Kann Haus kaum noch verlassen wg. Geräuschempfindlichkeit

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

Moderator: Moderatorengruppe

JasperJaspie
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 445
Registriert: 09.11.2013, 01:12
Wohnort: Norddeutschland

Beitragvon JasperJaspie » 08.04.2018, 21:32

Hallo,

- Misophonie. Ich habe gelesen, dass Hypnose auch ganz gut helfen kann.

VG
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

Werbung
 
Eulen-Tina
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 262
Registriert: 26.08.2013, 23:00

Beitragvon Eulen-Tina » 08.04.2018, 21:40

Hallo Ann,

ja ich habe mal gestöbert und bin auf Phonophobie gekommen.

Hypnose- geht das den auch wenn man geistig schwerbehindert ist?

VG
Tochter (2010):Micro-Gendefekt, Kombinierte Entwicklungsstörung der Sprache, Motorik, Wahrnehmung; Aufmerksamkeitsstörung, Hypotonie, Verdacht auf Lernbehinderung, viele Allergien, nächtliches Einnässen
PT (2015): Epilepsie,Tetraspastik,Cerebralparese und viele weitere Besonderheiten, kein sitzen, kein sprechen, viele Anfälle

Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2539
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Beitragvon Alexandra2014 » 08.04.2018, 21:59

Hallo Tina,

bei uns verschwanden auch erst alle Auffälligkeiten, nachdem das Levetiracetam ca. 4 Wochen ganz raus war. Gib ihr noch etwas Zeit!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Britta70
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 589
Registriert: 11.01.2006, 20:10
Wohnort: Ditzingen

Beitragvon Britta70 » 09.04.2018, 08:27

Hallo,

unsere Amelie war auch extrem geräuschempfindlich. Nachträglich würde ich sagen, dass es tatsächlich Schmerzen waren: Bei jedem Geräusch hat sie sich leicht erschrocken, wodurch die Spastik eingeschossen ist, und die Spastik muss die Schmerzen verursacht haben. Das Schreien kam daher auch immer ein paar Sekunden zeitverzögert. Seit sie eine Baclofenpumpe hat, ist dieses Schreien verschwunden. Wir konnten mit ihr auch nirgendwo mehr hin, jetzt sind längere Ausflüge möglich.
Ich weiß, wie schrecklich die Zeit war, daher wünsche ich dir viel Kraft.

LG
Britta
Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, Tetraparese, cerebral blind, Hüftluxation links (operiert 2014), starke Skoliose (operiert 2016)

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13101
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 09.04.2018, 08:52

Hallo,

Sie bekommt keine Anfälle von den Geräuschen. Wenn sie sich so manchmal erschreckt schon, aber nicht von Geräuschen.
Möglicherweise hat sie eine Verknüpfung von plötzlichen Geräuschen und Anfällen entwickelt (also vgl Pawlows Hund), das würde die Angst erklären.

Mein Sohn hat keine Anfälle, aber Panik oder Angst vor bestimmten Geräuschen, zb mit Sirene (Probealarm) war es mal ganz schlimm.
Die Angst ist mit der Zeit dann schlimmer als das eigentliche Geräusch, die Angst vor der Angst nimmt zunehmend Raum ein, nichts geht mehr.

Das Gute daran: Was dass Gehirn mal verknüpft hat, das kann man auch wieder „entknüpfen“.
Hilfreich dafür ist durchaus eine Verhaltenstherapie, die macht sehr wohl auch Sinn bei kognitiv eingeschränkten Menschen, der richtige Therapeut muss halt gefunden werden.
Ansonsten für den Hausgebrauch:
Alles, was die Ohnmacht nimmt und Handlungsmöglichkeiten gibt, hilft. Zb alleine schon die Tatsache, dass ein Gehörschutz griffbereit (für sie!) dabei ist, den man aufsetzen kann, kann viel Angst nehmen.
Auch das selbstbestimmte (!) Desensibilisieren gehört da dazu. Junior hat sich eine Zeitlang intensiv Sirenenvideos auf YouTube angeguckt, erst ohne Ton, dann mit ganz leisem Ton, oft gestoppt, ...
Das müsstest du natürlich auf eure Situation und deine Pflegetochter anpassen ...

Viel Erfolg, Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Anne_mit_2
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 254
Registriert: 31.01.2016, 11:18

Beitragvon Anne_mit_2 » 09.04.2018, 09:25

Hallo Eulen-Tina,

wenn Musik geht, dann könnte man versuchen mit guten Erwachsenen-Kopfhörern mit Musik erst mal Kopfhörer bzw. Gehörschutz in angenehmem Kontext einzuführen. Wenn diese dann akzeptiert werden, dann kann man versuchen bei zwingend notwendigen Autofahrten vor Start des Motors bereits Musik auf die Kopfhörer zu geben. Das kann das angstmachende Geräusch überdecken. Wenn das in die richtige Richtung führt, dann kann man das in anderen Kontext ausweiten.

Ich gehe wie Engrid von einer unguten Verknüpfung aus. Denkbar wäre 'lautes Brummen kündigt rütteln an und das verstärkt die Spastik', 'Geräusche in der Aura direkt zu Beginn von Anfällen hörten sich wie brummen an', 'bei einem lauten Brummen ist mal etwas schlimmes passiert' (z.B. Untersuchung?) etc.

Ich erwähne gute Erwachsenen Kopfhörer, weil Kinder manchmal mit Kinderkopfhörern oder Kapselgehörschutz Probleme mit Druck an der falschen Stelle am Kopf haben. Gute (auch alte) Erwachsenenkopfhörer sind wesentlich weicher vom Tragekomfort. Unser Kleiner hört im Auto oft Musik mit einem sehr guten, uralten Sennheiser Kopfhörer, den früher der Opa hatte. Da sind die ganzen Ohren und noch ein Bereich hinter dem Ohr ganz unter dem Kopfhörer. Wenn er kleinere Kopfhörer aufhat, dann jammert und meckert er nur (inzwischen nicht mehr so, aber mit 3-4 Jahren sehr) oder zieht den Kopfhörer ab und hält ihn sich ans Ohr, um die CDs fertig anzuhören. -- Du musst natürlich auf die Lautstärkereinstellung achten, aber das versteht sich ja von selbst.

Wenn Deine PT natürlich irgendwann in der Lage wäre, sich Musik selbst (z.B. über einen Taster) auf den Kopfhörer zu legen, dann könnte sie auch Selbstwirksamkeit zur Abhilfe bei negativ besetzten Geräuschen erleben und dadurch wäre ein ganz anderes Vorgehn zur Problemlösung möglich...

Ich wünsche euch viel Kraft und die richtige Eingebung zum richtigen Zeitpunkt, damit ihr die Situation bald lösen/entschärfen könnt.

Viele Grüße,
Anne

Eulen-Tina
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 262
Registriert: 26.08.2013, 23:00

Beitragvon Eulen-Tina » 09.04.2018, 20:52

Hallo ihr Lieben,

danke für eure Tipps. Das Levetiracetam ist ja noch drin, ist jetzt aber reduziert. Ihre ganze Stimmung ist besser und sie lacht auch wieder.

Leider hatte sie heute nachmittag auch viele Anfälle, ich hoffe, dass es nicht mit der Reduzierung des Lev. zusammenhängt...

Diese Verhaltenstherapie...bei wem wird das gemacht? Neurologe, Psychiater? Ist bestimmt schwer, da jemanden zu finden...

Vielleicht geht auch Heil-Hypnose? Ich weiß nicht, ob man dabei geistig fit sein muss, damit das funktioniert.

Auf jeden Fall werde ich dann mal weiche große Kopfhörer besorgen...

Danke nochmal für eure Ideen.

Liebe Grüße
Tina
Tochter (2010):Micro-Gendefekt, Kombinierte Entwicklungsstörung der Sprache, Motorik, Wahrnehmung; Aufmerksamkeitsstörung, Hypotonie, Verdacht auf Lernbehinderung, viele Allergien, nächtliches Einnässen

PT (2015): Epilepsie,Tetraspastik,Cerebralparese und viele weitere Besonderheiten, kein sitzen, kein sprechen, viele Anfälle

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13101
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 09.04.2018, 21:05

Hallo Tina,

Diese Verhaltenstherapie...bei wem wird das gemacht? Neurologe, Psychiater? Ist bestimmt schwer, da jemanden zu finden...
Psychotherapeuten machen das, Kinderpsychologen wohl auch. Vielleicht mal den Kinderpsychiater nach einer Empfehlung fragen, oder bei einer Berufsvertretung (Therapeutenverband). Man kann, wenn es nicht so sehr festsitzt, und sich kein Therapeut findet, auch selber einiges erreichen, mit viel Liebe und Geduld ... (Ist tatsächlich nicht leicht, für Kinder mit kognitiver Beinträchtigung kompetente Therapeuten zu finden.)

Edit: Ich lese grade, deine PT ist erst drei? Ich weiß nicht, ob man so früh eine ausgewiesene VT machen kann, da müssten aber Kinderpsychologen und Pädagogen Konzepte dazu haben.
Gibt es da nichts Beratungsmässiges für Pflegeeltern?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

AndreaR
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 317
Registriert: 27.06.2005, 11:26
Wohnort: CH-Winterthur

Beitragvon AndreaR » 10.04.2018, 10:57

Könnte man nicht das Levetiracetam ganz raus nehmen?
Dass durch die Dosisreduktion eine allgemeine Verbesserung erreicht wurde könnte darauf hinweisen, dass Ihr mit dieser Massnahme auf dem richtigen Weg seid.
Lucia hat Lev auch nicht toleriert, sie wurde ... ähem ... sehr reizoffen :roll:
Jetzt mit Orfiril als Monotherapie geht es ihr deutlich besser.

Liebe Grüsse
Andrea
Lucia (2004), mehrfachbehindert (spastische Tetraparese) wegen multipler de novo Mikrodeletionen, Isabelle (2006) fit und munter

Werbung
 
Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13101
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 10.04.2018, 11:54

Hallo,

sehr reizoffen
Das wäre auch eine mögliche Erklärung, denn die hypersensible Reizwahrnehmung kann sich ja auch besonders ausgeprägt auf die Hörverarbeitung niederschlagen (daher kommt bei meinem Sohn ja die Problematik mit bestimmten Geräuschen als Angstauslöser). Vorher überall laues Lüftchen, und dann auf einmal heftiger Sturm aus dem Nichts - da bleibt man lieber drin.
Dann vielleicht zuerst checken, ob es daran liegen kann.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


Zurück zu „Familienleben“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste