Familienhilfe - wie sieht das konkret aus?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Beitragvon IlonaN » 24.04.2018, 14:56

hm, ich würde echt gaaaanz vorsichtig unter diesen Vorausetzungen sein, das kann ganz schnell Richtung Kindeswohlgefährdung nach hinten los gehen.
Grenze dich dem JA gegnüber klar ab und las ganz genau festhalten für was genau die Familienhilfe da sein soll damit diese wirklich nur in ihren angedachten Kompetenzbereich bleibt.
Auch übrigens ich wasch mir auch nur 2x die Woche die Haare- schmunzel-
Ich 1961 Ösophagusatresie
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Katha71
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Beitragvon Katha71 » 24.04.2018, 15:10

Ich mir auch! *lach*

Ja, DAS Wort ist auch gefallen, betreffend Haarewaschen..... :roll: Da fällt mir nichts mehr ein, es ist klar, dass Vorsicht angesagt ist.

Ich überlege Folgendes: Sollte ich mal die Schule bitten, mir schriftlicht paar Sichworte zu geben, bevor ich bei Beantragung der Famlienhilfe zum regionalen Sozialdienst gehe. Dieser ist hier in Berlin-Mitte für Antragstellung zuständig.

Denn: Ich muss dort wohl erklären, WARUM ich solche staatliche Hilfe für notwendig erachte. Mir fällt aber beim besten Willen nichts ein...

Oder ist es schon zu frech....  8)
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Beitragvon Silvia & Iris » 24.04.2018, 15:17

Liebe Katha

hast PN - allerdings bitte beachte, dass wir nicht in D wohnen :wink:

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon Mellie » 24.04.2018, 15:30

Hallo Katha,

vielleicht denkt die Schule, dass Du durch Deine Selbständigkeit zu wenig Zeit für Dein Kind hast. Aber wie es scheint hast Du ja Unterstützung über die niederschwelligen Hilfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur darum geht, dass man sein Kind nicht alle zwei Tage die Haare wäscht. In deren Augen muss da ja mehr sein. Verweise doch darauf, dass Du schon niederschwellige Hilfen in Anspruch nimmst. Das würde ich beim nächsten SPZ-Besuch auch betonen.
Viele Grüße,
Mellie

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Beitragvon rena99 » 24.04.2018, 16:14

Hallo Katha,

beschreib doch mal ein bisschen genauer (wenn du magst) eure Situation. Das, was du aus der Email zitiert hast, klingt nicht gut, was den Kommunikationston angeht.

Sozialpädagogische Familienhilfen (SPFH) gehören zu den "Hilfen zur Erziehung". Geht es um so jemanden?

Sie kommen ins Haus und sollen insbesondere die Interaktion in der Famillie so beeinflussen, dass es für das Kindeswohl günstig ist. Google mal nach SPFH, da findest viele Informationen dazu. Und Engrid, in der Tat werden diese Familienhilfen häufig in sozial schwachen Familienverbünden eingesetzt. Das macht es meiner Ansicht nach auch sehr schwierig, Familienhilfen zu finden, die gut auf die spezifische Situation von z.B. autistischen Kindern oder eben Kinder mit anderen Einschränkungen eingehen können. Ihr täglicher Erfahrungsraum sind eben sozial schwache Familien, das muss man wissen. Das muss erst einmal nichts Schlechtes sein, aber bei Autisten z.B. "funktionieren" manche erzieherische Mittel so gar nicht und wenn eine SPFH das nicht kennt und weiß, kann die Kommunikation sehr schwierig sein. Und der Einfluss einer SPFH auf Ämter leider auch sehr groß.

Es wird also entscheidend davon abhängen, Katha,
- was genau dein Hilfebedarf ist (sauber formulieren!)
- wie die SPFH ausgewählt wird (geeignete Person, Mitspracherecht nutzen)
- wie die Kommunikationswege sind (Schweigepflichtsentbindungen beachten)

Hat man eine passende Person, hat man einen Coach an seiner Seite (da gab es hier im Thread ja schon eine positive Beschreibung), hat man die passende Person nicht, hat man jemanden im Haus, der Außenstehenden die Familiensituation sehr verzerrt darstellen kann. Da ist de Schritt zum Vorwurf der Kindeswohlgefährdung leider nur ein kleiner. Das sind die Chancen und die Risiken.

Von daher ist es sehr wichtig, zu schauen, wer genau da kommt.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
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Beitragvon violaya » 24.04.2018, 19:23

Hallo,

ich denke, es hängt auch viel von der Person ab, und man weiß vorher nicht, wie es sich entwickelt. Mir wurde damals (vor der Diagnose) auch zu einer Familienhilfe geraten, "als Entlastung". Ich hatte aber immer ein komisches Gefühl, obwohl die Frau selbst sehr nett war. Wir haben eher aufbauende Gespräche geführt und sie hat mein Kind von der Kita abgeholt. Zum Schluss sagte aber das SPZ tatsächlich zu mir, sie hätten darüber mehr über die häusliche Situation erfahren wollen. Die Familienhilfe (darauf angesprochen) sagte mir aber, das wäre gar nicht ihre Aufgabe und sie hätte sowieso nichts "ausplaudern" dürfen. Aber sicher sind nicht alle so, erst recht, wenn es etwas finden wollen...

Gruß
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
und Sohn (2006), 2010 Diagnose frühkindlicher Autismus "high-functioning", meine Erachtens hyperaktiv, zeitweises Stottern
2015 ASS bestätigt + einfache Aufmerksamkeitsstörung

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Beitragvon Katha71 » 25.04.2018, 10:02

Oh je, wie gut, dass es das Forum und Euch gibt!
Da bekommt frau das Gefühl, nicht allein an der Front zu sein.


Ich denke, ich werde mich zuerst mit dem regionale Sozialdienst in Verbindung setzen.

Mein "Problem" ist ja, dass ich den Hilfebedarf gar nicht bestimmen kann, da ich nicht wirklich einen zu haben glaube... :? Vielleicht bin ich aber betriebs/familienblind und in Wirklichkeit......

Mal sehen, was der Dienst sagt. Ob es üblich ist, sich den Bedarf von Dritten, wie Schule, vorgeben zu lassen.

Denn: Das Schulpersonal weiss gar nicht, wie der Alltag (also zwischen 17.00 und 20.00 Uhr) bei uns aussieht.... :roll: In all den Jahren waren Mitarbeiter der Schule/des JA vielleicht drei mal bei uns zu Hause.

Ich gebe zu, mein Plan geht in die Richtung, "die" auflaufen zu lassen. Und "ihnen" deutlich zu machen, dass "sie" sich bestimmte, falsche Vorstellungen von unserem Alltag machen.
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Beitragvon silkemausk » 25.04.2018, 10:23

Hallo Katha,

ich habe vor etwa einem Jahr in Zusammenarbeit mit der Schulsozialpädagogin eine Antrag auf Hilfe zur Erziehung gestellt. Es gab mit meinem Kleinen viele Probelme in der Schule (war noch vor Diagnose) und auch zu Haue lief eigentlich nichts mehr rund.

Seit Oktober geht nun mein Sohn im Rahmen dieser Hilfe zur Erziehung in eine Tagesgruppe, Mo-Do nach der Schule.

Und einmal in der Woche kommt eine Familienhilfe zu mir nach Hause.

Es geht eindeutig bei uns nicht um Dinge wie, Kinder sollten Schuhe anziehen, wenn sie das Haus verlassen etc. (solche Dinge müssen in anderen Familien wohl tatsächlich mit Unterstützung geregelt werden).

Meine Hilfe ist selbst Psychologin. Wir sprechen über die Ereignisse der Woche, Situationen, an denen ich oder die Kinder etwas ändern wollen. Wie man das dann erreichen könnte. Welche Regeln aufgestellt werden können und wie ich für die Einhaltung sorgen kann - Grosses Thema bei mir KONSEQUENZ.

ICh weiss von anderen, wo die Hilfe auch bei Behördengängen etc. begleitet. Oder dass die Kinder ein oder zweimal in der Woche ein paar Stunden mit der Hilfe etwas unternehmen. Und die Mutter so entlastet wird. Die Kinder lernen dann sozusagen "nebenebei" auch ein paar Regeln , können mal ohne Eltern was erzählen usw.

Es hängt natürlich immer von der Person, die dann zu einem kommt ab, was und wie funktioniert.
Und welche Infos das Jugendamt bekommt, was denn "bei Euch los ist".
Wichtig auch, wie Du "rüber kommst". Und ich würde mal hoffen, dass die Person, die darüber entscheidet neutral genug ist, sich selbst ein Bild von Dir zu machen und nicht allein aufgrund einer mögliche Stellungnahme der Schule schon eine unumstössliche Meinung zu fassen.


Also Viel Erfolg

LG Silke
Silke *1970, Z.n. Hinterwandinfarkt 2017, BurnOut 2016
N. *2005, möglicherweise hochbegabt und aktuell Pupertier
L. *2009, ADHS

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Beitragvon JustinsMum » 25.04.2018, 18:26

Katha71 hat geschrieben:Oh je, wie gut, dass es das Forum und Euch gibt!
Da bekommt frau das Gefühl, nicht allein an der Front zu sein.


Ich denke, ich werde mich zuerst mit dem regionale Sozialdienst in Verbindung setzen.

Mein "Problem" ist ja, dass ich den Hilfebedarf gar nicht bestimmen kann, da ich nicht wirklich einen zu haben glaube... :? Vielleicht bin ich aber betriebs/familienblind und in Wirklichkeit......

Mal sehen, was der Dienst sagt. Ob es üblich ist, sich den Bedarf von Dritten, wie Schule, vorgeben zu lassen.

Denn: Das Schulpersonal weiss gar nicht, wie der Alltag (also zwischen 17.00 und 20.00 Uhr) bei uns aussieht.... :roll: In all den Jahren waren Mitarbeiter der Schule/des JA vielleicht drei mal bei uns zu Hause.

Ich gebe zu, mein Plan geht in die Richtung, "die" auflaufen zu lassen. Und "ihnen" deutlich zu machen, dass "sie" sich bestimmte, falsche Vorstellungen von unserem Alltag machen.



Mal ehrlich, wenn Dein Kind sowieso nur zwischen 17.00 Uhr und 20.00 Uhr von Dir betreut wird - willst Du Dir dann ehrlich noch ein paar Stunden Familienhilfe reinsetzen lassen?

Ich gebe zu, dass ich von Familienhilfe überhaupt nichts halte, da ich unter Hilfe etwas anderes verstehe als Hilfe zur Selbsthilfe. Hilfe ist für mich, wenn jemand mal die Fenster putzt, die Wäsche aufhängt, das Kind zum Spielplatz entführt. Auf alles andere kann nich verzichten, theoretisch weiß ich wie es geht.

Im Prinzip muss eine Familienhilfe ihre Arbeit erklären können und schon deswegen muss Sie Dir ein paar Defizite anhängen, denn sonst gebe es ja keinen Bewilligungsgrund. Und was machst Du dann? dann steht Aussage gegen Aussage und im Zweifel bist Du die, die kein Störungsbewusstsein hat und wegen mangelnder Einsichtsfähigkeit leider in der Erziehung versagt.

Was kann man eigentlich zwischen 17.00 Uhr und 20.00 Uhr noch großartig falsch machen? Ums Haare waschen geht es bestimmt nicht, meine Kinder waschen ihre Haare mit Sicherheit nicht alle 2 Tage - eher alle 4 Tage - zumindest vor der Pubertät, dann sieht es natürlich anders aus. Das wir das Kleinkind täglich baden hat überhaupt nichts mit Sauberkeit zu tun - die Badewanne ist quasi ein Spielplatz und der wird eben täglich besucht und läuft unter pädagogisch wertvoll und Wassergewöhnung.

Klar ein Bettnässerkind würde bei mir auch täglich duschen, morgens... Aber sonst???

Da steht doch was völlig anderes dahinter. Fühlen sich die Empfehlen eventuell von Dir angegriffen und meinen nun austeilen zu müssen?

Grüße

justinsMum

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Sanne in München
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Beitragvon Sanne in München » 25.04.2018, 19:56

Justins Mum hat schon vieles geschrieben, was ich genauso sehe. Die müssen ja dann begründen, warum und wieso und irgendwas kann man immer finden.....

Ach ja, was ich gelernt habe, bei solchen Sachen immer im Kostüm oder Hose mit Blazer erscheinen und ruhig die erfolgreiche Business-Woman raushängen lassen, ggf. der Mann dazu genauso. Ich habe damit immer gute Erfahrungen gemacht. Menschen, die erfolgreich im Beruf sind, werden automatisch auch woanders Kompetenzen zugestanden, wer arbeitslos ist, hat in den Augen mancher Sachbearbeiter einfach "sein Leben nicht im Griff".... :roll:
Viele Grüsse

Sanne

mit
Groß-Sohn (2003) Asperger, ADS und Epilepsie (Absencen und GM)
und Klein-Sohn (2005) GM-Epilepsie - nicht mehr ketogen


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