Erfahrungsbericht über das Arbeitsleben eines besond. Kindes

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Familie-WichmannDUS
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Erfahrungsbericht über das Arbeitsleben eines besond. Kindes

Beitragvon Familie-WichmannDUS » 03.04.2018, 08:34

Wir legen hier exemplarisch dar, wie es uns mit der Werkstatt für angepasste Arbeit in Düsseldorf ergangen ist, als wir nicht den dort vorgegebenen Anweisungen und Wünschen, in Bezug auf unseren dort in der Ausbildung beschäftigten Sohn Julian, nachkamen.

Wir haben nach diesen ad absurdum geführten Verdächtigungen den Ausbildungsvertrag mit der WfaA gekündigt!

Unsere Absicht mit diesem Beitrag ist, Lösungsansätze für unsere jetzige Situation, sowie eine adäquate bzw. alternative Einrichtung zu finden.

Gleichzeitig möchten wir hier Personen ansprechen, welche ähnliche Erfahrungen gemacht haben, um in Kontakt zu kommen.

Wir möchten Mut machen, dass man sich nicht alles bieten lassen darf - auch wenn dadurch die Situation erst einmal schwieriger wird.


Wie alles begann:

Mit Bezug auf die Einschaltung des Medizinischen Dienstes der AOK im Juni 2017 und der Anzeige beim Amtsgericht im Juli 2017, seitens der WfaA, wegen des Verdachts auf Unregelmäßigkeiten in der Ausübung einer Vormundschaft oder Betreuung (einfach ausgedrückt: häusliche Gewalt), sahen wir uns veranlasst, dazu schriftlich Stellung zu nehmen.

Vorangegangen war eine Befragung unseres Sohnes, welches wir mit einer Beschwerde an den Werkstattleiter dokumentiert haben:
„Nach soeben erfolgtem Telefonat mit einem Ihrer Mitarbeiter, namentlich Herr G., haben wir von diesem die Bestätigung erhalten, dass Julian auf seine Weisung hin von zwei Mitarbeitern abgeführt wurde. Die daraufhin erfolgte Befragung durch Ihre Mitarbeiterin Frau K., wegen angeblicher häuslicher Gewalt, verurteilen wir auf das schärfste.“

In einem Antwortschreiben von der Leiterin des begleitenden Dienstes wurde uns folgendes mitgeteilt: (…) Auf Nachfragen unserer Sozialarbeiterin Frau K., hat Ihre Frau bestätigt, dass es immer wieder am Morgen zu Auseinandersetzungen kommt, da Ihr Sohn Julian nicht aufstehen möchte, dass er dann aggressiv und handgreiflich wird.
Deshalb hat Frau K. Sie zu Gesprächen eingeladen und Ihnen Unterstützung angeboten. Diese wurde bisher von Ihrer Seite nicht angenommen.


Sollte es zu Hause zu tätlichen Auseinandersetzungen kommen, von denen wir Kenntnis haben und denen wir nicht nachgehen, machen wir uns strafbar.“

Leider wurden hier nur von der Sozialarbeiterin erwähnt, dass wir Julian in ein Pflegeheim geben könnten und ihn in die Jugendpsychiatrie überstellen könnten.
Die angesprochenen weiteren Hilfsangebote resp. Einladungen hat es nie gegeben!

Die nun nachfolgend aufgeführte Stellungnahme sollte zu dem vom Amtsgericht gestellten Rechtsanwalt, welcher die Rechtsgeschäfte als Verfahrenspfleger unseres Sohnes Julian übernahm - wir wurden praktisch in diesem Bereich von unserer ehrenamtlichen Pflege entbunden – gehen.

Dieses Schreiben wurde jedoch nie abgeschickt, weil wir dies in einem persönlichen Gespräch bei uns Zuhause, im Beisein unserer ganzen Familie, klären konnten.

Zu dem fiktiven Brief:

1.) Dem Amtsgericht wurde von Frau I. (Leitung begleitender Dienst der WfaA) mitgeteilt, dass seit März 2016 viermal Hämatome am Kopf oder an den Beinen festgestellt wurde.

Hierzu sei unsererseits anzumerken, dass sich Julian seit dem 11.11.2009 in kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung bei Herrn Dr. med. N. befindet.

In einer vorliegenden schriftlichen, fachärztlichen Stellungnahme, wird auf die Verhaltensauffälligkeiten, mit Schwierigkeiten in der Selbststeuerung, von Julian hingewiesen.

(…) „In diesen von Julian empfundenen Überforderungssituationen kommt es immer wieder vor, dass er verbal und auch körperlich aggressiv wird oder sich hinwirft.“ (…)

Auch fremdanamnestisch seitens der Schule (z.B. im November 2013) kam es zu körperlichen Übergriffen von Julian ggü. Lehrpersonen, sowie seit 2009 mehrfach ggü. Mitschüler(innen), Geschwistern und auch erwachsenen Bezugspersonen.

Dieses ist den Berichten der damals zuständigen, unterschiedlichen Lehrer zu entnehmen.

Zusätzlich wird in dem Bericht darauf hingewiesen, dass (….) „wobei das Gangbild grobmotorische Unsicherheiten aufweist und dies durch die eingeschränkte räumliche Wahrnehmung zusätzlich behindert wird (z.B. Stolpern über Hindernisse, sich am Türrahmen stoßen, etc.)“ (…)

Weiterhin ist einem Arztbericht zu entnehmen, dass Julian mit dem frühen Aufstehen für den Werkstattbesuch deutlich überfordert ist, so dass es „morgens immer wieder zu Überforderungssituationen mit Impulsdurchbrüchen (seitens Julian) kommt.“

Eine weitere ärztliche Bescheinigung lag der WfaA seit dem 29.11.2016 vor, welche das o.e. frühe Aufstehen als „nicht sinnvoll“ darstellt und sich für eine Verschiebung des Arbeitsbeginns ausspricht.

Diese ärztliche Bescheinigung wurde von Hn. G. (Gruppenleiter WfaA) gewünscht, damit er ggf. eine Arbeitszeitverschiebung forcieren kann.

Da wir bis zu diesem Zeitpunkt mit Herrn G. im permanenten Austausch standen und ihm diese Thematik mehrfach erläutert hatten, sind wir mehr als enttäuscht über die jetzige Vorgehensweise.

Gleichzeitig hatte Hr. G. uns gebeten, ihn über leichte Blessuren bei Julian per Messenger (WhatsApp) zu informieren. Dies ist von unserer Seite erfolgt.

Jedoch wurde auch bei mehrfach erfolgten persönlichen Aufeinandertreffen mit Hn. G. (mit mir oder mit meiner Frau), nichts von den uns jetzt vorgeworfenen Widrigkeiten erwähnt.

2.) Weiterhin teilte die WfaA dem Amtsgericht mit, dass Hilfs- und Unterstützungsangebote der Werkstatt von der Familie allerdings bisher nicht angenommen wurden.

Hierzu sei anzumerken, dass Frau K. (MA begleitender Dienst WfaA) bereits am 29.11.2016 das von Hn. G. angeforderte Schreiben bzgl. der Arbeitszeitverkürzung erhielt.

In diesem, bei der Übergabe des Schreibens, stattfindenden Gespräch äußerte Frau K., dass ein späteres Abholen nicht möglich sei, da Julian immer wieder Schwierigkeiten machen würde. Auch zu unterschiedlichen Zeiten.

Stattdessen sprach Fr. K. sich für eine Aufnahme von Julian in einer Wohngruppe vom LVR Langenfeld aus und legte Julian kommentarlos ein fünfseitiges, aus dem Internet kopiertes, Hilfsangebot (Sie sind hier: Startseite > Behandlungsangebote & Fachgebiete > Allgemeine Psychiatrie > Ambulanzen > Ambulanz für geistig behinderte Erwachsene mit psychischen Erkrankungen) in den Rucksack.

Dieses war das einzige Hilfs- und Unterstützungsangebot der WfaA.


3.) Weiterhin teilte die WfaA dem Amtsgericht mit, dass am 11.07.2017 Herr Wichmann erneut mit starken Hämatomen an Beinen und Handgelenken in die Werkstatt kam.

Vorab sei hierzu anzumerken, dass diese blauen Flecken von einem Arzt am 12.07.2017 diagnostiziert und attestiert wurden.

Hierbei handelte es sich einen kleinen blauen Fleck am Handgelenk, sowie zwei weiteren, linear verlaufende blaue Flecken, befindlich zwischen den Schienbeinen und den Knien.

Die Abschürfungen im unteren Bereich der Beine stammt vom Kratzen an den Beinen wegen der Medikamente, sowie wegen der zu diesem Zeitpunkt dort befindlichen Mückenstiche.

Weiterhin befinden sich im unteren Bereich der Beine massenhaft Krampfadern und verheilende Adern, welche einen „blauen“ Eindruck vermitteln.

Zusätzlich hat Julian, aufgrund der Medikamente, eine Neigung zu häufigem Bluten und extrem schneller Bildung von Hämatomen.

4.) Bei dem Besuch vom medizinischen Dienst (Hr. K.) wurde uns mitgeteilt, dass Julian mit abgebrochenen Schneidezähnen zur Arbeit erschienen sei

Diese infame Unterstellung haben wir auf das Entschiedenste zurückgewiesen!

Vielmehr wurde uns von der Werkstatt (Hr. G. per Whatsapp und Sprachnachricht) mitgeteilt, dass wir uns um Julian keine Sorgen machen sollen, da im Bus lediglich seine Schneidezähne abgebrochen wären!

Diese Nachricht ist gespeichert und kann auf Verlangen vorgelegt werden.

5.) In einem von uns aufgenommen Video, welches die Problematik des morgendlichen Aufstehens zeigt, ist das Schlagen, das Treten, das Schlagen mit dem Kopf, das Spucken und Schreien deutlich zu sehen.

Dieses Video wurde Hn. K. (med. Dienst der AOK) vorgespielt und verdeutlichte eindrucksvoll das Entstehen der Hämatome.

6.) Noch viel mehr von Bedeutung, für das Entstehen der Hämatome, sind allerdings die immer wiederkehrenden Krampfanfälle von Julian, in denen er völlig hilflos in sich zusammenbricht und gegen gerade dort befindliche Gegenstände stößt.

7.) Warum haben wir den Vertrag mit der WfaA gekündigt?

Wir versuchen für unseren Sohn das Bestmögliche für seine körperliche und geistige Entwicklung herauszuholen.

Unser Augenmerk liegt jedoch auch auf seiner emotionalen Verfassung und – sagen wir es mit einfachen Worten – dass er glücklich und zufrieden ist.

Unter diesen Aspekten betrachtet, ist es für uns unmöglich, seine Belange und die Anforderungen der Werkstatt auf einen Nenner zu bringen.

Wer die Ansprache des Geschäftsführers bei der Veranstaltung für neue Mitarbeiter, resp. der Eltern und Fürsorgeberechtigten, gehört hat, der weiß warum: unter betriebswirtschaftlicher Sicht muss der Laden florieren - und da kann man auf persönliche Schicksale keine Rücksicht nehmen!

Wir haben Julian jetzt seit dem 11.07.2017 bei uns Zuhause, ohne dass er wieder in die Werkstatt musste.

In dieser Zeit ist er regelrecht aufgeblüht. Er isst und trinkt wieder regelmäßig und ausreichend (2,- kg Gewichtszunahme), er hat nur noch die normalen Reibereien mit seinen Geschwistern und er ist gesund. Zusätzlich können wir auch wieder mit ihm kommunizieren, was zu Letzt nur noch selten der Fall war.

Nachdem nun der Verfahrenspfleger (vom Gericht gestellter Rechtsanwalt) in einem persönlichen Gespräch sich ein Bild von der Lage vor Ort machen konnte, wurde das ganze Verfahren eingestellt.

An dieser Stelle ist anzumerken, dass wir eine Mitarbeiterin vom Jugendamt der Stadt Düsseldorf an unserer Seite hatten, welche auch bei dem Gespräch dabei war.
Frau S. kannte unsere Familie resp. Julian schon von klein auf und war uns eine sehr, sehr große Hilfe!

Der Verfahrenspfleger stellte die Frage in den Raum, warum denn nun ein Verfahren durch das Amtsgericht, resp. der WfaA, angestrengt wurde, da der Medizinische Dienst sich doch unlängst von der Ordnungsmäßigkeit unserer Pflege ein Bild gemacht hatte – und bestätigte, dass alles optimal gewährleistet ist!

Wir führen diese weitere Vorgehensweise darauf zurück, dass wir ein weiteres Gespräch mit der WfaA abgelehnt haben.
Dies wurde uns von Frau I. (Leiterin begleitender Dienst) am 18.07. lapidar schriftlich mit den Worten angeboten: „(…) nachdem nun ein Ortstermin der AOK bei Ihnen stattgefunden hat, möchten wir Sie gerne zu einem Gespräch in die Werkstatt einladen.“

Wir möchten gemeinsam mit Ihnen überlegen, wie eine weitere Perspektive für Ihren Sohn Julian in der WfaA aussehen kann und welche Unterstützung wir dabei anbieten können. (…)“

Weiterhin wurde von dem Verfahrenspfleger angemerkt, dass man, nach nun mehr als 23-jähriger aufopfernder Pflege, nicht plötzlich eine Mutter als ungeeignet diffamieren darf.

Soweit zu den amtlichen Dingen, welche uns mehr als 500,- € gekostet haben, da wir unsererseits einen Rechtsanwalt einschalten mussten, damit wir überhaupt wussten, was uns denn eigentlich nun vorgeworfen wurde.

Der Medizinische Dienst durfte uns auch keine Akteneinsicht gewähren, so dass wir bzgl. der Vorwürfe und Anschuldigungen nie im Bilde waren!

Zu guter Letzt wurde wir noch von der ARGE (Arbeitsamt) kontaktiert, wobei man uns Restriktionen ankündigte, sollte Julian nicht entsprechend seinen Pflichten nachkommen.

Mit Restriktionen ist bei der ARGE immer gemeint, dass man kein Geld mehr bekommt. Allerdings waren die Zahlungen schon seit unserer Kündigung eingestellt worden.

Unser Anwalt empfahl uns jedoch bereits bei dem Fall zu der Verfahrenspflege, zu einer sachlich, gangbaren Vorgehensweise zurückzufinden.

Somit haben wir dem Sachbearbeiter der ARGE zugestimmt, entsprechende ärztliche Bescheinigungen über den Gesundheitszustand innerhalb von 14 Tagen zu beschaffen.

Wir gaben hier zu bedenken, dass 14 Tage zu wenig Zeit sind und dass diese Bescheinigung unverhältnismäßig ist, da sich an dem Gesundheitszustand eines schwerbehinderten Kindes innerhalb von wenigen Wochen selten etwas gravierend verändert.

Weiterhin sind diese Gesundheitsfragebögen mit Kosten verbunden, welche wir tragen müssen.

Letztendlich haben wir diese Berichte beschafft und der Herr von der ARGE nahm tel. Kontakt mit der WfaA auf, da wir uns bereit erklärten, unter annehmbaren Umständen Julian in einer anderen Niederlassung der WfaA arbeiten zu lassen.

Das Gespräch mit der Leiterin des begleitenden Dienstes ging in diese Richtung, dass man hierzu erst eine Konferenz einberufen werde und dass man auf uns zukommen werde.

Dies war im Oktober 2017. Seitdem haben wir nichts mehr gehört von den entsprechenden Stellen.


Nachtrag vom 02.09.2017:

Am 28.08.2017 brachten wir Julian gemeinsam zur WfaA Theodorstr., - er musste noch 4 Tage arbeiten, da die Urlaubstage nicht bis zum Monatsende gereicht hatten -, nachdem wir mehrfach vorher versucht hatten den Gruppenleiter Hn. G. zu erreichen.

Auf dem Weg dorthin rief er zurück und wir erklärten unser Anliegen.

Vor Ort trafen wir dann allerdings auf Frau K., welche uns in sehr unfreundlichem Ton folgendes mitteilte:

• Was uns einfiele, hier einfach so aufzutauchen. Wir könnten einen Termin im September oder Oktober haben – oder dann, wenn die Werkstatt halt Zeit hat
• Hr. G. hätte keine Zeit für solche Sachen.
• Julian kann zu Hause bleiben. Er fehlt als entschuldigt, allerdings ohne Bezahlung.
• Julians Spind ist schon geräumt. (Julian wollte seine Trinkpäckchen und den Kakao haben)
• Auf die Frage hin, warum Sie (Frau K.) den ärztlichen Anordnungen bzgl. des späteren Erscheinens zur Arbeit nicht Folge leistete und bzgl. der kopierten Infos aus dem Internet (LVR Psychiatrie Langenfeld), brach Sie den Kontakt ab mit den Worten: „Das ist jetzt die Stelle, wo ich das Gespräch beende“

Wir machten noch, mit vorher erfolgtem mündlichen Hinweis an Frau K., Fotos von dem von uns unterzeichneten, in der Eingangshalle ausliegenden, Besucherprotokoll.




Abschließend haben wir noch einige Verfehlungen der WfaA aufgeführt, welche uns in den meisten Fällen angelastet wurden.


Eingangsphase in der WfaA Marienburgerstr.

• Fr. A. und zwei weiteren Personen der WfaA wurde die Problematik bzgl. des morgendlichen Aufstehens mitgeteilt
• Der Busfahrer Hr. W. berichtete, dass er Julian bei der Abholung bei der WfaA zum Rücktransport „einfangen“ musste, da sich von der WfaA niemand darum kümmerte
• Karnevalsdienstag 2016 erhielten wir von der WfaA einen Anruf, dass Julian einen blauen Fuß hätte, da er angeblich von seiner Mutter geschubst worden wäre (er war aber über seinen Rucksack gestolpert)
• Julian wurde vor seinem Spind von einem Arbeitskollegen massiv bedroht. Da Fr. Wichmann etwas vergessen hatte, kam sie zurück und sah wie er geschubst und in die Ecke gedrängt worden war. Die fehlende Aufsichtskraft wurde informiert. Es erfolgte eine lapidare Entschuldigung.
• Es kam eine Nachricht, dass die Eingangsphase beendet ist und das Julian zur Theodorstr. wechselt. Unser Veto bzgl. der frühen Zeiten wurde kommentiert mit: „man kann nicht auf alle Rücksicht nehmen!“

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass wir Julian bei Widrigkeiten wegen der Werkstattnähe zu diesem Zeitpunkt noch immer selber zur Werkstatt bringen konnten. Dies ist nun nicht mehr möglich!

Weiterhin hat Julian durch den Wechsel einen 12-Stunden Arbeitstag zu bewältigen – und das für ein schwerkrankes Kind mit Pflegegrad 3!

5:15 Aufstehen, 6:30 Bus, 8:00 Arbeit, 15:30 Arbeitsende, 16:30 Zuhause

Gerade bei sommerlichen Temperaturen und der schwerwiegenden Medikation ist die Nachhause-Fahrt eine Tortur für ihn.

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monika61
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Beitragvon monika61 » 03.04.2018, 10:58

Hallo Familie-WichmannDUS,

bei dem Erfahrungsbericht fallen mir
sofort die Beiträge von Gisela Maubach ein:
------------------------------------------------------------------------------------

Warum eine Dürenerin ihr Bundesverdienstkreuz zurückgab
..."Den Platz in der Werkstatt möchte Gisela Maubach für Steffen nicht in
Anspruch nehmen. Sie hat in den vergangenen Jahren die Erfahrung
gemacht, dass der Aufenthalt ihrem Sohn schadet"...
http://www.aachener-nachrichten.de/mobi ... -1.1521451

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/ae ... -1.6505015

VIDEO:
https://www.youtube.com/watch?v=4HOW5gEb9vk


----------------------------------------------------------------------------------

Hier wird von dem "NRW Modell" berichtet.
Es gibt in NRW keine Tagesförderstätten mehr.
Alle behinderte Menschen sind in NRW arbeitsfähig.
Dadurch gibt es keinerlei Wahlfreiheit für eine andere Tagesstruktur.



..."
Von Susanne v.E
Sonntag, 3. Mai 2015 20:39

Hallo Frau Schmidt,

wir sind auch die "betagten Eltern", die ihren Sohn mit hohem
Untertützungsbedarf zu Hause betreuen
.Wir sind etwas jünger als Sie,
sehr geehrte Frau Schmidt. Wir hatten bereits das Vergnügen Sie
kennenzulernen und Sie darüber in Kenntnis zu setzen, warum wir es
unserem Sohn nicht zumuten können in einer NRW Werkstatt in
einem "Schwebsbereich" sein Dasein zu fristen.
An sich hatte ich
gedacht, Sie hätten uns verstanden und würden sich dafür einsetzen, dass
es zukünftig zu der de facto Arbeitspflicht Alterantiven geben kann.
Stattdessen wird das NRW Modell kritiklos bejubelt, jeder wird als
arbeitsfähig eingestuft. Unser Sohn ist nicht arbeitsfähig!"...



...."
Von Gisela Maubach
Donnerstag, 30. April 2015 16:37

"Nur Nordrhein-Westfalen ermöglicht diesem Personenkreis die
Beschäftigung in der Werkstatt."

Sehr geehrte Frau Schmidt,

wie im persönlichen Gespräch mit Ihnen schon herausgefunden, handelt
es sich bei "diesem Personenkreis" nicht nur um ein Werkstatt-Recht -
sondern um eine Werkstatt-Pflicht (sofern eine Tagesstruktur benötigt wird).
Die Vorrangigkeit der Leistung "Teilhabe am Arbeitsleben" führt
dazu, dass die Werkstatt der einzig mögliche Arbeitgeber für
arbeitsUNfähige Menschen ist.

Die Einrichtungsgebundenheit der Leistung kann man nicht dadurch
schönreden, indem man sie "Recht" nennt.
Welchen Wert hat ein Recht ohne Alternativen und ohne die
Chance auf einen inklusiven Tagesablauf und ohne jegliche
Selbstbestimmungsmöglichkeit?"...


Hier bitte auch die Kommentare lesen
vor allem auch von Gisela Maubach.

https://www.kobinet-nachrichten.org/de/ ... machen.htm



...."Von Gisela Maubach
Dienstag, 15. März 2016 15:43
Einfach ausgedrückt, schlägt Frau Lösekrug-Möller auch den anderen
Bundesländern vor, den Bedarf von nicht-arbeitsfähigen Menschen mit
Behinderungen in Werkstätten decken zu lassen und wegen deren
Vorrangigkeit dann andere Formen von Tagesstrukturen zu verweigern.
Tagesförderstätten existieren in NRW ja gar nicht erst."....

Die Kommentare kann man hier lesen:
https://www.kobinet-nachrichten.org/de/ ... c3%bcr.htm


----------------------------------------------------------------------------------

Man findet von Gisela Maubach und ihrem Kampf um ein Persönliches
Budget (für eine andere Tagesstruktur) viele Beiträge, auch hier im
Forum zB:

https://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopi ... ch&start=0


LG
Monika

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Beitragvon KatjaMausB » 03.04.2018, 18:09

Hallo zusammen,

ehrlich gesagt, frage ich mich, was dieser Bericht hier zu suchen hat? Wollte der Verfasser die WfbM in Düsseldorf anschwärzen? Soll Stimmung gegen WfbM generell gemacht werden? Was soll damit bezweckt werden? Die Geschichte ist aus dem vorletzten und letzten Jahr ... ich verstehe nicht so Recht, was das hier im Forum soll.

Gruß
Katja

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Beitragvon Mellie » 03.04.2018, 18:19

Hallo,

ich bin auch ein wenig überrascht über den Beitrag. Es hat ja mit der Arbeit in der WfbM nichts zu tun. Soweit ich es verstanden habe, geht es darum, dass die WfbM häusliche Gewalt unterstellt hat und es dadurch dann Probleme in der Zusammenarbeit Eltern und Mitarbeiter gab. :?
Viele Grüße,
Mellie

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Re: Erfahrungsbericht über das Arbeitsleben eines besond. Ki

Beitragvon Tanja2014 » 03.04.2018, 21:07

Hallo zusammen,

die Absicht des Beitrags nennt der Threadersteller ja:

Familie-WichmannDUS hat geschrieben:
Unsere Absicht mit diesem Beitrag ist, Lösungsansätze für unsere jetzige Situation, sowie eine adäquate bzw. alternative Einrichtung zu finden.

Gleichzeitig möchten wir hier Personen ansprechen, welche ähnliche Erfahrungen gemacht haben, um in Kontakt zu kommen.

Wir möchten Mut machen, dass man sich nicht alles bieten lassen darf - auch wenn dadurch die Situation erst einmal schwieriger wird.


Dass die ganze Auseinandersetzung so detailliert und mit Nennung der Werkstatt wiedergegeben wird, finde ich in der Form allerdings ziemlich ungünstig.

Grundsätzlich hat sich die Werkstatt ja erstmal richtig verhalten. Wenn bei einem Beschäftigten mehrfach Spüren von Handgreiflichkeiten zu sehen sind, kann die WfbM das ja nicht ignorieren. Und wie und warum das Ganze dann eskaliert ist, kann aus der Ferne niemand beurteilen.

Eine andere Geschichte ist, dass es scheinbar in NRW für Menschen mit schwersten Einschränkungen keine Alternative zur Werkstatt gibt. Aber darauf könnte man ja auch in anderer Form hinweisen.

In den Zusammenhang frage ich mich, ob die Betroffenen nicht Anspruch auf eine EU-Rente haben? Vielleicht kann mich da jemand erleuchten.;-)
Viele Grüße
Tanja
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Beitragvon Jörg75 » 03.04.2018, 21:35

Moin,

ich halte eine so detaillierte Beschreibung, die einzelne Mitarbeiter identifzierbar macht, auch für eher unglücklich ... vor allem, weil es (naturgemäß) eine sehr einseitige Darstellung ist. Ich frage mich, wie wohl die betroffene Werkstatt das verstehen und sehen würde, läse sie hier mit.

Und ich schließe mich Tanja an - wenn es mehrfach vergleichbare Verletzungsspuren gibt, dann muss dem nachgegangen werden.

Gruß
Jörg
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Beitragvon Sigrid Zas » 04.04.2018, 08:52

Hi

Was ich nicht verstehe ist, warum der Sohn so einen langen Arbeitstag haben muss und nicht wie jeder normale Arbeitnehmer Teilzeit arbeiten kann.

LG sigrid
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Beitragvon Senem » 04.04.2018, 08:57

Hallo Sigrid Zas,

das ist in einer Behinderten Werkstatt leider nicht so einfach.

Entweder, die Mitarbeiter gehen von sich aus auf den Menschen ein und erkennen das der Mensch eine halbtags Beschäftigtung wegen der Behinderung braucht oder es geht nur mit einer Fachärztlicher Begutachtung und Bescheinigung.

Ich habe die Erfahrung machen müssen und es war ein jahrelanger Kampf
Gruß

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Beitragvon Tanja2014 » 04.04.2018, 08:57

Ja, das habe ich mich auch gefragt. Ich kenne eine junge Frau mit Epilepsie, die in einer WfbM in NRW arbeitet und bei ihr werden die Arbeitszeiten recht flexibel an den aktuellen Gesundheitszustand angepasst. Es gab mal eine Zeit, wo sie häufig Anfälle hatte und es ihr insgesamt ziemlich schlecht ging, da hat sie dann nur zwei Stunden täglich gearbeitet.
Viele Grüße

Tanja

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Beitragvon KatjaMausB » 04.04.2018, 10:00

Hallo zusammen,

in NRW kann man entweder aufgrund eines Attestes oder aufgrund des Teilzeitbefristungsgesetzes kürzer als 35 h arbeiten. Jedenfalls ist das beim Landschaftsverband Rheinland so. Aufgrund des Wunsch- und Wahlrechtes des Leistungsberechtigten wird sich auch jede WfbM überlegen, ob sie auf Vollzeit besteht oder ob sie auf den (Kunden-)Wunsch eingeht.

In NRW gibt es für Schwerstmehrfachbehinderte die Möglichkeit, am Arbeitsleben (in einer WfbM) teilzunehmen und nicht nur in einer Tagesstätte betreut zu werden. Nach 20 Jahren haben die WfbM-Beschäftigten die Anwartschaft für die EU-Rente erfüllt und sind damit deutlich besser gestellt als in den Tagesstätten anderer Bundesländer.

Wer tatsächlich nicht werkstattfähig ist, wird auch in NRW (zumindest ist es im Rheinland so) in einer Tagesstruktur betreut. Das betrifft aber nur recht wenige Fälle.

Bezogen auf das Eingangsthema ist mir nicht ersichtlich, wie wir das beurteilen sollten, was dort vorgefallen ist. Erstmal scheint man ja fürsorglich sich um die Beschäftigten zu kümmern, daran ist ja nichts verkehrtes. Das Eltern das nicht immer toll finden, mit Gewaltvorwürfen konfrontiert zu werden, ist auch nicht verwunderlich. Ich denke, die Situation lässt sich nur vor Ort mit den Beteiligten regeln und nicht über einen Forumsbeitrag.

Ich wünsche der Familie allerdings, dass sie eine gute Betreuung für ihren Sohn findet, die mit den Besonderheiten umgehen kann.

Herzliche Grüße
Katja


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