Gute Berufschancen nach Ausbildung am BBW?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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tinabi
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Gute Berufschancen nach Ausbildung am BBW?

Beitragvon tinabi » 18.08.2017, 11:35

Liebe Forenmitglieder,

mir stellt sich die Frage wie hoch die Vermittlungschancen nach einer Ausbildung im BBW wirklich sind. Mein Sohn (Asperger, 16 Jahre) wird eine Gärtnerausbildung in einem BBW empfohlen, da das die größten Chancen auf einen Ausbildungsplatz bieten würde.

Er hat ein AP absolviert, kann sich jedoch eine Ausbildung dort nicht vorstellen. Ich möchte jetzt nicht diskutieren was sinnvoll ist, oder nicht, meine Frage ist ganz konkret, wie schwer war der Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt für eure Kinder nach erfolgreicher Absolvierung einer Ausbildung im BBW, besonders für Asperger,HF-Autisten.

Irgendwie wird das sowohl vom BBW, wie vom Arbeitsamt verschwiegen, auch auf genauere Nachfragen, habe ich darauf noch keine Antwort bekommen.

Viele Grüße
tinabi

r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 21.08.2017, 20:44

Hallo tinabi

Ich bin zwar kein Asberger, und komme auch nicht aus Deutschland, dennoch stand ich vor einer ähnlichen Situation. CP Leute werden hier zu Lande gerne für eine Bürolehre überredet. Ich war in verschiedenen Institutionen schnuppern, und konnte mir das absolut nicht vorstellen. Ich erfuhr dann auch dass die Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt etwa bei 5 Prozent lag, Ich hab mich dagegen entschieden, und bin heute sehr froh darüber.

Ich kenne einige Leute. Die Leute die ich kenne, die mit Behinderung einen Platz im ersten Arbeitsmarkt haben, fanden ihn meist selbst, und nicht durch irgendwelche Staatliche Organisationen. Ich kenne einige aus der Schweiz, die regelrecht Hängen gelassen wurden.

Und doch, es sollte diskutiert werden, ob so eine Ausbildung Sinn macht. Willst du ihm tatsächlich eine Ausbildung zumuten, wo er schon zum Vorherein sagt dass er sich das nicht vorstellen kann, Nur weil irgendwelche Leute hinter dem Schreibtisch dir eine höhere Chance auf den 1. Arbeitsmarkt versprechen?

Wähle nicht die Arbeit nach der Behinderung. Mach es genau wie Nichtbehinderte auch. Du hast ein Traumberuf, und dann schaust du wie du da hin kommst. Und ja, die Behörden werden das nicht cool finden. Aber letztlich muss dein Sohn den Job ja machen, und nicht die Dame vom Arbeitsamt.

Gruss Raphael
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Beitragvon r.bircher » 21.08.2017, 20:52

Und nebenbei, die Vermittelbarkeit ist bestimmt um einiges höher, wenn man den Job mag. Das vergessen leider viele.

Gruss Raphael
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Marisa 22
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Beitragvon Marisa 22 » 22.08.2017, 08:27

Guten Morgen,
meinem Sohn wurde genau diese Ausbildung auch angeboten.
Er hat eine Förderschule besucht und anschließend den Hauptschulabschluss gemacht über eine Maßnahme die Fit für Ausbildung und Beruf (kurz "FauB") heißt.
In der Förderschule wurde die Ausbildung im BBW jedem Schüler nahe gelegt, ich wurde den Eindruck nie los, das sie dort im Grunde garkeine Alternative kannten.
Ich habe mir damals an einem Infotag das BBW angeschaut, habe mich mit den Ausbildern unterhalten, hab mir das Internat zeigen lassen und die Schüler und den Umgang miteinander angeschaut.
Außerdem hab ich auch sehr kritisch nachgefragt, wieviele Auszubildende sie denn in einen Arbeitsplatz entlassen.
Da wurde auch sehr rum gedruckst.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht wirklich viele.
Ich kenne recht viele junge Leute die eine Ausbildung im BBW gemacht haben und die sind alle arbeitslos.
Diese Ausbildung ist eine abgespeckte Version und so wirklich brauchen tut die Leutchen keiner.
Aber das ist mein Eindruck, meine Meinung.
Ich lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen.
Wir haben uns damals gegen eine Ausbildung am BBW entschieden stattdessen hat er ein BvB Reha mit einem Jahrespraktikum in seinem Wunschbetrieb gemacht, welches vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft begleitet wurde und 2 Tage Unterricht und 3 Tage Praktikum beinhaltete.
Finanziert wurde das über ein Persönliches Budget der Arbeitsagentur.
Danach hat er auch über das BdHW eine 2jährige Unterstützte Beschäftigung gemacht, auch finanziert über die Arbeitsagentur.
Er ist heute fest angestellt in dem Praktikumsbetrieb, dort hatten wir uns durch die Maßnahmen 4 Jahre fest gebissen. 😉
Lg Marisa
Sohn 23J. Entwkl.sstörung,ADS,Lernbehinderung,
Emot. Störung mit soz. Rückzug,Störung d. mot. Funktionen,eheml. Stotterer
Tochter 22J. gesund
Tochter 17J. gesund
Sohn 15J. Entwkl.verzögerung,Lernbehinderung,
ADHS,Störung d.Motorik,
erh. Infektanfälligkeit,Nierenkelch Dilatation rechts
beide Jungs Gendefekt im x Chromosom

tinabi
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Beitragvon tinabi » 22.08.2017, 12:43

Hallo,

ja ich hatte auch den Eindruck daß das Arbeitsamt (mein Sohn hat eine Werkrealschule besucht) gar keine Alternative zum BBW kennt. In der Werkrealschule bekommt jeder Schüler in der 8.Klasse eine Berufsberatung vom AA, bei meinem Sohn wurde nur darauf hingewiesen, da er ja eine Behinderung habe man sich doch gleich an die Rehaberatung wenden solle.

Er war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt wo er dieses psychologische Gutachten absolviert hat, das man braucht um eine Ausbildung am BBW zu machen. Ich habe noch nie in den Stellenanzeigen die Suche nach einem Gartenbaufachwerker gesehen, deshalb ist der Sinn so einer Ausbildung mir nicht klar.

Ich fand das sehr früh, denn jedes Jahr in der Pubertät bedeutet mehr Reifung oder nicht?
Mich störte auch, daß er als er bei dem Fachtest in Mathe schlecht abgeschnitten hat( er will Gärtner werden), gleich die Empfehlung bekam eine Fachwerkerausbildung zu machen.

Er hat bei der Hauptschulabschulssprüfung in Mathe eine 2,5 geschrieben, bei der mittleren Reife nur eine 4,0l, ich weiß daß er in Mathe Förderbedarf hat, alle anderen Bereiche sind aber durchschnittlich bis gut.

Ein Fachwerker ist doch ein Helfer, ich sehe meinen Sohn schon im Bereich einer Vollausbildung. Ich glaube aber das in einem BBW von vorneherein erstmal eine Werkerausbildung empfohlen wird, ob man dann den Anschluß eine Vollausbildung schafft?

Wohnen im Internat lehnt er komplett ab, deshalb wäre nur ein örtlich

es BBW möglich, also sein Weg wir ihn wohl nicht in ein BBW führen :D
LG tinabi

UtePaul
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Beitragvon UtePaul » 20.01.2018, 14:53

Hallo tinabi,

habe Die eine PN geschrieben :D

LG aus BW

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Beitragvon Chantal-Marie » 20.01.2018, 16:10

@tinabi
Das stimmt so nicht, unsere zweitjüngste, ein Frühchen mit Lernbehinderung hat nach der Förderschule übers BBW, bei uns Kolping eine Ausbildung als Maler/Lackiererin gemacht und was soll ich sagen? Sie ist nach Lehrzeitende übernommen wurden. Nachdem sie mit ihrem Freund zusammen gezogen sind hat sie auch am neuen Wohnort zeitnah wieder ne Stelle gefunden. Sie kriegt Tariflohn und heute fragt keiner mehr wo sie ihre Ausbildung gemacht hat. Von abgespeckter Ausbildung war nix zu merken, sie musste im Betrieb genauso ran wie der Meister und die Gesellen.

Ihre Betreuerin bei Kolping war sehr bemüht und hat immer versucht das Beste aus ihren Schützlingen raus zu holen. Es hat ein Großteil der Absolventen hinterher eine Stelle am 1. Arbeitsmarkt zu finden.

Ich bin sehr froh dass wir diesen Weg gegangen sind auch wenn es sehr schwer war.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

helena_muc
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Beitragvon helena_muc » 20.01.2018, 20:20

Die späteren Vermittlungs- und Berufschancen hängen von mehreren Faktoren ab.
1. von der Qualität der Ausbildung und davon, in wie weit das BBW den jungen Menschen auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereiten kann unter fachlich qualifizierter Berücksichtigung der autistischen Störung. Besonders gut geeignet wäre sicher ein BBW aus einem Netzwerk von mit Autismus befassten BBW´s, welche bereits seit einigen Jahren an diversen wissenschaftlichen Studien mitgewirkt haben und über sehr viel Erfahrung verfügen. Es sind dies die Berufsbildungswerke in: Abensberg (Berufsbildungswerk Sankt Franziskus), Greifswald (Berufsbildungswerk Greifswald) Dortmund (CJD Dortmund) und Karben (Berufsbildungswerk Südhessen).

2. von der individuellen Ausprägung der Behinderung.

Ich würde immer dazu raten, es zu versuchen. Die Frage, ob danach wirklich ein Arbeitsplatz gefunden und auch gehalten werden kann, unterliegt einer Reihe von Unwägbarkeiten wie Region, Situation am Arbeitsmarkt nach erfolgtem Abschluss usw.

Viele Grüße
von
helena
Oldie, but goodie


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