Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 23.07.2018, 16:39

Hallo Leute,

heute war jetzt der Gesprächstermin in der Schule. Ich habe ein Vorabprotokoll geschrieben. Die Namen habe ich durch die Buchstaben des Alphabets ersetzt und damit anonymisiert.

Habt Ihr Vorschläge, wie ich das Protokoll besser formulieren kann, um die Sache ein wenig in die richtige Richtung zu lenken. Das Gespräch war vollkommene Zeitverschwendung. Ich finde die Haltung der Schulrätin mehr als zynisch.

Liebe Grüße
Heike


Protokoll der Besprechung am 23.7.2018

Anwesende: Frau A. (Schulamt), Herr B. (Schulleiter), Frau C. (Mutter), Herr D. (Vater), Frau E. (Klassenlehrerin) wird wegen Krankheit entschuldigt

Herr B. stellt Frau A. vor, als Schulrätin und Spezialistin für Nachteilsausgleiche. Sie sagt, dass sie die Kinder oft nicht kennen, aber viel Erfahrung haben mit Nachteilsausgleichen beim Schulamt.

Frau C. stellt F. als Typ schusseliger Professor vor. Sie sagt, man müsse lösungsorientiert und auch kompetenzenorientiert an die Sache rangehen. Bisher sei zu viel defizitorientiert geschehen, gerade auch im Hinblick auf den Nachteilsausgleich.

Herr B. teilt eine neue Version der Einzelnotenauflistung aus. Die vom Anwalt bemängelte 6 ist aus der Wertung rausgenommen, da Frau E. F. zu dem Zeitpunkt noch nicht gekannt habe. Es sind vorher nicht vorhandene Noten aufgetaucht. Bei keiner Note steht Datum oder Inhalt. Frau A. sagt, Transparenz bedeute nur, dass die Gewichtung vorliege, die ja darauf enthalten sei.
Probleme, die die Eltern mit Frau E. hätten, könnten nur angesprochen werden, wenn Frau E. anwesend sei. Frau A. weist darauf hin, man solle eine Kommunikation finden, die hilfreich sei.
Zukunftsperspektive sei, dass in der Klassenkonferenz nächstes Schuljahr noch einmal alles detailliert besprochen werden soll. Die Eltern sollen die Grenzen der Schule sehen. Eventuell könne man darüber nachdenken, Nachschreibetermine auch zu reduzieren, meint Herr B.
Frau A. weist darauf hin, dass die Klassenkonferenz sehr auf Chancengleichheit achten muss. Deshalb könne F. durch einen Nachteilsausgleich nicht bevorzugt werden. Die Eltern finden die Bemerkung zynisch.
Der Vorschlag der Eltern, F. durch einen Klassensprung aus der für ihn sehr unglücklichen Klassensituation zu helfen, wird besonders von Frau A. als völlig abwegig angesehen, auch wenn die Eltern mit Klassensprüngen schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben und das auch erzählen. Es handele sich eben auch um einen Stufenwechsel.

Herr B. fragt, ob F. auch etwas Positives berichten könne. Leider müssen die Eltern verneinen. Die ersten beiden Klassen bei Frau G. seien schön gewesen, seit er bei Frau E. in der Klasse ist, habe er ständig Bauchschmerzen und komme immer schlecht gelaunt aus der Schule. Frau A. meint, sie sei mit ihrer Lehrerin der Klassen 1 und 2 auch besser ausgekommen, als mit dem späteren Lehrer. Das sei normal.
Die Klassenlehrerin sei sehr zufrieden, wie es laufe. Die Tage seien eben sehr verschieden.

Herr B. und Frau A. wollen das Vertrauen in Frau E. verbessern, das bei den Eltern gar nicht vorhanden ist.
Frau A. hat die Idee, dass F. vor Klassenarbeiten in der Pause im Gebäude bleiben könne. Sie wiederholt den Vorschlag mehrfach. Das könne man im Nachteilsausgleich ergänzen. Der Vorschlag scheint Frau C. nicht geeignet, da es F.s Bewegungsdrang nicht gerecht wird.
Frau A. meint, die Erfahrungen des vergangenen Jahres könnten in den Nachteilsausgleich des nächsten Jahres einfließen und er könne nächstes Schuljahr weitergeführt werden.
Es seien viele Missverständnisse aufgetreten. Ganz wichtig sei, die Gleichbehandlung. Deshalb hätte F. auch eine überflüssige Nachschreibearbeit nach dem Termin nachschreiben müssen, damit diese Arbeit dann mit einer 6 bewertet wird. Frau A. versteht einen Nachteilsausgleich als Mittel der Bevorzugung.
Als Zukunftsperspektive sagt sie, es müsse einen Ansprechpartner geben. Der Nachteilsausgleich müsse detaillierter angepasst werden. Die Verantwortung möge man in der Schule belassen. Ein konkreter Ansprechpartner wird nicht benannt. Konkrete Vorschläge unterbleiben auch auf Nachfrage.

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 08.08.2018, 10:35

Hallo Leute,

inzwischen haben wir ein Protokoll vom Schulamt bekommen und ich sende heute Ergänzungen zum Protokoll zurück.

Liebe Grüße
Heike
Dateianhänge
2018-07-23 GesprächsprotokollundErgaenzungenanonymisiert.pdf
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rena99
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Beitragvon rena99 » 08.08.2018, 15:24

Hallo Heike,

aus meiner mittlerweile sehr langjährigen Erfahrung ist es wenig sinnvoll, sich an der Institution "Grundschule" in einem so späten Stadium (Start 4. Klasse) abzuarbeiten.

Aus deinen Ergänzungen zum Protokoll liest man direkt deinen ganzen Frust über die Situation. Damit wirkst du emotional belastet und man wird weiter "dicht machen" und dich auch nicht wirklich Ernst nehmen.

Es ist nie zielführend, bei Grundschulen auf das vorhandene intelektuelle Potential zu pochen, dass wegen der Bedingungen in der Schule nicht passend "auf die Straße" gebracht werden kann. Das sieht die Schule nicht als ihre Aufgabe, auch wenn sie das eigentlich sollte. Der Umgang mit (hoch)begabten Kinder ist auch 2018 für viele Schulen immer noch schwierig.

Ich würde auch mal den Fokus von den Noten wegverlagern. Natürlich ist der NT wichtig und ich würde auch auf wesentlichen Punkten der Umsetzung bestehen (z.B. Ankündigung der Tests). Ich würde aber nich mal sehr genau nachdenken, wieviele Punkte der NT wirklich enthalten sollte. Man fährt mit wenigen, dann aber verlässlichen strikten Regelungen besser, als mit einem langen Katalog, der nicht sauber formuliert oder umsetzbar ist.

Es mag dir zwar zynisch vorkommen, dass man teilweise eine Bevorzugung in den Regelungen sieht. Es bleibt aber die Tatsache, dass diese Einschätzung besteht. Das muss eine Ursache haben, auch wenn die vielleicht völlig verquer ist.

Mein Eindruck ist, dass die Lehrerin und die Schule so in etwa denken: im Prinzip schafft er die 1, vom Arbeitsverhalten und der Persönlichkeitsstruktur steht er eher 5, macht eine gute 3 im Mittel, passt. Das ähnlich wie bei einem hypothetischen anderen Kind : ist prima im Arbeitsverhalten, sehr hilfbereit und ruhig, schreibt schriftlich eher 5er, aber in Summe geben wir die 3, passt.

Der "Erkrankungsanteil" deines Sohnes wird nicht korrekt gesehen. Und ihn zu sehen ist bei intelligenten Autisten mit zunehmenden Alter auch wirklich schwierig.

Es wird also darauf ankommen, erkrankungsbedingte Nachteile deutlich zu benennen, entsprechende Nachteilsausgleiche sauber zu formulieren (je weniger je besser) und diese dann in unemotionalen Gesprächen zu vermitteln. Dafür am besten einen Mediator einsetzen. Eltern sind da zu betroffen.

Die eigene Argumentationslinie Richtung Schule sollte sein, dass man ja leider das emitionale Alter/Verhalten noch nicht altersgemäß ist, aber Gott sei Dank keinerlei intellektuelle Defizite existieren, insofern sei man ganz optimistisch, dass man an ersterem arbeiten könne und den Sohn daher auch eher auch einem Gymnasium sehe, trotz der Probleme.

Die eigene Arbeit und Energie würde ich in die Suche nach einer passenden weiterführenden Schule stecken. Da wird dein Sohn in Zukunft noch viel Zeit verbringen.

LG
Rena, deren Tochter die Schule mittlerweile erfolgreich verlassen hat, die sich aber an die Grundschulkämpfe noch gut erinnert
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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Beitragvon HeikeLeo » 08.08.2018, 17:50

Liebe Rena,
Man fährt mit wenigen, dann aber verlässlichen strikten Regelungen besser, als mit einem langen Katalog, der nicht sauber formuliert oder umsetzbar ist.
da gebe ich Dir vollkommen Recht. Den Nachteilsausgleich hat ja auch die Schule selbst formuliert und uns vorgelegt. Mir genügt es, wenn die Klassenarbeiten mindestens eine Woche vorher angesagt sind und ich die Arbeitsblätter komplett abholen darf. Klassenarbeiten werden aber schon die ganze Zeit zum Teil am Vorabend angesagt - da blockiert mein Kind ganz und gibt vollkommen leere Arbeiten ab, die bisher voll gewertet wurden.
Die Arbeitsblätter wollen sie nicht mehr, dass ich sie abhole. Die werden mir jetzt über mein Kind zugeschickt. Leider sind sie immer unvollständig.
Es wird also darauf ankommen, erkrankungsbedingte Nachteile deutlich zu benennen, entsprechende Nachteilsausgleiche sauber zu formulieren (je weniger je besser) und diese dann in unemotionalen Gesprächen zu vermitteln. Dafür am besten einen Mediator einsetzen. Eltern sind da zu betroffen.
Die Nachteile wollte die Lehrerin im Mai nicht mehr in den Nachteilsausgleich aufnehmen. Wir haben drei Nachteile formuliert.
Mediatorin ist auch schon dran gewesen. Leider wird auch sie angelogen.
den Sohn daher auch eher auch einem Gymnasium sehe
klar, haben wir auch schon kommuniziert. Wir haben zwei erwachsene Söhne, die in der gleichen Grundschule waren und sogar noch auffälliger waren, die aber unter dem Radar durchgelaufen sind. Beide haben inzwischen ein praktisch abgeschlossenes Studium. Das Blöde ist nur, dass in Baden-Württemberg inzwischen die Grundschulempfehlung wieder vorgelegt werden muss. Da bekommen wir dann gleich Gegenwind, wenn die Noten auch nicht stimmen - das Sozialverhalten ändert sich erfahrungsgemäß nicht so schnell.

Aber danke für Deine Tipps. Wahrscheinlich bleibt auch nicht mehr viel. Nur ich muss jeden Tag das Kind gegen größer werdenden Widerstand in den Laden reinschieben. Und mir dreht es schon den Magen um! Wenn ich das Reinschieben delegiere, macht die ganze Mannschaft gleich kehrt. Das funktioniert alles sehr, sehr holprig.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon HeikeLeo » 24.08.2018, 15:49

Hallo Leute,

neuer Zwischenstand.
Gestern hat unser Anwalt mit der Schulrätin lange telefoniert. Er meinte, sie habe das Problem jetzt verstanden.

Sohn will leider weder Klasse noch Schule wechseln. Schule und Schulrätin wollen und können die Lehrerin nicht austauschen - verstehe ich auch. Klassensprung in die weiterführende Schule oder die Web-Schule ist ihnen auch zu keck, Lernstandsmessungen von jemand anderem wollen sie auch nicht offiziell versprechen.

Der Nachteilsausgleich wird weitergeführt und zwei Wochen nach Schuljahresbeginn noch einmal besprochen. Wir wollen die Schwierigkeiten mit aufgenommen haben:
1. H. kann soziale Gefüge nicht erfassen und nicht einschätzen
2. H. hängt am Detail, eine Einordnung muss von außen erfolgen
3. H. hat große Angst. Besonders groß ist seine Angst, Fehler zu machen. Das geht so weit, dass seine Handlungsfähigkeit bis zur vollkommenen Untätigkeit gehemmt wird.

Wenn nicht einmal Terminansagen funktionieren, ist der Nachteilsausgleich nicht sehr nützlich - aber er weicht in gewissem Umfang die Schulpflicht auf. Ich werde das Kind noch großzügiger befreien, wenn absehbar ist, dass der Ablauf ihm schadet. Ohnehin sitzt er den Unterricht nur ab. Inhalte erarbeitet er zu Hause.

Die Schulrätin hat versprochen Kind und Lehrerin zu entkoppeln. Das ist sehr kryptisch hat aber gewisses Hoffnungspotential. Bis Ende September werde ich erst einmal nichts weiter unternehmen. Es gibt verschiedene Optionen, die funktionieren könnten - mal schaun, ob die Dame ein gutes Händchen hat.
Egal was es ist, es wird nicht einfach. Ich würde auch nie behaupten, dass Sohn einfach sei.

Bis dann.

Liebe Grüße
Heike

powersunnny
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Beitragvon powersunnny » 29.08.2018, 13:14

Hallo Heike,

ich habe mich hier ein wenig durchgelesen und bin wieder einmal fassungslos, wie das Thema Inklusion an Schulen, insbesondere Grundschulen, umgesetzt wird.

Bei uns ist das auch immer wieder Thema gewesen. Unsere Jüngste wurde mit ihren Einschränkungen nicht wirklich gesehen und somit nicht ernst genommen. Das machte sich sehr deutlich in den Benotungen bemerkbar. Hier in Niedersachsen gibt es die Handreichung der Landesschulbehörde, wo viele Nachteilsausgleiche formuliert sind - leider wurde diese kaum bis gar nicht bei uns angewendet. Letztendlich wollte ich im letzten Grundschuljahr nicht mehr mit einem Juristen kämpfen - für mich persönlich ist es ein Unding eine Selbstverständlichkeit wie Inklusion mit einem Anwalt durchboxen zu müssen. Ich habe zum Abschied der Grundschule einen Brief mit sehr detaillierter konstruktiver Kritik geschrieben - ebenso habe ich noch darauf verwiesen, dass Kinder mit Autismus einen Rechtsanspruch auf Gewährung und Einhaltung der Nachteilsausgleiche haben - so wie es der Arbeitgeber der Lehrer, die Landesschulbehörde auch vorsieht. Bislang - 9 Wochen später - kam keinerlei Resonanz. Daran kann man sehr schnell die innere Haltung zum Thema Inklusion ableiten :? Nun ist unsere Jüngste auf einer Förderschule. Von uns eine sehr bewusste Entscheidung, damit sie die Freude am Lernen wieder entdeckt und nicht weiterhin verweigert. Seit drei Wochen erkennen wir unser Kind nicht wieder - sie geht fröhlich in die Schule und kommt fröhlich wieder nach Hause. Hier hat man jedes Kind wirklich im Blick und das merken wir an dem Verhalten unserer Tochter. Die Entscheidung fiel uns vorerst nicht leicht, da sie kognitiv super fit ist und durchaus das Abitur an einer Regelschule hätte erreichen können. Mit der momentanen Haltung der Regelschulen allerdings so nicht.

Bei unserer mittleren Tochter (15) kämpfen wir an der IGS schon seit 5 Jahren immer wieder. Nun werden wir härter bezüglich Umsetzung der Nachteilsausgleiche, da es das Abschlußjahr ist. Allein der Satz "das ist der Rechtsanspruch meiner Tochter" war für die Lehrer schon irritierend. Meist kam eher gönnerhaft "ach, dann machen wir das halt so" - dieses Verhalten triftt und ärgert mich sehr.

Beide Mädels haben zum Glück Schulbegleiter - nicht, weil sie nicht lernen können/wollen, sondern weil Lehrer immer wieder den Hinweis auf die Rechtslage durch Schulassistenz benötigen. Verkehrte Welt.

Nun werden wir unsere Erfahrungen mit den Regelschulen in Bezug auf Autismus verschriftlichen und mit anderen betroffenen Eltern an das Kultusministerium weiterleiten. Ob sich etwas ändert, wage ich zu bezweifeln. Aber wir haben zumindest darauf hingewiesen, dass es noch sehr viel Handlungsbedarf gibt.

Das war es erst einmal in Kurzform von uns. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft im Umgang mit der Schule, den Lehrern und der Gesamtsituation.

Liebe Grüße - Sonja

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 10.09.2018, 16:53

So, heute hat die Schule angefangen.

Die Schulrätin vom Schulamt hatte "enkoppeln" versprochen - wie immer alles mündlich.

Im Stundenplan ist alles beim Alten geblieben. Die Hauptfächer erteilt die bisherige Klassenlehrerin, sowie Kunst und Sport. Von Sport und Religion werde ich Sohn befreien. Dankenswerterweise sind diese Stunden allesamt Randstunden. Ich frage mich jetzt nur, ob ich die Entkopplung unterstützen kann, indem Sohn nur in die Stunden geht, die nicht von der bisherigen Klassenlehrerin gegeben werden. Das sind immerhin Musik, Englisch und Sachunterricht. Damit hätte er jeden Tag mindestens eine Stunde - was ja regelmäßig ist.

Oder sollte ich kämpfen für §76 Schulgesetz Baden-Württemberg: (1) Zum Besuch der in § 72 Abs. 2 Nr. 1 bezeichneten Schulen sind alle Kinder und Jugendlichen verpflichtet, soweit nicht für ihre Erziehung und Unterrichtung in anderer Weise ausreichend gesorgt ist. Anstelle des Besuchs der Grundschule darf anderweitiger Unterricht nur ausnahmsweise in besonderen Fällen von der Schulaufsichtsbehörde gestattet werden.
Immerhin holt er schon seit drei Jahren den kompletten Unterricht zu Hause nach - er geht wirklich umsonst in die Schule. Da muss ich die Qual ja nicht künstlich ausdehnen, nur damit es "normal" aussieht.

Diese Woche wird jetzt erst einmal oppulent für die Einschulungsfeier der neuen Erstklässler eine Theateraufführung geprobt. Da ist Sohn ohnehin verloren: drei oder sechs Klassen in der Turnhalle, laut, keine Ordnung, keiner zuständig... Auf der Basis von seinem bisher bestehenden Nachteilsausgleich darf ich ihn da ja ohnehin freistellen. Aber ab nächster Woche wird es interessant.

Liebe Grüße
Heike

rena99
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Beitragvon rena99 » 10.09.2018, 17:39

Hallo Heike,

hhmm, schwierig das.

Ich sehe einfach kein positives Klima für deinen Sohn in der Klasse, wenn er überhaupt nicht mehr zu Stunden der Klassenlehrerin geht.

Da würde ich eher sehen, dass ich ein Ruhen der Schulpflicht für dieses Jahr bekomme und ihn dann zu Hause unterrichten.

Möchte er selbst denn gerne in die Schule? Das wäre ja noch ein Argument, eine Lösung in und mit der Klasse zu suchen.

LG
Rena
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Beitragvon HeikeLeo » 11.09.2018, 16:46

Hallo Rena,

mmh. Er jammert nur rum. Alles zwickt und zwackt. Ich mache ja so oder so schon alles mit ihm zu Hause. In der Schule tut er NICHTS. Erstaunlicherweise hat er bei Klassenarbeiten teilweise alles ausgefüllt - so ganz anders als im normalen Unterricht. Aber manchmal auch gar nichts.

Im Moment sind sie 18 Kinder in der Klasse. Bisher waren es 22 Kinder. 2 sind weggezogen und 2 wiederholen. Drei Jungs, ein Mädchen. Ohne diese vier wird es für Sohn ruhiger. Zum Teil haben diese vier ihn speziell geplagt.
In den kleinen Fächern hat er drei verschiedene Lehrerinnen. Von Englisch gestern hat er mal zu Abwechslung abends etwas erzählt. Das machte einen guten Eindruck. Von Sachunterricht heute weiß ich noch nichts. Musik wird auch noch kommen.
Mathe lief letztes Jahr ordentlich (offenbar weil die Lehrerin denkt, dass Autisten Mathe können), Deutsch hatten wir das komplette Notenspektrum - ohne Mitte. Beim Lesetest sagte sie: Lesetest sagt sie grundsätzlich nicht an, da man darauf nicht üben kann. Im nächsten Satz, nach einem entsetzten Blick von uns sagte sie dann, aber sie würden in der Schule üben. !!!??? Ich habe zu Hause mit ihm Lesetest geübt und er konnte dann den zweiten in der Schule erfüllen. Der war auch angesagt - allerdings ließ die Lehrerin die erste angkündigte Arbeit weg. Beim ersten Lesetest hatte er nichts hingeschrieben und eine 6 kassiert. Nach dem Gespräch mit dem Schulamt wurde diese 6 aus der Wertung rausgenommen. Die anderen schlechten Noten aber nicht, obwohl die genau so unfair zustande gekommen sind.

Wir haben am 27.9. ein Gespräch in der Schule mit Schulrätin und neuer Schulleitung. Unser Anwalt meinte gestern, ich solle von der Schulpflichtbefreiung dringend die Finger lassen. Da spiele das Schulamt in jedem Fall nicht mit. Nicht in der vierten Klasse.
Außerdem sehe ich eben die Gefahr, dass er sich tatsächlich auch daran gewöhnen könnte, nicht in die Schule zu gehen. Andererseits, ob er zu Hause am Vormittag nichts tut oder in der Schule nichts tut - da ist zu Hause die stressärmere Variante. Ich muss trotzdem für Fremdbetruung sorgen, da ich ja arbeite. Papa auch. Aber wir müssen sowieso jemanden als Hüter haben für Großsohn. Da helfen die großen Geschwister sehr kompetent mit.

Die jetzige Lehrerin fährt voll ab auf Ausflüge. Letztes Jahr gab es etwas mehr als vierzig Ausflüge/Aktionstage. Dazu noch etwa 20-30 anderweitig unvorhersehbare Situationen z.B. wenn sie krank war. Wenn solche Tage vorhersehbar sind, darf ich ihn auf Basis des Nachteilsausgleichs zu Hause lassen. Da bleibt dann nicht mehr so viel übrig. Aber es ist natürlich total zerzupfelt. Und manchmal geht auch noch etwas schief. Letztes Jahr gab es eine Vertretung - nachdem er zwei Wochen zu Hause gewesen war, wegen Krankheit. Die Vertretungskraft setzte Sport an. Sohn wollte auf die Ruhebank - durfte aber nicht. Es wurde Abwerfen mit dem Ball "gespielt". Sohn ist von Sport befreit, gerade wegen so etwas. Körperkontakt macht ihm Megastress, gerade kräftige Ballstöße, die aus dem Nichts kommen. Der Schulleiter meinte, das kann immer mal vorkommen - das lässt sich nicht vermeiden. Vertretungslehrer nehmen oft das Klassenbuch nicht mit und sind auch sonst nicht über die Klasse informiert. Es herrscht Personalnot. Das muss man so hinnehmen.
Ich habe es leider aber auch schon erlebt, dass in solchen Fällen auch Protest von Schulbegleitungen weggefegt werden. Das scheint mir keine Alternative.

Außerdem kriegt die Klassenlehrerin ihre Terminansagen nicht hin. Eventuell bräuchte sie eine Begleitung. Ich brauche für diese Gespräch eine gute Strategie und vor allem ein klares Ziel. Ich hätte auch die Courage für ein zeitweises Aussetzen der Schulpflicht. Aber ALLE um mich herum fürchten sich davor, einschließlich Ehemann und Anwalt ganz zu schweigen von Schule und Schulamt.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon HeikeLeo » 20.09.2018, 17:00

Hallo Leute,

nächste Woche ist ein Gespräch in der Schule geplant. Heute hat unser Rechtsanwalt folgende Mail von der Schulrätin erhalten. Was meint Ihr?

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt ,

mit der..schule haben wir eine Lösung für die Deutscharbeiten gefunden. H. kann diese in einem Nebenraum unter Aufsicht der pädagogischen Assistentin der Schule schreiben. Begründung: reizarme Umgebung und keine Ablenkung.

Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus wäre es aus unserer Sicht sinnvoll, diese zukünftig über Sie laufen zu lassen. Grundsätzliche Dinge könnten so durch Sie gefiltert werden und wir kämen hoffentlich aus dem Klein-Klein heraus.

Wäre das für Sie so möglich? Wir könnten dann am kommenden Mittwoch beim Gespräch die Eltern darum bitten/darauf hinweisen, den vorgesehen Weg bei Interessenvertretung durch einen RA einzuhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Ich finde es peinlich. Der Vorschlag zur Entkopplung ist mehr als kümmerlich und die Schulrätin versucht sich gerade aus der Verantwortung zu stehlen.
Das Schuljahr hat sehr chaotisch angefangen. Die Lehrerin wechselt ständig Unterrichtsraum, Klasse und Fach, völlig unvorhersehbar. Da hilft es nicht, wenn nur die Arbeiten woanders geschrieben werden und der Unterricht genauso chaotisch bleibt, wie bisher. Klar, die Lehrerin hat die schwierigsten Kinder aus der Klasse gebissen. Jetzt sind nur noch 17 Kinder. An sich ist das eine schöne kleine Zahl. Aber auch eine kleine Zahl kann man mit Chaos sehr beschädigen.

Bin mal gespannt auf Input.

Liebe Grüße
Heike


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