Ist Janosch Geschäfts(un)fähig?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Ist Janosch Geschäfts(un)fähig?

Beitragvon marianne » 30.04.2018, 13:06

Hallo Zusammen,

hab‘ hier in links und Beiträgen rumgelesen, aber selbst die ministeriellen Definitionen klären mich nicht auf, ob leichte geistige Behinderung nun Geschäftdunfähigkeit bedeutet für Janosch oder nicht!

Denn wir besprechen und planen als Eltern nun alles gemeinsam mit ihm, weil er recht fit ist und doch mit erheblichen Einschränkungen!!

Janosch wird Anfang Juni volljährig!

Er ist leicht geistig behinderter Autist mit SBA 100 G,B,H (unbefristet)!

Er hat Pflegeeinstufung 3 oder 4 (muss nachgucken, vorher war es Pflegestufe 1)!!

Da er (sicher überprüft) aufgrund unseres Familieneinkommens keinen Antrag auf Grundsicherung stellen wird, zielen meine folgenden Fragen zunächst einzig darauf, ob wir Eltern (was uns am liebsten wäre) als seine Bevollmächtigten gegenüber den Behörden handeln können oder ob wir die Betreuung für ihn teilweise oder voll beantragen müssen!

Janosch besucht die Förderschule Schwerpunkt geistige Entwicklung und wird ab Herbst die Behindertenwerkstatt besuchen!

Und er hat seine Pflegestufe, weil er Struktur und sozial-emotionale Unterstützung im Alltag braucht (deutlich eingeschränkte Alltagskompetenz)

Aber:

Wenn er seine Rahmensgruktur hat, ist er ziemlich fit und ein Außensrbeitsplatz auf dem 1. Arbeitsmarkt gut vorstellbar für alle Beteiligten!!

Er geht alleine einkaufen, wäscht seine Wäsche, saugt, kocht, hat seinen Hygienebereich selber im Griff!

Alles braucht allerdings Vor- und Nachbesprevhungen!

So kann er nur rudimentär rechnen und schreiben, aber für WhatsApp, wenn er unterwegs ist, reichts gut.

Beim Einkauf zahlt er mit Scheinen etc.

Mit Behörden und Ärzten und Verträgen wäre er natürlich heillos überfordert! Aber das weiß er und würde uns da Vollmachten erteilen!

Gibt es klare Richtlinien oder nicht, die uns sagen, ob wir Betreuung oder Bevollmächtigung (lieber!) beantragen sollen?

LG! Marianne
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

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Beitragvon Mellie » 30.04.2018, 13:57

Hallo,

es gab schon einmal einen Thread Betreuung oder Vorsorgevollmacht, der Dir bezüglich Deiner Fragen weiterhelfen kann:
phpBB2/viewtopic.php?t=131321&highlight=vollmacht

Bei einer Betreuung wird man nicht gleich als geschäftsunfähig eingestuft. Gemeinsam planen kann man auch mit einer Betreuung - sollte man sogar. Ich spreche auch alles im Rahmen des Verständnis mit meinem Sohn ab. :)

Also, wenn ihr Eltern unter der 100.000 Euro Einkommensgrenze seit, dann könnt ihr für euren Sohn Grundsicherung beantragen. :D
Viele Grüße,
Mellie

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Beitragvon marianne » 30.04.2018, 14:32

Hallo Mellie, dieses Thema deines links hatte ich vor meinem Posting schon gelesen und keine Antwort auf meine Frage darin erhalten!

Wenn nur eine volle Geschäftsfähigkeit eine Erteilung einer Vollmacht durch Janosch an uns erlaubt, dann wird dies für uns wohl nicht gehen wegen Janoschs leichter geistiger Behinderung und eingeschränkten Alltagskompetenz!

Denn er ist zwar gemessen an seinen Mitschülern recht fit, aber hat seine Pflegestufe und hohen SBA-Prozente ja aus Gründen der notwendigen Unterstützung!

Aber eigentlich auch schade, denn wie auch ein pfiffiges Kind oder ein leicht Dementer eine Menge versteht, so ist es bei Janosch auch!
Das fände ich einfach mit der Vollmacht ausreichend, nur muss es rechtlich natürlich Hand und Fuß haben!

In die Gruppe der Grundsicherungs-Berechtigten fällt Janosch nicht!!

Also jetzt Betreuung vorbeantragen! 😏
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Beitragvon Isolde » 30.04.2018, 16:06

Hallo Marianne,

Deine Frage kann ich nicht beantworten, bzgl. der Geschäftsfähigkeit - bei uns liegt der Fall so schwerwiegend, dass ich die Betreuerin "in allen Belangen" für meinen Sohn bin.

Ich würde in jedem Fall jetzt dringend schon das Betreuungsgericht einschalten.
Die wissen garantiert, in welchem Umfang Janosch eine Betreuung benötigt und wie es dann für ihn mit der Geschäftsfähigkeit ausschaut.

Und nach dem Erstgespräch könnt Ihr immer noch entscheiden, wie es weiter geht.
Das Betreuungsgericht wird auch mit Janosch reden und sich ein direktes Bild von ihm machen.

Ich fand mnich von unserem Betreuungsgericht sehr gut in allem beraten,
und es gibt ja die Möglichkeit eine Betreuung nur in Teilbereichen zu übernehmen, z.B. die Finanzen.

Ich drücke Euch in jedem Fall ganz feste die Daumen, dass Ihr den richtigen weg findet.

Liebe Grüße
Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Beitragvon helena_muc » 30.04.2018, 16:09

Liebe Marianne,

ich wollte das Gleiche schreiben wie Isolde: die Betreuungsgerichte haben Anhaltspunkte für die Entscheidung, ob jemand geschäftsfähig ist. Dort kann man sich auch beraten lassen.

Viele Grüße
von
helena
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Beitragvon Rita2 » 30.04.2018, 21:42

In die Gruppe der Grundsicherungs-Berechtigten fällt Janosch nicht!!
Hallo Marianne,

bist du dir dabei wirklich sicher. D.h. sowohl du als auch dein Mann verdienen jeweils über 100.000 Euro pro Jahr(nicht ihr beide zusammen) oder dein Sohn hat ein größeres Vermögen.

Wenn dein Sohn versteht was eine Vollmacht ist und in der Lage ist zu entscheiden, wer für ihn alles Regeln soll, dann kann er auch eine Vollmacht euch erteilen.
Das Problem ist nur, ob diese Vollmacht später dann auch von den entsprechenden Stellen anerkannt wird.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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Beitragvon marianne » 30.04.2018, 21:45

Danke, ihr Lieben!

Das hilft sehr weiter!

🌹
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Beitragvon marianne » 30.04.2018, 23:26

P.S.: Nochmals zur Grundsicherung und warum Janosch keinen Anspruch drauf hat: Weil einer von uns beiden Eltern ab 100000€ Einkommen erzielt! Jetzt wird’s schräg:

Das ist jetzt SEHR seltsam und während mein Mann es glaubt, will ich es lieber schriftlich vom Anwalt:

Also: Ein behindertes erwachsenes Kind bekommt Grundsicherung, wenn das Gesamteinkommen der Famile unter 100000€ liegt! Oder, wenn nur die Summe beider Einzeleinkommen der Eltern 100000€ oder mehr ergibt!
Denn nur, wenn 100000€ einzeln von einem der Eltern als Einkommen vorliegt, wird Grundsicherung gestrichen!

:shock:

Daraus ergibt sich folgender paradoxe Hirnriss: Würden mein Mann und ich jeder einzeln 99999€ Einkommen haben, bekäme Janosch Grundsicherung! 🤪

Würde ich 100000€ verdienen und mein Mann nix, bekäme Janosch keine Grundsicherung! 😶

Dieser Hirnknoten ergibt sich gesetzlich daraus, dass eigentlich Eltern gar nicht für ihre Kinder zahlen sollen!

Da aber das Argument „behinderter Millionärssohn mit Grundsicherung“ den sozialen Frieden gefährden würde, haben sie juristisch mal einfach 100000€ Einzeleinkommen aus der Luft gegriffen, kommt eh nur selten vor!

Dadurch ergibt sich aber der perverse Fall, dass alle Eltern, die nur in der Summe, aber nicht einzeln zwischen 100000€ und 199999€ Gesamteinkommen, also fast das Doppelte von 100000€ bekommen, nicht zur Kasse gebeten werden!

:roll: Also, mit Hirnwindungsschmerz will ich das doch lieber schriftlich. . .
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Beitragvon Helena* » 01.05.2018, 00:01

Hallo Marianna,
mein Kind hat zwar eine geistige Behinderung, kann aber sprechen, lesen und schreiben in einem gewissen Rahmen. Er ist in der Lage nach Erklärungen sich eine Meinung zu bilden bzw. Konsequenzen zu verstehen.

Wir habe eine Vordorgevollmacht nach dem Muster des Bundesjustizministeriums nach seinen Bedürfnissen und Wünschen ausgefüllt/angepasst, mit ihm alles einzeln durchgesprochen und er hat uns die umfassende Vorsorgevollmacht erteilt vor drei Jahren.

Wir haben damit noch nie Probleme gehabt und sie wurde überall, wo sie vorgelegt wurde bzw. musste , ohne irgendwelche Nachfragen oder Zweifel anerkannt, z.B. Krankenkasse, Pflegekasse, Arbeitsamt, Sozialamt, beim VDK, als ich dort wegen einer rechtlichen Vertretung die Mandatsvollmacht unterschrieben habe, beim Sozialgericht.

Vielleicht hilft dir folgendes weiter:
https://dejure.org/gesetze/BGB/1896.html
§ 1896
Voraussetzungen
"[...]

(2) 1Ein Betreuer darf nur für Aufgabenkreise bestellt werden, in denen die Betreuung erforderlich ist. 2Die Betreuung ist nicht erforderlich, soweit die Angelegenheiten des Volljährigen durch einen Bevollmächtigten, der nicht zu den in § 1897 Abs. 3 bezeichneten Personen gehört, oder durch andere Hilfen, bei denen kein gesetzlicher Vertreter bestellt wird, ebenso gut wie durch einen Betreuer besorgt werden können.[...]

http://www.bundesanzeiger-verlag.de/bet ... _18_Jahren

http://www.einfach-teilhaben.de/SharedD ... ?nn=276512

Du könntest beim Amtsgericht bei einer Beratung ansprechen, ob bei eurer Situation die Vorsorgevollmacht möglich wäre.

LG, helena

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Beitragvon marianne » 01.05.2018, 00:04

Wow, danke, Helena, das hört sich gut an! 🌹
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