Sprache und Hochbegabung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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LadyAnna
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Sprache und Hochbegabung

Beitragvon LadyAnna » 30.04.2018, 17:02

Hallo,
Jetzt habe ich auch nach langem Lesen eine Frage an euch. Mein Sohn hat eine Sprachstörung,die schwer zu beschreiben ist, da sie so wandelbar ist. Jetzt wurde ich vom Kindergarten angesprochen, ob wir ihn nicht auf Hochbegabung testen lassen wollen.
Kann mir jemand sagen, ob hochbegabte auch Sprachstörungen haben können und vor allem ab welchem Alter man Hochbegabung testen kann?
Vielen Dank!!!!

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kati543
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Beitragvon kati543 » 30.04.2018, 18:04

Hallo,
also so direkt kann ich das dir nicht sagen. Ich weiß aber mit absoluter Sicherheit, dass man mit einem heterogenem IQ geschlagen sein kann. Da könnte es dann sein, dass das Sprachverständnis eben eher schlecht ist und die anderen Bereiche wirklich einen sehr hohen Wert erzielen.
Mein Ältester hat das auch, allerdings gibt es bei ihm nur das wahrnehmungsgebundene logische Denken, was deutlich im Bereich der Hochbegabung liegt, alle anderen 3 Werte liegen schon an der Grenze zur Lernbehinderung. Natürlich ist der Gesamt-IQ dann irgendwie arg verfälscht.
Den ersten IQ Test hatte er mit 4 Jahren. Das ist auch so ziemlich das früheste, was möglich und einigermaßen vertretbar ist. Der damalige Test war der SON-R, ein nonverbaler Test. Er konnte damals nicht wirklich sprechen. Der Test wurde insgesamt an 3 Tagen gemacht. Der Gesamt-IQ ist bis heute geblieben. Nur der SON-R lieferte leider keine Ergebnisse für Teilleistungsbereiche...in seinem Fall war es rückblickend also völlig sinnlos.
Später wurde der WISC gemacht, ein verbaler Test, der eben für die Unterbereiche auch Ergebnisse liefert. Das erklärte dann in Vielem seine schulische Leistungen.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Elke35
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Beitragvon Elke35 » 30.04.2018, 18:57

AVWS ausgeschlossen?

fanny
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Beitragvon fanny » 30.04.2018, 19:10

Wie alt ist dein Sohn denn?

Meine Große hat mit fünf den ersten (nonverbalen) IQ-Test gemacht, ein Jahr später einen verbalen Test, bei dem sie aufgrund ihrer schlechten sprachlichen Fähigkeiten deutlich schlechter als beim ersten Test abschnitt.

Wirklich aussagekrätig sind Tests aber erst ab ca. zehn Jahren. Davor können die Schwankungen von Test zu Test noch sehr groß sein, da die Intelligenz sich noch entwickelt.

LadyAnna
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Beitragvon LadyAnna » 30.04.2018, 19:36

Schon einmal vielen Dank!
Er hat keine phonologischen Probleme mehr, die haben wir dank Logopädie alle besiegt. Er ist extrem weit im Wortschatz, Sprachverständnis und Grammatik, allerdings hört sich sein Sprechen noch nicht normal an. Es kann aber niemand erklären, warum das so ist. Wenn er komplexe Themen erklären will, spricht er stark dysgrammatisch und bekommt seine Gedanken nicht sortiert, sonst spricht er in Alltag fehlerfrei, aber sehr bewusst. AVWS usw. wurden ausgeschlossen.
Jetzt kam eben der Stups Richtung Hochbegabung, Da er extrem viele Fragen hat, komplex denkt, mit gerade 5 schon Worte gut liest und im Zahlenraum 20 problemlos rechnet, das Einmaleins begriffen hat usw.
Deshalb nun meine Überlegung, ob wir doch mal in diese Richtung uns informieren

JuliaE
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Beitragvon JuliaE » 30.04.2018, 19:59

Hi!


Unser Sohn wurde auf Hochbegabung getestet als er 5 Jahre und 10 Monate war. Uns wurde gesagt unter 5 ist es schwierig. ( m.E. wäre etwas früher besser gewesen aber mein Mann war lang dagegen-aber das ist ein anderes Thema) Das mit der Sprache kann ich dir leider nicht genau beantworten, unser Sohn war auch da früh recht weit- Aber ich würde absolut nicht ausschließen das man trotz Sprachstörungen hochbegabt sein kann.-Es gibt ja auch Hochbegabte die gleichzeitig ne LRS oder Dyskalkulie haben. Man sollte dann aber eben zu einem Tester/Psychologen gehen der sich wirklich gut mit der Materie auskennt.

LG Julia
7/81, Spina Bifida/Hydrocephalus, (seit 07 Ventrikulustomiert) Rollifahrerin mit Sohn 10/2010, bisher gesund)

Theodor1
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Beitragvon Theodor1 » 30.04.2018, 20:22

Hallo,

auch unser Ältester hat eine Sprachbehinderung mit einer Hochbegabung. Es wurde bei ihm ein sprachfreier und ein ganz normaler durchgeführt.

Viele Grüße
Theodor

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 30.04.2018, 22:23

Hallo,

grundsätzlich kann man schon 4jährige mit altersentsprechenden (wenn nötig auch nonverbalen) IQ-Tests testen, nur sind die Ergebnisse noch nicht sehr aussagekräftig, weil in dem Alter noch Motivation, Tagesverfassung und "wohlfühlen" (oder eben das Gegenteil) in der Testsituation eine sehr große Rolle spielen.

Natürlich können auch Kinder mit Sprachstörungen hochbegabt sein, warum auch nicht? Der IQ berechnet sich aus verschiedenen Teilbereichen. Wie verständlich dabei die aktive Sprache des Kindes ist, spielt eine ziemlich untergeordnete Rolle.

Bei sprachlich sehr begabten Kindern, deren Spitzen (beim IQ-Test) dann auch meistens im sprachlichen Bereich liegen, fällt nur eine etwaige Hochbegabung eher auf als bei Kindern, wo die besten Bereiche z.B. räumliches Vorstellungsvermögen oder logisches Denken sind. Denn das wird meistens erst im Grundschulalter überhaupt bemerkt. So ist z.B. bis 100 zählen können was ganz anderes, als einen echten Zahlenbegriff von 100 zu haben. Man staunt als Erwachsene, wenn 3jährige Knirpse bis 100 oder weiter zählen können, bemerkt aber oft nicht, wenn 4jährige, die nie Interesse am zählen hatten, plötzlich im 300teiligen Sticker-Album immer richtig blättern, wenn sie einen Sticker einkleben wollen.

Mein jüngerer Sohn (gehörlos, autistisch, nonverbal) hatte mit 4 Jahren seinen ersten IQ-Test (SON-R 2 1/2-7) im Rahmen eine umfassenden Entwicklungsdiagnostik. Raus kam ein extrem heterogenes Entwicklungsprofil mit Spitzen bis in die Hochbegabung und Tiefen bis in den Bereich leichter geistiger Behinderung. Der Durchschnittswert (also der IQ) war mit 101 somit nicht wirklich aussagekräftig.

Der gleiche Test wurde 1 1/2 Jahre später wiederholt, aber unter wesentlich schlechteren Bedingungen, wodurch der offizielle Gesamt-IQ jetzt nur noch 85 ist. Mein Sohn ist aber definitiv NICHT um ganze 16 IQ-Punkte "dümmer" geworden, sondern das schlechtere Ergebnis lag an anderen Faktoren. Beim ersten Mal waren es zwei Termine, wo die IQ-Untertests jeweils gleich zu Beginn der Testung waren und dann kamen die anderen Tests (Merkfähigkeit, Sozialeverhalten, Audiogramme und Sprachverständnistests mit Horchis,..). Beim zweiten Mal gab es nur EINEN Termin und alle anderen Tests waren VOR dem IQ-Test. Sprich: ich war mit einem autistischem, gehörlosen Kind über eine Stunde unterwegs und DANN hatte es noch 3 Stunden etliche Tests bei 4 verschiedenen Personen, bevor der IQ-Test überhaupt BEGANN! Ich bin mmir ziemlich sicher dass auch die meisten komplett gesunden Kinder unter diesen Voraussetzungen ihr Potential nicht gezeigt hätten! Übrigens waren sogar da Teilbereiche des Test eindeutig im Bereich Hochbegabung. So hat mein Sohn das räumliche Vorstellungsvermögen eines 8jährigen.

Fakt ist, dass mein Sohn mit 3 Jahren perfekt buchstabieren und das ABC vor- und rückwärts gebärenn konnte. Mit 3 Jahren und 3 Monaten konnte er seinen Namen und etliche andere Namen und Wörter fehlerfrei aus dem Gedächtnis schreiben. Mit 4 hatte er einen echten Zahlenbegriff von über 1000 und konnte Zahlenreihen (133, 129, 127,...) logisch fortsetzen. Jetzt, mit 5 Jahren, kann er einzelne Wörter und kürzere Sätze sinnerfassend lesen kann und rechnet sicher im Zahlenbereich bis 20. Er hat durch den sehr flüchtigen Blickkontakt auch einige gewaltige Defizite, vor allem was klassisches "Wissen" anbelangt, weil er beim erklären keinen längeren Handlungssträngen folgen kann. Daher weiß er z.B. nicht, dass die Milch von der Kuh kommt.

Ich beschreibe das alles so genau, dass du siehst, was für Faktoren bei so Testungen mitspielen. Wenn die Ergebnisse "falsch" sind, dann sind sie praktisch immer "nach unten" falsch, sprich: das Kind hat sein Potential in der Testsituation nicht (voll) gezeigt! Nach oben falsche Ergebnisse gibt es nicht. Es kann sein, dass ein Kind, welches z.B. mit 4 Jahren ein Ergebnis knapp über der HB-Grenze (IQ!§=) hatte, zwei oder drei Jahre später etwas drunter liegt. Das liegt dann daran, dass es mehr 4jährige gibt, die beim Test nicht ordentlich "mitmachen" als das 2 oder 3 Jahre später der Fall ist, und die IQ-Test-Berechnung sich ja nach den Referenzwerten der Gleichaltrigen richtet. Auch in dem Fall ist das Kind nicht "dümmer" geworden, denn ob der getestete Wert jetzt 128 oder 132 ist, spielt in der Praxis keine Rolle.

Jedenfalls würde ich eher eine komplette Entwicklungsdiagnostik empfehlen, als nur einen IQ-Test. Da wird das Kind dann eher "als ganzes" gesehen und der Fokus ist nicht ausschließlich auf den kognitiven Fähigkeiten.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

LadyAnna
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Beitragvon LadyAnna » 01.05.2018, 07:45

Vielen lieben Dank!

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toto35
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Beitragvon toto35 » 01.05.2018, 07:52

LadyAnna hat geschrieben:Vielen lieben Dank!


Hallo,
So wie du deinen Sohn beschreibst beim Sprechen erinnert das mich sehr an meinen Sohn. Die hochbegabten Möglichkeit haben wir auch.
Hast du deinen Sohn mal auf die Mischform ADHS/ADS testen lassen? An die denken viele Ärzte nicht! Und diese ist leider noch weniger beschreibar als die beiden Einzeldiagnosen.
LG

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Sohn (16,5 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)


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