Unmotiviertheit bei Physiotherapie

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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sandraundsimon
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Beitragvon sandraundsimon » 02.02.2018, 11:25

Hallo Katja,

ich verstehe, was du meinst...Und das ist nicht immer einfach...und jeder Tag ist anders. Mal ist Simon gut drauf, mal platt...ich muss dann gucken, was ich mit ihm machen kann und was nicht. Er ist auch sehr wechselhaft, mal darf ich Vojta machen, mal nicht! Aber das macht er inzwischen noch eher mit als Padovan. Ich kann nur hoffen, dass seine Therapeutin sich das Gespräch auch zu Herzen nimmt und ihm ein bisschen entgegen kommt. Ich habe inzwischen schon bei 3 Praxen im Umkraus angerufen und Absagen bekommen, weil sie keine Kinder mehr aufnehmen können. :(
Simon geb. 6/11, ICP, Sprachentwicklungsstörung, super süßer Grinsekater
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MarinaH
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Beitragvon MarinaH » 02.02.2018, 11:25

Hallo!

Du sagtest doch, Du bist während der Therapie nicht anwesend? Wie kannst Du dann für seine Abwehrhaltung verantwortlich sein? Den Schuh würde ich mir nicht anziehen! Natürlich kann es sein, dass man mal energisch werden muss in der Therapie, aber wenn der Junge sich so wehrt, sollte man es lassen.
Was mich stutzig macht: er will sitzen, stehen und laufen und soll in der Therapie nur liegen? Da wäre ich auch sauer. Warum werden seine Wünsche nicht unterstützt- wir wollen doch, dass er sich bewegt? Mir scheint, was ihr zuhause macht ist effektiver. Denkt mal über eine Pause oder einen Wechsel nach. Ein guter Therapeut ist flexibel.

LG Marina
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r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 02.02.2018, 11:42

Hallo

Ich denke das beide etwas recht haben. Einerseits sollte eine Kinderphysio in der Lage sein, das Programm spielerisch zu gestalten. Ansonsten ist sie dort fehl am Platz. Andererseits sollte man behinderte Kinder nicht mit Samthandschuhen anfassen. Damit tut man ihnen kein Gefallen.

Behinderte Kinder lernen relativ schnell, wie sie ihre Behinderung ausnutzen um bequemer ans Ziel zu kommen. Ob das bewusst oder unbewusst geschieht ist erst mal völlig egal. Gerade Eltern tappen immer wieder auf diese Falle herein. Man darf und soll Behinderte Kinder auch fördern. Sonst werden sie nie selbständig.

Dennoch glaube ich, dass ihr die Physio wechseln solltet. Mit Kindern muss man einfach anders arbeiten. Das Problem ist, dass durch schlechte Therapie oft Bewegung mit etwas Negativem assoziiert wird. Damit nimmt man einem Kind die natürliche Bewegungsfreude und das ist verheerend.

Ich denke eine Therapeutenwechsel ist wichtig. Aber vielleicht überdenkst du dir auch dein Schonverhalten gegenüber deinem Kind. Ich sag dir, habe ich manchmal meine Mutter dafür gehasst wenn sie etwas von mir Verlangte, dass mich viel mehr anstrengte als Nichtbehinderte. Heute bin ich es ihr dankbar, denn ohne diese Förderung könnte ich heute nicht alleine leben.

Gruss Raphael
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sandraundsimon
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Beitragvon sandraundsimon » 02.02.2018, 12:25

Hallo Marina, hallo Raphael,

stimmt, ich bin bei der Therapie nicht dabei. Aber sie behauptet, ich würde schon beim Verabschieden nicht bestimmt genug sein, so nach dem Motto "Jetzt wird gearbeitet, klar?!". So in etwa...
Sie gab zu, dass Simon im Liegen nicht turnen malg sondern immer stehen und laufen will. Und das unterbindet sie. Er soll erst die anderen Übungen machen und beherrschen. Aber damit kommt sie seit Ewigkeiten ja schon nicht weiter...
Und ich glaube auch, dass er seine Weinerlichkeit und seinen süßen Blick benutzt um unangestrengt an das zu kommen, was er haben will. Und genau in die Falle tappe ich auch oft, es hat sich irgendwann eingseschlichen und eingeschliffen.
Ich werde weiter die Fühler nach einer neuen Praxis ausstrecken, denn sehr viel Hoffnung habe ich nicht, dass sich das alles wieder einrenkt.
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Beitragvon r.bircher » 02.02.2018, 19:23

Hallo noch mal

Was ist die Begründung der Physio, dass sie keine anderen Übungen machen will? Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es mit ICP Sachen gibt die sich kaum verbessern lassen, ganz egal wie viel mal trainiert. Bei mir ist das beispielsweise das Gleichgewicht. Da komme ich nicht weiter und glaube mir, ich bin ein verdammt sturer Bock. Ich kann 100 mal die selben Sachen trainieren, wenns auch ein bisschen was bringt. Wenn es nichts bringt, gebe selbst ich irgendwann auf. Wie soll da ein fünf Jähriges Kind die Motivation halten?

Leider haben Ärzte und Physios immer wieder das Gefühl, sie müssen einem Behinderten eine normale Gangweise antrainieren. Wie soll denn das gehen? wenn ein Teil der Muskeln nicht steuerbar sind? Ich hatte auf einem Sportplatz mal mit einem Bewegungswissenschaftler eine Diskussion. Nach dem er mich längere Zeit beobachtete meinte er zu mir. Dein Bewegungsablauf ist vermutlich optimal auf deinen Körper abgestimmt. Besser geht das wohl nicht.

Und genau darum sollte es eigentlich in der Therapie gehen. Mit der Behinderung das optimale Bewegungsmuster zu finden. Da bringt es meiner Meinung nach wenig, auf irgendwelchen Übungen zu beharren.

Das heisst nicht, das alle Übungen Spass machen müssen. Auch ich habe meine Hassübungen, die einfach sein müssen. Aber wenn mir ein Trainer das ganze Training damit Vollpappen würde, wäre ich schnell bei einem anderen Trainer.

Das ist die unqualifizierte Meinung eines Selbstbetroffenen

Gruss Raphael
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Beitragvon sandraundsimon » 03.02.2018, 14:28

Hi Raphael,
sie meinte, Simon müsste vorher eine sichere Fortbewegung erlernen, wie rollen oder krabbeln.
Krabbeln ist ihr zu unsicher, wegen Verletzungsgefahr und rollen kann er, findet er mit 6 aber doof.

Ich bin sehr dankbar für deine Einschätzung und Meinung. Es ist unglaublich wertvoll, die Sichtweise eine Betroffenen lesen zu dürfen, denn wer kann es am besser erklären, als einer, der selber damit zu tun hat.
Mir hilft das auch, bestimmte Dinge nicht mehr erzwingen zu wollen. Manches geht einfach nicht.
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Beitragvon T.Sophie » 03.02.2018, 17:54

Hallo!

Versteh ich das richtig, dass Simon aufsteht und versucht zu laufen bzw laufen kann?
Wenn ja... Na da würde ich mich aber auch bedanken wenn mir irgendwer sagt das ich mich auf dem Boden rollend fortbewegen soll.

Keine Frage, bei der Physiotherapie und auch bei anderen Therapien müssen auch mal Dinge gemacht werden die einem gar nicht gefallen, aber eben notwendig sind. Aber eine Therapie sollte sich doch auch ein wenig nach den Bedürfnissen des Patientens richten.

Was soll es denn Simon nützen wenn er sich perfekt rollend auf dem Boden fortbewegen kann? Das kann er vielleicht in einem Therapieraum oder in einer Wohnung, aber doch nicht draußen. Und wenn er doch lieber versuchen will zu laufen... Damit zeigt er doch recht deutlich was SEIN Ziel ist, dass er erreichen möchte. Warum wird er dabei denn nicht unterstützt?

LG T.Sophie
Baujahr 1988 / diverese Traumafolgestörungen / Tinitus, Dysplasie im Knie / chronische Magen-Darm-Probleme (subtotale Dickdarmentfernung + Entfernung der Galle)
SBA mit 60GdB ohne Merkzeichen

ein.ZIG.Artig

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Beitragvon r.bircher » 03.02.2018, 19:02

Hallo nochmal

Ne klar, Krabbeln ist zu unsicher. Wenn er sich hochziehen und Laufen möchte, soll er das tun, unbedingt!!! Fallen wird er sowieso, macht aber nichts, denn man kann ja wieder Aufstehen. Suche dir eine neue Physio, dringend!!! denn die, die du jetzt hast bremst mehr als sie bringt.

Läuft der kleine denn schon, oder sind Anzeichen da?

Gruss Raphael

PS: Ich habe auch mit fast 6 Jahren meine ersten selbständigen Schritte gemacht.
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Beitragvon sandraundsimon » 04.02.2018, 14:22

Nein, er zieht sich nicht hoch! Simon wird wohl auch nicht alleine laufen können, aber mit Hilfsmitteln schon. Unser und ich glaube auch sein Ziel ist der Retro Walker.
Wenn er hinfällt, wird er auch nicht alleine wieder aufstehen können, da wird er immer Hilfe benötigen. Aber das sollte kein Grund sein, das Laufen mit Hilfsmitteln nicht zu üben, oder?
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Beitragvon Karin D. » 04.02.2018, 16:09

Hallo Sandra,

mein Sohn ist Jahrgang 1996 und war 2016 am Ende seiner Motivation bei der Physiotherapie.

Er macht das schon seit dem Babyalter mit. Vojta, Bobath usw. Wie sehr es nervt, habe ich selbst 2016 gemerkt, als ich Physiotherapie brauchte. Mir hat es schon nach 10 Einzelbehandlungen gereicht, und wie. Obwohl ich mich danach gut fühlte und es mir mit meinem damaligen gesundheitlichen Problem geholfen hat.

Mein Sohn hat dann eine Therapiepause eingelegt. Wir haben abgemacht, dass wir stattdessen schwimmen gehen. Jetzt fängt er in einer anderen Praxis an. Vorher eine total liebe, nette Physiotherapeutin. Jetzt ist er bei einem Mann, der witzig ist, der ihn ganz langsam an etwas anderes heranführt. Er sagt, gerade die Kletterwand ist bestens geeignet für Therapiemüde, und dass sie von überall herkommen um dort Physiotherapie zu haben, weil die Kletterwand so ziemlich einmalig ist in Berlin.

Vielleicht könntet ihr auch vorerst Angebote machen, die optimale Bewegung mit Spaß verbinden (Schwimmen?) und dann irgendwo neu und anders anknüpfen?
Auch bewusst Pausen einlegen, könnte helfen und Alternativen finden. Mehr Abwechslung, mehr Spaß. Mein Sohn hat in der Schule zum Beispiel mit Feuereifer das Motomed benutzt. Haben wir jetzt auch zuhause.

Ich wünsche viel Glück und Erfolg! Ich kann die Schwierigkeiten sehr gut nachempfinden.
Karin (06/67) mit Zwillingen (12/96)
Frühgeborene (SSW 25), 1 Zwilling ohne Behinderung, 1 Zwilling mit Epilepsie, CP (Rollikind), Kyphose, Skoliose, Hydrocephalus


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