Sonderpädagogischer Förderbedarf (Schule) abgelehnt

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Jervis
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Sonderpädagogischer Förderbedarf (Schule) abgelehnt

Beitragvon Jervis » 25.01.2018, 14:37

Hallo in die Runde,

unsere Tochter, 5,5 Jahre , kommt im Sommer 2018 in die Schule (Regelschule) und hat seit ihrem Beginn in der Krippe/ Kita einen Inklusionsstatus.
Sie hat bis heute Schwierigkeiten in der Feinmotorik (Stifthaltung, Schneiden,Besteck halten etc) sowie An- und Ausziehen, Toilettengang allein etc.
Sie hat einen Pflegegrad 2.

Wir waren im Dezember zur Begutachtung für den Förderbedarf für die Schule.
Nun rief der Gutachter an und sagte, er werde keinen Förderberdaf attestieren, da zwar Einschränkungen sichtbar wären, aber die Behörde es eh nicht genehmigen würde.
O Ton des Gutachters: Ich hatte schon Kinder mit schlimmeren Einschränkungen hier, da ist auch nichts genehmigt worden.

Wir sind ehrlich gesagt baff und fragen uns wie der Lehrer die Hilfe für die alltäglichen Verrichtungen neben 23 weiteren Kindern in der Klasse leisten soll.
Sie wird vermutlich weder an den Pausen noch am Sportunterricht teilnehmen,d a sie es nicht schaffen wird sich zeitgerecht an- bzw auszuziehen ??? Toilette allein - geht nicht; Schulmittagessen durchgängig mit Besteck - eher nicht.

Bei der Begutachtung wurden die Dinge des Alltags ( An und Ausziehen, Essen, Toilette ) gar nicht in Betracht gezogen, stattdessen wurden BAllspiele, Hüpfen etc mit ihr gemacht.


Wir sind zu einem Termin geladen beim Gutachter, um das fertige (!) Gutachten zu unterschreiben, damit es dann an die Behörde geht.
Was können wir tun, um das Gutachten zu modifizieren,
jemand eine Idee ??

Danke für Eure Hilfe und Gruß
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

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Beitragvon IlonaN » 25.01.2018, 14:40

Wenn ich das überhaubt unterschreiben würde dann mit dem Zusatz das der lebenspracktische Bereich nicht berücksichtigt wurde und ein Widerspruch erfolgen wird.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 25.01.2018, 14:44

Hallo Jervis,

auf keinen Fall unterschreiben.
Dann würde ich mich mit dem Schulamt in Verbindung setzen und fragen, wie sie sich das konkret vorstellen. Ggf. mit dem Schulrat einen Termin machen und Kind mitnehmen.
Kennt die Schulleitung dein Kind? Wenn nicht, würde ich zusehen, dass du sie mit ins Boot bekommst.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon pegchen911980 » 25.01.2018, 14:45

Ich würde nichts unterschreiben, mit dem ich ein grundsätzliches Problem habe.

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 25.01.2018, 15:16

Hallo Jervis,

wie ist es denn bei Euch im Bundesland geregelt: Könnt Ihr einen Schulbegleiter bekommen ohne Förderbedarf oder ist das gekoppelt. Wenn es tatsächlich nur um alltagspraktischen Einschränkungen geht und sie sonst fit ist, wäre das vielleicht eine Option. Ich würde allerdings auch nichts unterschreiben, solange nicht mit der Schulleitung geklärt ist, unter welchen Voraussetzungen sie Eure Tochter beschulen würde.
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

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Beitragvon elke.theaterfisch » 25.01.2018, 15:16

Hi,
welches Bundesland seid ihr? Bei uns lief das ganz anders. Die Gutachterin wollte unserem Kind Förderbedarf attestieren. Auch Pflegegrad 2. Hat euer Kind Schwerbehinderung attestiert? Das könnte helfen. Bei unserem Kind ging es aber auch ohne. Helfen würde vielleicht, wenn ihr den Förderbedarf detailliert schriftlich schildert, bezogen auf den erwarteten Schulalltag. Ihr könnt einen individuellen Termin mit der Schulleitung machen, eine Begehung, um so abzukären, wo Förderbedarf sein könnte (Treppen etc ansehen, Wege in die Schulturnhalle, Umkleiden, etc.) Haben wir gemacht, und darauf bezogen Förerderbedarf aus unserer Sicht geschildert und der Gutachterin vorab gegeben. Das in aller Kürze von uns.
LG Elke
Elke + Mann mit Sohn früh geboren im Mai 2009, 29. Woche, 1200 g. Motorisch entwicklungsverzögert. Muskulär hypoton, schwache Bänder, Knick-Senk-Füße. Erste Schritte mit dreieinhalb Jahren. Trug jahrelang Unterschenkel-Orthesen und Ringorthesen. Seit zwei Jahren ohne Orthesen.

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Beitragvon Line86 » 25.01.2018, 15:44

Hallo,
ich würde das Gutachten nicht unterschreiben und mich an das zuständige Schulamt wenden.
Grüße Line
Ich habe selbst viele Besonderheiten (u.a. Psoriasis Arthritis, Asthma, z.n 20 Operationen) und Sonderpädagogin mit FS GENT/L im SBBZ KMENT

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Beitragvon NicoleWW » 25.01.2018, 16:52

Hallo,

wäre da nicht eine Schulbegleitung das Richtige ? Beim Förderstatus werden da nicht "nur" Förderstunden genehmigt und nicht die tägliche Hilfe beim An- und Ausziehen usw ?

Schulbegleitung bekommen bei uns (BW) auch ohne Förderstatus .

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
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J.E. (95, ADHS, E80.4)
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Beitragvon Sabine Kühl » 25.01.2018, 17:21

Hallo,
hat Deine Tocher einen Schwerbehindertenausweis? Eine Schwerbehinderung kann nicht als "nicht so schlimm" behandelt werden.
Wenn sie keinen hat, dann stelle zügig einen Antrag.
Bei PG2 besteht so vieleicht die Möglichkeit das Defizit anerkannt zu bekommen, denn den PG bekommt man ja nicht mal eben so.
Unterschreiben würde ich nix. Dann sind alle Chancen weg.

Viel Glück
Sabine
Sabine (1967) mit Mann und drei Jungs

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"Wenn nicht jetzt, wann sonst? Wenn nicht ich, wer sonst?"

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Beitragvon Oda. » 25.01.2018, 17:39

Hallo,
Verstehe ich es richtig, dass die Schule davon abrät, einen Förderbedarf zu attestieren? Bzw. kommt der Gutachter direkt von der Schule? Normalerweise hat die Schule ein großes Interesse daran, den Förderbedarf, sofern vorhanden, auch zu attestieren, da sie darüber (je nach Bundesland) mehr Gelder bekommen. Es sei denn, die Schule möchte deine Tochter nicht beschulen?
Für den Förderbedarf in der Schule ist eine medizinische Diagnose oder ein Schwerbehindertenausweis nicht zwingend.
Liebe Grüße


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