schulwochen mit Erstklässlereinschulungsfeierproben und einer plötzlichen Patenschaftsaktion in der zweiten Schulwoche für Sohn praktisch schulfrei und eigentlich eine Kampfansage.
Andererseits hat die Lehrerin nicht nur auf unserer Seite diskriminiert - sechs Kinder haben die Klasse verlassen. Es geht jetzt sicherlich friedlicher zu. Es sind jetzt nur noch 17 Kinder in der Klasse und nur noch zwei davon etwas impulsiver. Die anderen sind ja gegangen. Hintergründe werden ja nie mitgeteilt. Und wir haben auch keine echte Wahl.

Liebe Grüße
Heike
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Anjali
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Re: Gespräch am 26.9.2018 7:00 Uhr (!)

Beitragvon Anjali » 26.09.2018, 11:27

HeikeLeo hat geschrieben:Hallo Leute,

so, heute Morgen war jetzt das geplante Gespräch in der Schule. Wir sind als Eltern zu zweit gegangen, die Schulrätin war da , der Schulleiter und die Klassenlehrerin.
Die Schulrätin hat uns erst abgekanzelt, da wir eine Agenda vorgelegt hatten, die wir mit Gesetzteszitaten untermauert hatten - sie kenne die Gesetze.

Danach wurde uns eine neuer Nachteilsausgleich vorgelegt, den ich gleich anhänge und den wir mit folgenden Punkten ergänzen lassen haben: Bei der Beschreibung von Sohn: "Er hat Angst, Fehler zu machen" und "er hat Startschwierigkeiten". Die Passage "Er benötigt längere Arbeitszeit zur Erledigung von Aufgaben" haben wir mit einigem Aufwand streichen lassen (da wird unserer Erfahrung nach zu leicht eine kognitive Beeinträchtigung daraus gebastelt und dann tut sich eine andere Schublade auf.)
Bei der Leistungsmessung haben wir beim Punkt : "Klassenarbeiten werden grundsätzlich angekündigt" ""mindestens 10 Tage" ergänzen lassen. Den letzten Punkt, der die Idee der Schulrätin war, haben wir streichen lassen. Stattdessen soll da jetzt stehen; "Nachschreibearbeiten werden mit 10 Tagen angekündigt. Er schreibt sie in einem ablenkungsfreien Nebenraum unter Aufsicht der pädagogischen Assistentin Frau.." Gerade gegen die zusätzliche Ankündigungszeit gab es großen Widerstand (!).

Wir konnten nicht durchsetzen, dass im Stundenplan einzelne Fächer aufgeführt werden statt GU (Gesamtunterricht). Wir konnten nicht durchsetzen, dass uns die Klassenarbeitstermine jetzt schon für das ganze Schuljahr angesagt werden einschließlich Thema und Struktur der Arbeiten. Wir konnten nicht die große Batterie an Extraveranstaltungen reduzieren. Die Struktur der Schule ist der situative Ansatz sprich Chaos pur - da muss Sohn durch, so der Tenor.

Bei der letzten Besprechung im Juli hatten wir verloren. Der Elternabend vorgestern war auch ein Punkt gegen uns:
Es sind allein bis Weihnachten 10 Extraveranstaltungen angesagt worden,
Klassenarbeitstermine wollte die Lehrerin beim Elternabend auch schon nicht ansagen (im Gegensatz zu ihren Fachkolleginnen, die das getan hatten ohne Bitte) und
der erste Aufsatz wird sich um das Thema Märchen drehen, aber die Form des Aufsatzes wollte sie auch nicht ansagen, also Reizwortgeschichte oder Bildergeschichte oder Nacherzählung oder Inhaltsangabe oder Anfang- bzw. Schlussaufsatz oder... , - und das wird uns Probleme bereiten -
Probeklassenarbeiten wollte sie auch nicht zur Verfügung stellen, so wie es in der weiterführenden Schule durchaus üblich ist.
Diese Besprechung heute werte ich als unentschieden. Es ist leider immer noch die gleiche Lehrerin und die wird weiter ihre krummen Dinger machen. Das Schulamt sieht sich nur bedingt in der Pflicht. Aber: wir haben die Schulpflicht noch weiter ausgehöhlt und wir legen im Grunde genommen fest, wann Sohn Arbeiten schreibt und können bei Nachschreibearbeiten mit etwas Glück die Form doch schon vorher erkennen.

Wir werden auf der Basis des Nachteilsausgleichs Sohn großzügig freistellen, wenn wir unstrukturierte Situationen antizipieren. Leider werden wir keine Regelmäßigkeit herstellen können, weil diese unstrukturieren Situationen wild in den Stundenplan eingestreut werden.
Ich werde in den nächsten Tagen den drei anderen Lehrerinnen und der neuen Schulsozialarbeiterin den Nachteilsausgleich kopieren und erklären.

Der Nachteilsausgleich soll in der Klassenkonferenz zum Halbjahresende evaluiert werden.

Ich habe noch ein bis zwei Dienstaufsichtsbeschwerden in der Schublade und einen offenen Brief. Wir haben einen Termin in einer Facharztpraxis. Wir halten den Kontakt zur überlasteten Autismusbeauftragten. Den Anwalt haben wir vorerst entpflichtet. Wir können den Kontakt zur Mediatorin halten. Ich bin jetzt aber gerade unschlüssig, wie lange wir was zuwarten sollen. Immerhin waren die ersten zwei Schulwochen mit Erstklässlereinschulungsfeierproben und einer plötzlichen Patenschaftsaktion in der zweiten Schulwoche für Sohn praktisch schulfrei und eigentlich eine Kampfansage.
Andererseits hat die Lehrerin nicht nur auf unserer Seite diskriminiert - sechs Kinder haben die Klasse verlassen. Es geht jetzt sicherlich friedlicher zu. Es sind jetzt nur noch 17 Kinder in der Klasse und nur noch zwei davon etwas impulsiver. Die anderen sind ja gegangen. Hintergründe werden ja nie mitgeteilt. Und wir haben auch keine echte Wahl.

Liebe Grüße
Heike


Bei allem Verständnis, aber ich befürchte, ihr verrennt euch da etwas und schießt über das Ziel hinaus.

Im Grunde erwartet ihr, dass das gesamte Schulkonzept auf euren Sohn abgestimmt wird.
Ihr verlangt z.B., dass Extraveranstaltungen reduziert werden. Euer Sohn ist aber nicht das einige Kind der Klasse. Statt auch allen anderen Kinder die Extraveranstaltungen „wegzunehmen“, könntet ihr ja auch euren Sohn von einigen oder allen Veranstaltungen befreien lassen.

Du befindest dich im Kampfmodus. Dein Sohn ist aber auch mit auf dem „Schlachtfeld“. Außer dem Anwalt scheint aber niemand so wirklich auf eurer Seite zu stehen bzw. mitzuziehen. Ich würde mir daher überlegen, ob ich weiterhin wegen jedem Punkt ein großes Fass aufmachen würde.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 26.09.2018, 11:49

Da muss ich Anja leider zustimmen.


Es ist vollkommen ok, dass euer Sohn einen Nachteilsausgleich bekommt > nur in dem Rahmen, den ihr euch vorstellt - der für euren Sohn ja vermutlich auch richtig ist - kann eine (Regel-)Schule kaum leisten.

Was das Thema Arbeiten betrifft, da stimme ich zu, dass man das das schon mit etwas Vorlauf mitteilen kann - eine Planung über das gesamte Schuljahr machen aber die wenigsten Lehrer. Die können ja nie genau sagen, wann sie mit einem Thema durch sind (das geht mal schneller, mal langsamer > und dann verschieben sich auch mal schnell Termine). Und auch Kurzkontrollen sind kaum mit zu langem Vorlauf ansagbar (vielleicht eine Woche).

Bezüglich räumliche Situation, dass müsste von einer Schule machbar sein.

Es ist leider dann aber auch nicht der Weg, den anderen Kindern die Möglichkeit von "Extraveranstaltungen" zu nehmen > nur weil es eurem Sohn damit nicht gut geht. Es gibt viele Kids in der Klasse, denen das vielleicht gefällt.
Und ich denke mal, dann würden die Eltern der anderen Kinder vermutlich auf die Barrikaden gehen - weil es ihren Kindern nicht ermöglicht wird, daran teilzunehmen.
Da bleibt euch eigentlich nur die Möglichkeit, euren Sohn rauszunehmen für diese Zeit.

Es steht da vielleicht immer noch die Frage, inwiefern das Schulkonzept das richtige für euren Sohn ist. Zu diesem Zeitpunkt noch einen Wechsel vorzunehmen, ist natürlich auch kaum möglich - denn nach der 4. findet ja sowieso ein Wechsel statt und für ein halbes Jahr noch mal woanders hin ist für deinen Sohn ja auch nicht gut.

Vielleicht müsst ihr wirklich versuchen, dass letzte Grundschuljahr so gut wie möglich durchzustehen - ohne zu große Konfrontationen >> und schon mal anfangen bezüglich der weiterführenden Schule zu suchen, um die passende zu finden und dort schon mal die Sachen - die sich im Hinsicht auf den Nachteilsausgleich nicht ändern werden - alle schon mal im Vorhinein abzuklären >> damit es nicht so chaotisch weitergeht.


LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 26.09.2018, 12:52

Hallo HeikeLeo,
so wie es dir und deinem Sohn ergeht, ist das was sich in Zeiten der hochgelobten Inklusion immer wieder zeigt. Es geht keine Inkluson auf "Teufel komm raus" Ich habe mehrere Kinder mit und ohne Inklusion in den letzten 20 Schuljahren begleitet und werde es auch noch ein paar Jahre tu.(zwei sind noch nicht in der Schule). Ich bin ein strikter Gegner von der Absicht Förderschulen zu schließen und alle in eine Schule "zu stecke" ja , "zustecken" ist hier, wie ich das erlebe, die richtige Bezeichnung. Ein Lehrer z.Not noch mit einer Hilfe in der Klasse und/oder auch einer Einzelfallhilfe kann das nicht stemmen. Weil die Rahmenbedingungen auf einer Regelschule einfach nicht da sind. Wie soll das funktionieren mit Klassenstärken von günstigtensfalls 18 bis schrecklichen 30 sShülern in der Klasse?
Inklusion könnte funktionieren wenn die Schulen so aufgebaut wären wie z.B. die Förderschule für GE meines einen Kindes. : 8 Kinder, 3 Lehrer eine Betreuungskraft und zur not noch eine Einzelbetreuer. So kann mann jedem Kind gerecht werden. Aber wie läuft das in der Regelschule????
Beispiel mein zweitjüngster: Direktor und Schule echt toll und äußerst bemüht, wirklich, am Willen scheitert es nicht. 25 Kinder , mein Junge mit Einzelfallhelfer- sehr verhaltensauffällig durch seine Erkrankung/Behinderung- zwei -drei "normale verhaltensauffällige Kinder" und 1 Lehrer, eine Sonderpädagogin die ab und an mal vorbeischaut. Tja und ca. 21 Kinder die lernen wollen, viele davon "lieb und brav"
Mein Sohn hatte viele Nachteilausgleiche die auch alle versucht wurden umzusetzen, dabei blieben aber oftmals die anderen Kinder auf der Strecke weil immer wieder der Unterricht unterbrochen wurde u.s.w., Lehrer genervt, Kinder genervt, Eltern genervt und mein Sohn auch, weil er sich immer mehr dieser Sonderrolle die er innehatte bewußt wurde. Folge- Schulunlust, noch schlechteres Verhalten, Abneigung der anderen Kinder und Eltern, Ausschluss aus Schulerlebnissen u.s.w.
Inklusion heist ja nicht: Wir machen für das zu inkludierende Kind laufend Ausnahmen sondern wir schaffen ein Lernumfeld das allen Kindern gerecht wird. Davon sind wir leider meilenweit entfernt. Ich sage mal ganz ketzerich."Inklusion wurde forciert um Förderschulen abzubauen und Geld zu sparen."
Wer inklusiv an einer Regelschule beschult werden möchte muß dazu befähigt werden das tun zu können ohne das es Nachteile für andere oder fürs eigene Selbstwergefühl gibt. Durch ständigen Ausschluss oder ständige "Vergünstigungen" kann ich das nicht erreichen.
Mein Sohn besucht nun eine Förderschule ohne I-helfer und ist viel entspannter und wir damit auch.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 26.09.2018, 13:58

Hallo Leute,


Im Grunde erwartet ihr, dass das gesamte Schulkonzept auf euren Sohn abgestimmt wird.

Genau das ist mit Inklusion gemeint: Man setzt die Rahmenbedingungen so, dass ALLE teilhaben können. Das heißt, die Rahmenbedingungen müssen sich immer am "schwächsten" Glied orientieren.

Natürlich nehmen wir unseren Sohn raus, wenn Extras laufen. Er geht dann eben nur ein oder zwei Tage pro Woche zur Schule. Das geht schon. Aber das ist natürlich nicht der Sinn der ganzen Geschichte. Er gewöhnt sich an einen sehr luftigen Stundenplan. Und es ist leider auch nicht so, dass es ab und zu einen Ausflug gibt, sondern der Lehrerin fällt wirklich fast jeden Tag irgend etwas Spontanes ein und sie findet sich toll dabei. Vorhersehbarkeit brauchen auch andere Kinder. Der Stundenplan ist schließlich nicht nur dazu da, dass die Organisation loäuft. So ein Stundenplan hat auch pädagogisch Sinn.

Es ist auch nicht ok, dass es so dargestellt wird, dass alle übrigen Kinder der Klasse die Ausflüge wollen, nur wir nicht. Das ist erstens falsch - es fehlen (regelmäßig) auch andere Kinder bei den Ausflügen und zwar häufig die gleichen. Und zweitens Schule als Pflichtveranstaltung kann nicht in dem Sinn demokratisch gelebt werden, wie: drei Füchse und ein Hase entscheiden demokratisch, was es zum Abendessen gibt. Es gibt durchaus auch viele Kinder, die Wandertage hassen, besonders Jungen, die in dem Alter einfach mit Wachstumsschmerzen zu kämpfen haben - das kann ein kleine weibliche Lehrerin nicht verstehen. Könnte sie aber. Und drittens: Die Wandertage könnten auch richtig regelmäßig stattfinden und vielleicht meistens auf den Nachmittagsunterricht gelegt werden. Dann hätte man auch eher open-end Möglichkeit.

Aber es wird gar nicht diskutiert. Es wird bestimmt. Und das ist so grässlich.

Liebe Ilona,

mein ältester Sohn ist leider in der Förderschule mit üppiger Personalausstattung und winzigen Klassen exkludiert worden. Regelschulen haben eher das Potential es richtig zu machen. Aber das müssen sie auch wollen. Können können sie natürlich noch nicht.

Und Schulbegleitungen (hatten wir auch in der Förderschule bei anderem Sohn) - werden häufig dazu eingesetzt, gerade die Rahmenbedingungen eben nicht anzupassen, sondern das einzelne Kind dann rauszuschicken. Da muss sich an der Einstellung noch sehr viel ändern. (In einer Schule, die wir uns angeschaut haben, sagte die Lehrerin: "In der Klasse ist noch ein anderer Autist. Aber der hat eine Schulbegleitung - mit dem habe ich nichts zu tun." - Genau diese Einstellung schadet der Inklusion un erschreckt mich.)

Liebe Grüße
Heike

IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 26.09.2018, 14:19

Hallo HeikeLeo,
Man setzt die Rahmenbedingungen so, dass ALLE teilhaben können. Das heißt, die Rahmenbedingungen müssen sich immer am "schwächsten" Glied orientieren

Hm, würde ich nicht so stehen lassen, was würdest du denn sagen wenn dein völlig "normals"(fällt gerade kein Wort dafür ein) nicht den Regelschulplan gelehrt bekommt weil andere Inder Klasse noch auf einem ganz anderem Niveau sind? Oder es nach Hause kommt und erzählt, ich konnte nicht verstehen was die Lehrerin sagt weil XY nur geschriehen und gestört hat, oder aber es wurde kein bestimmtes Essen gegessen was es vielleicht ganz stolz mitgebracht hat, weil ein Schüler sonnst traurig wäre weil er das nicht essen darf?
Es ist nicht einfach auf alle Bedürfnisse einzugehen , vor allen auf alle und nicht auf einzelne.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Beitragvon HeikeLeo » 26.09.2018, 14:57

Liebe Ilona,

doch schon - das läuft ja durchaus so. Bei meiner Tochter war ein hochbegabtes Mädchen. Die musste die Schule wechseln, weil sie in der vorigen vor Langeweile ausgetickt ist.
nicht den Regelschulplan gelehrt bekommt weil andere Inder Klasse noch auf einem ganz anderem Niveau sind
An sich bedeutet Binnendifferenzierung, dass jedes Kind andere Aufgaben bekommt. Das ist gesetzlich so vorgesehen, wird aber nur sehr spärlich gelebt. Die "normalen" Kinder sind ja auch nicht gleich.
ich konnte nicht verstehen was die Lehrerin sagt weil XY nur geschriehen und gestört hat
Hatten wir auch. Den hat diese Lehrerin schon erfolgreich aus der Klasse abgeschoben. Unsere vorige Lehrerin konnte mit ihm. Mein Sohn hat sich in zwei Jahren etwa fünfmal über den Y. beschwert. Ich finde das nicht viel. Das geht. Und wenn das entsprechende Kind mehr stört und schreit, dann stimmen dessen Rahmenbedingungen nicht. Da muss nachgebessert werden.
es wurde kein bestimmtes Essen gegessen was es vielleicht ganz stolz mitgebracht hat, weil ein Schüler sonnst traurig wäre weil er das nicht essen darf?
Essen gehört nicht in die Schule. Das ist außerunterrichtlich. Da bin ich ganz extrem empfindlich. Mein Mann ist an so großzügig gelebtem "iß, das ist gut" vor Allergie fast gestorben! Gerade bei gemeinschaftlichem Essen ist allergrößte Vorsicht und Fingerspitzengefühl gefragt. Das ist für größere Zwangsgruppen zu kompliziert. Das überlässt man lieber dem privaten Bereich.

Genau darum geht es ja. Der ureigentliche Zweck der Schule ist Unterricht. Ich finde, außerunterrichtliche Veranstaltungen (wie Ausflüge), sollen dann auch außerunterrichtlich stattfinden. Aber wenn man diese Ausflüge als freiweiliig anbietet, kommen zu wenige. Deshalb wird so etwas in die Schulpflicht geschoben und schon kann eine ausflugbegeisterte Lehrerin ihren Spleen ausleben. Die anderen Kinder werden vorgeschoben.

Wie gesagt. Wir sind eigentlich ganz zahme Eltern. Wir nehmen Junior bereitwillig etliche Tage aus der Schule, arbeiten artig zu Hause den Schulstoff nach, lassen uns auf Ankündigungen von aus-der-Schule-nehmen auf Abruf ein - aber wir wollen das dann auch offiziell haben. Wir wollen, dass es offiziell geduldet wird. Wir wollen für diese Sonderkonstruktion nicht auch noch die volle Verantwortung tragen.
Und wir wollen auf keinen Fall, dass Sohn von der Lehrerin gequält wird: im Durchgangstreppenhausflur Aufsatz schreiben (laut, unruhig, zugig, im Schaufenster), Sechsen zur Disziplinierung, Gedicht vor der Klasse vortragen, wenn man krank gewesen war und das Gedicht nicht verfügbar war ("er konnte es ja" - "klar, Mama kann hellsehen und hat gegen Sohn´s Widerstand das Gedicht mit ihm geübt"), trotz Sportbefreiung Ballabwerfen in der Halle mitmachen müssen und mit blauem Auge heimkommen....

Liebe Grüße
Heike

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 26.09.2018, 15:01

HeikeLeo hat geschrieben:Genau das ist mit Inklusion gemeint: Man setzt die Rahmenbedingungen so, dass ALLE teilhaben können. Das heißt, die Rahmenbedingungen müssen sich immer am "schwächsten" Glied orientieren.



So wie du das beschreibst, würde es ja heißen, dass wenn z.B. L-Kinder inkludiert werden, alle sich denen anzupassen haben, ......
Und stell dir mal vor, so wie es heute ist - es gibt ein Kind mit Lernbehinderung in der Klasse, dann noch eines mit FS Sozio-Emotional > also mehrere Kinder mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten - wie willst du es als Lehrerin bei deiner Aussage machen. Dann fallen wirklich die "Normalen" Kinder ohne Defizite hinten runter, und das kann nicht der Fall sein.
Solange es nur eine ausgebildete Pädagogin in einer Klasse gibt, wird kaum eine Inklusion möglich sein, wie du sie dir vorstellst. Weil eine Lehrerin allein kann, aus meiner Sicht, nie allen Kindern in einer INklusionsklasse - ob gesund oder mit Defiziten - gerecht werden > weil sie den "Umgang" mit "speziellen" Kindern nie gelernt hat. Mit einer zusätzlichen Kraft (Sonderpädagogin) kann ich mir eine Inklusion - so wie du sie gerne möchtest -eher noch vorstellen. Wenn möglich, sind die Kids im Alltag in der Klasse integriert und in speziellen Situationen wird dann eher die Sonderpädagogin tätig > weil sie, im Gegensatz zu einer normalen Grundschullehrerin dafür ausgebildet ist.

Bezüglich der vielen Extraveranstaltungen - ist das an der Schule allgemein üblich? Oder ist es eine Marotte der Lehrerin?
Bezüglich der Entscheidungsgewalt der Schule - es muss schon jemanden geben, der Entscheidungen trifft > es gibt schliesslich einen Lehrplan, an den sich gehalten werden muss. Und dass passt nicht immer jedem.
Ich habe auch das Problem, dass im Frühjahr mein Sohn eine Woche zu Hause bleiben sollte > wegen der Diagnostikwoche der Schulanfänger > da fragt auch keiner, ob das geht >> da muss man mitmachen, ....

Was bei mir aber rüberkommt ((nur ein Gefühl)) > was vielleicht auch die Schule spürt, dass du eine sehr energische Person bist, die auch sehr auf ihrem Standpunkt besteht - der vermutlich auch nicht immer der schlechteste ist. >> Und da fühlen sich viele in ihrer Ehre angegriffen und blocken dann komplett.

Ehrlicherweise muss man in D noch davon ausgehen, dass dass Thema Inklusion bis auf einige sehr engagierte Schulen und Lehrkräfte noch in den Kinderschuhen steckt und noch nicht optimal läuft > nur können wir nicht warten, bis alles wie am Schnürrchen klappt.

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 26.09.2018, 15:26

Siebe Sandy,

ist das an der Schule allgemein üblich? Oder ist es eine Marotte der Lehrerin?

Es ist eindeutig eine Marotte der Lehrerin. In den anderen Klassen gibt es einen Ausflug pro Jahr - vielleicht. Manchmal fällt auch der weg und keiner trauert ihm nach. Diese vielen Ausflüge werden als "engagiert" gewertet. Ich halte es aber eher für Spezialinteresse.

. L-Kinder inkludiert werden, alle sich denen anzupassen haben
Inklusion ist ja genau nicht anpassen. Anpassen wäre Integration. Inklusion heißt, die Rahmenbedingungen werden so gewählt, dass die L-Kinder auch mitkommen. Bei Papierarbeit müssen sie eben andere Aufgaben bekommen als die anderen. Bei Auswendiglernsachen, müssen sie eben weniger reproduzieren oder später. Inklusion heißt nicht, dass alle ständig Mandalas ausmalen müssen - so wird es aber in manchen Förderschulen gelebt. Und da passt dann der bewegungsfreudige Autist nicht rein und wird aus der Klasse geschickt, um hinterher von der Feuerwehr vom Dach geholt werden zu müssen (erlebte Anekdote).

Wenn man Inklusion richtig macht, dann haben alle etwas davon. Aber in Deutschland sind wir wirklich noch sehr weit davon weg.

Liebe Grüße
Heike

Ich versuche das Gespräch von heute Morgen einzusortieren, zu werten und ich heule mich hier gewissermaßen aus.
dass du eine sehr energische Person bist
Ich bin überhaupt nicht energisch. Aber ich habe die ganze Geschichte schon mal durch. Damals habe ich auf Nachgeben gesetzt. Mein Kind ist beinahe gestorben - er hat am Ende Essen verweigert. Das ist hier nicht bildlich gemeint. Er hat gehungert und ist immer dünner geworden. Es war sehr mühsam ihn wieder aufzupäppeln. Das hat aber die Schule nicht mitbekommen. Das Schulamt hat damals die Schulpflicht ausgesetzt. Das muss ich nicht noch einmal haben.
Das war damals mein Ältester. Jetzt ist es mein Jüngster. Und auch eine andere Schule. Und diesmal habe nicht ich das Schulamt auf den Plan gerufen, sondern die Lehrerin, weil sie Schützenhilfe wollte. Ich denke aber, der Schuss ist nach hinten losgegangen - zumindest ist es nicht so gelaufen, wie geplant.


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