AVWS Diagnostik trotz weiterer „Baustellen“?

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Alexandra2014
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AVWS Diagnostik trotz weiterer „Baustellen“?

Beitragvon Alexandra2014 » 19.10.2017, 09:03

Hallo zusammen,

ich befasse mich seit ein paar Tagen - mal wieder - mit AVWS.
Mit 2,5 Jahren hatten wir den ersten Verdacht darauf, festgestellt von einer Logopädin, die schwerpunktmäßig mit behinderten Kindergartenkindern gearbeitet hat.
Daraufhin waren wir das erste Mal beim Pädaudiologen. Das periphere Hören war ok, für alles weitere sei sie noch zu jung.

Kurz vor der Einschulung kam das Thema wieder auf. Wir haben also wieder einen Termin beim Pädaudiologen gemacht, allerdings bei einem anderen.
Der schaute nur auf die Befunde und meinte, bei expressiver Sprachentwicklungsverzögerung und eventueller kognitiver Problematik (davon stand in keinem Bericht etwas), teste er erst gar nicht.
Hat er auch nicht.

Unsere jetzige Logopädin, die eine umfassende Diagnostik gefahren hat, sagt, dass unsere Tochter zu 100% auch eine AVWS hat.

Als Beispiel: wenn sie (neue) Wörter nachspricht, lässt sie immer die erste Silbe weg.
Als Beispiel: sie fragt im Geschäft, was für ein Stift das ist (pink glitzernd :lol: ) und ich antworte „ein normaler Kugelschreiber“. Dann wiederholt sie: „ein ***maler *****schreiber?“

Ähnliche Buchstaben verwechselt sie ständig. Fragt man sie, mit welchem Buchstaben ein bestimmtes Wort, z.B. Sonne, anfängt, kann sie das (meist) nicht beantworten. Zeigt man ihr das geschriebene Wort und stellt die gleiche Frage, ist es überhaupt kein Problem.

Nun hat sie aber zusätzlich eine visuelle Wahrnehmungsstörung, motorische und verbale Dyspraxie, sowie Epilepsie.
Unsere Logopädin meinte gleich, da eins vom anderen zu trennen, sei wirklich schwierig. Das sehe ich auch so, aber deswegen kann man doch nicht einfach diesen sehr wichtigen Höranteil hinten runter fallen lassen.

In der Schule ist es ja leider meist so, dass etwas, das nicht irgendwo schwarz auf weiß steht, gar nicht berücksichtigt wird.
So kann sie in der Schule z.B. keine Logopädie machen, weil es nicht als Förderschwerpunkt aufgeführt ist, obwohl es das Hauptproblem schlechthin ist.
Stattdessen hat sie den Förderschwerpunkt Sehen, der aber eigentlich nur eine ganz kleine Baustelle ist.

Nun ist aber die Berücksichtigung der auditiven Verarbeitungsstörung enorm wichtig für das Lernen.
Für diese Berücksichtigung in der Schule benötigt man aber (offensichtlich) wiederum eine Diagnose.
Die bekommt man aber nicht, weil aufgrund der anderen Baustellen die Tests nicht so aussagekräftig sind, wie sie sein müssten...
Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz! :roll:

Es muss doch möglich sein, dass man dann beispielsweise aufschreibt „nach den uns vorliegenden Tests, halten wir eine AVWS für wahrscheinlich. Aufgrund der weiteren Einschränkungen des Kindes, lässt sich die AVWS jedoch nicht klar abgrenzen. Eine Berücksichtigung der AVWS in der Beschulung des Kindes halten wir für unerlässlich.“

Da wäre dem Kind mit geholfen, da es dann jeder schwarz auf weiß hat.
Das kann doch nicht so schwer sein.

Schon so oft habe ich gelesen, dass der Weg zu dieser Diagnose steinig war und Jahre gedauert hat. Alles auf Kosten des Kindes!

Wie war es bei euch? Wer macht eine gute Diagnostik und nimmt sich auch einem Kind mit weiteren Baustellen unvoreingenommen an?

War jemand schon mal bei Prof. Dr. Katrin Neumann in Bochum?

Gruß
Alex

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Sheila0505
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Beitragvon Sheila0505 » 19.10.2017, 10:09

Hi also zu Frau Dr. Neumann kann ich nichts sagen, sorry.

Aber ist es denn nicht möglich eine andere Pädaudiologie aufzusuchen und dort "weniger" Unterlagen mitzunehmen damit dein Kind nicht von vornherein "abgestempelt" wird und neutral beurteilt werden kann? Mündlich kann man ja von der Dysparaxie und der visuellen Wahrnehmungsstörung nebenbei bei der Anamnese berichten. Testen würde ich das Kind auf jeden Fall darauf lassen (die Logopädin scheint sich ja durchaus wirklich sehr sicher zu sein), du selbst hast ja auch schon sehr schön begründet wieso das wichtig wäre. Genau aus diesen Gründen wäre es bei der Pädaudiologie vielleicht klüger nicht schon zu viele Stempel - schwarz auf weiß - vorzulegen, sondern primär den Schwerpunkt auf ihre auditive Verarbeitung und Merkfähigkeit zu lenken.

Wir sind demnächst auch in der Pädaudiologie und mitnehmen werde ich nur die SPZ Testung, welche eine Testung darin auch explizit indiziert und schriftlich begründet hat. Auditive Merkfähigkeit lag bspw. bei 80 wohingegen andere - nicht auditive Teilaufgaben bei 115 lagen.

LG

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 19.10.2017, 10:10

Hey Alex,

konkret kann ich nicht weiterhelfen.

Aber bei Sohnemann ist es genauso.
Mir fällt gerade auf, dass er komlexe Sätze, wenn er sie einmal gesehen bzw. abgeschrieben hat, auf Diktat - Wort für Wort - richtig schreiben kann.
Es ist keine reiner Gedächtnisleistung, denn wenn ich ihn bitte, den Satz aus dem Gedächtnis zu schreiben vergisst er Wörter oder Buchstaben .
Wenn ich denselben Satz vorher diktiere, ohne dass er ihn gesehen hat, sind auch ein bis zwei Fehler drin ...
Ich kommunizieren zur Zeit viel schriftlich mit Sohnemann. Dadurch versteht er nicht nur besser, sondern speichert auch neue Worte und setzt sie plötzlich selbst spontan ein :idea: Kann deine Tochter lesen? Wenn nicht: Bring es ihr bei. Es lohnt sich sehr, sehr, sehr :wink: !

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 19.10.2017, 10:29

Edit: In ungesehenen Sätzen macht er mindestens in 1- 2 Wörtern Fehler, zumindest wenn diese vorher unbekannt waren.

LG
Angie
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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 19.10.2017, 11:51

Hallo Sheila,

danke für deine Ideen.
Das war auch mein Plan, möglichst wenig Infos herauszugeben.
Der Haken an der Sache ist, dass die Pädaudiologie fast zwei Stunden entfernt ist und ich nicht schon wieder „umsonst“ hinfahren möchte, weil man nir nach 10 Minuten sagt, man könne nicht testen, da das Kind nicht richtig spricht.
Deswegen kam ich auf Prof. Dr. Neumann. Sie hat einen neuen Test entwickelt, der nur 20 Minuten dauert und spielerisch stattfindet, ähnlich eines Spiels am iPad. Das klang vielversprechend.
Allerdings wird auch hier ein Entwicklungstest vorgeschaltet und diese sind aufgrund der Dyspraxie und der visuellen Geschichte bei meiner Tochter meist nicht verwertbar.
Und damit wäre eine AVWS wieder nicht diagnostizierbar. :?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Alexandra2014 » 19.10.2017, 11:55

Hi Angie,

danke auch Dir!
Wir arbeiten am Lesen - die Schule aber leider nicht so wirklich.
Was das angeht, bin ich völlig hilflos. Ich weiß einfach nicht, wie ich anfangen soll, welche Übungen und welches Material geeignet sind.
Ich hatte schon mal etwas bestellt, aber davon riet uns die Sonderpädagogin von Provision direkt ab. Das sei zu eintönig und würde den Kindern den Spaß am Lesen nehmen.

Mir reißt leider auch schnell der Geduldsfaden. :oops:

Gruß
Alex

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 19.10.2017, 13:51

Hallo Alex,
falls die Sonderpädagogin von Provision von Intraact abgeraten haben sollte: Das gibt es in der Sonderpädagogik eine große Kontroverse darum.
Die einen verteufeln es, die anderen heben es in den Himmel.
Für eine auditiv gestörtes Kind ist es m.E. das Mittel der Wahl.
Ich kenne einige Logopäden, die das ganz selbstverständlich einsetzen und die Kids damit sogar zum Sprechen bringen. Letzeres kann ich bei Bene aus physiologischen Gründen vergessen, aber die Fähigkeit zu lesen und tippen zu können, ist enorm wichtig für ihn, gerade weil er nicht sprechen kann ...
Also, falls du das Material hast, probiere es doch aus :wink: Du hast nix zu verlieren.
Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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Elke35
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Beitragvon Elke35 » 19.10.2017, 14:44

Hallo!

Wir hatten ja schon per PN Kontakt.

Wie alt ist denn Dein Kind überhaupt, welche Klasse/Schule.

Fürs lesen gibt es ja ganz tolle Programme am PC....

Lg

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 19.10.2017, 18:04

Hi Angie,

ja genau, es geht im Intraact. :lol:
Danke, dann probieren wir das.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 19.10.2017, 18:07

Hallo!

Wir hatten ja schon per PN Kontakt.

Wie alt ist denn Dein Kind überhaupt, welche Klasse/Schule.

Fürs lesen gibt es ja ganz tolle Programme am PC....

Lg
Hallo Elke,

ja, die PN haben mir schon sehr geholfen.
Kind ist 9 Jahre und besucht die 3. Klasse einer Förderschule.

Am PC arbeitet sie wirklich gerne. Habe auch schon eine spezielle Tastatur für sie bestellt, die in unterschiedlichen Farben angelegt ist (für eine bessere Übersicht).
Magst Du verraten, wie die tollen Programme heißen. :D

Gruß
Alex


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