Erwachsenes pflegebedürftiges Kind krank - was dann?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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pustinka
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Erwachsenes pflegebedürftiges Kind krank - was dann?

Beitragvon pustinka » 08.03.2018, 13:04

Hallo an Alle,

wie macht ihr das wenn das erwachsene Kind mit Pflegestufe erkrankt nicht in die WfbM kann und kurzfristig keine andere Betreuungsmöglichkeit besteht, man selber aber zur Arbeit muss?

Die Krankenkasse meint, es bleibt nur die Möglichkeit sich selbst krankschreiben zu lassen, stimmt das?

Liebe Grüße
Inka Pust
Andre Jahrgang 98 mittelgradige geistige Behinderung und Muskelhypotonie,
Mama Jahrgang 71 und im medizinischen Labor tätig,
Schwester Malina Jahrgang 01 Legasthenie
und der Papa ist Kraftfahrer Jahrgang 67

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maritatina
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Beitragvon maritatina » 08.03.2018, 16:36

Hallo.sowas machen wir auch oft.nur das eigentlich keiner hier arbeitet.aber das ist halt die einzigste Möglichkeit.inka würde ich so halt machen .wenn Mann guten Hausarzt hat wie wir dann geht's auch.
lg Marita
Tina 8.4.94 Frühk.Hirnschädigung mit CP,MC,Spastik,Epelepsie,rechts konvexe Kyphoskoliose,Sehb.(leichte)Störung der Blutg.Coxalgie,Hüftdysplasie
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Helena*
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Beitragvon Helena* » 08.03.2018, 18:00

Hallo Inka,
die Kasse irrt bzw. kennt die für sie verbindlichen gesetzlichen Vorgaben anscheinend nicht oder interpretiert etwas, was dort nicht steht.
Dein Kind bleibt ja weiterhin dein "Kind" auch wenn es volljährig ist. Im Gesetz ist eine Grenze bzw. Höchstalter von 12 Jahren festgeschrieben, die aber bei behinderten Menschen ausdrücklich nicht gilt. Es ist für diese Zielgruppe im Gesetz auch keine andere Grenze oder Höchstalter festgelegt. Also muss logischerweise das Gesetz daher weiterhin gelten.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__45.html

"Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) - Gesetzliche Krankenversicherung - (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)

§ 45 Krankengeld bei Erkrankung des Kindes
(1) Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich ist, daß sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben, eine andere in ihrem Haushalt lebende Person das Kind nicht beaufsichtigen, betreuen oder pflegen kann und das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist. § 10 Abs. 4 und § 44 Absatz 2 gelten.[...]"

LG, helena

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Beitragvon InesSi » 08.03.2018, 18:04

Hallo,

Ich dachte, die Kind krank-tage bekommt man, wenn das Kind behindert ist, auch wenn es älter ist als 12? Muss es dafür zwingend zu hause wohnen?
DA bin ich jetzt auch gespannt.

Lg
Ines (*73) Eineiige Zwillinge Pia (* 05/2006 in der 37.SSW, Sauerstoffmangel durch Thrombose in der 25.SSW) Jana (+25.SSW)
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Beitragvon GabySP » 08.03.2018, 19:21

Hallo zusammen,

m.E. wird das „Kind“ mit Vollendung des 18.LJ zum Erwachsenen, unabhängig vom Vorliegen einer Behinderung und fällt dann nicht mehr unter §45(1). Aber die Juristen unter uns können da sicher eine fundierte Auskunft geben.

Aber, Inka, deine KK hat dir allen Ernstes dazu geraten, dich selbst krank schreiben zu lassen? Unglaublich!!! Ich weiß, dass dies teilweise die einzige Möglichkeit für viele hier ist, aber man sollte wissen, dass dies tatsächlich eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung ist und somit den AG zur Kündigung berechtigt. Diese Empfehlung darf eine KK einfach nicht geben,

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

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Beitragvon pustinka » 08.03.2018, 19:27

Hallo Helena,

Danke für die Antwort.

Eine Frage habe ich noch, gibt es denn ärztlicherseits ein bestimmtes Formular das dann bei der Krankenkasse eingereicht werden kann für das Krankengeld oder reicht eine formlose Bescheinigung vom Arzt, das die Betreuung kein anderer übernehmen kann?

Andre müsste nach drei Tagen ja auch einen gelben Schein für die WfbM benötigen.

LG
Inka
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Beitragvon pustinka » 08.03.2018, 19:35

Hallo Gaby,

ja die Empfehlung haben sie telefonisch von der Pflegekasse gegeben, sonst wäre eben die Verhinderungspflege eine Möglichkeit, ad hoc habe ich aber niemanden für den ganzen Arbeitstag.

Also gilt für Andre der §45(1) doch nicht, weil er mein Kind aber 18 und Erwachsen ist, er ist ja auch pflichtversichert seitdem er im Eingangsbereich der WfbM ist und nicht mehr familienversichert, jetzt bin ich wieder verunsichert.

LG Inka
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Beitragvon Kaja » 08.03.2018, 21:32

Hallo Inka,

schau mal hier:

http://www.betanet.de/betanet/soziales_ ... d-220.html
Kind hat das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet oder ist behindert (ohne Altersbegrenzung)
http://www.aok-business.de/fachthemen/s ... ankengeld/
Die Krankenkasse zahlt Krankengeld, wenn das erkrankte Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat und keine andere im Haushalt lebende Person das Kind betreuen kann. Für behinderte Kinder gilt keine Altersgrenze.
Viele Grüße Kaja

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Beitragvon Jen2011 » 08.03.2018, 21:50

Hallo zusammen,

Die Frage nach der Altersgrenze sehe ich genau wie Ihr. Es wird keine in der Rechtsgrundlage genannt für Behinderte und auf Hilfe angewiesene Kinder.

Aber mE besteht das Problem, dass das Kind nicht in derselben GKV familienversichert ist.

Es bliebe aber zu prüfen, ob sich nicht aus anderen Rechtsgrundlagen ein Anspruch ergeben könnte. Inka: ist Dein AG ein privates medizinisches Labor oder etwa eine Einrichtung eines öffentlich- rechtlichen Dienstgebers? Falls letzteres zutrifft, bitte in der Personalabteilung mal nachfragen.

Was Gaby schrieb, zum Thema selbst - krankschreiben lassen, da kann ich nur beipflichten. Wenn so etwas herauskommt, gefährdet das das Bestehen des Arbeitsverhältnisses. Da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln.

Viele Grüße, Jen
Mein Sternenkind Justus, geb. 10/2011, verstorben 07/2012; schwere Asphyxie, Reanimation unmittelbar nach der Geburt, Epilepsie, HIE, Tetraparese.
Die Liebe bleibt.
& M., geb. 07/2015, & C., geb. 08/2017

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Beitragvon Kaja » 08.03.2018, 22:12

Hallo Jen,
Aber mE besteht das Problem, dass das Kind nicht in derselben GKV familienversichert ist.
es ist nicht Vorausetzung, dass beide (Elternteil und Kind) in der gleichen KK sind - beide müssen nur gesetzlich (und nicht privat) versichert sein:

https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__45.html
Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich ist, daß sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben,
https://www.sbk.org/beratung/leistungen ... ankengeld/
Sind beide Eltern gesetzlich versichert, jedoch in unterschiedlichen Krankenkassen, so zahlt die Krankenkasse der Betreuungsperson das Kinderkrankengeld, unabhängig davon, wo das Kind mitversichert ist.
Es bliebe aber zu prüfen, ob sich nicht aus anderen Rechtsgrundlagen ein Anspruch ergeben könnte.
§ 616 BGB

Viele Grüße Kaja


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