Betreuung - Amtsgericht

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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helene.drilling
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Betreuung - Amtsgericht

Beitragvon helene.drilling » 18.10.2017, 00:46

Hallo,

das Amtsgericht hat sich bei mir angemeldet zwecks Prüfung ob weiter eine Betreuung der Zwillinge notwendig ist. Es ist schon sieben Jahre jetzt her seid der ersten Antragsstellung.
Es hat sich ja in der Hinsicht nichts geändert. Das einzige was wir jetzt ändern wollen ist das mein Mann auf Grund seiner Krankheit nicht mehr der Zweitbetreuer ist sondern meine Söhne.

Die gesunden Söhne waren schon beim Gesundheitsamt und haben ihre
Bereitschaft schon erklärt.
Da war es auch so das der eine das Mädchen als Zweitbetreuer hat und
der andere den Jungen als Zweitbetreuer.

Wir wollten aber das beide gesunden Söhne auch jeweils für die Zwillinge die Zweitbetreuung übernehmen. Das im Falle einer Verhinderung durch Arbeit, Urlaub oder Gesundheit alles in guten Händen ist falls ich ausfalle.

Können beide Söhne jeweils die Zwillinge als Zweitbetreuer die Intressen vertreten?

Wie läuft so ein Besuch des Amtsgerichts ab?
Welche Fragen werden gestellt?
Muss ich etwas vorbereiten und beachten?

Ich weiß nicht mehr wie das damals abgelaufen ist.

Vielen Dank für Eure Bemühungen. LG

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Inge
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Beitragvon Inge » 18.10.2017, 07:20

Hallo Helene,

die übliche Frist zur Überprüfung der Betreuung ist fünf Jahre. In eindeutigen Fällen können von Seiten des Gerichts sieben Jahre veranlasst werden.
Die Überprüfungen waren bei uns immer kürzer als der erste Termin für die Einrichtung der Betreuung. Du kannst bei dem Termin auch nachfragen, ob die Änderung der Ergänzungsbetreuer (Zweitbetreuung) schon vorgenommen wurde.

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitragvon Jörg75 » 18.10.2017, 08:46

Moin,

wenn sich an der gesundheitlichen Situation der unter Betreuung stehenden Person nichts geändert hat und die Betreuung einfach so weiterlaufen soll wie bisher, dann sind das reine "Pro-Forma-Termine" - da passiert überhaupt nichts Spannendes.

Einmal die Frage, ob alles gut läuft und weiter so laufen soll - das wars! Danach wird die Betreuung für sieben Jahre verlängert.

Gruß
Jörg

PS Die Frage mit dem Zweitbetreuer solltet ihr mit dem Richter besprechen ... wenn ich das richtig verstehe, dann wollt ihr ja, dass jeder zu Betreuende einen Hauptbetreuer und zwei Zweitbetreuer hat. Ob das so klappt, weiß ich nicht ... ein Hauptbetreuer und ein Zweitbetreuer sollte kein Problem sein.
Wenn jeder zwei Zweitbetreuer bekommen soll, stellt sich auch das Problem - sind die jeweils "Alleinvertretungsberechtigt" oder können die nur zusammen entscheiden. Das müsst ihr mit dem Richter/ der Richterin klären.
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Beitragvon helene.drilling » 19.10.2017, 21:02

Hallo, es ist heute ganz gut gelaufen. Jetzt warte ich auf die Post vom Amtsgericht. Wie lange dauert es bis man es schriftlich hat?

Als meine Söhne beim Gesundheitsamt waren wurde denen mitgeteilt, dass man dafür eine Aufwandsentschädigung bekommen kann.

Dazu habe ich noch Fragen.
Gibt es dafür ein spezielles Formular?
Wenn ja wo bekomme ich es her?
Kann ich das online ausdrucken?
Wann beantragt man dieses Geld?
Gibt es dafür einen festen Zeitpunkt?
Geht es auch rückwirkend?
Gibt es dafür auch einen festen Zeitpunkt?
Wie hoch ist die Aufwandsentschädigung?
Ich bin für jede Info dankbar die ich zum Thema Betreuung bekommen kann. Ich muss mich jetzt wieder intensiver darum kümmern. Die Krankheit meines Mannes ist so weit fortgeschritten, das ich jetzt für ihn auch die Betreuung beantragen muss.

Vielen Dank. LG

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Beitragvon Jörg75 » 19.10.2017, 22:09

Moin,

ehrenamtliche Betreuer, die keine Vergütung beanspruchen, können eine jährliche Pauschale in Höhe von 399,- Euro beanspruchen. Diese ist aus dem Vermögen der zu betreuenden Person zu bezahlen - nur wenn der mittellos ist, dann zahlt die Landeskasse.

Die Pauschale gibt es jeweils für ein Jahr (begonnen mit dem Zeitpunkt der Betreuung) und erlischt, wenn er nicht binnen drei Monaten nach Ende des Jahres (nicht Kalenderjahr, sondern wirklich Betreuungsjahr) geltend gemacht wird. Das muss m.W. schriftlich passieren.

Ich habe allerdings erstmal Zweifel, dass ein Ersatzbetreuer so ohne weiteres Anspruch auf die Pauschale hat ... der hauptsächliche Betreuer (also du) ja, bei den Ersatzbetreuern weiß ich das nicht.
Betreut eine Person mehrere andere Personen, so besteht der Anspruch auf die Pauschale für jede betreute Person.

Ansprechpartner für die Frage der Pauschale ist der Rechtspfleger, der ja auch die Verpflichtung macht und der den Jahresbericht bekommt.

Gruß
Jörg
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Beitragvon monika61 » 21.10.2017, 16:43

Hallo Helene,

wir bekommen inzwischen jährlich vom Rechtspfleger ein Formular zugeschickt.
Haben es aber anfangs auch schon formlos beantragt.
Die Betreuerpauschale beträgt 399Euro.

Schau mal hier:
-----------------------------------------------------------------------------------

..." Mit diesem Formular können Sie die Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Betreuer beantragen. Bitte beachten Sie hierbei die Frist zur Beantragung der Entschädigung. Die Entschädigung kann frühestens nach Ablauf eines Betreuungsjahres beantragt werden, es sei denn die Betreuung endet vorher. Sie muss spätestens drei Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem das Betreuungsjahr endet, beantragt werden. Ansonsten entfällt der Anspruch.

Beispiel:
http://www.betreuungsverein-lueneburg.d ... icle_id=26

Antrag für die Aufwandspauschale
http://www.betreuungsverein-lueneburg.d ... le_399.pdf

http://awo-betreuungsverein-kirn.de/ind ... 1d64d404db

----------------------------------------------------------------------------------

Wir (Eltern) sind beide Betreuer unserer behinderten Tochter und jeder von uns bekommt die Betreuerpauschale:

Gerichte stärken Eltern als Betreuer

..."Das LG Koblenz stellte dem gegenüber klar, dass jeder Betreuer selbst einen Anspruch auf Ersatz der von ihm im Rahmen der Führung der Betreuung erbrachten Aufwendungen habe. Dem könne auch nicht entgegengehalten werden, dass beide Betreuer denselben Wohnsitz haben und es daher „unglaubhaft“ sei, dass ihnen separate Aufwendungen entstanden sein könnten. Die Vorschrift über die Pauschalierung solle es den Betreuern gerade möglich machen, eine Pauschale ohne konkrete Darlegung oder Glaubhaftmachung der ihnen selbst entstandenen Aufwendungen geltend zu machen."....

Komplette Info:
https://www.lebenshilfe.de/de/buecher-z ... Eltern.php

LG
Monika

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Beitragvon Jörg75 » 21.10.2017, 21:10

Hallo Monika,

ihr habt aber die Situation, dass ihr als Eltern beide Betreuer seid. Das ist - wenn ich das richtig verstehe - eine andere Situation als bei Helene, wo Helene Betreuerin ist und die andere Söhne "nur" Ersatzbetreuer.

Gruß
Jörg
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Beitragvon monika61 » 22.10.2017, 12:10


ihr habt aber die Situation, dass ihr als Eltern beide Betreuer seid. Das ist - wenn ich das richtig verstehe - eine andere Situation als bei Helene, wo Helene Betreuerin ist und die andere Söhne "nur" Ersatzbetreuer.

Gruß
Jörg

Hallo Jörg,

ja, das ist richtig.


Dazu steht hier:

SEITE 3:

..."Aufwandsentschädigung für mehrere Betreuer (zu LHZ 3/2o1o)

In dem Artikel „Gerichte stärken Eltern als Betreuer“, Lebenshilfezeitung 3/2o1o, war davon die
Rede, dass beiden Elternteilen als gesetzliche Betreuer in verschiedenen Urteilen von
Sozialgerichten der volle Betrag der Aufwandsentschädigung zugesprochen wurde. In vielen Fällen
sind jedoch die Anträge auf die Aufwandspauschale für den zweiten Betreuer abgelehnt worden.

Bei den angeführten Urteilen handelte es sich offenbar um gleichberechtigte, gleichzeitig
amtierende gesetzliche Betreuer. Auf unsere Anfrage hin teilte uns die Abteilung Konzepte und
Recht der Lebenshilfe Marburg mit, dass die Bestellung eines Betreuers anders gelagert sei, wenn
ein Gericht nach § 1899 Abs. 4 BGB einen „stellvertretenden Betreuer“ bestellt, der nur tätig zu
werden hat, wenn der „Erstbetreuer" verhindert ist. „Für diese Konstellation gibt es eine
Rechtsprechung, derzufolge der Anspruch auf pauschalen Aufwendungsersatz für den
„Vertretungsbetreuer“ nur für den Zeitraum besteht, in dem der „Erstbetreuer“ verhindert ist, so
dass die Pauschale insgesamt nur einmal zu zahlen und entsprechend zu teilen ist.“ (Schreiben vom
25.o2.2o11)"....

Komplette Info:
http://www.lveb-nrw.de/LVEB-Info32.pdf


LG
Monika

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Beitragvon mariannna » 22.10.2017, 14:06

Hallo,

wieviele gleichberechtigte Betreuer kann jmd denn haben?

Wenn jmd also Eltern, Großeltern, Geschwister....als gleichberechtigte Betreuer hat bekommen diese jeder die 399€?
Fände ich irgendwie hm....fragwürdig.
Lg,Marianna

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Beitragvon Jörg75 » 22.10.2017, 16:29

Moin,

normalerweise ist die Regel, dass es EINEN Betreuer (plus vielleicht nen Ersatzbetreuer) gibt. Vor allem bei Eltern ist es möglich, dass es zwei gleichberechtigte Betreuer gibt - aber außer dem Fall mit den Eltern sollte das eigentlich nicht der Regelfall sein (und ist es auch nicht).

Mehr als zwei gleichberechtigte Betreuer sind - meine ich - nicht drin.

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