Erste 2-Tages-Radtour mit Eltern-Kind-Tandem

Mit einem besonderen Kind in den Urlaub zu fahren ist gar nicht so einfach - schließlich müssen tausend Dinge berücksichtigt werden. Welcher Urlaubsort ist besonders behindertenfreundlich?
Wo habt ihr gute Erfahrungen gemacht?
Eure Infos sind für so manche Familie mit einem besonderen Kind sicherlich Gold wert!

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Lisaneu
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Erste 2-Tages-Radtour mit Eltern-Kind-Tandem

Beitragvon Lisaneu » 20.04.2018, 19:29

Hallo,

morgen geht´s los -unsere erste "lange" Radtour mit dem Eltern-Kind-Tandem steht auf dem Programm. Es wird der Neusiedlersee-Radweg werden - oder, besser gesagt, ein kleiner Teil davon :) . Geplant ist für morgen mal die Fahrt von Neusiedl nach Podersdorf (ca. 15km) und dann mit der Fähre nach Rust (dort nochmal ca. 2km), wo wir übernachten wollen. Am nächsten Tag wären dann noch 34km bis Neusiedl zu fahren - das wird für Alexander aber vermutlich zu viel werden. Aber vielleicht schaffen wir es bis Purbach (ca. 21km), von dort geht im Stundentakt ein REX-Zug nach Neusiedl, von wo aus wir wieder heim fahren wollen :).

Aber insgesamt will ich eigentlich alles offen lassen, weil ich keine Ahnung habe, wie sich Alexander auf längeren Touren so anstellt. Aber das wird sich spätestens morgen und übermorgen zeigen. Jedenfalls sind die Packtaschen ausgemottet und (dafür, dass wir nur eine Nacht wo bleiben) auch ziemlich voll - vor allem mit Windeln und Wechselkleidung für Alexander.

Drückt mir die Daumen, dass es schön wird! Ich werde hier berichten :lol: !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Michaela.Sandro
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Beitragvon Michaela.Sandro » 20.04.2018, 19:48

Super,! Ich wünsche euch eine tolle Tour und viel Spaß! L. G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Beitragvon NataschaSte » 20.04.2018, 21:14

Hallo,

Ganz viel Spaß und ganz viel Sonnenschutz mitnehmen. Sollten die dreißig Grad Grenze knacken dort.
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus, absoluter kuschelbär und kichererbse

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 20.04.2018, 21:15

Prima, dass ihr euch traut!
Viel, viel Spaß :)
LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 23.04.2018, 10:26

Hallo, wir sind gut wieder daheim. Alexander hat echt toll gestrampelt und hatte ur-viel Spaß am fahren. Wir haben insgesamt 46,69km geschafft, davon 30,89 am Samstag und den Rest am Sonntag. Trotzdem hat sich Alexander nicht nehmen lassen, am Samstag nach der Radfahrt noch im Freizeitpark noch einen draufzumachen (mit schaukeln und Trampolin springen).

Wir haben die Strecke dann umgekehrt in Angriff genommen als ursprünglich geplant - oder, besser gesagt, ich habe mich geirrt und bin in der falschen Richtung losgefahren :P ! Daher sind wir erst mal nach Purbach, dort wurde uns gesagt, dass die Fähre in Breitenbrunn wäre, und wir sind zurück gefahren. Dann habe ich die Abzweigung übersehen und wir sind wieder in Weiden gelandet, von wo weg wir dann endlich doch den Weg zur Fähre gefunden haben. Wir sind dann von Breitenbrunn nach Podersdorf übersetzt, wo wir auch übernachtet haben.

Überschattet wurde unser Ausflug nur von einem sehr starken, nächtlichen Kreisch- und Weinanfall, wo Alexander auch wild um sich geschlagen hat, und gar nicht zu beruhigen war. Bin gerade dabei, abzuklären, ob es Epilepsie ist, oder ob doch "nur" ein Albtraum der Auslöser war.

Aber insgesamt war es trotzdem ein voller Erfolg. Ich weiß jetzt, dass Alexander sportlich wirklich sehr ehrgeizig ist. Eine erste Pause, die ich nach 6km vorgeschlagen habe, hat er entrüstet abgelehnt. Und beim bergab-fahren hat er noch fest dazugetreten, so dass wir bis zu 36km/h erreicht haben! Nun bin ich aber nicht so die Geschwindigkeitsrausch-Radlerin und als ich gesehen habe, dass es unten unübersichtlich wird, habe ich abgebremst - sehr zum Ärger von Alexander :P ! Natürlich mussten wir auch immer wieder mal stehen bleiben, damit er Löwenzahn-blasen konnte. Bin ja froh, dass der meiste Löwenzahn noch gelb ist, sonst wäre ein weiterkommen trotz voller Motivation schwer gewesen :wink: .

Von Podersdorf ging es dann schon um 8h30 wieder los in Richtung Neusiedl. Das ginge weder mit meinem Mann noch meinem älteren Sohn, weil die beiden Langschläfer sind. Aber Alexander war ja schon um 7h wach und um 8h saßen wir schon beim Frühstück. Die Strecke war dann schöner als am Vortag, wo wir ganz lange Zeit vom See rein gar nichts gesehen haben, nicht mal vom Schilfgürtel! Und da war so flott waren, haben wir schon den 11h-Zug Richtung Heimat erwischt, wo mein Mann Alexander am Hauptbahnhof abgeholt hat, und ich mich dann mit dem Riesen-Rad und Öffis alleine nach Hause durchgeschlagen haben.

Natürlich gab´s dann auch mal Phasen, wo Alexander nicht mehr so voll motivert war. Da gibt es bei dem Tandem ja die Möglichkeit, ihn "wegzuschalten", so dass ich alleine treten kann. Aber das war gar nicht oft notwendig. Mindestens 90% der Strecke war Alexander auch trettechnisch voll dabei.

Experiment geglückt, das war sicher nicht unsere letzte mehrtägige Radtour :D !
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Anna Kerpen
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Beitragvon Anna Kerpen » 23.04.2018, 11:29

Hallo,

habe deinen Beitrag gerade zufällig entdeckt und wollte gerne mal nachhören, was das für eine Art Tandem-Rad war? Ein Therapietandem? Sitzt das Kind dann vorne oder hinten?

Ich bin immer wieder mal ab und zu am suchen und überlegen... unsere beiden Töchter 7 und 4 J passen leider gar nicht mehr in den Fahrradkindersitz... und an alleine Fahrradfahren ist noch gar nicht zu denken... :?

Bin neugirig... würde mich Über eine Rückmeldung freuen... :) zum Einen konkret über euer Rad oder andere Lösungen...

Danke euch und LG

Anna
Lexi (2010), kombinierte Entwicklungsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, V.a. AWVS
Leni (2013), Z.n. West-Syndrom (anfallsfrei), kombinierte Entwicklungsstörung

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Beitragvon IlonaN » 23.04.2018, 11:33

Hallo Lisaneu,
super ich freu mich für dich und Alexander.
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Beitragvon SimoneChristian » 23.04.2018, 13:07

Hallo Lisaneu,

super. :icon_thumleft:
Das klingt ja schon fast wie Urlaub.

@Anna Kerpen:
Wir haben das für uns mit einem Lastenrad mit Motor gelöst.
Ich kann treten, kann mir aber auch den Akku zuschalten. Das Kind sitzt vorne halbwegs bequem unterm Verdeck und eine Menge Gepäck passt auch noch rein.
Theoretisch auch ein 2. Kind. Anschnallgurte für 2 sind vorhanden.

Schöner fände ich es zwar mit Tandem. Das ist mir bei uns aber zu unsicher bezüglich Rückweg und Gleichgewicht.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Beitragvon Lisaneu » 23.04.2018, 14:50

@Anna Kerpen: unser Tandem ist ein Eltern- Kind Tandem von der holländischen Firma Van Raam. Wenn du auf der Homepage von Van Raam "Kivo" als Suchbegriff eingibst kannst du es sehen. Privat kaufen ist leider unerschwinglich, wir haben das Rad von einer Stiftung finanziert bekommen, weil Alexander behinderungsbedingt selbst nich radfahren kann. Also, motorisch könnte er es vermutlich durchaus, aber da er komplett gehörlos ist, durch den Autismus kaum Blickkontakt halten kann, aber alles "selber machen" will, kann ich ein eigenes Rad für ihn unmöglich verantworten.

Für kleinere Strecken in der Umgebung sitzen meine Jungs übrigens beide in einem ganz normalen Radanhänger (unserer ist von bluebird). Das geht sich noch knapp aus. Alexander ist 123cm groß und sein 8jähriger Bruder 125cm :) .Mit beiden drin ist es schon ziemlich eng, geht aber gerade noch (ist ja nicht stundenlang) :wink: Das zulässige Gesamtgewicht ist halt ziemlich überschritten, sber es funktioniert . Mit einem Kind im Anhänger ist es gar kein Problem.

Das Tandem haben wir vor allem deshalb, weil Alexander motorisch sehr bewegungsfreudig und ausdauernd ist. Das habe ich auch jetzt, bei der Radtour, sehr deutlich gemerkt. Er hat einfach ganz viel Freude am selber-treten. Da er vorne sitzt, hat er auch die Strecke immer gut im Blick. Lenken tue nur ich, und zwar von hinten. Das Rad hat 8 Gänge, was für diese Tour (ohne nennenswerte Steigungen) voll ausreichend war. Lenken, bremsen, schalten- mache alles ich! Ich kann auch bestimmen, ob Alexander mittreten "muss" oder seine Pedale auf Leerlauf schalten, wenn er müde oder unmotviert ist (das war aber selten der Fall).

Nachteil ist halt Sperrigkeit und Gewicht des Tandems. Das größte Problem war gleich die erste U-Bahn-Station, wo es nicht in den Lift passte, und mir Passanten beim Stiegen-raufschleppen helfen mussten. Im Radtramper- Zug ging es problemlos und auch die Lifte am Hauptbahnhof waren groß genug. Weil ich beim heimkommen schon gewusst habe, was auf uns zukommt, hat mein Mann dann Alexander mit dem Auto vom Hauptbahnhof abgeholt und ich bin mit dem Rad allein heim.

Für Kinder, die selbst noch nicht fahren können, gibt es auch so eine stützstange, ich glaube sie heißt "easy rider", wo man hinten am Rad ein Kinderrad anhängen kann. Kam für unser aber leider nicht in Frage, weil ich Alexander immer im Blick haben muss (er ist sehr verhaltenskreativ) :wink: !

Ich hoffe, ich konnte deine Fragen beantworten.
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NataschaSte
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Beitragvon NataschaSte » 23.04.2018, 17:37

Hallo, ist ja genial das Fahrrad.

Ihr hattet ja auch mit dem Wetter total Glück!

Grüße
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus, absoluter kuschelbär und kichererbse


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