Unmotiviertheit bei Physiotherapie

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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MarinaH
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Beitragvon MarinaH » 05.02.2018, 08:20

Hallo!

Es gibt leider immer noch Therapeuten, die die normale Entwicklung auch bei Behinderten nachvollziehen wollen- warum das nicht geht, hat Raphael ja schon beschrieben. Viele ICP-Kinder können gar nicht krabbeln, weil die Beine immer wieder strecken. Drehen geht schon eher- wenn man denn genügend Schwung dafür holen kann. Wenn Dein Sohn so schwer betroffen ist, braucht er Hilfsmittel zum Stehen und Gehen- hat er einen Stehständer? Und einen Walker? Und werden die auch genutzt z.B. im Kindergarten? Habt ihr mal eine Reha gemacht? Dabei werden auch Hilfsmittel ausprobiert.

LG Marina
Kinderärztin im SPZ

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Jervis
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Beitragvon Jervis » 05.02.2018, 08:47

Hallo Sandra,

ich gehe nochmal auf das Thema Motivation zuhause ein.
Unsere Tochter hatte immer einen "Strauß" an Übungen, die es täglich zu hause zu üben galt.
Natürlich hat auch sie genau gewußt, welche Übungen leicht zu bewältigen und welche eher mühsam sind.
Wir haben allen Übungen bezeichnende Namen gegeben ( Krokodilgang, Hufschmied kommt zum Pferd -> je nach Interessenlage des Kindes findet sich da etwas)
Für alle Übungen haben wir mit ihr kleine bunte Karten gemalt (laminiert und Magnet hinten drauf geklebt) und gut sichtbar plaziert ( Kühlschrank, glatte Heizung etc)

Wir haben folgendes für sie erfunden:

Es galt immer drei Übungen im Block zu tun,
davon haben wir sie von den schweren , eine aussuchen lassen (sprich: welche von den dreien möchtest Du ?) und die 2 übrigen leichten durfte sie sowieso aussuchen.
Sie durfte auch die Reihenfolge bestimmen ( erst eine schwere oder erst die leichten, wie sie wollte)

Die, die sie gemacht hat, kamen oben an den Kühlschrank, die anderen blieben an ihrem Platz.
So hatten wir allle den Überblick, welche Übungen dran waren ( und welche wir noch etwas schmackhaft machen müssen :-)

Effekt ist, daß Kind darf mitbestimmen (!!) und sieht, was es getan hat und es lernt sich zu überlegen, wie gehe ich mit den unangenehmen Übungen um (gleich zuerst, oder erst alle anderen )

Natürlich gabs auch bei uns mal Gemaule und Tränen,
aber überwiegend hats geklappt.

Ich muß aber auch sagen,an Tagen, wo sie sehr erschöpft war von der Kita etc, haben wir Ihr auch mal eine Übung erlassen -> ABER : immmer nur eine leichte, so daß sie wußte, ok,umdie schwere/ mühsame komm ich nicht herum, die ist immmer da.

Ist nur eine Anregung wie es bei uns ganz gut klappt,
vielleicht ist etwas für Euch dabei.

ganz liebe Grüße und ich drück die Daumen , daß das Thema Physio bald nicht mehr so beschwerlich ist !!!

Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

sandraundsimon
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Beitragvon sandraundsimon » 05.02.2018, 09:47

Hallo Marina, ja wir haben Stehständer undTherapierad, Walker ist beantragt. Wird alles in der Schule genutzt. Reha hatten wir letztes Jahr, für dieses Jahr wurde die Reha leider abgelehnt.
Simon geb. 6/11, ICP, Sprachentwicklungsstörung, super süßer Grinsekater
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sandraundsimon
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Beitragvon sandraundsimon » 05.02.2018, 09:48

Hallo Jervis, das mit den Karten ist eine tolle Idee!! Das werde ich auch mal probieren!!
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UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 06.02.2018, 08:08

Hallo Sandra,

ich bin der Meinung, das die Therapiestunde von der Physiotherapeutin gestaltet wird. Was bedeutet, wenn Dein Sohn nicht motiviert ist, dann liegt das auch daran wie die Physiotherapeutin die Stunde durchführt. Ich verstehe die Reaktion der Physiotherapeutin so, das sie die Schuld an der Unmotiviertheit komplett bei Dir sucht, damit schiebt sie die Verantwortung dafür ab. Was dran ist, das Du Deinem Sohn gegenüber nicht energisch genug bist, kannst nur Du sagen, allerdings bist du dann nur dafür verantwortlich, was zuhause gemacht wird und nicht für die Therapiestunde selbst.
Ich habe ja weiter oben schon am Beispiel meines Sohnes geschrieben, wie unterschiedlich die Herangehensweise von Therapeuten sein kann. Die 2. Physiotherapeutin meinte stets mein Sohn hätte sich gefälligst für Stofftiere zu interessieren. Mein Sohn ist allerdings Autist und hat sich überhaupt nicht dafür interessiert. Mit den Blähtonkugeln der 3. Physiotherapeutin hat mein Sohn sich dann in der Stunde bewegungstechnisch verausgabt. Nach ein Paar Wochen waren auch Fortschritte zu sehen.
Deshalb bin ich auch der Meinung, das sich die Physiotherapeutin flexibel auf das Kind einstellen sollte. Sie sollte genau schauen, was er schon kann und was er gerne macht, um dann dort anzusetzen. Eure Physiotherapeutin ist einfach sehr unflexibel und im Enddeffekt hilft sie deinem Kind damit nicht oder hast du den Eindruck, das er Fortschritte macht?

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon sandraundsimon » 06.02.2018, 12:22

Hi Ursula,

nein, leider macht er keine Fortschritte mehr. Wenn ich mit ihm zu Hause auf den Ball gehe (den liebt er) verausgabt er sich auch völlig, weil es ihm so einen Spaß macht, darauf Halteübungen zu machen und zwischendurch ein bisschen drauf zu hüpfen. SO stelle ich mir Physiotherapie bei Kindern vor!!
Bei den Halteübungen wird er übrigens immer besser :D
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Beitragvon HeikoK » 06.02.2018, 12:42

Hallo Sandra,

das Problem ist denke ich, die Therapeutin hält sich sklavisch am Padovan Programm fest. Und im Körperprogramm wird der reguläre Ablauf nachvollzogen...daher erst rollen, kriechen etc.
Und leider ist es so, das manchmal Ansätze für Allheilmittel gesehen werden, sind sie meiner Ansicht nach aber nicht.
Ich versuche bei meinen Kids zu schauen, was für DIESES Kind passend ist. Und das kann mal Padovan sein, mal TAKTKIN, mal Zollinger und mal was weiß ich was (und manchmal, aber PSSSST, da mische ich sogar  8) :twisted: ) Wichtig ist, zu verstehen was man tut und warum....dann kann man auch die Augen mal etwas über den Tellerrand heben :wink:
LG und viel Glück bei der Suche nach einer flexibleren Therapeutin
PS: Allerdings bei einem muss ich ihr recht geben "Der kleine König" darf ruhig mal etwas tun. Aber ich finde das kann man auch positiv sehen.... Nicht..."mach das jetzt ...Du kannst das doch... " " sonder "Du darfst das jetzt mal selber machen, hui, das kannst Du auch schon? Kannst Du das etwa auch Alleine????  8) "
Logopäde
Sprachanbahnung, Fachtherapeut für kindliche Schluckstörungen

"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)

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Beitragvon sandraundsimon » 06.02.2018, 13:32

Lieber Heiko,

lieben Dank für deinen Beitrag! Du hast es genau erfasst, Padovan ist ihr Steckenpferd! Und sie hat scheinbar auch mit ihrer Methode schon viele Kinder erfolgreich therapiert, aber "der kleine König" ist halt nicht sehr "amused", dass er Padovan turnen soll. Von anderen Dingen lässt er sich durchaus begeistern!!
Und Danke für deinen Tipp mit dem "du darfst jetzt mal selber..", das Thema ist bei ihm nämlich ganz hoch im Kurs, er möchte eigentlich alles selber machen!
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Beitragvon sandraundsimon » 23.03.2018, 10:05

Hi ihr Lieben!

Ich darf euch freudig berichten, dass Simon einen neuen Therapeuten hat und riesigen Spaß beim Turnen!! Es ist so schön zu sehen, dass er sich auf "seinen" Marius freut und gerne zur Therapie geht.
Der Therapeut hat andere Therapieansätze als die Therapeutin vorher, er setzt auf Mobilisierung, Haltearbeit und Muskelaufbau! Und Simon darf zeigen was er kann!! :D
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IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 23.03.2018, 10:25

das ist ja super! da sieht man mal was Motivationskünste eines Therapeuten bewirken können. Ich freue mich riesig für den kleinen Mann und für dich :D
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.


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