Feierabend ade? wie gestaltet ihr den Abend mit älteren Kids

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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melanie simone
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Feierabend ade? wie gestaltet ihr den Abend mit älteren Kids

Beitragvon melanie simone » 02.04.2018, 21:52

Hallo ihr Lieben

das Thema wird hier grad sehr aktuell.
Unser kleiner Spezialist ist nun 11 1/2 .
Schlaf hat er noch nie viel gebraucht und jetzt scheint es nochmal weniger zu werden. Klar, mit dem älter werden brauchen Kinder nicht mehr so viel Schlaf.

Bis vor kurzem ging es, dass wir uns gegen 20.15 Richtung Bett bewegt haben und er bis ca. 6 geschlafen hat.
Das abendliche Einschlafen gehen und auch das Durchschlafen sind seit einigen Wochen deutlich schlechter.

Wenn man das Zimmer verläßt bevor unser Sohn schläft, krabbelt er wieder von der Matratze runter und fängt an, seine Schubladen auszuräumen.
Und wenn man bei ihm liegen bleibt kann es lange dauern, bis er wirklich schläft.
(Daß nachts um 4 oder 2.30 gelegentlich die Party wieder losgeht will ich hier nicht zum Thema machen. So eine Phase hatten wir schonmal, wird hoffentlich auch wieder besser werden.)
Er ist auf dem Entwicklungsstand von 12 - 15 Monaten, mit Erklären und Konsequenzen aufzeigen ist es daher schwierig. Und unbeaufsichtigt lassen kann man ihn eigentlich auch kaum.

Grad beim ( erfolglosen) Warten bis er schläft hab ich gegrübelt, wie wir die Sache anders gestalten könnten.
Wir könnten mal versuchen, ihn um ca. 20.15 Uhr in sein Zimmer zu bringen, alles, was gefährlich werden könnte, zu entfernen und ihn dann bis vllt 21.00
( allein?) dort wursteln zu lassen (mit Babyphon natürlich)
Und ihn dann anschließend ins Bett bringen, in der Hoffnung, daß das Einschlafen zügig klappt :roll:

Was mit an der Idee nicht gefällt ist, daß das Gefühl, irgendwann Feierabend zu haben, recht dünn wird. Und mit ihm kehrt nicht wirklich Gemütlichkeit ein.
Vermutlich würde ich in dieser Zeit wo er im Zimmer klappert ein bissl Haushaltskram machen, der gut unterbrechbar und nicht weit entfernt ist.
Entspannt z.B. was lesen, während es aus dem Babyphon klappert und mit dem Wissen im Hinterkopf, dass man evtl. gleich gucken muß was der Knabe anstellt bzw. die Feierabendbeschäftigung nochmal unterbrechen muß um ihn vollends ins Bett zu bringen, das kann ich mir nur schwer vorstellen.
Oder ist das nur Übungssache?
Die halbwegs sichere " Sendepause" am Abend, die nicht erst um 21.30 beginnt, hab ich bisher schon sehr geschätzt.

Ich vermute, dass ich hier bestimmt nicht die einzige bin,
der sich diese Frage stellt(e) und
wär sehr an Euren Ideen und Erfahrungsberichten interessiert.

LG und eine ruhige Nacht allerseits
Melanie
Mama(74), Bub(06), unbalancierte Translokation ( 1 & 18 ), Balkenmangel, Fieberkrämpfe, Epilepsie seit 12/12 , Entwicklungsstand +/- 15 Monate, PG 5, begeisterter Rollatorpilot, chronisch gute Laune

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht,
sondern die Gewißheit, daß etwas Sinn hat,
egal, wie es ausgeht. Vaclav Havel

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Angela77
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Beitragvon Angela77 » 02.04.2018, 21:58

Hallo Melanie,
nur so eine Idee: Eine "verschließbares" Pflegebett, in dem sich Sohnemann bettfertig gemacht, mit ungefährlichem Spielzeig müde spielen darf?
Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Friedafritz
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Beitragvon Friedafritz » 02.04.2018, 22:21

Hallo,

das ist ein sehr interessantes Thema. Bei uns auch so ähnlich gelagert.

Ehrlich gesagt lösen wir das immer öfter indem wir Fritz das Tablet mit YouTube Kids geben. Er sitzt dabei noch neben uns. Richtiger Feierabend ist das nicht, er ruft oft, hat Fragen oder will uns was zeigen. Aber ist immerhin ansatzweise ohne uns beschäftigt.
Irgendwann (am WE gegen 21.00, sonst ca. 20.00 Uhr) legen wir ihn ins Bett. Er ruft dann noch oft. Aber dann ist für uns auch einfach „Schluss“. Wir antworten dann er soll jetzt schlafen. Das klappt dann auch.

Ob das alles so richtig ist ? Ich habe oft ein schlechtes Gewissen. Aber zu mehr reicht die Kraft nicht, wir sind ja den ganzen Tag mit den Kids (und allem Rundherum) beschäftigt.
Viele Grüße, Frieda

mit Fritz (3/11) ohne Diagnose ,mit Syndromverdacht, leichte Gesichtsdysmorphien, Muskelhypotonie, Wahrnehmungsstörungen, läuft wackelig mit Orthesen, keine Sprache aber gutes Sprachverständnis, Epilepsie und der liebe, schlingelige Sonnenschein in unserer Familie...
SBA 100%, alle MZ, PS 2;
Schwester (2007), gesund

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Beitragvon Friedafritz » 02.04.2018, 22:38

Hallo,

das ist ein sehr interessantes Thema. Bei uns auch so ähnlich gelagert.

Ehrlich gesagt lösen wir das immer öfter indem wir Fritz das Tablet mit YouTube Kids geben. Er sitzt dabei noch neben uns. Richtiger Feierabend ist das nicht, er ruft oft, hat Fragen oder will uns was zeigen. Aber ist immerhin ansatzweise ohne uns beschäftigt.
Irgendwann (am WE gegen 21.00, sonst ca. 20.00 Uhr) legen wir ihn ins Bett. Er ruft dann noch oft. Aber dann ist für uns auch einfach „Schluss“. Wir antworten dann er soll jetzt schlafen. Das klappt dann auch.

Ob das alles so richtig ist ? Ich habe oft ein schlechtes Gewissen. Aber zu mehr reicht die Kraft nicht, wir sind ja den ganzen Tag mit den Kids (und allem Rundherum) beschäftigt.
Viele Grüße, Frieda



mit Fritz (3/11) ohne Diagnose ,mit Syndromverdacht, leichte Gesichtsdysmorphien, Muskelhypotonie, Wahrnehmungsstörungen, läuft wackelig mit Orthesen, keine Sprache aber gutes Sprachverständnis, Epilepsie und der liebe, schlingelige Sonnenschein in unserer Familie...

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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 02.04.2018, 22:58

Hallo alle Zusammen,

ja wirklich interessantes Thema. Um 20 Uhr ins Bett gehen und dann ist Ruhe bei
Ben, dass kann ich getrost vergessen. Bis vor zwei Jahren machten wir das. Entweder schlief er gleich ein und war spätestens in der Woche um 4 Uhr morgens wieder wach oder er schlief erst weit nach Mitternacht ein und kam um 6 Uhr(Weckzeit für die Schule) nicht aus dem Bett. Also in Ruhe fernsehen, Buch lesenoder genug Schlafen war Luxus pur :roll:. War nichts zu machen. Ben ist Autist und solche Kinder kommen häufig mit wenig Schlaf aus.

Ist aber bei uns besser geworden. Ben ist jetzt voll in der Pubertät. Jetzt heißt
es 21 Uhr unter der Woche ins Bett. Und was soll ich sagen, er schläft gleich ein
und kommt um 6 Uhr aus dem Bett morgens. Man kann zumindestens in Ruhe noch eine Sendung kucken. Zum Lesen reicht leider die Kraft nicht mehr, ich bin einfach zu müde, da Kind auch sehr anstrengend ist.

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 03.04.2018, 02:20

Hallo,

Junior braucht schon seit Jahren nicht mehr Schlaf als ein Erwachsener. Er geht entsprechend spät ins Bett.
Früher hatte ich auch die Perspektive, dass ich Feierabend will und brauche. Bis wir gemerkt haben, dass das anstrengender ist, da so drauf fixiert zu sein, als Junior einfach „nebenher“ laufen zu lassen nach dem Abendessen, er hört Musik oder guckt seine Youtube-Videos, jeder macht sein Ding, ich kann mich auch mit meinem Mann gemütlich in Ruhe unterhalten, das ist eigentlich sehr nett bei uns abends. Bloß die Glotze bleibt aus, und Besuch geht auch nicht gut.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 03.04.2018, 11:16

Hallo,

Mein Sohn hat schon als Kleinkind weniger Schlaf gebraucht als ich damals brauchte (epilepsiebedingt). Gleichzeitig kann er fast immer nur einschlafen wenn jemand erwachsenes mit im Raum ist. Das lief schon früh darauf hinaus, dass ich mich neben sein Bett auf eine Matratze gelegen habe und er um mich herumgespielt hat - mich aber immer wieder gezielt geweckt. Er kann es mittlerweile zulassen, wenn er morgens aufwacht, mich noch schlafen zu lassen,aber wenn ich vor ihm einschlafe werde ich gnadenlos geweckt.

Heute schläft er zumindest meistens durch, und schlafen tut er so um 21:30, 22:00 Uhr - spielt meist noch im Bett, oder darf noch eine DVD gucken, während ich neben ihm lese. Fernsehen tue ich persönlich fast nichts „für Erwachsene“ einfach weil er immer dabei ist (wenn dann nur an den seltenen Tagen, an denen er schon um 21 Uhr schläft und ich dann über Kopfhörer auf dem Auto-DVD-Player gucke. Wenn ich das Zimmer verlasse wird er meistens wach)

Einen richtigen kinderfreien Abend habe ich nur mit Babysitter, und selbst da schläft er dann nie ein bevor ich da bin, selbst wenn ich erst um 23 komme - daher ist da auch nicht viel mit Entspannung. Insofern habe ich mich immer auf einen gemeinsamen Feierabend eingestellt.

LG

GretchenM

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Beitragvon Lumoressie » 03.04.2018, 12:53

Unser Pflegesohn ist schwerst mehrfach behindert und geistig auch etwa so auf dem Stand eines 12 Monate alten Kindes. Er ist jetzt zehneinhalb.
Er wird um 20.30 Uhr in's Bett gebracht.
Da hat er noch Licht zum An- und Ausknipsen und Spielzeug. Sein Bett verlassen kann er nicht mehr. (Olaf von Kayserbetten...)

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Beitragvon Isolde » 03.04.2018, 13:23

Hallo zusammen,

mein Sohn ist jetzt 20,5 Jahre und hat eine geistige Behinderung.
Uns ist das Problem auch sehr bekannt - der Feierabend wird weniger.

Wir haben aber ein absolut durchgetaktetes Ritual uns über die Jahre erarbeitet,
und das funktioniert.

Bis 19:25 Uhr gibt es Kinderkanal - danach ausziehen, Schlafanzug an, Zähne putzen, Toilettengang.
Er darf sich dann noch einen Film aussuchen, Dauer ca. 60 Min., auf DVD.
Ist der Film herum, gibt es ca. noch 10-15 Min. Musik wo er sich nochmals alleine bewegen kann in seinem Zimmer - er tanzt sehr gerne und spielt Luftgitarre dazu.

Ist dies beendet, geht er ins Bett - d.h. er setzt sich auf das Bett, nimmt Malstifte und Malblock mit und die Musik wird sehr angenehm und recht leise gestellt.
Meist ist mein Sohn da schon recht müde.
Ich sitze dann mit ihm nochmals etwa 1/2 Std. auf seinem Bett - wir malen und erzählen, lachen noch und machen Quatsch.
Dann verabschiede ich mich von ihm.

Da er mittlerweile tatsächlich auch mit Licht an einschläft, geht mein Sohn damit in den Schlaf. Er legt dann seine Stifte vor das Bett oder unter das Kopfkissen und schläft ein.
Zu späterer Stunde bevor ich ins Bett gehe, schaue ich nochmals rein und mache das Licht und gleichzeitig die Musik mit einem Hauptschalter aus.

Das klappt bei uns hervorragend.
Er steht in der Regel nicht mehr aus seinem Bett aus - und wenn, dann nur um sich noch ein Spielzeug ans Bett zu stellen, was ihm sehr wichtig ist,
wie z.B. sein Piratenboot,
aber er kommt nicht mehr raus aus seinem Zimmer.

So laufen bei uns alle Abende ab, an denen er bei uns zu Hause sind - das ist ja fast jedes Wochenende und in den Ferien verschiedene Tage.
Im Heim, in dem er unter der Woche ist, gibt es einen ähnlichen Ablauf - sodass er ihn kennt, nur dort ist spätestens um 21:00 Uhr Schluss,
während er an den Wochenenden auch länger aufbleibt bis 22:00 / 22:30 - im Grunde ist er erwachsen.
..........

Natürlich ist damit unsere Freizeit schwer eingeschränkt - die wir aber auch unter der Woche durch unsere Arbeit nicht haben - da leben wir in 2 Städten.
Insofern, wir nutzen die Lücken zwischendurch.
Da mein Sohn gerne Zeichentrickfilme schaut, kann man ihn damit auch beschäftigen - und dazu stehe ich auch, seit Kindesbeinen an, dass ich mir mit den Filmen auch Auszeiten und Verschnaufpausen verschaffe,
denn es ist sehr anstrengend, monoton ein ganzes Wochenende lang und manchmal auch länger, immer vom gleichen Thema zu erzählen (Pirat).
Das alleine ermüdet - aber ich mache es gerne.

PS: Hin- und wieder nehmen wir uns über Entlastungsleistungen einen Auszeitabend oder mein Sohn bleibt dann auch mal ein Wochenende in der Einrichtung und wir haben ein ganzes Auszeit-Wochenende.

Schöne Grüße
Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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melanie simone
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Beitragvon melanie simone » 03.04.2018, 20:59

Guten Abend

besten Dank für Eure Gedanken und Berichte.
Mal sehen, ob er wieder etwas mehr müde ist, wenn die Ferien rum sind,aber prizipiell werden wir uns einen Rahmen ausdenken müssen, der für uns 3 passt.
Für die Jahre die da kommen werden.
Isolde, " erarbeitet" trifft die Sache wahrscheinlich ziemlich gut.

Filme interessieren unseren Mini (oh, Midi :lol:) nicht die Bohne.
Jetzt im Moment räumt er die Schublade mit den Bauklötzen und lego Duplo aus.
Ich höre es genau. Jeder hat so seine Leidenschaften...

Wenn jemand noch was zu erzählen hat, bitte gerne

LG und einen friedlichen Abend allerseits
Melanie
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