Frühgeborene fertig mit Schule - und jetzt?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Silke H-S
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Frühgeborene fertig mit Schule - und jetzt?

Beitragvon Silke H-S » 17.08.2017, 16:40

Hallo, unser großes Problem ist Folgendes, unsere Tochter Johanna (17) ist ein FG (27 SSW)sie ist seit letztem Monat mit der Schule fertig (mittlere Reife, Notendurchschnitt 2,7) So weit, so eigentlich gut. Aber die Frage, wie es jetzt weitergeht, gestaltet sich extrem schwierig. Bei allen Praktikas bekommt sie Probleme, sie ist zu langsam, zu unmotiviert, kann nicht planen, organisieren versteht sich nicht mit den anderen etc. Irgendwas ist immer. Die Frage ist natürlich, welche Probleme sind evtl. Folgen der FG oder was ist Charakter etc.)? Jedenfalls ist an ein FSJ/FÖJ oder gar eine Berufsausbildung so nicht zu denken (abgesehen davon weiß sie auch gar nicht, in welche Richtung sie gehen will). Wir sind natürlich mit dem Arbeitsamt in Kontakt, aber ich wollte mal fragen, ob hier jemand bei seinem Kind das Problem kennt, welche Alternativen es gibt, die erfolgreich waren? Sie benötigt wahrscheinlich wirklich eine intensive Begleitung. Körperlich, organisch etc. ist sie übrigens fit, Therapien bekam sie ewig überhaupt keine, seit einiger Zeit wieder Ergotherapie, was sehr gut ist. viele Grüße und schon mal Danke für die evtl. Antworten. Silke(Bundesland ist bei uns übrigens BW)

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Annileinchen
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Beitragvon Annileinchen » 17.08.2017, 16:59

Hallo Silke,

das Problem kommt mir irgendwie bekannt vor...
Schule ist halt was ganz anderes als Ausbildung oder das "wahre Leben". Manche sind gut in der Schule und haben Schwierigkeiten im Beruf, andere waren Schulversager und blühen mit etwas "Handfesten" richtig auf.

Wenn Deine Tochter so ein "Schultyp" ist, lass sie doch noch weiter zur Schule gehen. Es gibt an Berufsschulen ein sehr weitreichendes Angebot. Alternativ könnte sie Klasse 10 zur Notenverbesserung wiederholen. Mit 17 hat man noch etwas Zeit, sich zu entscheiden. Das geht vielen so.

Liebe Grüße

Annileinchen

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Beitragvon Chantal-Marie » 17.08.2017, 19:38

Unsere zweitjüngste war auch ein Frühchen aber kein extremes aber durch eine schwere Erkrankung im Säuglingsalter hat sie eine Lernbehinderung zurück behalten. Unser Mädel hat eine Förderschule mit dem Hauptschulabschluss beendet und anschließend eine Lehre über Kolping gemacht. Diese hat sie ebenfalls mit Erfolg abgeschlossen und arbeitet seitdem als Maler/Lackiererin.

Ich bin im Gegensatz zu meiner Vorrednerin der Meinung dass ein junger Mensch mit 17 schon wissen sollte in welche Richtung es gehen sollte. Ich habe unsere Kinder immer gefördert aber auch gefordert. Lehre abbrechen hätte ich nie zugelassen. Durchziehen und dann konnten sie immer noch entscheiden was sie machen wollten. Alle unsere Kinder sind erfolgreich im Beruf und ich bekomme manche Umarmung mit der Aussage, Mama du bist die beste und es war gut dass du so knallhart warst. :twisted: Sie sind nicht mehr alle in ihren erlernten Berufen aber damit habe ich keine Probleme. Solange sie arbeiten.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

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Beitragvon T.Sophie » 17.08.2017, 21:56

Also ich finde nicht, dass man immer jede Ausbildugn durchziehen muss. Ist doch Quatsch!
Manchmal merkt man eben erst in der Ausbildung, dass der Beruf doch gar nichts für einen selber ist.
Und mit 17 ist es tatsächlich bei manchen so, dass sie noch gar nicht wissen was sie genau machen wollen. Es ist doch kein Fehler, wenn man manchmal länger braucht.

Ich persönlich würde wirklich schauen, dass Johanna noch irgendwie weiter Schule machen kann. Es muss ja nicht gleich Abitur sein. Aber es gibt schon einige Möglichkeiten weiter zur Schule zu gehen und neben bei Praktikas zu machen um besser heraus zu finden, was man werden möchte.
Baujahr 1988 / diverese Traumafolgestörungen / Tinitus, Dysplasie im Knie / chronische Magen-Darm-Probleme (subtotale Dickdarmentfernung + Entfernung der Galle)
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Beitragvon claudia64 » 17.08.2017, 22:35

Wenn ihr in BW wohnt, bietet sich doch eine Ausbildung über ein Berufskolleg an.
Da hat sie nach drei Jahren einen Berufsabschluss UND das Fachabitur, kann evtl. auch noch studieren. Dabei gibt es viele mögliche Berufe, wenn man auch mal in den Nachbarstädten guckt. Geld gibts nicht, es kostet aber auch nichts und sie (oder du :wink: ) kann Schülerbafög beantragen.

Meine Tochter, auch langsam(er als andere), ist jetzt im 3. Ausbildungsjahr und würde sich immer wieder für das Berufskolleg entscheiden.
C., Hashimoto, Morbus Dercum,
mit R., ♀, * '96, ASS, HB, ADHS, Asthma, Gelenkschmerzen
und M., ♀, * '00, Asthma, seit 05/16 Sensibilitätsstörungen d. li. Körperhälfte ohne erkennbare Ursache

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Beitragvon nataschawolle » 17.08.2017, 22:43

hi

meine tochter hat ein freiwilliges jahr gemacht, das hat ihr mega gut getan.


lg natascha

ich hbae ihr das damals angeboten, mit dem hintergrund, den wusste sie,
sie bekommt zeit geschenkt
ihr muss es auch nciht unbedingt spass machen
aber sie sollte die zeit nutzen um sich gedanken zu machen
natascha mit julia 93, gina 97 mageneingangfehlbildung mit reflux (hiatushernie) morotrische defizite, maria und anna 02, zehenfehlstellung, empfindliche lungen, maria extrem mit narbenbildung nach lungenentzündung, die 4 sind das wundervollste chaos dieser welt

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Beitragvon Line86 » 17.08.2017, 22:48

Hi,
kommt ihr eher aus dem südlichen BW oder nördlichen?
Ich kenne mich hauptsächlich im RP Karlsruhe aus...
Lg Line
Ich habe selbst viele Besonderheiten (u.a. Psoriasis Arthritis, Asthma, z.n 20 Operationen) und Sonderpädagogin mit FS GENT/L im SBBZ KMENT

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Beitragvon milenakatze » 04.02.2018, 11:53

Hallo.....wir gehören auch dazu und wollte mal nachfragen,ob sich bei euch etwas ergeben hat.......meine Tochter auch 30SSW. auch verlangsamt , Rollifahrerin und Fußgängerin, merkt nun aber das sie fitter ist, wenn sie mehr E-Rolli fährt.....sie hat eine Cerebralparese.......rechtsseitig betont.
Sie hat sogar Abitur mit 2,5 in 2017gemacht und ist ohne Ausbildungsplatz, es hagelt nur Absagen....sie bewirbt sich viel als Verwaltungsfachangestellte wo eigentlich ein Realschulabschluss verlangt wird........und trotzdem klappt es nicht........nun will ein Amt sie einstellen,einen zusätzlichen Ausbildungsplatz einrichten......aber nur , wenn dieser zu 100% finanziert wird vom Integrationsamt......70% werden nur übernommen ........sind beim Bündnis für Arbeits und Ausbildungsplatzsuchendefür Menschen mit Behinderung in Rendsburg gelandet......Vielleicht sollte sie doch lieber studieren........mit der richtigen Unterstützung würde das wohl besser klappen........L.G. Doris Wasmund

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Beitragvon Silke H-S » 04.02.2018, 13:10

Hallo Milena,
Unsere Tochter ist seit einer Woche zu einer Reha im Jugendwerk Gailingen am Bodensee, wo nochmal verstärkt nach ihren Fähigkeiten, Problemen etc. geschaut werden soll. Sie hat im Prinzip 4 Wochen lang tägl. Arbeitstherapie, Ergoth. etc. Ich ein paar Wochen kann ich mehr berichten. Das es diese Möglichkeit gibt, wissen wir aber nicht etwa von Arbeitsamt, Ärzten usw. sondern von einer Freundin, die sich zufällig damit auskennt. Auch ist noch nicht ganz klar, wer das bezahlt, die RV hat es bis jetzt abgelehnt. Aber das ist ein anderes Thema.
Deine Tochter hat ja ein gutes Abi gemacht, damit kann sie ja studieren. Wenn sie in die Verwaltung will: es gibt ja für jedes Bundesland eine FH für Verwaltung. Die für BW ist in Kehl und die suchen auch Leute. Aber vielleicht wißt ihr das alles schon.
Ich kann mich gern noch mal melden, wenn Johanna mit der Reha fertig ist.
viele Grüße und noch einen schönen Sonntag.
Silke

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Lucky
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Beitragvon Lucky » 04.02.2018, 13:55

Hallo milenakatze,

ich würde deiner Tochter bei Ausbildung etwas mit Aussicht auf Verbeamtung empfehlen (öffentliche Verwaltung). Der Arbeitsplatz ist "sicherer" und man hat u.a. mehr Urlaubstage/Nachteilsausgleiche aufgrund der Behinderung, als auf dem "freien Markt".

Oder wirklich ein Studium - je höher der Ausbildungsgrad, desto leichter später die Arbeitsplatzsuche! Leider ist die Arbeitslosenquote auch bei Akademikern mit Behinderung immer noch deutlich höher, als bei Nichtbehinderten mit gleicher Qualifikation.


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