Wegfall von Urlaubsgeld und Gehaltskürzung in Werkstatt!?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Yvonne und Kjeld
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Wegfall von Urlaubsgeld und Gehaltskürzung in Werkstatt!?

Beitragvon Yvonne und Kjeld » 18.06.2018, 12:51

Hallo zusammen,

in diesem Fall schreibe ich nicht in Bezug auf meinen Sohn, sondern in Bezug auf einen, von mir gesetzlich betreuten, schwerst- mehrfachbehinderten Bruder.

Dieser ist 24 und arbeitert in Großburgwedel in einer Behindertenwerkstatt im Garten- und Landschaftsbau. Heute kam wohl eine der Leiterinnen (oder ähnliches) in den Betrieb und hat angekündigt, das mit sofortiger Wirkung das Urlaubsgeld entfällt und sie wegen einer schlechten Auftragslage je nach schwere der Behinderung 15-50€ vom Lohn abziehen wollen.
Bisher habe ich darüber nichts Schriftliches und auch keine Ahnung, wonach die die Schwere der Behinderung bemessen.

Kennt sich jemand damit aus, ob das so rechtens ist? Ich meine die verdienen ja ohnehin nur einen hungerlohn und dann einfach so Gehalt kürzen und Urlaubsgeld streichen das sonst immer gezahlt wurde?!

ch bin in Sachen Arbeitsrecht, grade in Bezug auf die Werkstatt leider überhaupt nicht auf dem Laufenden und wäre über euren Rat sehr froh.

Liebe grüße
Yvonne

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IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 18.06.2018, 12:59

Hallo Yvonne und Kjeld,
rechtlich bin ich mir nicht so sicher, ich weis aber das Urlaubsgeld und der Teil vom Arbeitsgeld den die Werkstatt aufbringt immer vom "Ertrag" der Werkstatt abhängig ist. Allerdings muß das einen Rahmen haben und vom Vorstand beschlossen sein und nicht einfach so auf Zuruf. Die müssen das auch irgendwie nachweisen weil ja dann die Leistungen der Eingliederungshilfe neu berechnet werden müssen. Meine Tochter zahlt von ihrem Einkommen(180,-€) gut 36,-€ an die eingliederungshilfe für ihre Unterbringung in einer Einrichtung. Dieser Betrag würde sich dann verringern.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

monika61
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Beitragvon monika61 » 18.06.2018, 13:26

Hallo Yvonne,

hier wird der Verdienst in Werkstätten und dessen Zusammensetzung erklärt:
https://www.bagwfbm.de/page/101

https://www.bagwfbm.de/page/entgelte_und_einkommen

Im ersten Link oben steht u.a.:
…"Die genauen Leistungs- und Verteilungskriterien regeln die Werkstätten in Entgeltordnungen."....

LG
Monika

LenaMaxi
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Beitragvon LenaMaxi » 18.06.2018, 13:26

Hallo,

bei meinem alten AG hatten wir auch das Thema Weihnachtsgeld. Es hieß plötzlich anders und alle haben sich gefragt warum. Bis wird dann dahinter gekommen sind.

„Manche versuchen es, indem sie auf den sogenannten Freiwilligkeitsvorbehalt pochen. Doch auch hier gilt: Wenn ein Arbeitnehmer das Geld drei Jahre oder mehr in Folge in gleicher Höhe gezahlt hat – ohne darauf hinzuweisen, dass es sich um eine einmalige Zahlung handelt - muss dies auch in Zukunft weiter so handhaben. Das geht übrigens auch, wenn es nicht vertraglich geregelt ist.“ https://www.merkur.de/leben/geld/weihna ... 43545.html

Ich weiß allerdings nicht, ob das auch für WfbM gilt.

Lg
Lena *1989 Tagträumerin
Maxi *08/2015 pränatater Schlaganfall (ICP), Krampfanfälle kurz nach der Geburt; dezente Hemi links, armbetont - ein kleiner Clown, der ohne Pause quasselt und alle verzaubert *sooo stolz*

Unsere Vorstellung:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic120949.html

monika61
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Beitragvon monika61 » 18.06.2018, 13:33

Hallo LenaMaxi,

das wird auf Beschäftigte in einer WfbM nicht zutreffen:

…"Behinderte Menschen, die im Arbeitsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) beschäftigt sind, stehen gemäß § 138 SGB IX in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis. Sie sind somit keine Arbeitnehmer. "...
https://www.lebenshilfe.de/de/themen-re ... f-WfbM.php

Außerdem, viele Beschäftigte in der Werkstatt beziehen eine Grundsicherung vom Amt.
Das Urlaubsgeld und auch ein Weihnachtsgeld wird auf diese Grundsicherung angerechnet.
Wir müssen dem Sozialamt also diese Zusatzzahlungen immer mitteilen.... :?

Letztendlich freuen sich die Sozialämter über diese Sonderzahlungen und kürzen die Grundsicherung.

Das Thema hatten wir zB hier schon mal:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopi ... ommen+wfbm

LG
Monika


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