Es dreht sich alles nur noch um Sex - wer kennt das?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Pauli999
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Es dreht sich alles nur noch um Sex - wer kennt das?

Beitragvon Pauli999 » 02.04.2018, 07:58

Guten Morgen ihr Lieben,

Unsere 14 jährige FASD Tochter redet seit langer Zeit nur noch über SEX.
Sie steht auf und es geht nur um SEX. Sehr extrem und ich möchte es ungern wiederholen. Schlimmer geht nicht.

Wenn sie ihre Medizin genommen hat, kann sie sich kontrollieren und es ist besser. Aber es ist weiterhin in ihr drin.
Vieles von dem was sie sagt versteht sie nicht. Wir erklären und sprechen mit ihr. Ob viel hängen bleibt? Aktuell hat sie einen IQ von zwischen 75 und 85.

Jetzt haben wir entdeckt, dass sie sich SEX Seiten im Internet angeschaut hat. In einem Onlinespiel ( ab 12 ) sucht sie nach Bekanntschaften .
Redet davon, dass sie endlich einen Freund möchte und SEX.

Ihr das Internet komplett weg nehmen ?
Es gibt ihr ein Stück Normalität.

Sexuell übergriffig wird sie bei mir. Bei meinem Mann nicht.

Wer kennt das so extrem von euch und wie geht ihr erfolgreich damit um ?
Was kann ich tun ?

Es belastet das Familienleben sehr.....

Wir haben Angst, dass sie zum Täter, aber auch zum Opfer wird....

Verzweifelte Grüße
Pauli

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Beitragvon Anja Katharina » 02.04.2018, 09:10

Liebe Pauli,

Ich fürchte, da wird sie eher zum Opfer. Leider weiß ich keine Lösung, wünsche aber von Herzen, daß ihr Hilfe bekommt.

Liebe Grüße
Anja
Tochter Alena , Gehirnbluten durch ein Angiom

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.04.2018, 09:12

Hallo,

ich verstehe gut, dass es in der Ausprägung stresst, aber eigentlich ist das Interesse in der Pubertät ja normal.
Bei uns gibt es in der OBA (offene Behindertenarbeit) regelmäßige Discoveranstaktungen, Sporttreffs usw, wo sich die jungen Leute treffen können. Vielleicht wäre das was, denn sie hätte wahrscheinlich gerne einen Freund? Dort würde sie Gleichgesinnte kennenlernen. Und die Angebote sind von der Jugendarbeit betreut, sie kann auch Dinge dort besprechen, wenn sie will.
Über Verhütung muss wohl auch mal nachgedacht werden, so oder so. Wenn sie sich wirklich selber akut in gefährliche Situationen bringt: die verschiedenen Pillen beeinflussen auch die Libido verschieden. Damit muss man aber sehr verantwortlich umgehen, ist ja ein ziemlicher Eingriff in die Autonomie.
Engrid
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Beitragvon Senem » 02.04.2018, 09:32

Hallo Pauli999,

ich kann dich sehr gut verstehen, das du verzweifelt bist.

Aber auch deine Tochter, das Sie anscheinend nun in einer Phase ist, wo Sie sich für dieses Thema interessiert.

Mein Tipp wäre, vielleicht mal eine Beratungsstelle aufzusuchen, wo man mit ihr über solche Themen reden kann oder eine Psychotherapeutin.

Denn ganz weg zu kommen von diesem Thema, wird wahrscheinlich nicht möglich sein, weil sie, so habe ich es verstanden, ja im Moment an nichts anderes denken kann.

Was das Internet angeht. Ich würde so oft es geht dabei sitzen oder halt irgendwie versuchen (hab da keine Ideen :oops: ) es zu verhindern, das sie eben nicht auf solche bestimmten Seiten geht
Gruß

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Beitragvon Tanja2014 » 02.04.2018, 10:46

Hallo, Pauli,

ich kann zum Hauptthema nicht viel beitragen. Was den Internetzugang angeht, gäbe es aber verschiedene Möglichkeiten, die Seiten die sie aufrufen kann, einzuschränken. Es gibt verschiedene Softwarelösungen als "Kindersicherung" oder man kann glaube ich auch direkt über den Rooter/die Fritzbox bestimmte Domains sperren. Wenn Euch das hilfreich erscheint, könntet Ihr Euch dazu vielleicht weiter informieren.

Ich denke allerdings, dass Euch das auch nicht so richtig weiterbringt. Wenn Eure Tochter gerade sehr fixiert darauf ist, dann sucht sie vielleicht nach anderen Wegen (Rechner von Freundinnen, in der Stadtbücherei, in der Schule o.ä), was dann vielleicht noch zusätzliche Probleme mit sich bringt.

Gesunde Jugendliche in den Alter "informieren" sich ja unter anderem auch über Zeitschriften wie Bravo etc. Könnte sie die ohne allzugroße Anstrengungen lesen und verstehen? Vielleicht Wäre das eine Möglichkeit für sie, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und mehr darüber zu erfahren, ohne dass sie in der Zeit Dich ständig damit "nerven" muss.

Ansonsten sind vielleicht so "Ratgeber"-Filme zu erotischer Partnermassage o.ä. auf DVD eine "sicherere" Alternative zu Filmchen aus dem Internet. Zum einen vermitteln die ihr vermutlich ein etwas wünschenswerteres Bild davon, wie Sexualität auch sein kann als viele Angebote im Netz und zum anderen müsst Ihr Euch dann auch keine Gedanken machen, dass sie im Netz aus Unwissenheit vielleicht mal kostenpflichtige Angebote in Anspruch nimmt.
Viele Grüße
Tanja
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Beitragvon Pauli999 » 02.04.2018, 14:28

Ihr Lieben

Herzlichen Dank schon einmal für eure Anregungen.....
Vielleicht gibt es noch andere Eltern, die noch Tipps haben...

Das Schlimmste ist eigentlich, das permanente Reden über das Thema...
Und das sie eine Geistige Behinderung hat, ist es wie Zwanghaft und kommt unkontrolliert. Das ist so belastend.

Liebste Grüsse und noch sonnige Osterstunden

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.04.2018, 15:22

Hallo,

wo du das so schreibst ... Junior spricht zwar über andere Themen, aber wenn er merkt, dass ein Thema nervt, dann eignet es sich auch für herausforderndes Verhalten. Da vielleicht auch mal drüber nachdenken. Bei uns hilft da: locker machen, es nicht persönlich nehmen, auf Durchzug schalten, bei Übergriffigem klare Ansage, notfalls geh ich halt und er muss ohne mich Essen, Baden, ...

Grüße
Engrid
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Beitragvon Sheila0505 » 02.04.2018, 15:59

Hi, ich würde an deiner Stelle fachliche Beratung einholen.
Auf die Schnelle habe ich bei Profamilia etwas gefunden:

https://www.profamilia.de/themen/sexual ... erung.html

Dort könntest du dich durch die Broschüren klicken. Laut Text findet man auch fachliche Beratung/Anlaufstellen explizit für betroffene Eltern.

Ansonsten sehe ich bei der Mediennutzung ein großes Gefahrenpotenzial. Sich als Freiwild anzubieten, zu chatten, Informationen freizugeben => da müsst ihr unbedingt hellhörig sein und euer Kind sensibilisieren. Die Frage bleibt: Wieviel versteht euer Kind? Ist es nicht in der Lage, sich selbst im www zu schützen bzw. nicht im Stande die akute Gefährdung durch "sexuelle Angebote" und "Freizügigkeit" zu begreifen, dann ist das www m.E. ein zu gefährlicher Ort.
Ein gewisses Maß an Kompetenzen bedarf das Surfen im Internet allemal, daher spricht man auch von Medienkompetenz und Medienerziehung. Kann ein Kind/Mensch ein Mindestmaß an Kompetenzen bzgl. des Eigenschutzes vor Gefahren nicht erlangen/begreifen und provoziert diese sogar aufgrund seiner kognitiven Beeinträchtigungen, dann muss die Nutzung begleitet und/oder die Nutzungsbefugnisse eingeschränkt werden. Dann muss die/der mündige Pflegeperson, Vormund, Betreuer die Verantwortung übernehmen und die nötigen Sicherungen zum Schutz des Beeinträchtigten schaffen, z.B. mithilfe von Kindersicherungen und/oder Begleitung beim Surfen.

Dass das Thema dein Kind beschäftigt, sollte freilich Gehör, Verständnis und offene Worte finden. Aber das Internet ist nunmal keine Spielwiese, sondern ein sehr gefährlicher Ort.

Liebe Grüße

LeonHB
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Beitragvon LeonHB » 02.04.2018, 17:50

Hallo,
wir kennen das zu Genüge. Auch unser Sohn hat FASD. Sex scheint sehr wichtig zu sein und die normale Hemmschwelle ist weit herabgesetzt. Bei uns ist es nicht beim reden darüber geblieben, sondern er hat an Orten an sich herumgespielt, wo es nicht geht. Also auch die Hose heruntergezogen im Auto, am Spielplatz, etc. Wir haben dann immer wieder gesagt, dass er das nur in seinem Zimmer darf, wenn er allein ist und auch nur, wenn die Tür zu ist. Es war zum verzweifeln. Wir haben dann nach einer Weile, wo es nicht besser wurde, ihn im Auto wieder in den Reha-Kindersitz gesetzt. Mit 14. Da war ein großer Tisch davor und herumspielen ging dann nicht. Ich bin bei 150 km/h ershrocken, dass er hinter mir saß und mit heruntergelassener Hose ona.. Zum Glück hat es wohl niemand gesehen, was hätten derjenige gedacht? Auch das herumspielen am Spielplatz ging garnicht. Jede andere Mutter läuft mit ihren Kindern schreiend davon, wenn so ein Bengel aus dem Gebüsch kommt. Er hätte anderen nichts getan, aber es sah ggf. so aus. Es gab dann in Absprache mit der LH vorübergehend eine Windel und Bodypflicht Tag und Nacht, so dass er sich nicht allein ausziehen konnte. Die Inkontinenz war zeitweise immer noch ein Thema und so war es dann nicht ganz an den Haaren herbeigezogen. Er bekam aber Zeit, wo er sich ganz alleine in seinem Zimmer nackig mit sich beschäftigen konnte. Doch nach dem Duschen gabs wieder Overalls samt Windeln an. Sogar gefütterte Fäustlinge bekamen wir, weil er durch die Windel sonst stundenlang/nächtelang drückte,knetete. So was bringt alle in der Familie an der Rand der Verzweiflung.
Es gab auch die Ansage, dass er dann nicht mehr bei uns wohnen könne. Die anderen Geschwister würden völlig geoutet und gemieden durch sein Verhalten. Niemand würde mehr zum spielen kommen dürfen.
Es gab also die klare Ansage. Es gab Zeiten, in denen er sich mit sich selber beschäftigen konnte. Wir mußten ihm das sagen: jetzt geht es und dann ist Schluß!
Dazu gab es viel Kontrolle, wie Autositz, Pflege-Kleidung und so weiter...und immer wieder reden.
Er hat es dann nach ca. einem Jahr verstanden, bzw. sein Verhalten geändert. Wir hätten es nicht gedacht. Mittlerweileist es kein Thema mehr. Er geht in sein Zimmer und schließt die Tür. Wir klopfen an und es funktioniert. Alles andere hälst du auch nicht auf Dauer aus. Wenn es bei Euch Gerede darüber ist, dann würde ich das nicht ignorieren. Spreche zuhause zu bestimmten Zeiten mit ihr darüber und dann hat das Thema Pause. Anderwo sowieso. Sonst verfestigt sich dieses Verhalten und es will keiner. Das Interesse ist ja normal. Du mußt bei FASD leider immer steuern, Gas geben tun die Kids alleine und zuviel...

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Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 02.04.2018, 19:01

Hallo Pauli,
ich würde mit ihr versuchen, dass ihr Zimmer ihr Reich ist. Wo sie dann auch frei leben kann.
Aushalb ihrem Zimmer klare Regeln. Das sie immer Hauskleidung trägt und vorallem das Thema nicht dauern anspricht.

Sonst wirklich die Zeit arbeiten lassen.

Ich weis ich könnte dir nicht viel weiterhelfen.

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul


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