Unerträgliche Schlafsituation

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Leos_Mama
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Unerträgliche Schlafsituation

Beitragvon Leos_Mama » 09.01.2018, 08:45

Hallo allerseits,

Ich hoffe hier hat jemand Tipps wie man im allgemeinen bei Kleinkindern in solch einer Situation verfährt.
Also es geht um meinen behinderten Sohn ( Entwicklungsverzögerung nach extremer Frühgeburt, Hydrozephalus, spastische Zerebralparese)
Inwieweit er geistig vielleicht nicht der fitteste ist, kann man jetzt noch nicht abschätzen mit seinen 3 Jahren und das ist auf jeden Fall auch ein Faktor warum wir so stark verunsichert sind, wie man mit ihm umgeht, in Situationen wo ich als 4-fach mama eigentlich schon fast routiniert handle.
Also eigentlich schon seit ca einem Jahr sind wir nächtliches Aufwachen gewöhnt, davor hat er übrigens wirklich durchgeschlafen und hat nie "Probleme bereitet". Aber seit wir ihn und seinen Zwillingsbruder getrennt haben, funktioniert das Schlafen überhaupt nicht mehr. Seitdem wird er wirklich jede Nacht wach schreib als ob es um Leben und Tod gehen würde und lässt sich auch nur noch mal zum Schlafen bringen wenn man bei ihm am Bett sitzen bleibt das zieht sich dann jede Nacht mindestens eine Stunde oder man ihn in das elterliche Bett holt... aber dort schläft schon unser Jüngster, der noch ein Säugling ist. Und morgens wenn ich den großen zur Schule fertig machen muss, ist es besonders problematisch wenn der dreijährige dort dann schutzlos liegt und ich bin nicht da um ihn zu beaufsichtigen, dass er nicht rausfällt, denn Gefahrenabschätzung gibt es bei ihm noch nicht.
Also irgendwie eine total verzwickte Situation.
Und wir haben wirklich schon alles probiert, mit Musik und Licht und einfach mehrmals beruhigen kommen und wieder gehen. Aber dann schreit er einfach so lange mit voller Kraft, bis irgendwer ihn holt oder sich zu ihm setzt und bleibt...
Aber so langsam kommen mein Mann und ich an unsere Grenzen mein Mann muss um 5 Uhr morgens aufstehen, der setzt sich nicht eine Stunde ans Kinderbett.
Mein Tag beginnt zwar erst um 7 Uhr, aber der Säugling holt mich schon dreimal nachts raus zum Fläschchen machen und wickeln und dann auch noch zwischendurch eine Stunde am Kinderbett sitzen ...und heute Nacht ist er gleich zweimal wach geworden :/
Ich bin auch einfach mit meinen Kräften langsam am Ende, die Tage sind schon so wahnsinnig anstrengend...
Normalerweise wenn ich wüsste dass mein Sohn eigentlich gesund ist und bei klarem Verstand, dann würde ich ihn tatsächlich auch einfach mal ein Weilchen heulen lassen (in dem alter), denn ein gesunder dreijähriger versteht natürlich dass Mama und Papa direkt nebenan sind. Aber ich weiß einfach nicht wie mein Sohn die Welt sieht oder empfindet und sein Weinen klingt wirklich sehr ängstlich und leidvoll.
Die Zwillinge wieder zusammen schlafen zu legen ist halt auch keine Option, weil beide extrem aggressiv sind. Der gesunde Zwilling ist morgens immer in das Bett von dem behinderten Zwilling geklettert und hat ihn geschlagen, sich auf seinen Kopf gesetzt ( wir haben extra eine Videoüberwachung im Kinderzimmer installiert) und gebissen. manchmal wurde er aber auch zuerst gebissen... daraus sind wirklich schon schlimme Bisswunden entstanden oder sie pieksen sich in die Augen bis Blut kommt am Augenlid.
Jetzt meine Frage an euch, hat jemand ähnliche Probleme beim Schlafen legen und wie ist das einzuordnen dieses nächtliche schreien, kann das wirklich Angst sein (müsste nicht auch vielleicht ein geistig nicht so fittes Kind verstehen, dass alles gut ist und wir da sind?) oder hat es doch vielleicht "manipulative Züge"( im Sinne von, einfach den Willen durchboxen)? Ich bin wirklich ratlos und weiß nicht wie ich mit ihm umgehen soll... :(
Ich traue mich auch einfach nicht ihn mal schreien zu lassen bin was ihn angeht wirklich total befangen im Umgang...
Also bevor hier die ersten Stimmen laut werden ich würde ihn natürlich nicht einfach so schreien lassen ich würde natürlich ab und zu ans Bett kommen ihn beruhigen und sagen dass alles gut ist und ich da bin aber ich würde das halt nicht eine ganze Stunde mitmachen?! Das schlimme ist ja auch für uns dass es eigentlich eine Abwärtsspirale ist dieses nächtliche wach werden ist's schon so lange Thema und es wird eigentlich immer nur noch schlimmer und ausgeprägter...

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 09.01.2018, 09:10

Hallo,
ich weiß nicht, ob man unsere Situation vergleichen kann, da mein Sohn ganz andere Baustellen hat. Doch mein erstes Bauchgefühl sagt, dass du ihn auf keinen Fall schreien lassen solltest. Mein Sohn hat bis fast vier auch nie durchgeschlafen und bis er dreizehn war ist er jede Nacht in mein Bett gekommen. In meinem Bett hat er gut weitergeschlafen und für mich war das in Ordnung. Nachts an seinem Bett sitzen habe ich auch gemacht, es aber schnell wieder gelassen, da es einfach zu anstrengend war und keine Besserung brachte.
Da dein Sohn nicht mehr mit ins Bett passt bei euch, würde ich es mit einer Matratze neben eurem Bett versuchen. Habe ich in Phasen, in denen mein Sohn gar nicht alleine schlafen wollte, auch gemacht und das hat gut funktioniert. Vielleicht könnt ihr ihn abends dort gleich schlafen legen, damit er sich wieder ans durchschlafen gewöhnt.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 09.01.2018, 09:47

Hallo,
habt Ihr Platz genug im Schlafzimmer, um an einer Seite Eures Bettes ein großes Gitterbett als Beistellbett aufzustellen? Wir haben ein Gitterbett (1,40 x 60 oder so), wo man eine Gitterseite weglassen kann. Das steht dann wie ein Babybay direkt am Elternbett. Da hat man dann auch einen guten Rausfallschutz. B. ist jetzt ca. 1,14 m groß und schläft da immer noch hin und wieder oder legt sich da hin, wenn er morgens früh zu uns rüber kommt und der kleine Bruder schon in der Mitte liegt.

Ich denke, dass er nachts allein solche Angst hat, könnte vielleicht mit der Zeit auf der ITS zusammenhängen. Da wurde bei den Extremfrühchen ja auch nachts viel (für die Kinder t.w. schmerzhaftes) gemacht. Und Nachts waren in der Regel ja die Eltern nicht da und es dauerte ggf. noch länger, bis jemand kam, wenn sie schrien. B. hatte nachts in den ersten Wochen auch noch deutlich mehr Apnoen und Sättigungsabfälle als tagsüber. Ich denke, da gibt es viele Faktoren, die Schlafen zu einem sehr angstbehafteten Thema machen können.
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

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Beitragvon IlonaN » 09.01.2018, 10:09

Wir haben hier auch einen dreijährigen an dem sich echt die Geister scheiden, er schläft keine Nacht durch und dann wird er zur Zeit ein Glück nur noch bis zu 5 x wach. Wenn er sich gar nicht beruhigen lässt schläft einer von uns bei ihm (je nachdem wer den nächsten Tag auf Arbeit muss hat dann ein wenig mehr Ruhe.
Das geht jetzt schon 16 Monate so, seit er bei uns lebt. Er schläft freudig und glücklich mit festem Ritual ein aber nicht eine Nacht durch. Er ist auch eingeschränkt in seiner Entwicklung.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Leos_Mama
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Beitragvon Leos_Mama » 09.01.2018, 10:48

Hallo danke schonmal für eure Antworten :)

Ja daran habe ich auch schon gedacht das ist quasi ein Überbleibsel aus der Frühchen Zeit ist, dass er einfach Angst hat wieder verlassen zu werden/diese Einsamkeit... :(

Vielleicht komme ich wirklich nicht drum herum ihm einen dauerhaften Schlafplatz bei uns einzurichten :roll:
Eben weil wir ein sehr beengtes Schlafzimmer haben aber ich werde gleich mal ausmessen ob wir das Bettchen noch daneben gequetscht bekommen...
Wahrscheinlich immer noch die bessere Lösung anstatt kaum noch Schlaf zu kriegen.

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Beitragvon Leos_Mama » 09.01.2018, 10:49

Hatte meine Antwort doppelt abgeschickt :roll:

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Beitragvon Caro22 » 09.01.2018, 11:05

Hallo,
schicke dir erstmal einen dicken Energieschub!
Ich kann dich so gut verstehen. Wir haben gerade massive Einschlafprobleme mit Lasses gesunder Zwillingsschwester und als hätte er es sich abgeguckt, fängt Lasse jetzt auch an "Theater " zu machen, wenn er schlafen soll.
Dabei war er bislang der beste Schläfer von meinen drei Kindern.
Wir hatten auch jahrelang eine Matratze neben meinem Bett, für Lasses grosse Schwester.
Für mich die beste Lösung, auch wenn es ehrlich gesagt ein langer Weg war, bis sie dann wieder bei sich geschlafen hat.

Ganz liebe Grüsse von einer müden Caro,
die findet , daß Schlafmangel echt Folter ist :wink:
Caro mit Lasse 06/2011: Frgb 26.SSW Tetraspastik, Hydrocephalus shuntversorgt, Epilepsie
"Man muss durch die Nacht wandern, wenn man die Morgenroete sehen will"

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Beitragvon Leos_Mama » 09.01.2018, 11:32

Hallo caro,

auch wenn es nicht schön ist, aber tut echt gut von leidensgenossen zu hören :)
Meine größte Angst ist halt auch dass er sich daran gewöhnt bei uns zu schlafen. Aber das Risiko muss ich wohl eingehen wenn ich jetzt mal zu Schlaf kommen möchte...
Ich hatte letztens den MDK bei mir zu Hause zu Besuch und der meinte zu mir dass nächtliches Aufwachen total normal wäre auch in dem Alter (halt nur die Dauer und Intensität des wieder beruhigens wäre relevant für Punkte beim Pflegegrad)
Ich kann diese Aussage wirklich überhaupt nicht verstehen. Mein Großer der normal geboren ist, ist nur im ersten Lebensjahr nachts wach geworden. Klar wenn das Kind dann mal Fieber hat oder einen schlechten Traum hatte wird das auch im Kleinkindalter ab und zu mal wach, was aber eher die Ausnahme darstellt, also so ist meine Erfahrung.
Da kann man dann innerlich echt schon mal kochen, wenn so ein Ärzte "Futzi" einem erzählen will dass das alles noch im Rahmen und normal wäre -.-

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Beitragvon IlonaN » 09.01.2018, 11:57

Da kann man dann innerlich echt schon mal kochen, wenn so ein Ärzte "Futzi" einem erzählen will dass das alles noch im Rahmen und normal wäre -.-

das gleiche habe ich auch zu höhren bekommen- grr-
Ich 1961 Ösophagusatresie
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Beitragvon EmmaLuisa11 » 09.01.2018, 12:13

Hallo,

auf keinen Fall würde ich mein Kind weinen lassen. :roll:
Meine Tochter (6 Jahre) kommt auch jede Nacht zu uns rüber und schläft dann den Rest der Nacht bei uns. Sie hat auch alleine Angst. Diese Ängste sollte man bei Kindern nicht unterschätzen. Es ist natürlich Kräfte raubend, aber solange sie meine nächtliche Nähe zur Beruhigung braucht, bekommt sie die auch. :wink:

Liebe Grüße
Angelina
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