Schutz bei schlechtem Gefahrenbewusstsein

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Angi1079
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Schutz bei schlechtem Gefahrenbewusstsein

Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 09:06

Hallo zusammen,

unsere Tochter hat ein wirklich schlechtes Gefahrenbewusstsein, gepaart mit "Nicht-Hören"...
Welche Strategien habt ihr entwickelt, das Kind vor Gefahren, vor allem draußen zu schützen, wenn es auf eure Anweisungen oft teilweise gar nicht reagiert (oder schlimmstenfalls es extra macht...).
Mit der jüngeren Schwester kann ich einfach oft nicht so hinterher, wenn die Große einfach losstartet. Auf Stopp oder Nein reagiert sie oftmals nicht.
Nicht rausgehen ist doch auch keine Option... :?
Und Erklärungen etc. kommen einfach bei meiner Tochter nicht an...
Wie macht ihr das?

Liebe Grüße
Angelika

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rafima
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Beitragvon rafima » 12.04.2018, 09:15

Hallo,
wir haben das gleiche Problem mit unserem 4 .Kind, unsere Kleine habe ich dann auch immer noch dabei im Kinderwagen.
Erstens habe ich mir für viele Situationen eine gebrauchten Rehabuggy besorgt, da muß er dann einfach rein. Geht aber natürlich nur, wenn Baby nicht dabei ist, oder noch ein weiterer Erwachsener da ist, der den Rehabuggy schieben kann.
Ansonsten habe ich die zwei Kleinen oft im Fahrradanhänger, allerdings kann er sich da zwischenzeitlich abschnallen, sodass ich auch oft aufpassen muß.
Ist aber immer noch besser als an der Hand.
Ansonsten übe ich immer wieder, wenn wir ungefährliche Strecken laufen, dass er neben mir laufen muß. Eine Hand immer am Kinderwagen.
Manchmal klappt es gut, aber auch da reißt er sich oft unvermittelt los, und rast auf die Straße.
Aussteigen aus dem Auto ist auch schlimm bei uns: da muß er im Rehasitz bleiben, bis alle anderen samt Kind 5 versorgt sind. Aus dem Rehasitz kann er sich nicht abschnallen.
Die Leute um uns rum gucken oft blöd, weil ich ihn so "klein" behandel, aber anders geht es nicht.

LG
Rafima mit Rasselbande

R. *06, M. *08, B.*12,
N. *13, (frühkindlicher Autismus, Verdacht auf syndromale Entwicklungsstörung, GB 70 mit G,B,H, PG 4) und D.*16

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Beitragvon IlonaN » 12.04.2018, 09:28

Hallo Angi1079,
ja wer da ein gutes Rezept hat, immer her damit. Ich krieg hier auch ne Kriese mit meinem jüngsten der bald 4 wird. rehabuggy ist abgelehnt, genauso wie rehakindersitz. Kindersitz hab ich nun schon gebraut allein gekauft. Ich bin jedesmal fix und alle wenn ich mit den Kindern unterwegs bin wegen des jüngsten.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern

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Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 09:29

Hallo Rafima,

wow, Respekt mit 5 Kindern. Ich bin mit meinen 2en schon oft überfordert und schau, dass immer jemand dabei ist. Hab zwar dann oft ein schlechtes Gewissen oder doofe Gedanken, dass ich das doch alleine hinkriegen muss. Aber es ist einfach schwierig...
Meine Große ist übrigens auch global Entwicklungsverzögert, geboren 2013 und meine Kleine 2016. :)

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Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 09:31

Hallo IlonaN,

ja, es ist echt deprimierend. Wie gesagt, ich schau schon immer so viel wie möglich (wie einkaufen) alleine erledigen zu können oder einen 2. Erwachsenen dabei zu haben.
Oder aber ich bleib gleich zu Hause... :( Aber das ist ja doch eigentlich auch keine Lösung sich zu Hause zu vergraben. Ich würde so gerne einfach Ausflüge mit meinen Kindern machen, aber es artet immer in Stress aus. Ich find das so traurig...

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Beitragvon Engrid » 12.04.2018, 09:47

Hallo Angi,

Ausflüge alleine mit beiden Kindern gingen bei uns auch nicht. Wir waren trotzdem sehr viel draußen unterwegs, auf bekannten Wegen, das hat ihm geholfen. Dabei habe ich mit vielen vielen Wiederholungen erste Regeln eingeübt: Laufen konnte er wenn er bei mir blieb und auf dem Weg, ansonsten an die Hand, notfalls schraubstockmässig. Alles immer ohne Schimpfen und mit knapp knackig klar und positiv formulierten Regeln. (Also, Extrembeispiel, nicht „Könntest du bitte nicht immer weglaufen, weil blablabla ...“ sondern „Bleib neben mir“, immer die gleiche Formulierung). Interessen vom Kind möglichst einbauen, Sachen die stressen (Supermarkt) lieber 1:1 oder ohne Kind.
Hilfreich war, die Kinder möglichst oft zu trennen, zb je einen Nachmittag eins zur Oma, am Abend und Wochenende mit meinem Mann die Kinder eins zu eins aufgeteilt.
Und hilfreich war, für die Kleine früh ein Netz aufzubauen, Kinder plus Mütter einladen, Freundschaften „anschirgendwo“, ... So war die Kleine früh sozial vernetzt, und das hat Junior mitgezogen, wir haben gemeinsam die Schwester abgeholt, wir hatten dosierten Besuch, da hat er viele dosierte Kontakte gehabt, hat ihm sehr gut getan. Zuhause im Garten war es immer am entspanntesten.
So haben also nicht Juniors soziale Schwierigkeiten die Schwester mit ausgebremst (Spirale nach unten), sondern Schwesters „normales“ Leben Junior mit gefördert (Spirale nach oben). Hat sehr viel Energie gekostet damals, hat sich aber sowas von gelohnt ...

Schicke dir mal ein paar Stahlseilnerven! Hab Geduld, es wird besser werden! :wink:

Grüße
Engrid
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Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 10:20

Hallo Engrid,

danke für Deine lieben Worte. Das mit den sozialen Kontakten der kleinen Schwester erhoffe ich mir auch. Denn Freundschaften hat Emma leider mit ihren knapp 5 Jahren überhaupt nicht. Sie stört es natürlich nicht, da sie es nicht anders kennt. Da blutet eher mein Mutterherz.

Hattest Du eigentlich bei deinen Kindern den Eindruck, dass sich die kleine Schwestern negative Verhaltensweisen vom Großen abgeschaut hat?
Die Kleine wird im August 2 und ich weiß, dass es nicht umsonst heißt "terrible two" - es ist also alles altersgemäß. Aber manchmal sagt mir das kleine Teufelchen auf der Schulter, dass sie sich viel "schlechtes" Verhalten von der Großen abschaut.
Wie war das bei Dir?

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Beitragvon IlonaN » 12.04.2018, 10:38

Hallo Angi1079,
ich bin zwar nicht Engrid, möchte dir aber trotzdem gerne antworten. Mein jetzt 19 jähriger Sohn hat sich in keinerster Weise das Verhalten seiner heut 25 jährigen autistischen geistig eingeschränkten Schwester abgeschaut.
Ich 1961 Ösophagusatresie

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Beitragvon Engrid » 12.04.2018, 10:45

Meine Tochter hat sich da auch nichts abgeschaut, im Gegenteil, sie hat sich die entgegengesetzte freie Nische gesucht, super patentes Mädel. Autismus guckt man sich nicht ab. Aber natürlich gibt es das schon, dass Kinder Verhaltensweisen nachahmen, die sie subjektiv als hilfreich empfinden (zb bei der Konkurrenz um Zuwendung, oder beim Behaupten gegen andere).

Wie gesagt, ich hab auch immer sehr drauf geschaut, dass die Schwester ausgiebig Kontakt zu Kindern hatte, mit denen sie eine gute Zeit hatte. Auch schon im Baby- und Kleinkindalter. Junior war damals mit ihr NUR krätzig.
Engrid
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Beitragvon Angi1079 » 12.04.2018, 10:59

Ihr beruhigt mich... danke! :D

Die Kleine geht schon in die Kita seit sie ein Jahr alt ist. Also es müssten schon ausreichend andere Kontakte da sein!


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