Erfahrungsbericht über das Arbeitsleben eines besond. Kindes

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 04.04.2018, 10:10

Liebe Familie Wichmann,

Es tut mir wirklich leid, was für einen schweren Weg Sie in der Werkstatt hatten. Wir haben eine ähnlich leidvolle Geschichte mit unserem Sohn bereits in der Schule erlebt. Gerade deshalb war die detaillierte Auflistung für mich sehr aufschlussreich. Und ich finde auch, dass Sie ausreichend anonymisiert haben.

Wir wohnen in Baden-Württemberg, insofern sind die Werkstätten in Nordrhein-Westfalen für uns nicht von Belang. Allerdings bestärkt mich der Bericht mal wieder in meinem Misstrauen gegenüber sogenannten Profis.
Unser Sohn ist bereitws 25 Jahre alt und noch weniger werkstattfähig als Julian, und zwar aufgrund seines geistigen Zustands. Er ist nicht körperbehindert. Er lebt bei uns zu Hause. Und wie Sie auch die Erfahrung machen mussten, ist er nach Ende der Schulzeit aufgeblüht. Allerdings nimmt er keine Gelder in Anspruch bis auf das Pflegegeld im Pflegegrad 5. Ich suche auch nach alternativen Zukunftsperspektiven - aber nicht besonders energisch.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und viel Erfolg.

Liebe Grüße
Heike

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monika61
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Beitragvon monika61 » 04.04.2018, 11:19

KatjaMausB hat geschrieben:
In NRW gibt es für Schwerstmehrfachbehinderte die Möglichkeit, am Arbeitsleben (in einer WfbM) teilzunehmen und nicht nur in einer Tagesstätte betreut zu werden. Nach 20 Jahren haben die WfbM-Beschäftigten die Anwartschaft für die EU-Rente erfüllt und sind damit deutlich besser gestellt als in den Tagesstätten anderer Bundesländer.



Hallo zusammen,

das hört sich ja vielleicht erst mal toll an, aber was nutzt es
schwerstbehinderten Menschen die nicht werkstattfähig sind und
deshalb eine Kündigung bekommen :?:
Welche alternativen Möglichkeiten haben die nicht werkstattfähigen, schwerstbehinderten
Menschen dann in NRW :?:

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ZITAT von Inge:

..."Eine weiteres Problem zeigt das Urteil des LAG Düsseldorf vom 11. November 2013 (Az. 9 Sa 469/13). Dort wird deutlich, dass Menschen mit einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf wesentlich schneller aus einer WfbM als aus einer Tagesförderstätte ausgeschlossen werden können. Wie das Gericht im Urteil mehrmals betont, würde das Problem einer Kündigung nicht auftreten, wenn der Betroffene eben nicht in einer WfbM, sondern in einer Tagesförderstätte im Sinne des § 136 Abs. 3 SGB IX wäre. Dort müsste ggf. der Personalschlüssel dem Bedarf des Betroffenen angepasst werden. Das gilt aber nicht für die WfbM als Instrument der Teilhabe am Arbeitsleben!"....

Kompletter Beitrag von Inge:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopi ... il#1949901




..."112
Dabei verkennt die Kammer nicht die besondere Situation insbesondere auch des Vaters des Klägers, der nunmehr erheblich belastet ist. Dies ist jedoch kein arbeitsrechtlich zu lösendes Problem und im Wesentlichen dadurch begründet, dass das Land Nordrhein-Westfalen keine Einrichtungen nach § 136 Abs. 3 SGB XI geschaffen hat. Das favorisierte Prinzip der Inklusion führt nicht dazu, dass die Maßstäbe des § 136 Abs. 3 SGB IX zugrunde zu legen wären. Vielmehr bleibt die Einrichtung der Beklagten eine Werkstatt und die Frage der Beendigung des Vertragsverhältnisses richtet sich nach wie vor nach der Werkstattfähigkeit."....

LAG Düsseldorf · Urteil vom 11. November 2013 · Az. 9 Sa 469/13
https://openjur.de/u/670920.html

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Bei Eingliederungshilfe- und Grundsicherungsbezug (SGB XII) erhält man
doch auch bei einem späteren Rentenbezug nicht mehr Geld.
Oder übersehe ich da etwas ?
Die Rente wird bei der Grundsicherung und bei der Eingliederungshilfe
angerechnet und man bekommt
eben weniger Leistungen vom Amt.
Das Geld kommt nur aus einem anderen Topf, aber die Summe bleibt doch
gleich.

LG
Monika

KatjaMausB
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Beitragvon KatjaMausB » 04.04.2018, 16:45

Hallo Monika,


das hört sich ja vielleicht erst mal toll an, aber was nutzt es
schwerstbehinderten Menschen die nicht werkstattfähig sind und
deshalb eine Kündigung bekommen :?:
Welche alternativen Möglichkeiten haben die nicht werkstattfähigen, schwerstbehinderten
Menschen dann in NRW :?:

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Ich kenne einige, die dann in einer Tagesstruktur tagsüber betreut werden.

Mit der Rentenanrechnung hast du Recht, Monika. Menschen mit (geistigen oder schwermehrfachen) Behinderung bekommen in der Regel immer Sozialleistungen, und diese kommen aus verschiedenen Töpfen. Im Endeffekt macht das vermutlich keinen Unterschied für die Leistungsberechtigten, ob es nun Rente oder Grundsicherung ist.

LG
Katja

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Re: Erfahrungsbericht über das Arbeitsleben eines besond. Ki

Beitragvon Familie-WichmannDUS » 04.04.2018, 18:41

Hallo und Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unseren Bericht zu lesen.

Tanja2014 hat geschrieben:
Dass die ganze Auseinandersetzung so detailliert und mit Nennung der Werkstatt wiedergegeben wird, finde ich in der Form allerdings ziemlich ungünstig.

Grundsätzlich hat sich die Werkstatt ja erstmal richtig verhalten. Wenn bei einem Beschäftigten mehrfach Spüren von Handgreiflichkeiten zu sehen sind, kann die WfbM das ja nicht ignorieren. Und wie und warum das Ganze dann eskaliert ist, kann aus der Ferne niemand beurteilen.



Jörg75 hat geschrieben:Moin,

ich halte eine so detaillierte Beschreibung, die einzelne Mitarbeiter identifzierbar macht, auch für eher unglücklich ... vor allem, weil es (naturgemäß) eine sehr einseitige Darstellung ist. Ich frage mich, wie wohl die betroffene Werkstatt das verstehen und sehen würde, läse sie hier mit.

Und ich schließe mich Tanja an - wenn es mehrfach vergleichbare Verletzungsspuren gibt, dann muss dem nachgegangen werden.

Gruß
Jörg



Natürlich ist es nicht leicht, ein so tiefgehendes Thema in Kurzform darzustellen.

Und gleichzeitig ist es auch nicht einfach, die vielen Aspekte in Betracht zu ziehen, welche uns den Anlass gaben, diesen Bericht zu veröffentlichen - auch wenn er für uns weitere Unannehmlichkeiten oder gar Nachteile/Schwierigkeiten mit sich bringt.

Wie dem Bericht zu entnehmen ist, waren wir mit dem Gruppenleiter in permanenter Absprache, was die Renitenz unseres Sohnes anging. Er war somit vollkommen im Bilde über die Situation und wir hatten ein sehr gutes, entspanntes und vertrauensvolles Verhältnis.

Letztendlich brachte es die Dame vom begleitenden Dienst nicht fertig, mit uns über die Überforderungssituation unseres Sohnes zu sprechen und plädierte dafür, Julian in eine Psychiatrie zustecken (Kopie der Unterlagen kommentarlos in Julians Rucksack). Weiterhin empfahl Sie uns, Julian in eine Wohngruppe zu geben.

All diese Punkte wurden bereits in dem Bericht erörtert.

Und auch hier muss man Ross und Reiter nennen können, da es sonst nichts anderes ist, wie das Rufen im Walde.

Weiterhin wurde Julian, nachdem bereits der Medizinische Dienst vor Ort war und "Entwarnung" gegeben hatte, ein Rechtspfleger vom Amtsgericht zugeteilt.

Diese Mittel sind unverhältnismäßig und spiegeln das frustrierte Verhalten der Bediensteten wieder: Bist du nicht willig, brauche ich (Rechts-)Gewalt.

Das die Betroffenen (eigentlich ein falsche Wort - es müsste heißen Verursacher) dies lesen würden, wäre wünschenswert. Vlt. würde dann der ein oder andere über sein Verhalten nachdenken und es würde Bewegung in die Sache kommen.

Letztendlich warten wir seit Oktober 2017 auf eine Antwort von der WfaA.

Und jetzt ist Zeit für ein "Dankeschön" an alle Forenmitgliedern. Für die Zeit und die Anteilnahme, auch wenn es manchmal sehr emotional und gegensätzlich ist.

Aber gerade daraus erwachsen die besten Ideen; Grundlagen für weiterführende Entscheidungen.

Gute 24

Robert

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 04.04.2018, 22:03

Hallo Robert,

habt Ihr Euch schon mal an die KoKoBe gewendet und Euch dort beraten lassen?

http://www.kokobe-duesseldorf.de/angebo ... eberblick/
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

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Beitragvon Familie-WichmannDUS » 07.04.2018, 13:39

Hallo Tanja,

ja, danke, das haben wir schon gemacht.

Es war ein sehr netter Kontakt, aber man konnte uns hier auch nicht weiterhelfen.

Wir hatten auch hier das Gefühl, genau wie bei der ARGE, dass die Leute im Zusammenhang mit der WfaA sehr "zurückhaltend" reagieren.

Trotzdem lieben Dank.

Robert


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