wann mit Vorbereitung auf betreutes Wohnen anfangen?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Sabine_T
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Beitragvon Sabine_T » 22.03.2018, 14:34

Entschuldigung, wieder was gelernt mit WfMB.
ABW ist ambulant betreutes Wohnen.
@Engrid, gute Idee erst mal zu sortieren:
Soweit ich weiß ist beim betreuten Wohnen immer ein Betreuer vor Ort, beim ambulant betreuten Wohnen kommen die Betreuer nur bei Bedarf stundenweise ins Haus.
Wobei man beim ABW wohl noch unterscheidet, ob die Menschen sich selber irgendwo auf dem freien Markt eine Wohnung suchen und dann betreut werden, ähnlich wie die privaten Krankenpflegedienste dies leisten, oder ob die Einrichtung die das ABW anbietet dann das Haus/Wohnung auch stellt.
Inklusives Wohnen kannte ich zwar schon, aber die Variante mit Studenten auch noch nicht, weiß nicht Katha, ob das was für deine Tochter ist? Ich denke sie braucht mehr Unterstüzung.
Ich habe gerade mal etwas gegoogelt nach inklusiven Wohnen und kam dann zufällig in Berlin auf "Zukunftssicherung Berlin e.V". Vielleicht passt das ja?

Danke für das Angebot der Liste, wir wohnen aber nicht in Berlin, außerdem weiß ich nicht, ob ich mich jetzt wieder verunsichern lassen will. Wir probieren jetzt erst mal das aus, was wir gewählt haben.

LG Sabine
Sabine mit Kevin *1994 Down Syndrom und Daniel, *1992 abgeklungene Depression, nichtorganische Harninkontinenz, seit 2015 ASS Diagnose (Asperger) .
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Sigrid Zas
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Beitragvon Sigrid Zas » 22.03.2018, 14:46

Hi

Da wir in Berlin wohnen wären wir an der Liste interessiert.
Ich bin gedanklich eigentlich noch nicht soweit über den Auszug der Lütten nachzudenken, aber wahrscheinlich habt ihr recht und man sollte schon mal mit dem sondieren anfangen.

LG sigrid
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Inge
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Beitragvon Inge » 22.03.2018, 20:41

Engrid hat geschrieben:(Ambulant) betreutes Wohnen meint ein selbständiges Wohnen in Einzelwohnungen oder WGs, wo Betreuer ambulant vorbeikommen.


Nein :P
Auch die Konzeption für unsere WG beruht auf einer ambulanten Betreuung, jedoch mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Ambulant betreut bedeutet ausschließlich die rechtliche Form der Wohnmöglichkeit - das Gegenteil ist eine stationäre Einrichtung.

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitragvon Engrid » 22.03.2018, 21:31

Oh, dann lag ich da falsch, sorry! Inge, danke fürs Aufklären!

... und ich drücke fest die Daumen, dass euer Wohnprojekt jetzt bald in trockene Tücher kommt, dass die Bürokratie endlich mal einschwenkt!!!!
Engrid
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Beitragvon Rob » 22.03.2018, 23:53

Hallo, in die Runde.

Das mit den Abkürzungen ist schon spannend. In Hamburg gibt es Wohnassistenz (WA), pädagogisch betreutes Wohnen (PBW), Ambulante Wohngemeinschaften (AWG) und das "klassisch" stationäre Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung. Es gibt auch noch andere Leistungsarten, aber das nur am Rande.

WA und PBW sind in der Regel stundenweise Assistenzleistungen. Es gab eine Zeit, da konnten Menschen, die für sich (oder mit einem Partner) in einer Wohnung leben wollten, in den ersten zwei Jahren PBW-Leistungen in Anspruch nehmen. Bewilligt wurden 10 bis 12 Stunden wöchentlich die Betreuung durch eine Fachkraft (d.h. mit 3jähriger Fach-Ausbildung). In diesen ersten beiden Jahren gab es dann aber auch immer Versuche seitens der Behörde, die Betreuungszeiten auf "übliche" 8 bis 10 Stunden zu reduzieren. Und nach den zwei Jahren wurden nur noch WA-Leistungen bewilligt (d.h. Leistungserbringung durch jemanden mit max. 2jähriger Helfer-Ausbildung). Die Behörde behauptete zwar, dass die Leistungserbringung qualitativ gut sei, so hatten sich die Leistungserbringer verpflichtet, weil aber die Stundensätze unter den Personalkosten lagen, wurden dann Nichtfachkräfte eingesetzt.

Man sollte sich als Eltern hier sehr kundig machen, weil solche Betreuungsmodelle nicht immer das sind, was "drauf" steht.

AWG kann auch eine Leistung nach Stundensätzen sein, doch in Hamburg hat sich eine "Pauschallösung" herausgebildet, die im Prinzip vergleichbar ist mit dem Leistungsmodell klassisch stationär: Es wird eine immer gleiche Monatspauschale gezahlt, die in der Höhe differenziert ist nach dem Hilfebedarf (d.h. Hilfeempfängergruppe, Leistungsstufe o.ä.). Weil aber bei AWG der Bewohner "Hauptmieter" einer Wohnung ist, muss der Leistungserbringer sich mit dem leistungsberechtigten Menschen verabreden und zu ihm kommen. Bei der stationären Leistungserbringung ist "fast immer" eine Betreuungskraft präsent. Für einen behinderten Menschen, der eigentlich immer einen Bezug braucht, sicherlich eine gute Lösung. Doch es gibt auch Kritik an dieser Leistungsform.

Darum muss man sehr genau beobachten und hinterfragen (z.B. was sind Einzeldienste, müssen die Kühlschränke abgeschlossen werden, machen alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit Pause?).

Stationäre Wohnplätze sind begrenzt, ambulant betreutes Wohnen könnte leichter bewerkstelligt werden.

Wenn der Unterstützungsbedarf sehr groß ist, kann man den Kontakt zu verschiedenen Anbietern frühzeitig suchen und sich bei verschiedenen Verbänden einmal beraten lassen; z.B. Lebenshilfe, Diakonie, Caritas, AWO. Einrichtungsleitungen können sehr viele Praxis-Tipps geben, Verbandsmitarbeiter haben vielleicht ein paar Tipps zu Fragen rund um das Betreuungsrecht. Einen Landesbeauftragten für behinderte Menschen zu kontaktieren, ist meiner Ansicht nach eine sehr gute Hilfe. Letztlich muss aber ein Antrag beim Leistungsträger für Eingliederungshilfe gestellt werden (vielleicht jetzt noch der Sozialhilfeträger). Auch dort bekommt man Kontaktadressen benannt, und in der Not sogar einen schnellen Wohnplatz.

Wohnen wird aber nur eine Problemstellung sein. Wird das Kind später eine WfbM (Werkstatt...) als Arbeitsstätte aufsuchen? Kann es vielleicht eine Ausbildung erhalten? Oder werden die Teilhabeleistungen von einer Tagesförderstätte erbracht? Weil die Bewilligung durch den Eingliederungshilfeträger kommt, ist dieser im Endeffekt die erste Anlaufstelle.

Wie gesagt, das sind jetzt Erfahrungen aus der Großstadt Hamburg. Soweit ich weiß, sind es in Berlin etwa 10 Hilfebedarfsgruppen bzw. Leistungsstufen. In Hamburg hat man dagegen 4 und 6 Gruppen.

Weil dank des BTHG jetzt eine Reform der Eingliederungshilfe passiert, wird man immer mit dem GRUSI (Grundsicherungsamt) zu tun haben, weil die für die Grundsicherungsleistungen zuständig sind, und mit dem Fachamt Eingliederungshilfe, weil die für die Maßnahmen / Fachleistungen zuständig sind.

Alles Gute.

Sabine_T
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Beitragvon Sabine_T » 23.03.2018, 11:07

Hallo in die Runde,

danke Rob für die Beschreibung. Ist aber leider nur in Hamburg so geregelt.
Schade dass es für diese Dinge keine bundeseinheitliche Regelung gibt.

LG Sabine
Sabine mit Kevin *1994 Down Syndrom und Daniel, *1992 abgeklungene Depression, nichtorganische Harninkontinenz, seit 2015 ASS Diagnose (Asperger) .

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