Probleme beim Schreiben

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Gertrud Braun
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Probleme beim Schreiben

Beitragvon Gertrud Braun » 27.05.2018, 05:57

Hallo,

unser Sohn (10 Jahre alt) HASST Schreiben. Er tut sich motorisch schwer damit (es scheint ihn sehr anzustrengen), er drückt of fest, oder packt den Stift fest. Er schreibt nur Druckbuchstaben, obwohl er Schreibschrift gelernt hat. Am Druck hat die Ergotherapeutin gearbeitet und zwischendurch schrieb er mal sehr klein und sehr deutlich. Leserlich ist seine Schrift immer, ich würde sogar sagen super-ordentlich. Aber er fragt mich immer ob man sein Geschriebenes auch Lesen kann.

Er ist hyper-genau und radiert wird sofort wenn ihm ein Buchstabe nicht gefällt. Wenn er dann drei mal unnötig radiert hat, weiß er nicht mehr was er schreiben wollte und er ist völlig verzweifelt.

Sein hoher Anspruch ist total hinderlich. Mir wäre lieber, er schriebe schlampig, aber er schriebe.

Die Rechtschreibung ist, dafür, dass er so wenig schreibt, erstaunlich gut.

Er hat ADHS und deutlich Konzentrationsprobleme aber Lesen ist mittlerweile z.B. kein Problem mehr, auch lange nicht, und das strengt ihn auch an. Warum für ihn die Tätigkeit des Schreibens so schwer ist, ist nicht klar.

Kennt ihr diese Schreibschwierigkeiten? Wenn ja, was hat bei Euch geholfen?

Danke!

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PaulaB
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Beitragvon PaulaB » 29.05.2018, 08:13

Hallo Gertrud,

eine meiner Töchter hat auch den Radierwahn. Ihre Schulbegleitung hat ihr gesagt, dass sie erst radieren darf, wenn eine Seite voll ist. Diese Lösung hat bei uns hervorragend geklappt. Auf diese Weise wird sie noch in diesem Leben :wink: mit den Hausaufgaben fertig und am Ende radiert sie dann nur noch die Sachen weg, die sie am meisten stören. Aber zu dem Zeitpunkt ist der größte Teil der Arbeit dann ja schon erledigt.

LG

Paula
Paula (*1970) mit Mann (*1971) und drei Mädels:
2 Asperger-Autistinnen (*2008, *2009) und
eine Dame mit ADS (*2009).

Anjali
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Beitragvon Anjali » 29.05.2018, 09:02

Hallo,

ich greife Paulas Vorschlag auf.
Mein Sohn hat zwar kein AD(H)S, aber immer mal wieder verschiedene Zwänge.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ihm
verbindliche Regeln/Vorgaben (von außerfamiliären Autoritätspersonen wie z.B. Lehrern, Therapeuten etc.) dabei halfen, manche seiner Zwänge und Perfektionsansprüche in den Griff zu bekommen.
Er konnte durch strikte Vorgaben von außen wohl ein stückweit Eigenverantwortung abgeben und einfacher loslassen.

Ich würde die Lehrer in die Lösung des Problems miteinbeziehen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
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Beitragvon Anjali » 29.05.2018, 17:09

Hallo, ich bins nochmal.

Wurde dein Sohn schon einmal gezielt auf Wahrnehmungs- bzw. Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen (hier:
visuelle Wahrnehmung) untersucht?
Evtl. kann er das, was er sieht, nicht richtig oder nicht schnell genug verarbeiten.

(Ich beziehe mich hierbei auch auf das -in deinen vorhergehenden Thread zum Thema Visuomotorik geschilderte- Leseverhalten.)

Eine Winkelfehlsichtigkeit wurde ausgeschlossen?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Gertrud Braun
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Beitragvon Gertrud Braun » 30.05.2018, 22:59

Hallo Anajli,

Winkelfehlsichtigkeit? Nie gehört. Unsere kompetente Augenärztin hat alles mögliche getestet - aber das? Keine Ahnung. Werde ich beim nächsten Mal gleich ansprechen, danke!

Was mir komisch vorkommt: er drückt immer mega-fest auf und fragt mich dann, ob man seine (ultradeutliche) Schrift auch lesen kann. Ist dsa eine Wahrnehmungsverareitungsstörung? Und wenn ja - wie behandelt man die (ganz grundsätzlich jetzt)?

Klären wir ab!

Anjali
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Beitragvon Anjali » 31.05.2018, 10:08

Winkelfehlsichtigkeit war hier im Forum schon ein paarmal ein Thema.
Einige Kinder einiger (?immer noch aktiven?) Forenuser sind winkelfehlsichtig.
Persönliche Erfahrung habe ich diesbezüglich leider nicht und kann deshalb auch keine genauen Auskünfte geben.

Ich kann/konnte leider nur Tips, in welche „Richtung“ man ggf. noch forschen könnte, falls die Fachkräfte weiterhin ratlos bleiben sollten.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Nadine.mit.Tino
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Beitragvon Nadine.mit.Tino » 06.06.2018, 10:00

Hallo!

Ich kann dir jetzt leider keine Quelle nennen, aber ich habe in der nahen Vergangenheit zweimal gelesen, dass tatsächlich AD(H)Sler oft nicht gerne schreiben und auch Probleme damit haben.
Geschildert wurde in diese Berichten, dass AD(H)Sler oft verkrampfen beim Schreiben und sie diese Tätigkeit daher sehr anstrengt. Dies führt dann dazu, dass sie unverhältnismäßig viel Kraft in das Schreiben an sich investieren und die eigentlichen Lerninhalte dabei meist vernachlässigt werden.

Es wurde zur Vermeidung dieses Ungleichgewichts dazu geraten, dass die Kinder tatsächlich nur das schreiben sollten, was Hausaufgabe der Schule ist. Andere Übungen, die zusätzlich zu Hause durchgeführt werden, sollten möglichst ohne Schreiben erfolgen. Es wurde geschrieben, dass im Zeitalter der Computer auch ohne schlechtes Gewissen auf einen solchen zurückgegriffen werden sollte, da heutzutage ohnehin fast alle Nachrichten, Schreiben, Protokolle etc. mit dem PC getippt werden. Gleichzeitig finden die Kinder es oft viel spannender mit dem PC zu arbeiten, was wiederum auch die Konzentration fördert.

Vieles kann man mit Karteikarten üben, so dass die Übungen auch wieder visuell ablaufen.

Ich habe ein gutes Buch dazu gelesen "Lernen mit ADS Kindern"
ISBN 978-3-17-029820-0

Viele Grüße
Nadine
Unsere Familie:
Nadine (*1979) und J. (*1975)
L. (*05/2010) 34. SSW, ADS
L. (*05/2010 - 07/2010) 34. SSW, Omphalozele, Fallot-Tetralogie, Multi-Organ-Versagen nach Herz-Katheter-OP
T. (*11/2014) Infektasthma

Moni
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Beitragvon Moni » 08.06.2018, 23:19

Hallo Gertrud,

auch unser Pflegesohn(11) hat(te) große Probleme beim Schreiben.
Ein um die Einschulung herum durchgeführter Test hatte eine Störung der Auge-Hand-Koordination ergeben.
Er schrieb bis vor einem Jahr kaum leserlich und sehr mühsam mit verkrampfter Stifthaltung, oft in verkehrter Schreibrichtung. Oft überschrieb er die geschriebenen Buchstaben nochmal, was das ganze noch unleserlicher machte.
Die Schule ist dem damit begegnet, dass sie ihn nur Druckschrift und nur mit Bleistift schreiben ließ.

Wir sind mit ihm zu einer Ergotherapeutin mit Schwerpunkt Graphomotorik gegangen. Bereits nach der ersten Therapiestunde war der Unterschied im Schriftbild beeindruckend.
Mittlerweile schreibt er einigermaßen bis gut (tagesformabhängig) leserliche Schreibschrift und beginnt jetzt auch mit Füller zu schreiben.
Es wurde zur Vermeidung dieses Ungleichgewichts dazu geraten, dass die Kinder tatsächlich nur das schreiben sollten, was Hausaufgabe der Schule ist. Andere Übungen, die zusätzlich zu Hause durchgeführt werden, sollten möglichst ohne Schreiben erfolgen. Es wurde geschrieben, dass im Zeitalter der Computer auch ohne schlechtes Gewissen auf einen solchen zurückgegriffen werden sollte, da heutzutage ohnehin fast alle Nachrichten, Schreiben, Protokolle etc. mit dem PC getippt werden. Gleichzeitig finden die Kinder es oft viel spannender mit dem PC zu arbeiten, was wiederum auch die Konzentration fördert.
Ich weiß nicht recht, ob das der richtige Weg ist. Wir lassen ihn ab und zu Aufgaben am PC machen, wenn uns das sinnvoll erscheint. Aber für ihn war und ist es, glaube ich, schon der richtige Weg, endlich richtig schreiben zu lernen.

Viele Grüße und alles Gute für euch!

Juergendettlof
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Beitragvon Juergendettlof » 21.12.2018, 11:29

Mein Sohn hat auch große Probleme beim Schreiben. Man kann das schön bei Tests sehen: da ist am Anfang alles korrekt und gegen Ende häufen sich dann Schreibfehler bzw. Aufgaben werden gar nicht mehr erledigt... Ob das ein Problem mit der Konzentration oder Motorik ist, wissen wir noch nicht (er schreibt wie ein Doktor...)

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Beitragvon HeikeLeo » 24.12.2018, 17:41

Liebe Gertrud,

meiner schreibt auch nicht gerne, aber das Schriftbild ist auch sehr ordentlich - aber für ihn nicht ordentlich genug.

Neulich hat mein Großer an einem Test teilgenommen, bei dem ausdrücklich weiche Bleistifte gefragt waren. Seither lasse ich den Kleinen auch mit weichen Bleistiften schreiben - (2B, 5B) - das hilft: Er drückt weniger drauf, trotzdem sieht man die Schrift besser und es lässt sich leichter radieren.

Am PC tippen hilft bei uns auch.

Liebe Grüße
Heike


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