Besonderheit anderen Kindern erklären

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Angi1079
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Besonderheit anderen Kindern erklären

Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 09:13

Hallo,

ich muss gleich nochmal ein Thema eröffnen.
Mich würde interessieren, wie ihr anderen Kindern die Besonderheit eurer Kinder erklärt.
Ich war mit meiner Tochter letztens bei einer Freundin. Deren Tochter ist ein 3/4 Jahr jünger, aber in der Entwicklung himmelweit voraus. Meine Tochter verhält sich einfach viel noch wie ein Kleinkind.
Die Tochter meiner Freundin war sichtlich irritiert, wieso sich meine Tochter oft "so komisch" verhält. Mir blutete das Mutterherz, weil sie mit meiner Tochter nicht spielen wollte. Aber hilft ja nichts.
Ich wollte ihr dann erklären, dass meine Tochter "anders" ist. Aber war schwierig kindgerecht zu erklären, ohne das es abwertend gegenüber meiner Tochter klingt.
Danke.

Viele Grüße
Angelika

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kati543
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Beitragvon kati543 » 12.04.2018, 09:24

Hallo Angelika,
bei uns in der Schule wurde das den Kindern so erklärt, dass JEDES Kind (also eben auch gesunde Kinder) anders ist. Alle Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell und haben Stärken und Schwächen.
Diese Erklärung fand ich immer sehr einfach, kindgerecht und einleuchtend. Es gab in der Schule nie Probleme (mein Sohn wird inklusiv beschult mit Förderbedarf Geistige Entwicklung). So muss man auch keine Entschuldigung suchen und keine weitere Erklärung. Gleichzeitig setzt man auch kein spezielles Kind herab.
Andere Behinderungen müssen dann natürlich extra erklärt werden. Das ist jetzt nur die geistige Behinderung.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Angi1079
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Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 09:35

Hallo Katrin,

das ist wirklich eine einfache Erklärung, die niemanden abwertet. Jedes Kind ist anders - stimmt. Das probier ich das nächste Mal.
Mein Kind ist auch nicht körperlich behindert. Im Moment heißt es nur global entwicklungsverzögert mit oppositionellem Verhalten. Geht aber wohl in Richtung Wahrnehmungsstörung.
Man sieht ihr halt außerlich nichts an, aber ihr Verhalten ist halt generell einfach "anders".

michie
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Beitragvon michie » 12.04.2018, 22:24

Hi Angi,

ich würde das bei solchen Treffen so vorbereiten, dass ein kleines, gut strukturiertes Spiel da ist, das die beiden gemeinsam spielen können. So können sie etwas zusammen machen, das für beide wahrscheinlich bereichernd ist. Da kannst du dann dem anderen Kind ruhig ein bisschen die Anleitung überlassen. Kinder zeigen gerne anderen Kindern was. Sie helfen auch gerne. Du könntest das ja auch vorab mit deiner Tochter üben, damit sie weiß, was genau sie da tun soll, weil ja wahrscheinlich das Soziale für sie schon eine Herausforderung ist.
Idee: Wäscheklammern (eventuell sogar nach Farben) aus einer Wühlkiste mit Linsen heraussuchen und auf einen Pappigel oben drauf zwicken abwechselnd. Oder mit einem Hämmerchenspiel nach Anleitung ein Bild bauen (Kärtchen vorbereiten mit den Teilen, die dafür herausgesucht werden müssen und jedes Kind abwechselnd eins raussuchen und hämmern lassen). Oder Murmeln abwechselnd in eine Murmelbahn werfen, vielleicht sogar mit zählen - wie viele Murmeln willst du? Oder Murmeln durch einen Heulschlauch schicken...
Ich hatte heute ganz zufällig unsere um 1 Jahr ältere Nachbarin hier, als ich mit dem kleinen Prinzen unsere "Spielerunde" machte, und sie hat ganz natürlich mitgemacht und ECHT geguckt, WAS der kleine Prinz da alles mitmacht und kann. Als er gesungen hat, hat sie >solche< Augen gemacht.
Sie mag meinen Sohn sehr, aber sie kennt ihn halt als den sehr zurückhaltenden, "eigenartig" braven Jungen, der - wie sie meint - so unglaublich schöne Zehen (!) hat, dass sie gar nicht versteht, wie das geht. Heute, da war sie richtig stolz auf ihn. Genauso wie die kleine Fee übernimmt sie auch sehr oft so Verhalten von mir, von dem der kleine Prinz echt profitiert. Sie lässt zB ganz charmant und wohlwollend nicht locker, bis er sie gegrüßt hat. Und sie bietet ihm immer wieder mal über den Gartenzaun irgendwas leckeres zu Essen an - Kekse, Knabberein, unlängst Pommes ;-) Ich hab ihr von Anfang an immer punktuell gesagt: "dies und das muss der kleine Prinz noch lernen. Wenn du Lust hast, könntest du ihm ja ein bisschen helfen?" Das mache ich bei der kleinen Fee auch so, wenn ich merke, dass sie was komisch findet. Bei uns klappt das ganz gut. Dass wir alle anders sind und jeder seine Stärken und Schwächen hat, besprechen wir dann außerhalb von konkreten Situationen, auch immer wieder mal natürlich. Und atürlich weise ich auch sehr explizit auf das hin, was der kleine Prinz alles ganz supertoll kann, wo seine Stärken liegen. Das ist denke ich für sein Ego wichtig, aber auch dafür, dass andere nicht das Gefühl bekommen, er wäre ihnen in allem unterlegen.
michie mit kleinem prinzen (11/2012; ASS) und kleiner fee (02/2015)
Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic122077.html

osljudith
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Beitragvon osljudith » 13.04.2018, 14:07

Hallo,
In Bezug auf die geistige Behinderung erkläre ich es so:
„Wenn man geboren wird, kann man noch gar nichts und muss alles der Reihe nach lernen. Jeder lernt unterschiedlich schnell. Und so, wie Du auch alles nach und nach gelernt hast, muss Judith auch alles nach und nach lernen. Und bei ihr dauert es länger.“
Wenn explizit nach dem Rollstuhl gefragt wird, sage ich kurz und knapp „ihre Muskeln sind zu schlapp, das ist bei manchen Menschen so. Und der Rollstuhl hilft, dass sie trotzdem überall hinkommt.“ Das reicht den allermeisten Kindern als Erklärung. Wer mehr wissen will, fragt dann weiter nach
LG, Anne
Judith *09/07, Dupl. Xq27.3, Monos. 3p. Sitzt, robbt und versteht viel, kommuniziert nonverbal. Ein ausgeglichenes Kind.
Schlafbez. Hypoventilationssyndrom -> CPAP, PHT, verschlossener ASD2, neurog. Blasenentleerungsst., Z. n. ARDS, Port, Sonde für Medikamente. Sehr infektanfällig

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.04.2018, 16:28

Hallo Judith,

Wenn man geboren wird, kann man noch gar nichts und muss alles der Reihe nach lernen. Jeder lernt unterschiedlich schnell. Und so, wie Du auch alles nach und nach gelernt hast, muss Judith auch alles nach und nach lernen. Und bei ihr dauert es länger.“
Danke Judith, das ist eine saugute Erklärung. So gut und naheliegend, dass man sich wundert, wieso man nicht schon draufgekommen ist. Werde ich mir gleich unter den Nagel reißen!
(Passt nicht nur bei geistigen, sondern auch bei sozialen Defiziten)

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Anne&Hannah » 13.04.2018, 20:16

Hallo Ihr Lieben!

Da Hannah eine Energiestoffwechselstörung hat, habe ich für interessierte Kinder immer dieses Beispiel: Hannahs Körper kann aus Essen, Trinken und Atmen nicht so viel Energie machen wie Deiner. Ihr Akku ist immer fast leer, darum dauert bei ihr alles länger und klappt nur schwerer / langsamer. Besonders alles, was viel Energie kostet.

Ein ferngesteuertes Auto fährt auch nur noch ganz langsam und die Lenkung reagiert verzögert, wenn der Akku fast leer ist. Das verstehen die Kinder.

Ich hatte für Hannahs Klasse zur Einschulung eine kindgerechte PowerPointPräsentation zu ihrer Erkrankung und den daraus folgenden Behinderungen gemacht. Das kam gut an.

Wenn Regelgrundschüler Fragen zu meinen geistig behinderten Kindern der Kooperationsklasse haben, so versuche ich ( mit Erlaubnis der Eltern ! ) die Behinderung mit einfachen Worten zu erklären. Z.B. "Der J. ist viel zu früh geboren. Da war er eigentlich noch gar nicht ganz fertig und alles war noch ganz zart und winzig und empfindlich. Da hat das in seinem Kopf ein bisschen geblutet und dabei ist etwas kaputt gegangen, darum kann er das und das nicht so gut wie Du."
Schwerpunkt ist dann aber auch immer das Betonen der Gemeinsamkeiten: "Der J. spielt total gerne Ball. Du auch? Und er mag am liebsten Pommes. Was magst Du denn gerne?" ...

LG
Anne
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Beitragvon Anne&Hannah » 13.04.2018, 21:47

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Beitragvon RachelK » 13.04.2018, 21:59

Das ist ja super!
Gibt's so ein Video auch für Cerebralparese bzw. Spastik?
Ich habe auch immer so Schwierigkeiten die Behinderung zu erklären....auch meinem eigenen Kind gegenüber :?
Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's gemacht

Ich mit unserem Sonnenschein (2011):

beinbetonte spastische ICP mit starkem Willen, der mich manchmal in den Wahnsinn treibt! ;-)
Läuft am posterior walker und an 4-Punkt-Stützen -
der tolle Aktivrolli dient nur zu Dekorationszwecken

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Beitragvon Anne&Hannah » 13.04.2018, 22:17

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