Gehörlos + visuelle Wahrnehmungsstörung!

Hier könnt ihr euch über Hör- und Sehbehinderung austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

betty33
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 67
Registriert: 29.01.2016, 21:45

Gehörlos + visuelle Wahrnehmungsstörung!

Beitragvon betty33 » 26.04.2018, 14:17

Hallo zusammen,

ich wollte mal lauschen ob es hier Kinder mit dieser Kombination gibt und würde mich dazu gern austauschen.

Mein Sohn ist 6,5 Jahre alt und seit Geburt taub. Jetzt stand das Gutachten an, um die Beschulung und den Förderbedarf zu ermitteln. Dort wurden wir erstmals mit dem Verdacht einer VVWS konfrontiert. Er ist im visuellen und visuo-motorischem Bereich auf dem Stand eines 4jährigen.

Die Art der Beschulung ist mit einem großem Fragezeichen versehen. Wir wollen ihn hier auf die örtliche Regelgrundschule mit zus. Förderbedarf Hören schicken. Rein sprachlich und auditiv hat er dank früher HG-und CI-Versorgung eine sehr gute Entwicklung hingelegt. Bisher wurde er durch die Hörfrühförderung super betreut und bekommt zusätzlich Ergotherapie. Reicht das denn aus um ihn angemessen zu fördern? Was wäre noch wichtig zu wissen bei VVWS?

Einen Termin bei einem Augenarzt haben wir leider erst in 3 Monaten bekommen. Da sollen wir zu aller erst abklären, dass die Augen ok sind. Aber unseren Beobachtungen nach, sieht er wie ein Luchs.

Viele seiner Eigenheiten bekommen durch diesen Verdacht eine logische Erklärung. Er malt überhaupt nicht gern, kann auch nicht abzeichnen, ist im allgemeinen sehr langsam, ermüdet schnell und schaltet dann ab. Er ist auch absolut nicht visuell ausgerichtet, so wie ich das bei anderen gehörlosen Kindern beobachten konnte. Er tritt anderen auf die Füße, eckt oder rempelt andere an und ist in lauter Umgebung (z.Bsp. Kantine) total orientierungslos.

Ich würde mich über eure Erfahrungen und Tips sehr freuen.

LG Betty
Tochter: ADS, Dyskalkulie
Sohn: Gehörlos, vis. Wahrnehmungsstörung, F82.1, F83, V.a. ADS/ASS

Werbung
 
Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3742
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Beitragvon Silvia & Iris » 26.04.2018, 15:16

Liebe Betty,

das liest sich jetzt aber schon so, als ob bei deinem Sohn eine Kleinklassse sehr wohl gerechtfertig wäre mit einem Tisch, der eine beleuchtete Schreibfläche + Vergrößerungsmöglichkeit hat und einiges mehr...

Viel Erfolg!

LG
Silvia
... es hat ja auch keinen Sinn ihn einfach in eine große Klasse zu setzen, wo dann alle heillos überfordert sind...
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2919
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Beitragvon Alexandra2014 » 26.04.2018, 15:23

Hallo Betty,

meine Tochter ist zwar nicht gehörlos, hat aber neben der visuellen Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung auch noch eine auditive. Dazu noch eine verbale und motorische Dyspraxie. Eine richtig blöde Kombination.

Wir sind auch mit Inklusion gestartet. Ob das gelingt, hängt sehr vom Engagement der Lehrer ab. Bei uns klappte das überhaupt nicht. Sie bekam für ihre visuelle Situation keine angepassten Materialien, die sonderpädagogische Förderung war ein Witz.
Das Ende vom Lied war ein Schulwechsel nach nur 6 Monaten. :?

Inzwischen ist sie auf einer Förderschule Sehen (mit Hörgeräten und Mikrofon). Rein pädagogisch war das wohl die richtige Entscheidung, denn es geht endlich voran.

Ich weiß nicht, wo ihr herkommt. In Homberg, Hessen, gibt es eine Förderschule Hören + Sehen. Die wäre ideal, für uns aber leider zu weit weg.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Katja_S
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2497
Registriert: 15.01.2009, 12:47
Wohnort: B.-W.

Beitragvon Katja_S » 26.04.2018, 15:49

Hallo Betty,
mein Sohn ist ja auch gehörlos und hat 2 CIs und ist zusätzlich sehbehindert. Allerdings hat er keine VVWS (zumindest nicht, das ich wüsste), sondern eine Optikusatrophie und sieht dadurch "nur" ca. 20-30 % (nur in Anführungdzeichen, weil man lange dachte, er sähe noch schlechter). Er ist aber zusätlich auch noch körperlich und gesitig behindert, so dass er bisher auf eine Schule für sehgeschädigte und mehrfachbehinderte Kinder geht (und nach den Sommerferien auf eine KB Schule wechseln soll).
Bei uns ist es so, dass er schon von klein an Sehhörfrühförderung hatte und auch heute noch von einer Sonderpädagogin für Taubblinde bzw. hörsehgeschädigte Kinder betreut wird (diese kommt regelmäßig in seine Klasse und berät die Lehrer dort und ich kann mich mit Fragen an sie wenden).
Ich weiß jetzt nicht, inwiefern das bei einer VVWS in Frage kommt, aber vielleicht könntest du dich ja mal an so einem Beratungszentrum wenden? Wenn es bei euch so etwas gibt..
Viele Grüße
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

betty33
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 67
Registriert: 29.01.2016, 21:45

Beitragvon betty33 » 27.04.2018, 13:46

@Silvia: Sicher hast du Recht! Hier auf dem Dorf sieht es nun mal schlecht aus was die Schulauswahl anbelangt. Wir hatten nur die Wahl zwischen örtlicher Grundschule mit Förderbedarf Hören oder eben das Internat in der nächsten Hörgeschädigtenschule 110km entfernt von uns. Das würde ich meinem 6jährigen ungern antun. Er hat seine Freunde hier im Ort und er wird voraussichtlich mit den Kindern in eine Klasse kommen, die er auch aus seiner Kiga-Gruppe kennt. Er hat sehr starke Trennungsängste und mit Veränderungen eh ein Problem. Andere Alternativen gibt es hier leider nicht. Zur Direktorin und seiner Integrationslehrerin habe ich schon jetzt einen guten Kontakt aufbauen können. Sie sind gewillt und auch bemüht meinen Sohn bestmöglich zu unterstützen.

Unter dem neuen Aspekt der zusätzlichen visuellen Wahrnehmungsstörung wissen wir jetzt überhaupt nicht mehr welchen Weg wir einschlagen sollen. Wie kann ich zusätzlich auf die beleuchtete Schreibfläche mit Vergrößerungsmöglichkeit bestehen? Bisher haben wir ja nur ein Gutachten von der Hörgeschädigtenschule in der Hand, noch keine endgültige Diagnose der VVWS. Von daher werden jetzt noch Monate vergehen bis wir wirklich was bewegen können.

@Alexandra: Wir hoffen das es auch integrativ an der Regelschule klappt. Wir haben wirklich sehr engagierte Lehrer und Leiter an unserer Schule. Wenn alle Stricke reißen dann müssen wir umdenken, keine Frage, denn leiden soll er unter der Situation nicht müssen.

@Katja_S: Danke für deine Zeilen! Ich habe schon Kontakt zu einer Mutter, deren Sohn Förderbedarf Sehen an unserer Grundschule hat. Ich werde sie einfach mal ansprechenen bezüglich Beratungsstelle.
Tochter: ADS, Dyskalkulie
Sohn: Gehörlos, vis. Wahrnehmungsstörung, F82.1, F83, V.a. ADS/ASS

Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2919
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Beitragvon Alexandra2014 » 27.04.2018, 13:49

Hallo Betty,

ein Internat wäre für uns auch keine Option gewesen und ist es auch zukünftig nicht.
Ich drücke euch die Daumen, dass die Inklusion klappt!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Katja_S
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2497
Registriert: 15.01.2009, 12:47
Wohnort: B.-W.

Beitragvon Katja_S » 27.04.2018, 14:07

Hallo Batty
ch habe schon Kontakt zu einer Mutter, deren Sohn Förderbedarf Sehen an unserer Grundschule hat. Ich werde sie einfach mal ansprechenen bezüglich Beratungsstelle.
Hat deren Sohn auch zusätzlich eine Hörschädigung? Das sind nämlich 2 unterschiedliche Beratungsstellen, 1 für sehgeschädigte Kinder und 1 für gleichzeitig seh- und hörgeschädigte Kinder (zumindest hier in B.-W.). Wenn der andere Junge "nur" eine Sehbehinderung hat, wird er vermutlich von einer Sehbehindertenschule (bzw. deren Beratungsstelle betreut). Vielleicht wäre das für euch ja auch ein Weg, euch parallel zu der hörgeschädigten Schule an diese zu wenden,oder ihr brauicht sie gar nicht, ich wollte dir nur schreiben, dass es eben auch diese andere "spezielle" sonderpädagogische Beratungsstelle/Frühförderstelle gibt, die eben beides im Blick hat.
Viele wissen das vielleicht gar nicht (wir sind damals, als E. noch ganz klein war, nur zufällig drauf gestoßen worden, weil unsere SehFF zufällig schon mal ein Kind hatte, wo sehhörgeschädigt war und von dem sie wusste, dass es von Schramberg-Heiligenbronn betreut wird).
Ich drücke euch auch die Daumen, dass es mit der Inklusion bei euch vor Ort gut klappt! Internat wäre für uns auch keine Option (gewesen und auch heute noch nicht).
Viele Grüße
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

Werbung
 
Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1887
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 27.04.2018, 19:19

Hallo, mein Sohn ist gehörlos und Austist. Die CIs verweigert er (vermutlich autismusbeding), daher kommunizieren wir nur in Gebärdensprache. Außerdem ist Alexander leicht kurzsichtig (Brille verweigert er auch). Durch seine autistischen Eigenheiten und die fehlende Lautsprache ist für ihn nur Beschulung in einer gebärdensprachigen Kleinklasse möglich. Und da gibt es auch in einer Großstadt wie Wien ganz genau EINE Schule, die das bietet. Wir haben also gar keine Wahl.

@betty33: So, wie du das beschreibst, würde ich es zuerst mal mit der örtlichen Grundschule mit Förderbedarf hören versuchen. Wenn das absolut nicht klappen sollte, kannst du dann immer noch einen Wechsel andenken. Wegen beleuchteter Schreibfläche mit Vergrößerungsmöglichkeit: einfach die Verantwortlichen in der Schule ansprechen, ob sie dazu bereit sind. Wenn guter Kontakt zur Direktion und Integrationslehrerin gegeben ist brauchen sie vielleicht gar keinen schriftlichen Befund. Es kann halt sein, dass du das benötigte Equipment selbst besorgen und finanzieren musst. Wenn das kein Problem darstellt ist nicht so sehr Feuer am Dach wegen "offizieller" Diagnose.

Bei einer Schule, wo man das eigene Kind 4 Jahre hinschicken will, schon vor dem 1. Schultag auf etwas zu "bestehen" ist mMn eher kontraproduktiv. Und das sage ICH Dir, obwohl ich sicher alles andere als eine gute Diplomatin bin :wink: (wenn ich Gefahr laufe, zu emotional und fordernd zu werden, schicke ich lieber meinen freundlichen, kooperativen Mann) :wink: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


Zurück zu „Krankheitsbilder - Hör- und Sehbehinderung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 7 Gäste