Film auf youtube: 500.000 Kinder erhalten Ritalin

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Sia
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Beitragvon Sia » 05.03.2019, 13:00

@Paula - meinst du? Ich glaube, dass das Thema "impfen" bleiben wird und auch AD(H)S, ASS etc. wird immer wieder in Frage gestellt werden!

Wir haben erst seit einigen Wochen die definitive Diagnose der Kinder. Es hat sich extrem in die Länge gezogen. Aber wirklich einfacher ist es jetzt nicht. Ich fand es vorher angenehmer. Jetzt ist es offiziell und jeder will eine Bestätigung, eine Prüfung … noch dies und jenes abgeklärt … und man müsste noch … und dann können wir Ihnen helfen. Dann werden wir in der Schule Massnahmen ergreifen und dann … dann … dann … wenn "dann" da ist, ist mehr als ein Jahr vorbei!

Die Situation ist nun tatsächlich so, dass jeder hinterfragt … jeder weiss es besser … jeder hat Erfahrung … jeder weiss mehr über Ritalin, Autismus, AD(H)S und nur seine Meinung zählt … und so unzählig viele sind immer noch der Meinung, dass alles anders wäre, wenn ich meine Kinder richtig erziehen würde!
Einige sind schockiert, dass ich meine Kinder habe abklären lassen … das kann man doch nicht … du machst sie zu Aussenseiter … geht's noch?!? … da können wir keinen Kontakt mehr haben … das ist nicht gesellschaftsfähig - DU bis nicht mehr gesellschaftsfähig!

Nur ein ganz, ganz kleiner Teil sieht, was wir in den letzten Jahren alles gemeistert haben. Sieht, dass meine Kinder so weit gekommen sind, weil sie eine sehr gute Erziehung hatten, weil wir auf vieles unbewusst eingegangen sind … weil wir laut Fachleute … durch ein gutes Bauchgefühl vieles richtig gemacht haben! Aber das ist die Minderheit. Die muss man suchen …

…. und ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass sich dies in den nächsten Jahren einfach so ändert!

Aber trotzdem ein schöner Gedanke. Es wäre unglaublich schön, einfach als Mensch, Eltern, Nachbar, Freund, Bekannter, Verwandter etc. akzeptiert zu sein!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 05.03.2019, 13:53

@Paula - meinst du? Ich glaube, dass das Thema "impfen" bleiben wird und auch AD(H)S, ASS etc. wird immer wieder in Frage gestellt werden!
Das glaube ich auch. Das sind so Themen, wo die Fronten eigentlich sehr verhärtet ist, und jeder, der irgendwann mal irgendwo einen Artikel gelesen oder einen Bericht gesehen hat, glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Nein, ich glaube auch nicht, dass sich in den nächsten Jahren was ändert. Autismus und ADHS gibt es ja nicht erst, seit es Ritalin und Risperidon gibt. Es gab ja auch schon kurzsichtige Menschen, bevor es Brillen gab. Und immer wieder das Argument mit der ach-so-gierigen Pharmaindustrie, die den Eltern Flausen in den Kopf setzt, und ihnen einredet, dass ihre völlig gesunden Kinder krank wären!

Klar verdient die Pharmaindustrie an Medikamenten. Die Kosmetikindustrie verdient an Kosmetika und die Bekleidungsindustrie an Textilien. Ja, es werden immer wieder zu viele oder falsche Medikamente verordnet. Aber ihre Sinnhaftigkeit generell mit dem Argument, es würde, jemand daran verdienen, in Frage zu stellen, empfinde ich schon als ziemlich kurz gedacht.
Einige sind schockiert, dass ich meine Kinder habe abklären lassen … das kann man doch nicht … du machst sie zu Aussenseiter … geht's noch?!? … da können wir keinen Kontakt mehr haben … das ist nicht gesellschaftsfähig - DU bis nicht mehr gesellschaftsfähig!
Ja, traurig, nicht? Das Gute ist: so trennt sich auch beim Freundeskreis die Spreu vom Weizen! Diagnostik bei einem Kind, welches nicht in ALLEN Situationen EXTREM auffällig ist, wird leider viel zu oft als "DU willst das Kind krank reden" gesehen. Und natürlich findet man immer was, was die Eltern falsch machen - so wenig fernsehen und videospielen lassen und so gesund ernähren kann man die Kinder gar nicht, dass es nicht noch Unkenrufer gibt, die meinen, es müsse noch "besser als gut" gemacht werden.

Ich habe dann schon argumentiert: "Was würdest du tun, wenn der Augenarzt sagt, dein Kind hat 3 Dioptrin? Würdest du ihm eine Brille verordnen lassen?" Antwort ist praktisch immer "Ja, natürlich!" Dann frage ich weiter: "Auch dann, wenn dir wer anderer sagt, dass das Kind eigentlich genug sieht?". Da fangen manche schon an, nachzudenken.

…. und ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass sich dies in den nächsten Jahren einfach so ändert!

Aber trotzdem ein schöner Gedanke. Es wäre unglaublich schön, einfach als Mensch, Eltern, Nachbar, Freund, Bekannter, Verwandter etc. akzeptiert zu sein!
Ja, stimmt! Wünschen können wir es uns! Und Gott sei Dank gibt es auch Menschen, die anders denken, offen sind, zuhören können und einem einfach zugestehen, nach bestem Wissen und Gewissen die passenden Entscheidungen für die Kinder zu treffen :) .
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Jakobspapa
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Beitragvon Jakobspapa » 05.03.2019, 19:15

Hallo Paula,
ich frage mich immer, warum einige Menschen Fakten leugnen? Warum leugnen einige Menschen den Klimawandel, den Holocaust, ADHS, den Segen von Impfungen etc.?
Zwar leicht off-topic, dennoch eine sehr interessante Frage.

Ich glaube, der wesentliche Knackpunkt ist die menschliche Wahrnehmung. Alles, was Menschen mit ihren recht begrenzten Sinnen nicht erfassen können und/oder nie erfahren haben, existiert für sie nicht.

Der Klimaleugner kann sich nicht vorstellen, dass Treibhausgase (die er ja an sich schon mal nicht wahrnehmen kann) irgendwas am Klima drehen sollen. Also kann das nicht sein. In die Vergangenheit reisen geht auch nicht, und 2019 werden, zumindest bei uns, keine Menschen aufgrund von Rasse oder Religion grausam gequält und ermordet. Also kann das nicht stimmen. Unser Bewusstsein nehmen wir als von jeglicher Körperlichkeit losgelösten "freien Willen" wahr, also kann es keine Störung geben, die sich auf das Verhalten auswirkt. Der Impfleugner fährt sein Kind zur Masernparty, es bekommt die Masern und wird wieder gesund. Dass vor 200 Jahren noch allein 10% aller Kinder an den Pocken gestorben sind, hat er nicht miterlebt, nie erfahren. Also sind Impfungen sinnlos (und manche Extremisten leugnen gar die Existenz von Viren - schließlich kann man die weder sehen, fühlen oder tasten).
Es ist immer das gleiche Schema.

Gleichzeitig brauchen Menschen aber für alles eine Erklärung. Allerdings nicht zwingend eine logische, sondern - sogar bevorzugt - eine, die ihre Ängste bedient. Vielleicht ist das eine Art Beschäftigungstherapie für das gelangweilte Selbstverteidigungssystem des modernen Menschen, das einfach unterfordert ist, seit wir frei herumlaufen können, ohne Angst haben zu müssen, vom Bären und anderen wilden Tieren gefressen zu werden. Und heraus kommen dabei Theorien wie: Verschwörung der Pharmaindustrie, Verschwörung der Russen/Juden/Amerikaner gegen den Westen/gegen Deutschland, und all die anderen, völlig irrwitzigen, absurden Konstrukte, denen man da so begegnet.
Scheinbar finden die Leute eine Art Halt, wenn sie ihre Ängste, ihre aufgestaute Wut etc. irgendwo hinprojizieren können.

Die Medien greifen solche Dinge gerne auf, denn sowas hat Unterhaltungswert und verkauft sich gut. Und im Internet treffen sich Gleichgesinnte, die sich gegenseitig in ihrem Irrsinn bestätigen und aufschaukeln.

Wenn Du Dir dagegen zum Spaß eine Gipsbinde um den Arm wickeln würdest (die kann man sehen), würde Dir ohne Diskussion jeder glauben, dass Du Dir den Arm gebrochen hast. Aber eine psychische Störung wie ADHS - die sieht man nicht, daher kann es sie nicht geben. Übrig als Erklärung für das "ungezogene Kind" bleiben dann nur unfähige Eltern, moderne Medien, etc.; und wer die Kinder medikamentös behandeln lässt, der stellt sie ruhig, um es sich bequem zu machen. Dagegen zu argumentieren, ist ähnlich zielführend, wie mit einem Blinden über Farben zu diskutieren.

So nehme ich zumindest die Menschen wahr. Traurig und primitiv, aber ich glaube nicht, dass sich daran viel ändern wird. Menschen funktionieren im Allgemeinen so.
Keiner behauptet inzwischen mehr, dass die Erde eine Scheibe ist.
Ich fürchte, da bist Du zu optimistisch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Flat_Earth_Society

Die meinen das ernst, und haben aktuell - auch wenn das wirklich kaum zu fassen ist - wieder Zulauf.

LG
Markus

PaulaB
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Beitragvon PaulaB » 06.03.2019, 11:48

Hi Jakobspapa,

das hast du eingängig erklärt und cooler Link, der hat Unterhaltungswert. :D

Hi Sia und Lisaneu,

also, was die Entwicklung des Leugnens von Fakten wie Impfsegen, ADHS, Autismus und Klimawandel betrifft, bin ich mehr als zuversichtlich. Irgendwann wird nur noch der harte Kern der Leugner übrig bleiben, eine verschwindend kleine skurrile Gruppe so wie die "Flat Earth Society" :D .

Dafür werden dann neue wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet.

Vor zehn Jahren kannte ich noch persönlich Leugner des Klimawandels, heute keinen persönlich mehr.

Impfgegner und -leugner waren schon immer in der Minderzahl und sind in den letzten Monaten wegen der Masern-Epidemien weltweit erneut geschrumpft.

Vor ca. 15 Jahren hat der Spiegel noch einen Artikel mit dem Titel "Was ist eigentlich ADHS?" veröffentlicht. Heute wäre solch ein Beitrag nicht mehr up-to-date.

In den 90-er Jahren wussten nur einige wenige aus der Fachwelt in Deutschland, dass es ein Autismusspektrum gibt. Heute kann ich der Klavierlehrerin meiner Tochter sagen, dass meine Tochter das Asperger-Syndrom hat (ein Begriff, der inzwischen auch schon wieder veraltet ist) und sie guckt nicht wie Bahnhof sondern weiß, was das ist. Heute gibt es Schulbegleitungen für seelische Behinderungen. Es hat sich irre viel getan! Und es geht stetig voran in die richtige Richtung. Es gibt immer wieder sehr gute und seriöse Berichte in den Medien über ADHS & Co. Das hilft ungemein! Junge Lehrer habe ich bisher als sehr kooperativ und interessiert an dieser Theamtik erlebt. Es gibt auch andere, das ist klar, - aber sie werden immer weniger mit der Zeit.

LG
Paula
Paula (*1970) mit Mann (*1971) und drei Mädels:
2 Asperger-Autistinnen (*2008, *2009) und
eine Dame mit ADS (*2009).

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Beitragvon Silvia & Iris » 07.03.2019, 08:01

Liebe Paula,

aber nach wie vor ist das Schulsystem nicht darauf vorbereitet Kinder mit Wahrnehmungsproblemen zu unterrichten... - Das wird auf den Pädagogischen Hochschulen nicht unterrichtet! Zumindest nicht im Bereich Regelschule, und Sonderpädagogen sollen in Zukunft vollkommen aus den Regelschulen verschwinden...

Hier ist nach wie vor ein Handlungsbedarf...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Beitragvon Sia » 07.03.2019, 17:00

@Paula - schön, dass du so gute Erfahrungen machst. Mein Sohn hat die Diagnose Asperger noch nicht so lange aber unsere Erfahrungen sind bisher so, dass es nicht wirklich jemand kennt!
Und Schulbegleitung … naja, gibt es bei uns praktisch gar nicht! Hat lange gedauert, bis ich nur schon eine Transportbegleitung für meinen Sohn bekommen habe … und er ist körperlich behindert - so stark, dass er absolut nichts alleine machen kann!
Und wie kooperativ die jungen Dinger sind, die sich heutzutage Lehrer nennen, wird sich zeigen. So lange sie nichts tun müssen, geht es, aber sobald klar ist, dass der Unterricht dem Kind angepasst werden müsste, fangen die Probleme an!

Ich sehe auch noch sehr, sehr grossen Handlungsbedarf! Im Bereich Wahrnehmungsstörungen sowieso! Meine Tochter beispielsweise darf nicht bei allen Fachlehrern die Kopfhörer aufsetzen zum Arbeiten, damit sie weniger abgelenkt wäre!
Eine schöne Zeit wünscht
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Ayden
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Beitragvon Ayden » 07.03.2019, 18:53

Liebe alle,

ich/wir sind von der Diagnose ADS/ADHS glücklicher Weise nicht betroffen.

Trotzdem möchte ich auf einen Aspekt hinweisen, der sicher zu vielen Problemen, vor allem zwischen Jugenamt/Ärzten/Eltern gesorgt ha und weiterhin sorgt:

Früher stand, wenn ich richtig informiert bin, in der ICD10 Diagnose für ADHS, dass eine `dysfunktionale Familie´ Teil der Diagnose ist.

Ich glaube, auch wenn die Wissenschaft und der ICD10 längst darüber hinaus sind, spukt dieser Satz noch im Gehirn vieler der offiziell beteiligten `Experten´ und macht Euch betroffenen Eltern unnötig das Leben schwer.

LG, Ayden

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Jakobspapa
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Beitragvon Jakobspapa » 08.03.2019, 23:13

Hallo Silvia,
aber nach wie vor ist das Schulsystem nicht darauf vorbereitet Kinder mit Wahrnehmungsproblemen zu unterrichten... - Das wird auf den Pädagogischen Hochschulen nicht unterrichtet! Zumindest nicht im Bereich Regelschule, und Sonderpädagogen sollen in Zukunft vollkommen aus den Regelschulen verschwinden...

Hier ist nach wie vor ein Handlungsbedarf...
Ja, das mag sein. Aber wir haben doch hier zwei verschiedene Themen:
1. die Kinder, die an ADHS leiden, und von Medikamenten profitieren
2. die Schulen, die keine Ahnung haben, wie sie mit ADHSlern umgehen sollen

Lass uns doch aber bitte nicht so tun, als könne man die Probleme von ADHS-Kindern alleine mit Sonderpädagogen in der Regelschule lösen (und Medikamente seien nicht nur fehl am Platz, sondern auch noch böse und unmoralisch)! ADHS ist keineswegs nur in der Schule ein Problem, und zwar für die Kinder, die sehr wohl auch ständig im privaten Umfeld ihre Probleme haben, bei anderen Kindern anecken, auch im Sportverein - und privat gibts keine Sonderpädagogen, sondern nur massenweise Missbilligung für Kind und Eltern, wenn das vermeintlich ungezogene Blag eins auf Hansguckindieluft oder wilden Watz macht.

Sonderpädagogen in den Schulen wären aus meiner Sicht vielleicht ein durchaus wünschenswerter Baustein in der Sache, mehr aber auch nicht. Viel wichtiger wäre mir, wenn jede Lehrkraft wenigstens grundsätzlich zugänglich für das Thema ADHS wäre, idealerweise schon mal ein paar Stunden lang etwas fachlich Fundiertes darüber gehört hätte, was leider keineswegs selbstverständlich ist. Manche stellen sich da extra quer, und werfen einem noch zusätzliche Knüppel zwischen die Beine, was verdammt viel Stress für Kind und Eltern bedeutet. Ich kann Dir ein Lied davon singen!

LG
Markus


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