Wie ist das mit dem Wahlrecht?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Beitragvon Isolde » 24.08.2017, 11:17

Karin D. hat geschrieben:Wahrscheinlich bin ich dann nicht für alle Gebiete Betreuerin, wie ich dachte. Ich schau nochmal nach. Er wählt! :D


Hallo Karin,

in Deinem Betreuerausweis steht klar geregelt, für welche Bereiche Du die Betreuung ist,
da steht "in allen Belangen" und / oder es sind die Felder alle aufgezählt.

Ich weiß von uns - ich bin Betreuerin in allen Belangen.

Schau mal bitte auf den Betreuerausweis.

Schöne Grüße - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Beitragvon Isolde » 24.08.2017, 11:21

Hallo zusammen,

zu dem Thema kann ich hinzufügen,

dass ich - wie oben geschrieben - Betreuerin in allen Belangen bei meinem Sohn bin.
Vor 2 Jahren bekamen wir die Wahlunterlagen für die Landtagswahlen in Ba-Wü.
Auch mein Sohn erhielt diese.

Da wir persönlich das Wahllokal aufsuchen, gingen wir mit Unterlagen und meinem Sohn dahin und haben dort nochmals nachgefragt, wie es ausschaut.
Wir leben auf einem Dorf, wo jeder jeden kennt - so ungefähr.
Große Aufregung natürlich - und verschiedene Telefonate vom Wahlleiter,
und am Ende - Jonathan durfte wählen mit seiner geistigen Behinderung und Vollbetreuung.

Jetzt sind wir auf die Bundestagswahlen gespannt,
und wieder werden wir persönlich vor Ort erscheinen und da freue ich mich jetzt schon auf das was sie uns dieses Mal sagen werden.
Wenn Jonathan wählen darf - super,
wenn nicht - dann wäre es so, wie ich es eigentlich erwarten würde, denn er kann gar weder erfassen, was dieser Schritt einer Wahl bedeutet, noch dass er weiß, wer da zur Wahl steht und was die so vertreten.

Aber Kreuzchen kann er machen :lol: :lol: :lol: :lol: - also darf er das auch.
Zumindest erfasst er, dass wir hier etwas gemeinsames tun und es scheinbar etwas Großes ist, weil da so viele Leute im Raum sitzen.
Und die bekommen dann noch viel vom Piratenleben erzählt - ich sehe das sowas von locker und entspannt :lol: :wink: -

Schöne Grüße
Isolde
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Beitragvon KatjaMausB » 24.08.2017, 11:35

Hallo zusammen,

soviel ich weiß, gibt es Bundesländer (NRW gehört dazu), die Wahlen für den Landtag auch für Menschen mit vollumfänglicher Betreuung geöffnet haben.

Die Bundestagswahl scheint aber noch nicht geöffnet zu sein, was mich - wie Jörg - angesichts des Bundesteilhabegesetzes sehr erstaunt. Ich denke, das wird demnächst vor dem Bundesverfassungsgericht landen.

Liebe Grüße
Katja

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Beitragvon Annileinchen » 24.08.2017, 12:04

Isolde hat geschrieben:... denn er kann gar weder erfassen, was dieser Schritt einer Wahl bedeutet, noch dass er weiß, wer da zur Wahl steht und was die so vertreten.

Aber Kreuzchen kann er machen ...


Hallo Leute,

wenn Ihr wenn Ihr das so in einem öffentlichen Forum schreibt, müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn die Wahlen nicht freigegeben werden...

LG, Annileinchen

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Beitragvon monika61 » 24.08.2017, 12:11

Hallo zusammen,

war auch Thema in der Tagesschau:
https://de-de.facebook.com/intakt.info/ ... 7472970457

LG
Monika

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Beitragvon Annileinchen » 24.08.2017, 13:14

http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads ... onFile&v=2

Hier ist der von mir schon erwähnte Forschungsbericht. Mit einem Vortrag wie oben von Isolde liefert man den Gegnern Futter. Der Verfasser des Rechtsgutachtens stellt halt darauf ab, dass man in unserem Wahlsystem schon mit nur wenigen Stimmen Überhangmandate produzieren kann, die die Mehrheitsverhältnisse wiederum ändern können.

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Beitragvon rena99 » 24.08.2017, 13:42

Annileinchen hat geschrieben:
Isolde hat geschrieben:... denn er kann gar weder erfassen, was dieser Schritt einer Wahl bedeutet, noch dass er weiß, wer da zur Wahl steht und was die so vertreten.

Aber Kreuzchen kann er machen ...


Hallo Leute,

wenn Ihr wenn Ihr das so in einem öffentlichen Forum schreibt, müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn die Wahlen nicht freigegeben werden...

LG, Annileinchen


Die Frage ist doch eigentlich, ob es sich unsere Demokratie leisten kann und möchte, Menschen von der Wahl auszuschließen, die selber nicht wählen können. Es wird ja ebenso diskutiert, ob Eltern für ihre minderjährigen Kinder wählen dürfen sollten, damit die Belange dieser Gruppen auch gehört werden können.

Das ist eine prinzipielle Frage und da scheint sich gesellschaftlicht die Sicht auf die Dinge ja auch gerade zu verändern.

LG
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Beitragvon Annileinchen » 24.08.2017, 13:49

Hi Rena,

dann wäre es in der Tat etwas anderes. Aber ganz dieser Schritt wird sicherlich zu noch breiteren Diskussionen führen.
Zunächst einmal soll es um die Teilhabe behinderter Menschen gehen. Manche leiden eben darunter, dass sie z.B. im Werkstattrat tätig sind, aber wegen der vollumfänglichen Betreuung von der Wahl ausgeschlossen sind.

Der oben geschilderte Fall ist aber eher damit vergleichbar, dass man ein jüngeres Kind einen Wahlzettel ausfüllen lässt. Würde man ja auch nicht tun. Über ein Elternwahlrecht in diesem Fall könnte man natürlich diskutieren.

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Beitragvon Isolde » 25.08.2017, 09:41

Annileinchen hat geschrieben:Manche leiden eben darunter, dass sie z.B. im Werkstattrat tätig sind, aber wegen der vollumfänglichen Betreuung von der Wahl ausgeschlossen sind.


Hallo,

hier stellt sich für mich die Frage - wenn einer im Werkstattrat tätig sein kann, wieso hat er eine "vollumfängliche Betreuung"?
Er könnte dann sicher auch das eine oder andere in seinen Sachen erledigen.

Bei meinem Sohn hingegen ist es so - da macht es keinen Sinn dass er wählt (außer ich mache das Kreuz - das wiederum ist dann zu diskutieren, ob ich dann das Kreuz dahin mache wo ich es hinmachen würde, oder ob mein Sohn verstehen würde wo er das Kreuz hin machen würde).
Wählen hat nur dann wirklich einen Sinn, wenn derjenige mir sagen kann, wo er das Kreuz hinhaben will und nicht wenn ich es für mein Kind dahin mache wo ich denke, dass er es das Kreuz hinmachen würde.

Insofern - Überprüfung bei der Betreuung ob es immer "in allen Belangen" sein muss,
und diejenigen bei denen keine Betreuung "in allen Belangen" vorliegt in jedem Fall wählen lassen,
bei den anderen die gar nicht erfassen können um was es geht, bei denen macht wählen keinen Sinn - es sei denn man akzeptiert, dass das Kreuz dahin gemacht wird, wo die Eltern es haben wollen.
Das ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung. Das macht auch die Wahl zur Farce.
Wählen um jeden Preis? - nein.
Dann wählen gehen, wenn man auch verstehen kann um was es dabei geht - das ist in Ordnung, auch wenn dann jemand in der Wahlkabine helfend zur Seite steht.

Die Wähler die hier ausgeschlossen würden, sind sicher nicht wahlentscheidend. Wichtig wäre, dass wir alle zur Wahl gehen würden und nicht nur 50% der Bundesbürger.

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Beitragvon Isolde » 25.08.2017, 09:49

rena99 hat geschrieben:Die Frage ist doch eigentlich, ob es sich unsere Demokratie leisten kann und möchte, Menschen von der Wahl auszuschließen, die selber nicht wählen können. Es wird ja ebenso diskutiert, ob Eltern für ihre minderjährigen Kinder wählen dürfen sollten, damit die Belange dieser Gruppen auch gehört werden können.


Für mich kann es nur eine Antwort geben,
in einer Demokratie hat man nicht nur ein Recht wählen zu gehen, sondern auch eine Pflicht. Wie im anderen Posting bereits geschrieben - wenn jeder Bundesbürger (oder ca. 80%) mal wieder wählen gehen würden bei einer so entscheidenden Wahl wie die Bundestagswahl,
in der es auch für unsere Angehörigen mit Behinderung in der nächsten Legislaturpersiode um Vieles geht wie z.B. die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes,
dann kann sich der Staat auch leisten, gewisse Gruppierungen nicht zur Wahl zuzulasen, weil sie das Ergebnis nicht entscheidend verändern würden.

Demokratie verstehe ich so - ich muss bei meinem Kreuzchen auch verstehen können was ich da für eines mache. Ich muss ein Wahlprogramm verstehen können.

In der Einrichtung meines Sohnes macht man sich sehr viele Gedanken um die Wahl, besorgt Wahlprogramme in leichter Sprache, schaut dass die Wahlbenachrichtigungen auch an die Bewohner*innen ausgehängt werden und unterstützt sich gegenseitig in der Bewohnerschaft in den Briefwahlunterlagen.
Da ist ein richtiger Zusammenhalt vorhanden - und da werden auch welche mitgenommen, die nicht alles gleich so ganz auf Anhieb verstehen.
Also unsere Einrichtung - die größte in BaWü - unterstützt ihre Bewohner in ihrem Wahlanliegen bzw. sie geben sich gegenseitig Untersützung (was besseres kann es nicht geben), weil die Bewohnerbeiräte, Werkstattbeiräte etc. darauf aufmerksam machen.
Hier hat sich viel in den letzten 4-8 Jahren verändert zum Positiven.

Und wenn jemand daheim wohnt, bei den Eltern den Erstwohnsitz hat, können die Eltern ihren Schützling ja mitnehmen wenn sie selber zur Wahl schreiten.

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