Echolalie und Pronominalumkehr bei Kind von 2,5 Jahren

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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AnnaMB
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Beitragvon AnnaMB » 02.04.2018, 09:05

Ich danke euch ganz herzlich für eure Antworten! Das ist sehr sehr wertvoll und hilfreich für mich. Ich habe momentan leider das Gefühl, dass ich meinem Sohn kaum noch unbefangen begegnen kann und ihn auch mehr oder minder unbewusst unter Druck setze. Vor allem dir, Lisa, möchte ich ganz herzlich für deinen Beitrag danken, und zwar besonders auch für den unter Lenes Beitrag. Ich bin zurzeit wirklich angstgetrieben, weil ich mit der Unsicherheit nicht gut umgehen kann. Leider hat mich die Aussage der Kitaleitung wirklich nachhaltig verunsichert. Und wenn der Erzieher mir dann beim Abholen auf dem Flur noch die Info mitgibt, dass mein Sohn an den Lichtschaltern gespielt hätte, ist das nicht gerade beruhigend. Fast als müsste man jetzt was Autistisches an ihm suchen. Das merke ich an mir selbst ja auch... Er spielt zB auch noch eher allein bzw neben anderen her, und er kann teilweise richtig in einem Spiel "versinken". Aber er ist beim Morgenkreis in der Kita voll dabei, singt und tanzt, und er ist normalerweise in ständiger Interaktion mit seiner Umwelt.

Ich glaube momentan eigentlich eher, dass er seine Sprache eben einfach noch nicht so gut einsetzen kann, wie seine Umwelt das von ihm erwartet. Ob das nur an den Ohren liegt oder mehr dahintersteckt, weiß ich nicht. Gestern Nacht hat er furchtbar schlecht geschlafen (was fast nie vorkommt), und ich hab ihn mit in unser Bett genommen. Ich bin irgendwann davon aufgewacht, dass er unglaublich laut mit den Zähnen geknirscht hat, sowas hab ich noch nie gehört. Keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Er fummelt sich seit ein paar Tagen auch ganz auffällig im Mund rum, was er seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht hat. Die Zähne sind aber schon längst alle da.

Ich habe nun schon von vielen gehört, dass Kinder das mit dem Du und Ich nicht verstehen, und Largo habe ich lustigerweise gerade diese Woche auch noch mal gelesen. Er macht das ja auch nicht durchgehend, nach meinem Gefühl vor allem dann, wenn er keine eigenen Worte für das, was er sagen will, zu finden scheint. Sein Problem ist tatsächlich der fehlende Perspektivwechsel. Ob ich ihm dabei helfen kann und sollte?!? Kann es daran liegen, dass er insgesamt ein unglaublicher Nachahmer ist und immer schon war?

Das mit der verzögerten Echolalie habe ich hier gelesen: https://books.google.de/books?id=2_cjBg ... ie&f=false
Es ist allerdings nicht so, als würde mein Sohn das ständig machen oder immer wieder irgendwas vor sich hin sagen. Zwanghaft wirkt es erst recht nicht. Er will eigentlich mit allem, was er sagt, kommunizieren, nur dass es halt oft etwas merkwürdig und unbeholfen wirkt. Vor allem, weil er so gern alles richtig machen würde. Zudem glaube Ich, dass er momentan wieder sehr eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder ist und teilweise versucht, den nachzumachen und wieder Baby zu sein... Das Trockenwerden ist auch quasi vollständig gestoppt, obwohl er schon früh angefangen hatte, aufs Töpfchen zu gehen und zeitweise zumindest morgens und abends routiniert gegangen ist. Nicht dass ich es da sehr eilig hätte, aber das Gesamtpaket macht mir einfach große Sorgen gerade.

melly210
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Beitragvon melly210 » 02.04.2018, 15:19

Wenn er schlecht hört, kann ihn das auch einfach allgemein in der Entwicklung etwas langsamer machen, einfach weil eben manche Entwicklungsschritte dann eben schwieriger sind und es mehr Zeit braucht bis er sie meistert. Autistisch klingt es für mich wirklich nicht. Ich würde mal sein Hörproblem beheben lassen und sehen wie es dann ist. Er muß übrigens mit 2,5 wirklich noch nicht mit anderen Kindern spielen. Viele fangen da erst mit 3 so langsam an.

LenaMaxi
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Beitragvon LenaMaxi » 02.04.2018, 17:33

Hallo AnnaMB,

alles was du schreibst klingt für mich total normal.
Er spielt mal alleine, beteiligt sich aber auch in der Gruppe. Er entdeckt neue Dinge und erkundet sie (Lichtschalter). Er ist eifersüchtig, das ist doch gut. Wie würdest du dich denn fühlen, wenn ihm alles egal wäre?

Nimm bitte mal etwas den Druck raus, sonst belastest du dein Kind damit noch zusätzlich.

LG
Lena *1989 Tagträumerin
Maxi *08/2015 pränatater Schlaganfall (ICP), Krampfanfälle kurz nach der Geburt; dezente Hemi links, armbetont - ein kleiner Clown, der ohne Pause quasselt und alle verzaubert *sooo stolz*

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AnnaMB
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Beitragvon AnnaMB » 02.04.2018, 17:59

Hallo Anna,
für mich hört sich das ziemlich normal an. Mein Großer war genauso, beim "ich" und "du" hat er sehr lange gebraucht. Seine Schwester war da sehr viel schneller und hat es direkt richtig beherrscht- warscheinlich wegen dem Vorbild. Worte wiederholen haben beiden genauso gemacht, ebenfalls das "nicht" und "doch".
Den Rest den du geschrieben hast, kannst du auch mit meinen Großen vergleichen- beiden sind relativ schlaue gut entwickelte Kinder. ;))
Lg LovisAnnaLarsMama
Darf ich noch mal nachfragen: Hat dein Sohn dann auch Ich und Du vertauscht?

@LenaMaxi: Du hast Recht. Ich bin da zurzeit einfach viel zu emotional und angstgetrieben, um rational zu denken. Ich glaube auch, dass ich meinen armen Sohn unter Druck setze, und das muss definitiv aufhören. Ich gebe mir Mühe ;-) Danke für deine Einschätzung und die direkten Worte!

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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 02.04.2018, 21:41

Hallo Anna, mein großer Sohn hat auch bis 2,5 Jahre ich und du vertauscht. Er hat auch früh komplexere Sätze benutzt, sogar Vergangenheitsformen, aber von sich hat er immer als "du" gesprochen. Irgendwann hat sich das dann von allein reguliert. Seine kleinere Schwester hat sofort immer "ich" gesagt.
Der Kleinste spricht mit fast 2,5 Jahren nicht wirklich- dort ist immer noch "dadada" "lalala" und Fantasiesprache angesagt, Anreize um nachzusprechen hat er absolut selten. "Ja" und "nein" könnte er sagen- stattdessen nickt er lieber oder schüttelt den Kopf. Trotzdem denke ich auch, dass er sich genauso entwickelt wie die Großen - nur viel langsamer.
Also Kopf hoch und genieß dein Kind- er entwickelt sich völlig im Rahmen.
Lg LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

AnnaMB
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Beitragvon AnnaMB » 02.04.2018, 21:56

Ich hab grad noch was entdeckt, das mich ziemlich positiv stimmt und das meiner Meinung nach auf meinen Sohn zutrifft:

"Children between the ages of 1-2 years should be echoing or imitating you a lot. That’s how they are learning. However, by age two you should see them begin using their own utterances as well. You may see them continuing to imitate you or use echolalia when you ask a complex question or when you’re giving directions but they should also be using a lot of their own utterances as well. A 2-year-old shouldn’t be only using imitated speech to talk.

By three years of age, you should see pretty minimal echolalia. 3-year-olds should be creating their own simple sentences to communicate with the world around them. You may still see a little echolalia here and there but the child’s speech should be predominantly their own thoughts.

Delayed echolalia (such as quoting movies or tv shows) is used by many children but relying on it too heavily can be a problem. You may hear movie lines or tv show quotes as your preschooler plays because he is acting out and rehearsing certain scenes that he liked. That’s ok! However, if your preschooler seems to be stuck on one scene or quote and repeats it over and over again, there may be a problem." (Quelle: https://www.speechandlanguagekids.com/e ... t-you-say/)

Vielleicht red ich's mir jetzt auch schön ;-) Aber mein Sohn spricht ja durchaus auch schon viel "aus sich heraus", er beobachtet alles ganz genau und erzählt die ganze Zeit, was um ihn herum passiert. Und dass er falsche Vergangenheitsformen wie "genehmt", "gewerft" und so benutzt, spricht aus meiner Sicht als Laie absolut dafür, dass er selbst Sprache anwendet, oder?! Er scheint immer dann zu echolalieren, wenn er etwas nicht (richtig) versteht, wenn er ein Wort noch nicht kennt oder aber in diesen typischen "Du/Ich"-Situationen. Wobei er sich selbst nicht durchgehend als "Du" bezeichnet, sondern oft auch noch die 3. Person benutzt. Und gaaaanz manchmal, wenn er eher so vor sich hinplappert, sagt er sowas wie "Hol ich noch den Bus" oder so.

@LovisAnnaLarsMama: Danke für deine Antwort! Hört sich tatsächlich ähnlich an :-) Bin mal gespannt, ob es bald Klick macht bei meinem Sohn und was der Arzt am Donnerstag sagt.

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 03.04.2018, 08:57

Hallo AnnaMB,

es wird Dir niemand seriös sagen können, ob du dir war "schön redest". Tatsache ist: etliche Eltern, wo die Entwicklung der Kinder nicht ganz lehrbuchmäßig verläuft, machen sich Sorgen, dass "was nicht stimmt".

Warum jetzt plötzlich häufiger Autismus als Ursache vermutet wird, weiß ich nicht. Ich vermute mal, weil darüber jetzt medial mehr berichtet wird als früher, wo die meisten Autismus maximal von "Rain Men" kannten.

Fakt ist aber auch, dass der überwiegende Großteil der Kinder dann doch ganz normal sprechen lernt und keine bleibende Störung hat. Aber hier im Forum tummeln sich - grub eingeteilt - nur zwei Sorten Eltern: die einen, die noch junge Kinder haben, und sich Sorgen machen, und die anderen, die schon fix von den Besonderheiten ihrer Kinder wissen. Und auch diese haben sich irgendwann mal, wenn die Kinder 2,3, 4 oder 5 Jahre alt waren, Sorgen gemacht.Von der Warte ist hier sehr wahrscheinlich, auf Eltern zu stoßen, die dann sagen "Jaaaah, bei meinem Kind war es genauso und jetzt wissen wir, dass es diese oder jene Behinderung hat!"

Das wirft mMn ein falsches Bild auf die Situation. Die tausenden Eltern, die irgendwann mal hier geschrieben haben, und deren Ängste sich nicht bestätigt haben, sind längst nicht mehr hier im Forum. Die haben die ganz normalen Eltern-Kind-Sorgen mit Zimmer-aufräumen, Hausübung machen, Schulstreß und Meinungsverschiedenheiten.

Es belastet die ganze Familie, wenn sich Eltern immer wieder Sorgen machen, was IRGENDWANN einmal vielleicht sein KÖNNTE. Nicht, weil es nicht eintreffen wird, sondern weil eben niemand seriös versichern kann, dass es NICHT eintrifft.

Spätestens wenn das Kind mal in die Schule geht, fragt niemand mehr, mit welchem Alter es "ich" und "du" nicht mehr verwechselt hat. Dann interessiert auch niemanden, ob es mit 2 oder 5 Jahren Tag und Nacht "trocken" war :wink: !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon RikemitSohn » 03.04.2018, 11:06

Hallo Anna,

ich möchte dir einen Tipp unabhängig von Autismus geben. Du sagst, daß du sehr angstgetrieben bist und ich würde an deiner Stelle dieses Hauptproblem angehen. Du kannst dein Kind untersuchen lassen und wirst erst einmal beruhigt sein. Aber es kann gut sein, daß du bei der nächsten Unstimmigkeit in der Entwicklung wieder Ängste entwickelst. Wenn einen die Angst treibt, kann man immer etwas entdecken, denn Kinder sind sehr verschieden und jedes Kind hat irgendwo Defizite, die aber nicht unbedingt krankhaft sind. Hat dein Sohn doch irgendwo behandlungsbedürftige Schwierigkeiten, wirst du es ohne Angst viel besser erkennen und differenzieren können.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

rena99
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Beitragvon rena99 » 03.04.2018, 11:16

Hallo Anna,

auch ich muss zugeben, dass ich an deinen Beschreibungen für das Alter deines Sohnes nichts ungewöhnliches finden kann. Jedes Kind ist ein Individuum. Zwar gibt es ein "mittleres Verhalten", aber die davon normalen Abweichungen sind in dem Alter noch ganz erheblich.

Du musst ein wenig aufpassen, dass du nicht in eine "self fulfilling prophecy" gerätst. Sicher ist es richtig, auf die Entwicklung des Kindes gut zu achten. Aber wenn du das fast mikroskopisch genau tust, dann überträgt sich deine Unsicherheit auch auf dein Kind. Kinder haben sehr feine Antennen für die Ängste ihrer Bezugspersonen. Und so können Ängste der Erwachsenen auch Ursache für Störungen beim Kind werden.

Schau mit Freude auf die Entwicklung, die er nimmt. Berücksichtige dabei, dass Kinder in dem Alter sich in Sprüngen entwicklen, d.h. zwischendurch scheint es, als würde gar nichts voran gehen und dann haben sie einen Schub.

Es gibt kein "Normkind", auch wenn einem das manchmal suggeriert wird. Ja, es ist richtig, sich zu kümmern, aber aus allen deinen Beiträgen spricht so viel auch unbegründete Sorge, dass ich mich frage, wer dich darin unterstützen kann, etws sicherer zu werden in der Beurteilung. Gerade beim ersten Kind ist das ja schwierig. Kennst du andere Mütter mit Kindern im Alter deines Sohnes, die bereits ältere Kinder haben? Mir hat deren Einschätzung sehr geholfen.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

AnnaMB
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Beitragvon AnnaMB » 05.04.2018, 12:05

Danke für eure ehrlichen Antworten. Ihr habt völlig Recht, und ich habe bereits angefangen, dieses Problem anzugehen, indem ich bei einer psychologischen Familienberatung war. Dort wird mir nun geholfen, besser mit diesen Ängsten umzugehen und meine Familie nicht unnötig zu belasten. Komischerweise habe ich diese Ängste nur bei meinem Erstgeborenen, beim Kleinen bin ich viel gelassener. Heute haben wir dann den Termin beim Kinderarzt, und ich möchte auch gerne noch mal mit der Kita sprechen, denn die haben, wenn auch sicher ungewollt, meine Ängste sicher noch verstärkt.


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