(Gestörte?) Grundbedürfnisse bei Autisten

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Ronja-und-Mini
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(Gestörte?) Grundbedürfnisse bei Autisten

Beitragvon Ronja-und-Mini » 21.10.2017, 17:07

Unser Sohn isst nicht, weil er Hunger hat, sondern weil er das Gefühl hat, er muss jetzt essen, z.B. weil etwas Essbares vor ihm liegt oder die Uhrzeit es ihm vermittelt. Mit dem Trinken ist es ein wenig besser, das fordert er auch schon mal von sich aus ein, aber selten. Auch da ist es eher wie beim Essen.

Unser Sohn schläft niemals aus. Egal, wann er abends ins Bett geht. Er steht morgens immer um eine ähnliche Zeit auf, auch wenn er müde ist, weil er denkt, dass man aufstehen muss, sobald man einmal kurz wach ist (im Sinne von sich umgedreht oder mal kurz die Augen aufgemacht hat).

Egal, wie schlecht es ihm geht oder wie krank er ist - er legt sich einfach nicht tagsüber ins Bett, auch wenn er total platt ist vor Fieber z.B., weil das einfach nicht in seinen Tagesablauf gehört, tagsüber ins Bett zu gehen.

Er empfindet auch kaum Schmerz. Zuneigung wird nie eingefordert, beschränkt zugelassen - und auch selten verteilt, außer wenn er davon ausgeht, dass ich Schmerzen habe (weil ich Aua sage oder huste oder wenn ich mal weinen muss).

Insgesamt verhält er sich einfach komplett mechanisch, was die Grundbedürfnisse eines Menschen angeht. Ich vermute mal, das ist wohl "typisch autistisch"?

Wer kennt das auch?
Gibt es etwas, womit er lernen kann, besser auf seinen Körper zu horchen oder wird er immer "mechanisch" funktionieren?
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

Lynkas
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Beitragvon Lynkas » 21.10.2017, 17:50

Hallo!
Ich kenne das gut, und wie. Was du von deinem Sohn beschreibst, passt bis heute auf mich. Ich "funktioniere" auch so und bis heute macht es mich wahnsinnig, wenn ich z.B. wegen Krankheit mich mal tagsüber hinlegen muss. Das bringt mich so aus dem Konzept, dass ich das Gefühl habe, das Leben ist vorbei - zumindest ist der Tag verpfuscht und ich will das ganz schnell vergessen. Warum ist das so? Ich weiß es nicht genau. Ich brauche so viel Verlässlichkeit und Routine in einer mir unkontrolliert erscheinenden Welt, dass sich nichts ändern darf in meinem "intimen" Ablauf. Ich muss "funktionieren", wie ich es gewohnt bin oder wie ich es geplant habe.
Ich kann da nur mit dem Intellekt rangehen, mir also z.B. sagen: okay, wenn du Fieber hast und nachts nur zwei Stunden geschlafen hast, dann ist es gut für deinen Körper, wenn du dich jetzt kurz hinlegst." Tja, aber nur "kurz" :wink: Ich muss mir dann einen Wecker stellen, höchstens 45 Minuten (eine Stunde wäre zu lang! Da hätte ich ein schlechtes Gewissen!) und dann muss ich wieder aufstehen.
Für längere Krankheit bringt es mir was, mir einen Plan zu machen, wie ich bei Krankheit funktioniere, wann bei Krankheit welches Verhalten, welche Aktivität drann ist, wie ich mich bei Krankheit verhalten "muss". Dieser Plan muss dann aber auch eingehalten werden.
Essen muss ich auch immer zur selben Zeit. Kann man natürlich, wenn man älter ist und sich das Essen selbst macht, besser einrichten. Und ich kann mir ja immer wieder sagen: es fühlt sich an, als würde die Welt unter gehen, aber morgen wird ein neuer Tag sein (ist mir aber vom Gefühl her oft unvorstellbar). Aber dafür muss man etwas älter sein und die eigenen Probleme intellektuell gut erfassen bzw. durchdenken können. Für Kinder ist das erst mal schwierig. Und ganz weg gehen diese Probleme meiner Erfahrung nach nicht.
Lynkas grüßt.
ehemaliges Frühchen, Intestinale neuronale Dysplasie, ösophageale Motilitätsstörung, Malassimilationssyndrom, Athetose/Dystonie, Skoliose, Knochenmarkinsuffizienz, HF Autismus, sensorische Integrationsstörung

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 21.10.2017, 18:57

Hallo,

beim Junior ist da auch einiges ähnlich, und ich denke, es geht genau darum: Dass es „mechanisch“ ist, dass es wie auf Schienen läuft, ein Automatismus. Denn dann – und nur dann – muss man an dieser Stelle keine Energie aufwenden. Dazu kommt, dass Hunger- und Durstgefühl, Schmerzwahrnehmung oft ungewöhnlich ausgeprägt sind. Mir fällt grade Axel Brauns ein, wie er in seinem Buch beschreibt, wie ihm eine Therapie nichts ausmachte, die nach Ansicht seiner Mutter furchtbar schmerzhaft sein musste. Dafür konnte er eine andere Behandlung, die nach Ansicht aller anderen nichts schlimmes an sich hatte, absolut nicht aushalten.
Bei meinem Junior: Hunger, Wut, Angst, Bauchschmerzen, Aufregung, Trauer ... alles ein großer Klumpen in seinem Bauch, schwer auseinander zu halten.
Durst ist hier kein Thema, dafür hat er ein gutes Gefühl. Und wenn wir beim Thema Essen mitdenken und zu passenden Zeiten etwas parat legen, so dass er es „für sich“ essen kann, dann ist auch das kein Thema, und er kommt insgesamt über den Tag dann auf eine vernünftige Kalorienmenge, die richtigen Mahlzeiten dazugerechnet.

Einiges hat sich übrigens über die Jahre normalisiert, zum Beispiel die Schmerzwahrnehmung ist viel besser geworden, und auch das Temperaturempfinden. Zuneigung gezeigt bekommen, zb umarmt werden, auf eine bestimmte Art, mag er inzwischen recht gerne. Nicht von jedem natürlich.
Kann also alles noch kommen. :wink:
Ausschlafen genauso, früher war Junior ein Frühaufsteher, immer der erste. Jetzt, passend zur Pubertät, kann es am Wochenende auch mal acht, neun, oder im Einzelfall sogar noch später werden.

Und beim Bedürfnis nach „mechanischen“ Abläufen versuchen wir die Balance zu halten: Zulassen und unterstützen, soweit hilfreich (sind ja seine Strategien, den Alltag zu überstehen), und gegenhalten, soweit es ihn zu unflexibel macht (denn wer sehr starr lebt, der muss in einer wechselhaften Umwelt arg viel Frust aushalten). Das ist nicht ganz einfach, aber ich glaube ich habe über die Jahre halbwegs ein Näschen dafür bekommen.

Dann gibt es noch so Regeln und Gesetzmäßigkeiten, bei eurem Mini offenbar, dass man tagsüber nicht ins Bett geht.
Wieder Axel Brauns, das hat er mal in einem Interview erzählt: Er konnte in seine Wohnung keinen Besuch einladen, ging nicht, durfte nicht sein. Er wollte aber gerne. Also hat er einen Weg gefunden, sich selber auszutricksen: Die Wohnung zum Kunstwerk deklariert, Kunstwerke dürfen und sollen besichtigt werden. Problem gelöst. Eigene Strategie gefunden. Das ist das, was am besten hilft. Vielleicht findet Mini mit deiner Hilfe eine Lösung zu „tagsüber ins Bett bei Krankheit“. Dieses Lösungen Suchen, aus eigener Kraft, kann man mehr und mehr lernen, und das stärkt ganz ungemein, denn es nimmt die Ohnmacht.

Junior fand früher Weihnachten furchtbar, alle Routinen außer Kraft, überall überfordernde Emotionen (Vorfreude, Sentiment, Gemeinschaftsgeist, ... *iigittigitt*). Wir haben Weihnachten entstaubt und von Ballast befreit, heute liebt er es, alljährlich wiederkehrende Rituale, Musik, viel Ruhe, und legt sich genüsslich unter den frisch geschmückten Baum ...  8) :icon_santa:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 22.10.2017, 08:38

Auch Alexander hat einige Automatismen. Früh aufstehen gehört dazu. Und nachts ist er unser Betten-Wanderer, weil er es nicht aushält, ohne kuscheln zu schlafen. Es schläft eigentlich mit meinem Mann im Ehebett, kommt aber ca. 5x in der Woche nachts zu mir (ich schlafe mit seinem Bruder im Kinderzimmer), weil er den Papa im großen Bett nicht "findet", wenn er zwischendurch mal aufwachtt.cDa es im 90cm Bett mit sich-ausbreitendem Kind zu eng wird, wandere ich dann runter zu meinem älteren Sohn, der auf einer 120cm breiten Matratze am Boden schläft. Wenn Anexander dann nich mal aufwacht, kommt er entweder dazu auf die Matratze (wo es zu dritt wieder sehr eng wird), oder er wandert zurück zum Papa ins Schlafzimmer.

Mein älterer Sohn (HF Autist) muss auch beim einschlafen kuscheln. Wir schlafen aufcder Matratze am Boden ein, dann wandrre ich rauf ins normale Kinderbett. Und wenn mein älterer Sohn mal aufwacht wandert er entweder zu mir oder zum Papa. Somit ist mein Mann der einzige, der immer im selben Bett aufwacht, wo er eingeschlafen ist.

Tja, und zwischen 6h und 6h20 kommt dann Alexander und gebärdet fröhlich "schlafen jetzt vorbei" und reißt mich aus dem Bett - auch samstags und sonntags. Dann die Frage, ob er heutemit dem Bus in den Kindergarten fährt. Wenn ich bejahe geht die Diskussion los, wann wir zum Bus gehen. Er will um 6h30 gehen, aber der Bus kommt erst um 6h50. Meistens einigen wir uns auf 6h40 und stehen dann 10 Minuten in der Kälte.

Dort spürt er aber sehr wohl, ob ihm kalt ist, oder nicht, und je nachdem verlangt oder verweigert er, eine Jacke zu tragen

An Wochenenden weiß Alexander, dass er ab 7h30 mit deinem Tablett spielen darf, vorher nicht. Da steht er dann pünktlich beriet, um das einzufprdern. Überhaupt ist die Uhr ein wichtiger Anhaltspunkt für ihn und er schaut immer wieder, wie spät es gerade ist. Eine Zeitlang kam er immer pünktlich zur Zahnputzzeit angerannt und erklärte mir (von sich aus), dass er Zähne putzen nicht mag.

Schmerzempfinden hat er sehr wenig. Er kann sich den Kopf anschlagen dass man glaubt, gleich ins KH fshren zu müssen. Aber er schüttelt sich nur, gebärdet kurz "Aua" und macht dann weiter im Ablauf, als wäre nichts geschehen.

Sein Bruder dagegen ist sehr schmerzemfindlich und kann wegen (in meinen Augen) winzigen Verletzungen komplett aus dem Konzept geraten. Es muss gar keine Verletzung sein, ein drückender Socken oder ein verstopftes Nasenloch (Schnupfenzeit) reichen aus, ihn für einige Zeig komplett aus der Bahn zu werfen.

Während Alexander ein gutes Hunger- und Durstgefühl hat, vergisst der ältere Bruder immer wieder komplett auf essen und trinken. Wenn er z.B. im Spiel oder im lesen vertieft ist, hat lange Zeit auch erinnern nichts geholfen - er hat einfach behauptet, weder Hunger noch Durst zu haben. Und dann hat von jetzt auf gleich was zum essen her müssen, weil er auf einmal glaubte, gleich verhungern oder verdursten zu müssen. Aber das ist bei ihm in letzter Zeit deutlich besser geworden. Er spürt zwar immer noch keinen Hunger oder Durst, lässt sich aber ans essen und trinken erinnern.

Bei Krankheit tagsüber ins Bett ist für meinen älteren Sohn gar kein Problem. Dafür mag er oft nicht raus aus der Wohnung und es gibt manchmal Drama, weil er beim Familienausflug nicht mit mag. Dann gefällt es ihm aber oft so gut, dass er gar nicht nach Hause mag.

Mein jüngerer Sohn dagegen liebt spontane Aktivitäten und schlägt oft selbst vor, z.B. am Abend einen Spaziergang zu machen. Aber bei Krankheit im Bett bleiben kommt für ihn nicht in Frage.

Irgendwie sind meine Jungs einerseits ganz normal, andererseits aber auch typisch autistisch. Sie verhalten sich so konträr, dass mir immer noch schwer fällt, zu glauben , dass dieselbe Wahrnehmungsstörung dahinter steckt.
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Regina Regenbogen
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Re: (Gestörte?) Grundbedürfnisse bei Autisten

Beitragvon Regina Regenbogen » 22.10.2017, 14:07

Insgesamt verhält er sich einfach komplett mechanisch, was die Grundbedürfnisse eines Menschen angeht. Ich vermute mal, das ist wohl "typisch autistisch"?

Wer kennt das auch?
Wir kennen das genauso von unserem Jüngsten. Seine Eigenwahrnehmung ist erst seit wenigen Jahren so weit "gewachsen", dass er jetzt mit 14 seine Bedürfnisse selbst wahrnimmt und formulieren kann. Und das auch tut.

Wie alt ist dein Sohn, stimmt deine Signatur noch? Denn mit 4 Jahren dürfte er noch lange nicht so weit sein, seine Grundbedürfnisse wahrzunehmen UND zu kommunizieren.
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Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Ronja-und-Mini
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Beitragvon Ronja-und-Mini » 24.10.2017, 11:21

Vielen Dank für eure interessanten Antworten! Unser Kleiner wird Anfang nächsten Jahres 5 Jahre (ich ändere gleich mal die Signatur in die Jahreszahl). Spricht zwar noch nicht fließend, aber so viel, dass er sich eigentlich ausdrücken könnte. Leider macht er dies aber genau bei solchen Sachen nie. Vielleicht wirklich, weil die Grundbedürfnisse noch nicht erfasst werden können.

Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass er teilweise sehr sehr platt wirkt. Erschöpft. Macht aber schon, seitdem er 2,5 Jahr ist, keinen Mittagsschlaf mehr. Nachmittags ab 15-16 Uhr bekommt er seine "dreifach Augenringe und einen glasigen Blick" - ich würde ihn so gern mal 'ne halbe Stunde aufs Sofa legen, aber nach 2 Minuten springt er wieder wie von der Tarantel gestochen auf. Er wirkt gehetzt. Liegenbleiben gibt's nicht. Morgens schon gar nicht. Wenn andere kurz aufwachen und sich nochmal rumdrehen, sitzt er kerzengerade, wenn er merkt, dass er kurz die Augen aufgemacht hat oder sich im Bett rumgedreht hat. Wirklich wie ein Roboter oder Stehaufmännchen. :) Er bräuchte eigentlich mehr Schlaf - habe ICH im Gefühl (kann mich ja auch täuschen). Laut Tabelle schläft er annähernd genug. Ich meine, so 1h länger wäre schon was.

Bis 8 Uhr ausschlafen am WE wäre ein Träumchen, wenn das irgendwann mal kommen sollte. Er beschäftigt sich auch wirklich null allein, sonst könnte er ja morgens gern schon mal ne halbe Stunde in seinem Zimmer spielen. Mitspielen dürfen wir zwar auch nicht viel, aber es muss Publikum im Hintergrund sein. Manchmal reicht es, wenn wir im Haus herum hantieren. Nur wenn jemand explizit LIEGT, da explodiert er. Sobald man sich mal erschöpft aufs Sofa setzt und anlehnt kommt direkt ein böses "Mama, NICHT SCHLAFEN!!!".
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 24.10.2017, 11:34

Vielen Dank für eure interessanten Antworten! Unser Kleiner wird Anfang nächsten Jahres 5 Jahre (ich ändere gleich mal die Signatur in die Jahreszahl). Spricht zwar noch nicht fließend, aber so viel, dass er sich eigentlich ausdrücken könnte. Leider macht er dies aber genau bei solchen Sachen nie. Vielleicht wirklich, weil die Grundbedürfnisse noch nicht erfasst werden können.

Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass er teilweise sehr sehr platt wirkt. Erschöpft. Macht aber schon, seitdem er 2,5 Jahr ist, keinen Mittagsschlaf mehr. Nachmittags ab 15-16 Uhr bekommt er seine "dreifach Augenringe und einen glasigen Blick" - ich würde ihn so gern mal 'ne halbe Stunde aufs Sofa legen, aber nach 2 Minuten springt er wieder wie von der Tarantel gestochen auf. Er wirkt gehetzt. Liegenbleiben gibt's nicht. Morgens schon gar nicht. Wenn andere kurz aufwachen und sich nochmal rumdrehen, sitzt er kerzengerade, wenn er merkt, dass er kurz die Augen aufgemacht hat oder sich im Bett rumgedreht hat. Wirklich wie ein Roboter oder Stehaufmännchen. :) Er bräuchte eigentlich mehr Schlaf - habe ICH im Gefühl (kann mich ja auch täuschen). Laut Tabelle schläft er annähernd genug. Ich meine, so 1h länger wäre schon was.

Bis 8 Uhr ausschlafen am WE wäre ein Träumchen, wenn das irgendwann mal kommen sollte. Er beschäftigt sich auch wirklich null allein, sonst könnte er ja morgens gern schon mal ne halbe Stunde in seinem Zimmer spielen. Mitspielen dürfen wir zwar auch nicht viel, aber es muss Publikum im Hintergrund sein. Manchmal reicht es, wenn wir im Haus herum hantieren. Nur wenn jemand explizit LIEGT, da explodiert er. Sobald man sich mal erschöpft aufs Sofa setzt und anlehnt kommt direkt ein böses "Mama, NICHT SCHLAFEN!!!".
Mit dem Schlaf ist es bei Alexander exakt dasselbe. Das erste, was er macht, nachdem er in der Früh (meistens gegen 6h morgens) aus dem Bett behüpft ist: er läuft zur Digitaluhr am Küchenherd (die auch bei Dunkelheit sichtbar ist) und schaut, wie spät es ist. Im Moment hat er ein Schlafbedürfnis von ca. 9 Stunden +/- einer halben Stunde. Sprich: vor 21h ist er nie im Bett, nach 6h30 steht er nicht auf - egal, ob Wochentag oder Wochenende. Ausnahen gibt´s nur bei extremen Erschöpfungszuständen, z.B. nach einem Tag, wo er 5 Stunden im Bad pausenlos Rutsche rauf-Rutsche runter gespielt hat (und wir ihn beim heimfahren gegen seinen Willen kreischend wegschleifen mussten). Und selbst da ist um spätestens 7h30 Tagwache!

Tja, und meinen 7jährigen kratze ich täglich zum Schule-gehen aus dem Bett und wenn ich ihn am Wochenende nicht gegen 9h wecken würde, der würde wohl erst zu Mittag aufstehen (und dann bis mindestens Mitternacht hellwach sein). Auch er benötigt eigentlich 9 Stunden Schlaf, da er aber Einschlafprobleme hat kommt er unter der Woche oft nur auf 8 bis 8 1/2 Stunden und holt dieses Defizit an den Wochenenden auf.

Meine Kinder schlafen beide nicht "laut 'Tabelle", das ist einfach Fakt, da kann ich mir wünschen, was immer ich will. Mein Mann und ich haben wirklich NIE einfach nur gemeinsame Eltern-Zeit wenn die Kinder im Bett sind. Da mein Mann um 5h morgens aufsteht (er beginnt um 6h zu arbeiten) geht er meistens mit unserem jüngeren Sohn zwischen 21h und 21h30 schlafen und ich gehe mit unserem älteren Sohn zwischen 22h und 22h30.

Ist vielleicht kein großer Trost, aber immerhin bist du nicht allein. Und bei nur EINEM Kind stelle ich es mir trotzdem irgendwie einfacher vor :wink: .
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Beitragvon Regina Regenbogen » 24.10.2017, 12:26

Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass er teilweise sehr sehr platt wirkt. Erschöpft. Macht aber schon, seitdem er 2,5 Jahr ist, keinen Mittagsschlaf mehr.
Da hat er das ja noch richtig lange mitgemacht. Unser Jüngster (14) hat sich den Mittagsschlaf mit einem Jahr abgewöhnt. :roll: Ansonsten war sein Schlaf- bzw. Ruhebedürfnis sehr ähnlich wie bei deinem Sohn - morgens um 6 Uhr war die Nacht zu Ende, Ruhen über Tag war absolut nicht drin. Ich weiß gar nicht wie oft wir beim Sonntagsfrühstück die Sonne haben aufgehen sehen. Seit ca. 2 Jahren ist das vorbei, er nimmt sich selbst Auszeiten und kann -wenn man ihn lässt- auch bis 11 Uhr schlafen.

Dafür steht sein Bruder (16) jetzt JEDEN Morgen um 6 Uhr auf, weil seine innere Uhr ihm das sagt (O-Ton). :roll: Wenigstens gibt der Ruhe bis 8 Uhr, solange er eine Flasche Wasser in seinem Zimmer hat.

Dein Sohn ist erst 5 Jahre alt, da würde ich von keinem Kind zuviel erwarten hinsichtlich des Ruhebedürfnisses.
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Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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michie
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Beitragvon michie » 24.10.2017, 20:58

Bei uns ist das auch ähnlich. Der kleine Prinz wirkt manchmal so richtig erschöpft, möchte aber gleichzeitig praktisch keine Minute ruhig sitzen oder mal ausruhen und wirkt mitunter wie ein Duracell-Hase.

In solchen Phasen hilft es ihm laut meinen Beobachtungen besonders, raus an die frische Luft zu gehen. Ein ausgedehnter Waldspaziergang, egal bei welchem Wetter, oder auf den Spielplatz, wenn das Wetter passt, schön auspowern. Dann wirklich früh Ruhe einkehren lassen, zu Abend essen (17h30 oder so), und um spätestens 18:30 im Bett liegen, noch ein paar Geschichten vorlesen und viel kuscheln, dann ist er echt schnell im Land der Träume und schläft tief und fest bis ca. 6h, dann weckt ihn die Blase ;-).

Früher sind wir noch viel später ins Bett gegangen, da hat er dann wirklich teilweise mehrere Stunden gebraucht, bis er endlich einschlafen konnte und hatte auch keinen tiefen Schlaf. Seit wir früher gehen, klappt das bei uns viel besser.
michie mit kleinem prinzen (11/2012; ASS) und kleiner fee (02/2015)
Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic122077.html

Kaati
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Beitragvon Kaati » 26.10.2017, 21:38

Hallo,
Unsere Sohn ist zu seinen festen Zeiten. 7 h,9h,12h, 15h,17/30h immer kleine Mengen aber so kommt er gut über den Tag. Zu anderen Zeiten brauchen wir es nicht versuchen da sagt er" es ist keine Zeit zum Essen".... trinken klappt allerdings gut! Da sagt er auch von alleine Bescheid.

Beim schlafen ist es so das er dank der ,seid 2 Wochen geliehenen, Schwerendecke gerade gut schläft. Aber da unsere Sohn immer sagt das er mit offenen Augen schläft ist er auch sofort wach wenn die Augen aufgehen und dann ist nicht mehr an schlafen zu denken....
Also steht er auch immer früh auf und das ist zwischen 4-6 Uhr immer!!!


Und auch bei Krankheit ist nicht an Schlaf oder ausruhen am Tag zu denken.....
Den die Schlafenszeit heißt bei uns Bettgehzeit und die ist abends! :lol:

Zuneigung und kuscheln gibt es bei uns auch leider garnicht wenn es nach unserem Sohn geht. Wir kommen über Massagen der Füße oder Klatschspiele in Körperkontakt.

Aber so mit seinen Planzeiten am Tag hat er es eben sehr gut in seinem Leben.
Und das ist doch wichtig für ihn und so ist er dann ja auch wieder aufnahmefähig und kann neues dazu lernen.
Denn sonst kosten die täglichen Abläufe viel zu viel Kraft für einen Autisten und deswegen sieht es für uns so mechanisch aus.
Und ich finde das unsere Kinder mit 4 oder 5 noch klein sind und das es ja prima ist wenn sie mit diesen "Hilfem für sich" klar kommen und wenn es dan mechanisch ist passt das doch auch.
Wenn wir bei unserem Sohn ganz genau aufpassen sehen wir hier und da auch manchmal ganz kleine aufweichungen dieser Mechanik.
L. 2.4.13 Autismus Spektrum
Frühkindlicher Autist
________________________
Nicht alle Kinder lernen das Gleiche zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise
(Kath Walter)


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