Ist Janosch Geschäfts(un)fähig?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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monika61
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Beitragvon monika61 » 14.05.2018, 10:43

Hallo Marianne,

bei dem bvkm findest Du eine Broschüre zum Thema Vollmacht:
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Ich sorge für mich – Vollmacht

Ich sorge für mich! Vollmacht in leichter Sprache

In vielen Fällen kann eine rechtliche Betreuung durch die Erteilung einer Vollmacht vermieden werden. Mit einer solchen Erklärung kann ein behinderter Mensch zum Beispiel seine Eltern oder eine andere Person seines Vertrauens bevollmächtigen, ihn in bestimmten oder allen Angelegenheiten, rechtlich zu vertreten...

http://bvkm.de/wp-content/uploads/Ich-s ... mich-2.pdf

Der Direktlink funktioniert leider nicht. :?

Du findest Die Broschüre "Ich sorge für mich – Vollmacht" hier auf der Seite unter "Rechtsratgeber": http://bvkm.de/recht-ratgeber/
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In der Broschüre "Merkblatt zur Grundsicherung" steht zum Thema Einkommen der Eltern:

14. Ist die Grundsicherung abhängigvom Einkommen der Eltern?
Grundsätzlich wird die Grundsicherungunabhängig vom Einkommen der Eltern gewährt. Ausgeschlossen ist der Anspruch auf Grundsicherung allerdings dann,
wenn das jährliche Gesamteinkommen eines Elternteils 100.000 Euro überschreitet. Die Einkommensgrenze gilt also nicht für beide Eltern zusammen, sondern muss für jeden Elternteil einzeln betrachtet werden (so das BSG in seinem Urteil vom 25. April 2013, Az. B 8 SO 21/11 R). Ab 1. Juli 2017 wird dies durch das RBEG auch gesetzlich klargestellt. Unter Gesamteinkommen ist die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommenssteuerrechts zu verstehen. Bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit ist daher der Gewinn und bei Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten maßgeblich.
Etwaiges Vermögen der Eltern von Grundsicherungsberechtigten ist in keinem Fall zu berücksichtigen.

15. Was ist, wenn ein Elternteil mehr als 100.000 € im Jahr verdient?
In diesem Fall können bedürftige, voll erwerbsgeminderte Menschen unter bestimmten Voraussetzungen Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII beanspruchen. In der Begründung des Regierungsentwurfs zum RBEG wird dies nunmehr ausdrücklich klargestellt (Bundestags-Drucksache 18/9984, Seite 91). Bei erwachsenen Menschen, die im Haushalt ihrer Eltern leben, ist die Gewährung der Leistung davon abhängig, dass sie mindestens 25 Jahre alt sind.
Der Kostenbeitrag von Eltern erwachsener Kinder mit Behinderung beschränkt sich bei der Hilfe zum Lebensunterhalt auf 24,94 Euro im Monat. Vielen Sozialämtern ist diese Rechtslage nicht bekannt. Der bvkm stellt Betroffenen deshalb unter www.bvkm.de einen „Musterantrag auf Hilfe zum Lebensunterhalt“ zur Verfügung.

Komplette Infos: http://bvkm.de/wp-content/uploads/GruSi ... rungen.pdf :?

Auch diese Broschüre "Merkblatt zur Grundsicherung" findest Du hier unter "Rechtsratgeber": http://bvkm.de/recht-ratgeber/
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LG
Monika

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Jakob05
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Beitragvon Jakob05 » 17.05.2018, 06:44

Was ist denn so schlimm an einer Betreuung ? Wir haben seit Jahren die Betreuung für unseren GRossen in allen Belangen, lassen ihm aber die Freiheiten (im Rahmen) selbst Erfahrungen zu machen.
Alle 7 Jahre wird die Notwendigkeit überprüft und er fühlt sich damit ebenso wohl wie wir. Es kam schon mehrfach vor, dass ich Geschäfte, die er mangels Verständnis abgeschlossen hat, wieder rückgängig machen konnte (Internet), das hat ihm viel Geld erspart. Auch mit seinem Arbeitsvertrag auf dem 1.AM konnten wir mitsprechen. Der Arbeitgeber war ebenso froh um die "Übersetzungshilfe".
Betreuung ist Hilfe zur Selbsthilfe und nicht Entmündigung !

Die Möglichkeiten eine Vollmacht zu erteilen, finde ich sehr 2schneidig. So wie er seinen Eltern diese erteilen kann, die ihn schützen wollen, könnte er dies auch jedem Anderen, der ihn geschickt dazu überredet, ausstellen. Er ist einfach zu arglos, um bei netten Worten böse Absichten zu erkennen.

Ausserdem erscheint es mir nicht logisch, dass jemand der mangels Weitblick und Umsicht Unterstützung braucht,dann wieder für so verständig eingestuft wird, dass er eine Vollmacht ausstellen und deren Tragweite verstehen können soll.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 17.05.2018, 08:58

Moin Cordula,
Ausserdem erscheint es mir nicht logisch, dass jemand der mangels Weitblick und Umsicht Unterstützung braucht,dann wieder für so verständig eingestuft wird, dass er eine Vollmacht ausstellen und deren Tragweite verstehen können soll.
das genau ist ein wichtiger Punkt.

Bevor eine Vollmacht ausgestellt wird, muss man sich sehr genau überlegen, ob der Vollmachtgeber überhaupt in der Lage, Umfang und Bedeutung einer Vollmacht entsprechend zu verstehen und daher in der Lage ist, überhaupt wirksam eine Vollmacht zu erteilen.

Das wird manchesmal - auch von Notaren - sehr unkritisch "geprüft" und da werden Vollmachten beurkundet, wo man sich fragt, wie das wohl sein kann ...

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Beitragvon marianne » 18.05.2018, 14:25

Hallo Zusammen und Danke für eure detaillierten Infos und euer Mitdenken!

Wir dachten zunächst, dass uns eine Vollmacht lieber wäre als eine Betreuung, weil einfacher!
Dass unser Sohn auch nach dem Betreuungsrecht keinesfalls ohne Mitspracherecht ist und keinesfalls „entmündigt“, das wussten wir!

Sowieso war und ist es nicht unsere Art, ihn zu bevormunden!

Wir dachten uns die Vollmacht unkomplizierter im Vergleich zum Antragsverfahren beim Betreuungsgericht. waren ja aber nicht sicher hinsichtlich des Aspektes der Geschäftsfähigkeit und möglicher Risiken, auch im Umgang mit Behörden!

Unser Anwalt, der als Fachanwalt im Behindertenrecht sehr erfahren ist, riet uns aber zur Betreuung, wenn wir selber als Eltern unseren Sohn nicht für geschäftsfähig halten, was wir nicht tun! (Jacob und Jörg, wie euer Hinweis!)

Die Gefahr bei Vollmachten, betrügerischen oder ungeeigneten Dritten eine Vollmacht zu erteilen oder trotz unserer Vollmacht selber im vollen Umfang noch Verträge abschließen zu können, beunruhigte uns auch.

Unser Sohn wird ja immer selbständiger, aber nicht dementsprechend immer weitsichtiger!
So wollte er jetzt eine super Qualifizierungschance wegen damit verbundenen späterer Arbeitszeiten ablehnen, was ein absolutes Eigentor gewesen wäre, auch hinsichtlich der anschließenden Wahl von Jobs mit besseren Arbeitszeiten!

Das hätten wir zwar auch mit einer Vollmacht ausdiskutiert, aber so erscheint es doch sicherer.


Er meint, das sei sicherer und auch unkomplizierter gegenüber Behörden!

Darum haben wir uns jetzt für die Betreuung entschieden!

@monika, und zum Thema Grundsicherung hat uns der Anwalt ebenso informiert wie deine kopierten Ausführungen oben! Danke!

LG! Marianne :icon_flower:
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

There´s a crack in everything but that´s how the light gets in (Leonard Cohen)


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