Erwachsenwerden und Wohnen

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Susanne 61
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Erwachsenwerden und Wohnen

Beitragvon Susanne 61 » 24.06.2018, 20:58

Hallo Leute,
unsere Dorothea wird in wenigen Tagen 17 Jahre alt. Nach den Sommerferien beginnt ihr letztes Schuljahr in der GB-Schule.
Natürlich überlege ich mir nicht erst "seit gestern", sondern seit deutlich längerer Zeit, wie alles weitergehen könnte.
An ein selbständiges Leben ist nicht zu denken, also braucht sie einen Wohnplatz in einer vollstationären Einrichtung. Ein Wohnheim für Geistigbehinderte an unserem Wonhort! ist in Planung. Ein weiteres entsteht gerade in 12 km Entfernung. Na prima, sollte man denken...
Nichts ist prima! :(
Dasjenige an unserem Wohnort mit 24 Plätzen ist, lange vor Baubeginn, bereits belegt. Natürlich hoffe ich immer noch, dass vielleicht jemand von den "Vorgemerkten" einen Rückzieher macht aus welchen Gründen auch immer...
Also frage ich immer wieder mal nach bei der dafür zuständigen Dame im Landratsamt, die mir nach einigem Hin und Her genannt wurde. Heute traf ich sie zufällig nach dem Gottesdienst, wo sie anlässlich eines anderen sozialen Projektes Kraft ihres Amtes anwesend war. Da dachte ich, gut so, stelle ich mich mitsamt Tochter persönlich bei ihr vor und frage mal wieder nach, wie es steht...
Offenbar für die Sozialdezernentin zur Unzeit! Das Gespräch geriet grauenhaft daneben, sie riet mir, kurz zusammengefasst, jetzt endlich meine Klappe zu halten und zu warten, bis im Laufe des nächsten Schuljahres sowohl die Schule als auch das Sozialamt sich "darum kümmern" würden.
Ich solle bitteschön nichts machen und warten!
In der anderen Einrichtung 12 km entfernt hatten wir immerhin Anfang Mai ein "Vorstellungsgespräch", ca. 1,5 Stunden lang sollte ich vom "typischen Tagesablauf" meiner Tochter berichten. Eine Rückmeldung gibt es nach den Sommerferien.
Nun meine Frage an euch: Wer hat sein erwachsenes Kind in einer Einrichtung und wie lief das ab im Vorfeld? Habt ihr auch einfach "nichts gemacht" von eurer Seite aus und dann nach Ende der Schulzeit den passenden Wohnheimplatz bekommen? Stimmt es, dass die Schule und das Sozialamt sich allein darum kümmern?
Ich würde sagen, das fängt schon mal richtig gut an bei uns! :(
LG,
Susanne
Susanne mit Dorothea, 18 Jahre, frühkindlicher Autismus und drei gesunden Geschwistern 26, 29 und 30 Jahre

Gixi
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Beitragvon Gixi » 24.06.2018, 21:42

hallo susanne,

lange nichts mehr voneinander gehört! wie gehts euch?

das ist natürlich quatsch. niemand kommt nach der schule auf dich zu und hilft die freiwillig bei der suche eines wohnheimplatzes.

schön wärs!!!!

wenn du also nichts tust, wird auch nix passieren. demnach immer schön aktiv bleiben!

vielleicht kannst du mit mal ein kurzes update geben!

glg
gixi

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KerstinM.
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Beitragvon KerstinM. » 24.06.2018, 23:08

Hallo Susanne,
vor allem ist es DEIN Recht als Mutter den Weg DEINES Kindes zu bahnen.

Ich würde mir da jedenfalls von niemanden reinreden lassen. Sie dürfen mir , Kraft ihres Amtes, nur dabei helfen, den Weg zu beschreiten, den ich für mein Kind wähle.

ich finde das schon eher kompetentzüberschreitend, dir da reinreden zu wollen. Wenn es denn so ist oder wird.

LG Kerstin
Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf,Epilepsie
PK (*14)spastische Tetraparese, gesetzl. blind, Entwicklungsverzögerung, Epilepsie, kleiner Sonnenschein
Ein behindertes Kind ist wie ein krummer Baum - du kannst ihn nicht gerade biegen, aber du kannst ihm helfen, Früchte zu tragen.

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Beitragvon Silvia & Iris » 24.06.2018, 23:12

Liebe Susanne,

ja, in der Schule haben sie mir Vorschläge gemacht und mir einen Folder gegeben über der Schule nahe stehende weitere Möglichkeiten...

weil ja mit 15 die Schulpflicht erfüllt ist...

Machen muss man schon alles selber...

LG
Silvia
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Beitragvon HeikeLeo » 25.06.2018, 09:44

Hallo Susanne,

Stell doch einfach einen schriftlichen Antrag bei der entsprechenden Dame. Wenn es Wartelisten oder ähnliches gibt, dann gilt im Zweifelsfall das Antragsdatum. Zurücknehmen kann man den Antrag dann schon noch, wenn es nicht passen sollte. Bei Kinderkrippen wird das teilweise auch so gemacht. Es gibt Leute, die stellen zwanzig Aufnahmeanträge und dadurch werden manche Wartelisten auch sehr schnell wieder leer.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Silvia & Iris » 25.06.2018, 11:31

Liebe Heike,

ich denke, es gibt gar keine 20 Tagesstätten die "solche" Klienten betreuen....

selbst die Antoprosophen - 90 km entfernte - haben keine barrierefreie Umgebung...
und sind dadurch nicht wirklich geeignet...

ich habe real gesehen 2 Möglichkeiten, beide etwa 30 km vom Wohnort entfernt...
es gibt mehr (z. B. Pensionistenheim, doch da sehe ich sie auch nicht wirklich.)


LG
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Beitragvon Irene H. » 25.06.2018, 14:52

Hallo Susanne,
dass sich die Ämter um die Unterbringung von Dorothea kümmern,dürfte erst dann der Fall sein, wenn Ihr als Eltern bzw. Betreuer ausfallt.
Ist denn eine Schulverlängerung in Dorotheas Fall völlig ausgeschlossen?
Was ist nach der Schule hinsichtlich WfbM oder Tagesförderstätte vorgesehen?
Dass man Euch nach Ende der Schuzeit völlig im Regen stehen lässt, darf nicht sein.
LG und viel Erfolg wünscht Irene
Irene H.mit 3 erwachsenen Kindern besonders Dorothea(20) mit frühkindlichem Autismus

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Beitragvon Susanne 61 » 25.06.2018, 21:49

Hallo Leute,
bis jetzt war ich immer der Überzeugung, es ist meine Aufgabe, mich um Dorotheas "Weiterleben" außerhalb des Elternhauses zu kümmern. Und ja, selbstverständlich wünsche ich eine wohnortnahe Unterbringung.
Überrraschenderweise stoße ich damit bei unserem Sozialamt auf heftigen Widerstand! Ich meine, wozu planen und bauen sie eigentlich Heime in Wohnortnähe???
Ich werde mich irgendwie weiter kümmern müssen...
Sie steht schon seit zwei oder drei Jahren auf der Warteliste für das geplante Wohnheim an unserem Ort, das habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen.
Und ich habe auch immer wieder angerufen und mich erkundigt...
Nun also dies! Großartiger Anfang, aber wirklich!
Da kann ich mir ja nur ein "Weiter so" wünschen! :(
LG,
Susanne
Susanne mit Dorothea, 18 Jahre, frühkindlicher Autismus und drei gesunden Geschwistern 26, 29 und 30 Jahre

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Beitragvon Inge » 26.06.2018, 07:43

Hallo Susanne,
Überrraschenderweise stoße ich damit bei unserem Sozialamt auf heftigen Widerstand! Ich meine, wozu planen und bauen sie eigentlich Heime in Wohnortnähe???


die Frage beantworten sich durch zwei Gegenfragen ganz von selbst:
was kostet es, wenn Eure Tochter einen Wohnheimplatz in Anspruch nimmt?
was kostet es, wenn Eure Tochter weiterhin im Elternhaus bleibt?

Indem das Angebot von Wohnmöglichkeiten sehr knapp gehalten wird, müssen die Eltern immer weitermachen.
Wir versuchen (nicht nur deshalb), das ambulant betreute Wohnen voranzubringen, da diese Wohnform von den Betroffenen selbst angegangen werden kann. Über mehr als vier Jahre gab es Hindernisse ohne Ende. Unsere Töchter werden deshalb immer noch zuhause betreut und gepflegt. Die Ämter sparen dadurch enorm viel Geld.

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

Susanne 61
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Beitragvon Susanne 61 » 26.06.2018, 22:01

Hallo Inge,
so wird das wohl sein!
LG,
Susanne
Susanne mit Dorothea, 18 Jahre, frühkindlicher Autismus und drei gesunden Geschwistern 26, 29 und 30 Jahre


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