Zusammenleben ist so anstrengend

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Martina78
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Zusammenleben ist so anstrengend

Beitragvon Martina78 » 02.04.2018, 16:53

Hallo,
Muss mich mal ausk... Im Moment ist das Zusammenleben mit unserer Großen mega-anstrengend. Sie ist fast immer unzufrieden, reagiert aber nur selten auf Angebote. Am liebsten spielt sie den ganzen Tag mit ihrem "Leucht-und-Blinkspielzeug". Wobei spielen heißt, dass sie es in den Mund nimmt, ans auge und ans Ohr hält. Irgendwann ist alles durchgespielt oder langweilig, dann schreit sie (sprechen und sich verständigen kann sie nicht, für Unterstützte Kommunikation reicht es kognitiv leider (noch?) nicht) oder weint.
Raus gehen mag sie nicht, manchmal kurz schaukeln, dann schnell wieder rein. unterwegs sein mag sie auch nicht, weil sie nicht im Buggy sitzen mag und sich für die Umgebung nicht interessiert. Für zu Fuß gehen reicht es auch nicht, jedenfalls nicht länger als 5 Minuten. Musik mag sie sehr, das verbessert die Laune oft schnell, ist aber ja nur zuhause möglich. Fühle mich manchmal total eingesperrt zuhause. Würde gerne mehr unternehmen mit der Kleinen (und auch der Großen), kann sie aber alleine nicht beide gut händeln. Verschärft wird die Situation dadurch, dass Ferien sind und mein Mann krank.... FED und Verhinderungspflege nutzen wir, aber geht ja auch nicht jeden Tag. Familie ist weit weg.
Die Große kann echt auch lieb sein, aber im Moment ist sie vor allem anstrengend. Ihre kleine Schwester hat sie kognitiv überholt, als sie 9 Monate alt war. Das heisst auch das Angebot an Spielzeug, das ich machen kann, ist immer noch Baby-Spielzeug. Und das haben wir vermutlich schon alles.
Wer kennt das und wie geht ihr damit um?
LG
Martina :(
Martina mit Julia (*1/2012), Pachygyrie und Epilepsie, Pflegegrad 5. Seit 6/15 sehr erfolgreich Ketogene Diät. Kann kurze Strecken laufen. Plus Neuankömmling Franziska (*12/16).
"Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen." (Schopenhauer)

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 02.04.2018, 17:18

Hallo,

fühl Dich mal gedrückt. Das klingt echt mühselig gerade. Spricht denn etwas dagegen, sie in den Buggy zu setzen mit mp3-Player und so nem Kapselkopfhörer?

Kannst Du Dich evtl. mit einer anderen Mutter + Spielkameradin für die kleine Schwester auf dem Spielplatz verabreden? Zum Unterhalten kommt man zwar wahrscheinlich eher nicht, aber es ist zumindest dann nicht ganz so stressig, die Kinder in Schach zu halten. :wink:
Viele Grüße
Tanja
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Re: Zusammenleben ist so anstrengend

Beitragvon oy1970 » 02.04.2018, 17:33

Martina78 hat geschrieben: Musik mag sie sehr, das verbessert die Laune oft schnell, ist aber ja nur zuhause möglich.
LG
Martina :(


habt ihr es schon mal unterwegs probiert?
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Tochter

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Beitragvon AgnesH » 02.04.2018, 18:53

Wie funktionieren Indoor und Schwimmbad? Mag sie die Geräuschekulisse dort eigentlich? Muss sie etwas musikalisches hören, um sich wohlzufühlen?

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Beitragvon SimoneChristian » 02.04.2018, 19:17

Hallo Martina78,

das "nicht raus können" ist hier auch immer wieder Thema.

Ich schreibe jetzt einfach mal, was mir so einfällt. Wahrscheinlich streckenweise völlig am Thema vorbei und vermutlich auch den ein oder anderen Fettnapf mitnehmend. Also entschuldige ich mich schon mal im Voraus. :wink:

An Kopfhörer und Mp3 Player habe ich auch sofort gedacht. Erfordert natürlich die Akzeptanz der Kopfhörer.
Sonst mit Lautsprecher ohne Kopfhörer?
Buggyverdeck ganz runter und ein passendes Bilderbuch? Oder besser noch Bilderbuch passend zur Musik.
Passt der Buggy noch vernünftig? Kann man ihn bequemer machen?

Für zu Hause:
Spielzeug war hier unter 1,5 bis 2 Jahren völlig out.
Am besten ging immer das, was wir auch hatten. :roll:
Schneebesen, Kochlöffel, Töpfe und fertig ist das Schlagzeug.

Wenn es leiser sein soll, Reis, Erbsen, Linsen etc. in 0,5l Plastik-Flaschen füllen, Deckel mit Klebstoff verschließen und los geht es. Wenn man noch Konfetti oder Glitter rein macht, ist es auch optisch super.

Xylophon und dann Töne raus nehmen für eine pentatonische Tonleiter. Dann kommt auch immer ein Lied raus. :D

Von Haba gibt es extra Rasseleier mit verschiedenen Tönen.
Aber auch "echte" Musikinstrumente für (Klein-)Kinder sind nicht so wahnsinnig teuer.

Erbsen/Linsen in einer großen Schüssel oder im kleinen Planschbecken war und ist hier immer noch der Renner. Dazu Löffel, Pappröhren, kleinere Gefäße zum Schütten.
Gerne auch mit Wasser in der Wanne oder am Waschbecken.

Was könnte ihr denn auf dem Spielplatz gefallen?
Geht Sand?
Mit Fotos habt ihr das in der Hinsicht bestimmt schon versucht. Vielleicht das Lieblingsförmchen in die Hand drücken?
Ich habe sonst bei längeren Strecken einfach das Essen im Buggy serviert.

Ich hätte jetzt bei deiner Beschreibung auch an "ansprechbares" Spielzeug gedacht, habe allerdings keine Ahnung, was es da aktuell so gibt.
Irgendetwas, was auf Klatschen reagiert. Oder, falls ihr einen Talker habt, auch auf Kommandos.

Wenn auch noch viel in den Mund gesteckt wird, könnten auch sichere, taktil unterschiedliche Dinge für den Mundraum spannend sein.
Waschlappen, entsprechendes Kauspielzeug aus dem Logopädiebedarf, Duplosteine.

Ich würde ja mit unseren Erfahrungen nicht so unbedingt von dem kognitiven Stand ausgehen, den man vermutet. Gerade bei Problemen in der Kommunikation wirken die Kinder oft nicht so fit.
Hier schien es im Kleinkindalter auch oft nicht weit her mit der Kognition.
Bis sich zufällig für die Interessen passendes Material gefunden hat.
So wurde hier nie mit Klötzen gebaut, bis ganz bestimmte zielsicher komplett aufeinander gestapelt wurden. Oder erst gepuzzelt als das perfekte 15 Teile Puzzle da war. :roll:
Einfach anbieten und wenn es noch nicht passt, wieder weg stellen, ist hier seit dem das Motto.

Wenn sie Musik so mag, wäre vielleicht ein Musikgarten Kurs was für euch 3? Dann in der Altersstufe bis 3.
Allerdings wird da auch getanzt und so.
Bei uns in die Kurse hättest du auf jeden Fall mit den beiden zusammen gepasst. Da wurde immer alles so möglich gemacht, wie die Kinder das brauchten.

LG und das die Phase bald vorbei ist.
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)


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