Früher (!) Schriftspracherwerb bei Gehörlosigkeit

Hier könnt ihr euch über Hör- und Sehbehinderung austauschen.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 30.03.2018, 08:25

Mir wurde damals vom Spezialisten erklärt das es von Vorteil ist so früh wie möglich eine einseitige starke Schwerhörigkeit mit Hörli zu behandeln. Lorenz hat das Hörgerät seit er 6 Monate ist und akzeptiert es sehr gut. Wenn die Batterien aus sind gibt er mir das Gerät oder zeigt auf sein Ohr.
Sein Sprachverständnis und das Richtungshören sind sehr gut darum glaube ich das es gut funktioniert (natürlich machen wir auch regelm. Hörüberprüfungen).
Ein Implantat ist für uns derzeit kein Thema.
So, wie du das beschreibst, ist ein Implantat tatsächlich kein Thema. Dein Sohn hört insgesamt mit den momentanen Versorgung gut. Außerdem bekommt er mit, wenn sein Horchi (weil die Batterie leer ist) nicht mehr funktioniert, sprich: er merkt der Unterschied und WILL gut hören.

Ich kenne das Prozedere vor, während und nach einer Implantation und das würde ich niemanden empfehlen, wenn nicht dadurch eine wirklich DEUTLICHE Besserung der Lebensqualität (in dem Fall: durch das Hörvermögen) in Aussicht steht.
Gebärden machen wir seit 2 Jahren. Leider sind Lorenz motorische Probleme nicht nur im Mundbereich sondern auch in den Armen recht ausgeprägt. Er gebärdert aber es war nach einigen Monaten deutlich das er sich mit komplexen Zeichen wo zB einzelne Finger verwendert werden sehr schwer tut. Er verbessert sich zwar stetig in seiner Feinmotorik aber ob das einmal "ausreicht" um sich "richtig" mit Gebärden zu verständigen wissen wir nicht - trotzdem gebärden wir tgl. und Lorenz benützt viele einfache Zeichen auch aktiv.
Ich dachte auch lange Zeit, Alexander (komplett gehörlos, beidseitig CI-implantiert, Horchi-Verweigerer) würde vielleicht "nie" richtig gebärden lernen. Doch nach und nach stellte sich heraus, dass die Probleme bei ihm nicht die Feinmotorik betreffen, sondern die Aufmerksamkeit und den Blickkontakt.

Er gebärdet jetzt, mit 5 1/2 Jahren, immer noch nicht altersgemäß, aber wir haben immerhin eine vollwertige Sprache :) .Und es geht schneller und mit weniger Aufwand als UK übers I-Pad.

Nur zum Mut-machen und nicht-aufgeben :wink: !


Das Programm werde ich mir mal anschauen. Wenn ich ihm ein "neues" Wort zeigen will, dann hat er oft kein Interesse und will lieber seine Lieblingswörter schreiben.

Bei seinen Sprechversuchen habe ich das Gefühl das er schon gerne will aber eben das Benützen des Mundes ihm sehr schwer fällt. Wenn ich MUHHH sage dann sagt er MMMMM (sehr gepresst) bei I-AH macht er A-AH. Leider läßt er sich sehr ungern im Gesichtsbereich berühren...
Alexander profitiert sehr von bildlichen Darstellungen in Kombination mit den Wörtern. Er hatte auch immer wieder Phasen, wo ich bestimmte Wörter buchstabieren musste, damit er sie sich einprägen kann.

Eines seiner Lieblingsspiele bei seiner "Urli" ist ein uraltes Wort-Legespiel, wo man so rote und schwarze Buchstaben-Steine zu Wörtern ineinander verhaken kann (ähnlich wie bei Kreuzworträtseln). Das Spiel heißt "Typ DOM" und man kann es gebraucht über ebay oder willhaben bestellen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Kaja
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Beitragvon Kaja » 30.03.2018, 20:45

Hallo Angie,

unser Sohn hat auch gute Erfahrung mit dem sehr frühen Kontakt zur Schriftsprache gemacht. Bei ihm wurde ja leider erst nach dem 3. Geburtstag die hochgradige Schwerhörigkeit diagnostiziert (vorher hatten die Ärzte eine Vielzahl von "Erklärungen", warum das dreijährige Kind noch kein verständliches Wort spricht).

Neben der Versorgung mit Hörgeräten wollte ich es unserem Kind ermöglichen, eine gewisse Gebärdensprachkompetenz zu erwerben und habe "Tommys Gebärdenwelt" besorgt. Das Kind war begeistert und lernte ganz schnell ganz viele Gebärden - setzte sie aber nicht als Kommunikationsmittel ein (insbesondere, weil jeglicher Blickkontakt zum Gesprächspartner vermeiden wurde), sondern nur, wenn es uns auch mit ganz viel Phantasie nicht möglich war, aus seinen Lautkombinationen das richtige Wort zu erraten - die Gebärde schaffte sofort Klarheit.

Ein unerwarteter Nebeneffekt des Programms war aber das frühe Erlernen des Lesens - unter jeder Gebärde steht ja auch das geschriebene Wort. Das wurde - als Wortbild - "abgespeichert" und überall wiedererkannt.

Nachdem der Test-Talker nicht als Kommunikationshilfsmittel, sondern nur als wunderschönes Spielzeug benutzt wurde, mit dem man ein Wort zusammenhanglos unendlich oft wiederholen lassen konnte, sind wir auf selbstgebastelte Karten umgestiegen, die die wesentlichen Sätze in Textform beinhalteten. Zielsicher wählte unser Sohn dann die richtige Antwortkarte aus und präsentierte sie dem Gesprächspartner - und das deutlich vor der Einschulung. Dafür war das frühe Lesenlernen unabdingbar.

Viele Grüße Kaja

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 30.03.2018, 22:05

Hallo Kaja,
das klingt intressant.
Rein interessemäßig: Kann dein Sohn jetzt Höreize normal verarbeiten? Ich habe bei Bene das Gefühl, dass er manche Worte stereotyp tippt (und auch Metatalk so genutzt) hat um den Klang auditiv zu erfassen ...
LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Patricia.S
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Beitragvon Patricia.S » 31.03.2018, 00:07

Hallo,

>Lisaneu: Ich habe auch den Eindruck das die Kombi Bild/Schrift gut funktioniert. Neulich haben wir auf Metatalk über Ostern geredet und ein paar Minuten später hat er auf der Tastatur OSTRN geschrieben. Bei Überschriften zeigt er gerne auf die einzelnen Buchstaben und ich muss buchstabieren bzw. habe ich mehrere Wochen lang tlg. das ABC Poster ablesen müssen.
Danke für deinen Zuspruch :D
Lorenz 6/2014 - Hirnstammhypoplasie mit rumpfbetonter Hypotonie, Facialisparese, Taub li. mit Hörgerätversorgung, Hornhauttrübung li. Auge, Sprachentwicklungstörung

Kaja
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Beitragvon Kaja » 31.03.2018, 21:39

Hallo Angie
Kann dein Sohn jetzt Höreize normal verarbeiten? Ich habe bei Bene das Gefühl, dass er manche Worte stereotyp tippt (und auch Metatalk so genutzt) hat um den Klang auditiv zu erfassen ...
,
für uns passte das Anhören des immer selben Wortes vom Talker zu den damals vorherrschenden Stereotypen: Tür auf, Tür zu; Licht an, Licht aus - das ging damals stundenlang und ohne eine wirkliche Möglichkeit der Unterbrechung. Warum also nicht das immer selbe Wort unzählige Male anhören?

Auch heute haben wir noch solche Phasen - bei weitem aber nicht mehr so intensiv. Da wird eine Sprachnachricht eines Mitschülers schon gefühlte 200 Mal angehört, ohne dass sich das aufgrund des Inhalts oder der (Un-) Verständlichkeit der Aussprache (da holt der mich dann als "Dolmetscher") aufdrängen würde.

Viele Grüße Kaja

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 31.03.2018, 22:35

Hallo Kaja,
ich würde das eigentlich auch eher als Stereotypien einordnen. Und die Sache mit den Sprachnachrichten (seinen eigenen) erleben wir hier phasenweise auch noch. Neuerdings kommt er zum Teil sogar selbst drauf, wenn er in einer Stereotypie fest hängt (und das Gegenüber unwillig wird) und tippt "ipad ein paar Minuten weg" , weil ich ab und zu in stetreoypen Situationen tippe: "Ich packe das ipad jetzt ein paar Minuten weg, damit du auf andere Gedanken kommst ..."
Trotzdem bleibt eine Restunsicherheit, ob er, zumindest aus unbekannten Worten, nicht doch auch auditiven Input zieht. Aber, das hat, wie mir gerade :oops: auffällt, tatsächlich wohl doch eine andere Qualität. Wenn ich im helfe, ein neues Wort zu versprachlichen, dass er sich nicht erhören kann, dann löscht er das Wort sofort wieder und tippt es ein bis zweimal wieder aus dem Gedächtnis (und hört es sich dabei an).
Dauernd getippt werden eigentlich nur Bedürfnisse: Auto/Bus/ Bahn fahren, Musik hören, DVDs/Fotos anschauen ...

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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