Jenny mit Sohn (geb. 2006, ADS und ASS)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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JennyK
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Jenny mit Sohn (geb. 2006, ADS und ASS)

Beitrag von JennyK »

Hallo zusammen,
ich bin gerade 40 geworden, lebe mit meinem Mann, unseren beiden Söhnen (geb. 06 und 13) und zwei Katzen in der Nähe von Köln. Unser Großer hat seit einem knappen Jahr die Diagnose ADS und seit Januar auch die Diagnose Asperger Autismus. Das hat uns ziemlich überrascht, eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass der Verdacht ausgeräumt wird.
Der Große hat eine lange Leidensgeschichte, schon im Kindergarten gab es die ersten Probleme, er passte irgendwie nie so richtig dazu. In der Schule gab es recht schnell Auffälligkeiten, daher starteten wir die erste Diagnostik. Dort wurde ADS als Verdachtsdiagnose gestellt, es gab ein sehr heterogenes Intelligenzprofil und den Rat, weiter Ergotherapie zu machen. Wir wurschtelten uns durch die ersten beiden Schuljahre, mal lief es ganz gut, oft aber auch gar nicht. Er verweigerte viel, fühlte sich nicht wohl, im dritten Schuljahr wurde er immer unglücklicher, wütend, verzweifelt. Wir wandten uns an das SPZ und durchliefen wieder die komplette Diagnostik, diesmal waren wir überforderten Eltern und die Geburt des kleinen Bruders „Schuld“ an seinem Verhalten. Dass die Probleme aber schon Jahre vorher angefangen haben, schien niemanden außer uns zu stören. Empfehlung diesmal: Verhaltenstherapie fürs Kind (mit Elternbeteiligung) und Entlastung für uns Eltern... Die Verhaltenstherapie war super, brachte uns alle weiter, aber irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, irgendwas stimmt nicht mit dem Großen. Gerade die Entwicklung vom kleinen Bruder, die so komplett anders läuft, der Einladungen zu Kindergeburtstagen bekam, der nicht ständig alles in Frage stellte, der Routineaufgaben automatisiert hat etc., machte uns deutlich, dass etwas nicht stimmt. Der Wechsel zur weiterführenden Schule lief erst ganz gut an, wandelte sich dann aber schnell zum Horrortrip. Nach dem ersten Halbjahr spitzte sich die Situation so zu, dass der Lehrer ihn für nicht beschulbar hielt und den sofortigen Wechsel zu einer Förderschule anriet (beim Elternsprechtag, vorher gab es keinerlei Information, dass es Probleme gibt). Wir waren total geschockt und haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn von diesem Lehrer weg zu bekommen. GsD hat eine Lehrerin einer Parallelklasse angeboten, unseren Großen zu sich zu nehmen, das ging dann auch recht schnell. Da unser Sohn in der Zeit so gelitten hat, dass ich richtig Angst um ihn hatte, sind wir zur KJP-Praxis gegangen, die die erste Diagnostik erstellt hatte. Dort wollte man uns direkt Medikamente in die Hand drücken, was uns sehr schockiert hat. Also sind wir zu einer anderen Praxis gegangen, die dann ordentlich getestet hat und ADS diagnostiziert hat. Dabei kam auch der Verdacht auf Asperger Autismus auf, den wir in einer speziellen Praxis ausschließen lassen wollten. Während wir auf einen Termin dort warteten, begannen wir die medikamentöse Therapie, die in Verbindung mit der immer noch laufenden Verhaltenstherapie wahre Wunder wirkte. Zu Beginn des neuen Schuljahres fing eine Schulbegleitung für ihn an, was zusätzliche Erleichterung und Entspannung brachte. Seit dem Tag des Klassenwechsels (noch ohne Medikamente) war sein Verhalten nicht mehr so schlimm wie in der alten Klasse, seine Unordnung und Schusseligkeit blieb aber. Mit der Medikamentengabe und vor allem mit der Schulbegleitung läuft es schulisch absolut super, sein Lernfeld ist der sozial-emotionale Teil. Mittlerweile hat er ein paar Kinder, mit denen er in der Schule seine Freizeit verbringt, das ist ein riesiger Fortschritt. Auch zuhause gibt es einen Jungen, mit dem er ab und zu spielen kann. Ganz aktuell haben wir auf Anraten der Psychiaterin Pflegegeld beantragt und PG 3 bekommen, was uns ehrlich geschockt hat, uns aber natürlich total hilft.
Ich freue mich auf regen Austausch hier!

Andrea88
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Beitrag von Andrea88 »

Herzlich willkommen hier im Forum.
Meine beiden Jungs sind atypische Autisten. Die beiden gehen in den Regelkindergarten aber mit Integrationskraft. Der große wird nächstes Jahr eingeschult. Wir haben noch nicht entschieden welche Schule es sein wird. Der große hat auch PG 3 und sbA 60%, H. Hast du schon einen sbA beantragt? Ich war zuerst auch geschockt. Kann ich gut verstehen.
Ich wünsche dir regen Austausch.
LG Andrea 88
Sohn2012: atypischer Autist, Verhaltensstörung, entwicklungsverzögert, schwere Spracherwerbsstörung
Sohn2014:V.a. atypischer Autismus, entwicklungsverzögert, schwere Spracherwerbsstörung, myofunktionelle Störung im Orafazialbereich

JennyK
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Beitrag von JennyK »

Danke für dein Willkommen!

Nein, einen SBA haben wir (noch?) nicht beantragt, mir ist noch nicht so recht klar, welche Vor- und Nachteile uns das bringt. Es ist ja auch alles recht frisch und wir gehen einen Schritt nach dem nächsten.
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

tantethali
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Beitrag von tantethali »

Herzlich Willkommen hier in der Runde :)

Die ganzen Anträge stehen uns auch noch bevor. Schulbegleitung, PG, SBA...
Einschulung ist auch im August. Zur Zeit hängen wir noch in der Luft, wo er zur Schule gehen wird. Die Diagnose ist frisch und die angemeldete Schule ist noch nicht sicher, ob sie ihn nimmt (Regelgrundschule ohne GL).
Sohn (2011) Frühchen 28+2, Asperger Autist, überdurchschnittliche Intelligenz (eventuell HB), ADHS
Sohn (2013) fit

Andrea88
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Beitrag von Andrea88 »

Nachteile bringt der sbA keine. Aber einige steuerliche Vorteile. Bei Merkzeichen H sogar recht hohe. Bei meinem jüngeren Sohn ist die Diagnose auch noch frisch. Für ihn bin ich die Anträge jetzt alle am machen.
Der große geht erst nächstes Jahr in die Schule. Da haben wir noch ein bisschen Zeit. Trotzdem bin ich total verunsichert. Der kiga und die Therapeuten raten zur Sprachförderschule.
LG Andrea 88
Sohn2012: atypischer Autist, Verhaltensstörung, entwicklungsverzögert, schwere Spracherwerbsstörung
Sohn2014:V.a. atypischer Autismus, entwicklungsverzögert, schwere Spracherwerbsstörung, myofunktionelle Störung im Orafazialbereich

JennyK
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Re: Jenny mit Sohn (geb. 2006, ADS und ASS)

Beitrag von JennyK »

Ein gutes Jahr später mal ein kleines Update...
Nun hat auch der Kleine eine Asperger Diagnose, allerdings deutlich weniger stark ausgeprägt als der Große. Im August wird er eingeschult, Handlungsbedarf sehen wir noch nicht. Aber es ist gut, dass wir, falls Probleme auftreten sollten, schon die Diagnose in der Hand haben. Dann könnten wir deutlich schneller Hilfen installieren, wenn es nötig sein sollte.
Der Große macht sich sehr gut, schulisch läuft es weiterhin sehr gut. Leider wird seine Schulbegleiterin aufhören, wir hoffen darauf, dass es mit der Nachfolgerin/dem Nachfolger auch gut klappt. Die Pubertät macht sich langsam bemerkbar, da hoffe ich darauf, dass wir endlich bald einen Therapieplatz im ATZ bekommen, wir warten schon fast 2 Jahre...
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Jenny,

schön, dass es gut läuft, ich drücke die Daumen für eine gute Schulbegleitung (ich kenne das Bangen).
wir warten schon fast 2 Jahre...
Das ist ja krass lange. :shock:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

JennyK
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Re: Jenny mit Sohn (geb. 2006, ADS und ASS)

Beitrag von JennyK »

Ich gebe nochmal ein Update:
Die Schulbegleitung vom Großen wurde zum Schuljahresende beendet, weil es so gut lief. Gleichzeitig konnten wir zu Beginn des Schuljahres endlich mit der Therapie im ATZ beginnen. Das läuft auch gut an. Ich habe so meine Zweifel, dass es ohne SB auf Dauer gut geht, momentan ist es noch halbwegs ok. Er ist jetzt 13 und pubertiert, kommt selten aus seinem Zimmer, in dem er liest oder am Handy daddelt. Soziale Kontakte hat er kaum noch, das macht mir Sorgen.

Der Kleine ist nun eingeschult und macht sich gut, arbeitet zwar langsam und ist schnell abgelenkt, geht aber gerne und fröhlich zur Schule. Wir haben großes Glück, eine Lehrerin zu haben, die das noch entspannt sieht und ihm die nötige Zeit gibt, sich zu entwickeln. Noch haben wir der Schule nichts von der Diagnose gesagt, ich hoffe, dass das auch nicht nötig wird.
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

JennyK
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Re: Jenny mit Sohn (geb. 2006, ADS und ASS)

Beitrag von JennyK »

Noch ein Update:
Leider hat der Kleine gegen Ende des Jahres immer mehr verweigert, daher haben wir im Dezember dann das große Hilfepaket beantragt. Schulbegleitung, Autismus-Therapie, Sozialpädagogische Familienhilfe...
Die Therapie und die Familienhilfe sind direkt bewilligt worden, es hat aber noch bis Mai gedauert, bis wir starten konnten. Das läuft gut an, die Dame kommt zweimal wöchentlich zu uns nach Hause. Durch Corona konnten die Hospitations-Termine in der Schule nicht wahrgenommen werden, daher steht die Entscheidung dazu noch aus...

Der Große pubertiert gewaltig, hat zuerst ganz gut im Homeschooling gearbeitet, aber mit Einsetzen des rollierendem Präsenzunterricht Zuhause gar nichts mehr gemacht. Ich habe mich da aber nicht aufgerieben, da das aufgrund der Aussage eines Lehrers passiert ist, der den Schülern gesagt hat, sie hätten ja gar nicht arbeiten müssen, das würde eh alles nicht bewertet...

Nun starten wir in die Ferien, unseren Urlaub mussten wir absagen...

Ich bin gespannt, wie unsere Reise weitergeht...
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

JennyK
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Re: Jenny mit zwei Söhnen (AD(H)S und ASS)

Beitrag von JennyK »

Ein paar Monate später noch ein Update: da der Kleine in der Schule immer weiter verweigerte, haben wir noch in den Sommerferien eine ADHS Diagnostik machen lassen und die war eindeutig. Bis wir letztlich mit der Medikation starten konnten, dauerte es noch bis Ende September, das war eine ganz harte Zeit. Die Medikation wirkt super bei ihm, er kann sich viel besser konzentrieren und arbeitet mit Freude und zügig. Die Schulbegleitung ist immer noch nicht da, das nervt ungemein! Die Lehrerhaben den Autismusbeauftragten vom Kreis um Unterstützung gebeten, da hatten wir letzte Woche ein Gespräch. So richtig viel konnte da nicht raus gezogen werden, eben weil er seit der Medikation deutlich verbessertes Verhalten zeigt. Abwarten und beobachten ist die Devise.

Der Große ist sehr belastet in der Schule, fühlt die große Differenz zwischen sich und den Mitschülern. Dazu pubertiert er heftig und meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Außerdem sind in der Schule sehr viele Veränderungen passiert, sie sind jetzt an einem anderen Standort, die geliebten Klassenlehrerinnen haben die Klasse abgegeben, fast alle Lehrer sind neu und die Mitschüler haben sich in den langen Monaten ohne Kontakt ganz anders weiterentwickelt. Er ist mit Abstand der Jüngste und bei den meisten Anderen sind Sexualität, Alkohol etc Thema... davon distanziert er sich deutlich, so weit ist er noch gar nicht emotional.
Die neuen Klassenlehrer haben wenig Ahnung von Autismus und sind noch sehr unerfahren, beide neu an der Schule. Der Autismusbeauftragte ist leider nicht für diese Schule zuständig, aber er hat mir die Kontaktdaten der Kollegin mitgeteilt, die für diese Schule zuständig ist. Ich werde Kontakt aufnehmen und um Unterstützung bitten... Die Therapie im ATZ läuft weiter, jetzt als Kleingruppe. Das fordert unseren Großen heraus, nützt ihm hoffentlich langfristig was.
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

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