Integrationshelfer für die Grundschule 1. Klasse

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Juvy
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Integrationshelfer für die Grundschule 1. Klasse

Beitrag von Juvy »

Hallo,

Mein Sohn (6j) kommt Ende August in die Schule.
Er trägt Hörgeräte, hat viele andere Baustellen (entwicklungsrückstand, expressive Sprachstörung, Aufmerksamkeitsstörung beim Kind, Verdacht auf Autismus Spektrum-Störung, Pflegegrad3) und kann nur mit Integrationshelfer beschult werden.

Heute kam der Bewilligungsbescheid das mein Sohn eine Integrationskraft zusteht für max 24,50€ pro Std.

Ich kenne mich mit dieser ganzen Integrationsgeschichte so gut wie garnicht mit aus.
Ich hatte Schulwegbegleitung mit angekreuzt, im bewilligungsbescheid steht aber leider OHNE SCHULWEGBEGLEITUNG.

Ich habe daraufhin heute beim Sozialamt angerufen und nachgefragt woran das liegen mag.
Der Sozialamtmitarbeiter sagte mir daraufhin recht unhöflich das es in der ersten Klasse nicht üblich sei eine Schulwegbegleitung fürs Kind zu bekommen, denn schließlich werden normale Kinder in der ersten Klasse auch noch in die Schule gebracht. Seiner persönlichen Meinung nach müsste das Sozialamt auch nicht dafür aufkommen, denn er bringe sein Kind selbst in der 4. Klasse noch zur Schule.

Mmmmh, meine beiden Mädchen (die völlig normal entwickelt sind, sind nach nem halben Jahr bzw. die jüngere bereits nach 4 Wochen alleine gegangen, beide wollten dann auch alleine gehen)

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich ja gehofft das mein Kind auch auf dem Schulweg begleitet wird.

Wird das während der gesamten Grundschulzeit nicht bewilligt?
Wie sind eure Erfahrungen?

Lg Sabrina

kati543
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Beitrag von kati543 »

Hallo,
das kommt irgendwie auch darauf an, wo du wohnst (also das entsprechende Gesetz) und wie weit das von der Schule entfernt ist. Bei uns ist eine Schulwegbegleitung sofort ausgeschlossen. Jedoch wäre bei einer Entfernung von mindestens 3,75 km UND ein festgestellter sonderpädagogischer Förderbedarf UND die nachgewiesenen Gründe der Eltern, warum sie das Kind nicht selbst in die Schule bringen können, eine Schülersonderbeförderung möglich.
Eine Schulwegbegleitung ist wirklich extrem selten und wird hier erst genehmigt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
Gerade im ersten Schuljahr fände ich an deiner Stelle den täglichen direkten Kontakt mit den Lehrern sehr wichtig. Dein Kind kann sich ja nicht richtig äußern, oder? Wird es dir denn erzählen können, was jeden Tag war? Ehe die I-Kraft weiß, was sie zu tun (und zulassen) hat, vergeht auch Zeit.
Ganz ehrlich - ich bin auch jeden Tag in der Grundschule und hole den Kleinen ab. Jetzt kommt er in die 4. Klasse. Abgeholt wird er von seiner I-Kraft, die sowieso vor unserem Haus parkt (wir wohnen gegenüber von der Schule).

Ist er denn von der Schule aus wirklich ohne I-Kraft unbeschulbar? Das ist schlecht. Das ist mein Jüngster auch. Er muss zu Hause bleiben wenn er Krankheitsbild und wenn die I-Kraft fehlt. Und es gibt da schon manche Kranktage, Fortbildungstage, Teamsitzungen,...

LG
Katrin
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Rob
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Beitrag von Rob »

Hallo, Sabrina,

das zu hören, tut mir leid. Über so ein Gespräch mit einem Behördenvertreter könnte ich mich dann auch ärgern. Doch vielleicht ist das nicht wirklich so gemeint.

Die genannten 24,50 Euro sind eher als Richtwert zu verstehen. Bis zu dieser Höhe werden anscheinend die Kosten von der bewilligenden Stelle ohne weitere Nachprüfung übernommen. Die gleichen Leute sollten jetzt eine Empfehlung aussprechen, an wen Du Dich wenden kannst für die Leistungserbringung - und diejenigen können auch ganz gut beraten.

Die Sache mit der Schulwegbegleitung müsste von Dir dagegen sehr gut begründet und mithilfe von ärztlichen Empfehlungen, einer Wegbeschreibung und einer Darstellung der wahrscheinlichen Gefahren für das Kind versehen werden. Du müsstest erklären können, warum Du oder eine andere Vertrauensperson Dein Kind nicht im ersten Jahr zur Schule begleiten kannst. Die Schulwegbegleitung muss "alternativlos" erscheinen und sie muss sich auf die individuelle Besonderheit Deines Kindes beziehen (§ 9 SGB XII).

Hattest Du mit dem sozialhilferechtlichen Fachdienstler zu tun gehabt oder konntest Du Dich mit der Person unterhalten, welche die Schulbegleitung bewilligte? Es gibt in vielen Fällen eine Trennung der Zuständigkeiten. Derjenige, welcher als Ansprechpartner auf dem Leistungsbescheid steht, ist wahrscheinlich nicht in der Lage zu verstehen, welche individuellen Besonderheiten zu berücksichtigen sind.

Mein Tipp an Dich:

Ruf noch einmal an und frag nach einer Empfehlung für die Schulbegleitung (Leistungserbringer nach § 75 SGB XII). Mit denen machst Du einen Termin und besprichst das Problem.

Und dann schreib mal hier rein, was daraus geworden ist.

Alles Gute.

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Alexandra2014
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Beitrag von Alexandra2014 »

Hi!
Du könntest das ja z.B. so begründen, dass Du pünktlich bei der Arbeit sein musst, deswegen nicht erst zur Schule laufen kannst und jedes gesunde Kind ja z.B. bereits früher in der Schule sein kann, da es die Betreuung der OGS vor dem Unterricht gibt - wo dein Kind ja behinderungsbedingt nicht hin kann und wenn, dann nur mit Schulbegleitung und DAS würde ja teurer werden für's Amt.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

monika61
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Re: Integrationshelfer für die Grundschule 1. Klasse

Beitrag von monika61 »

Juvy hat geschrieben:

Ich hatte Schulwegbegleitung mit angekreuzt, im bewilligungsbescheid steht aber leider OHNE SCHULWEGBEGLEITUNG.
Hallo Sabrina,

vielleicht helfen Dir diese Infos weiter:

http://www.forum-munterbunt.de/index.ph ... 4#post6224

LG
Monika

kati543
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Beitrag von kati543 »

Hallo Alex,
mit so einer Begründung wäre ich vorsichtig. Bei uns sind die Schulbegleiter sofort anwesend, wenn die Schule öffnet. Deren Arbeitszeit beginnt kurz davor. Die I-Kinder können selbstverständlich mit Schulöffnung in die Schule kommen und nicht erst mit dem Stundenklingeln.
Ob das teurer ist oder nicht, ist der Sachbearbeiterin auch persönlich vollkommen egal - ist ja nicht ihr Geld. Sie wird aber kontrolliert und muss nachweisen, ob ihre Entscheidung gerechtfertigt war. Dann hängt unter Umständen ihr Job dran. Es ist also schon nicht ganz unerheblich, ob eine Schulwegbegleitung genehmigt wird, die eigentlich nicht begründet werden kann (aber deutlich preiswerter ist) ODER ein Schulbegleiter für den kompletten Schultag, der aufgrund der Behinderungen sehr wohl begründet werden kann.

Warum ist also ein Elternteil nicht in der Lage, sein Kind in die erste Klasse zu bringen? Alle anderen Eltern machen das ja auch. Es gibt viele gesunde Kinder, die den Schulweg auch in der 2. Klasse nicht allein schaffen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Sowas muss man begründen. Pünktlich bei der Arbeit sein müssen andere auch ;-). Wo ist jetzt der Unterschied zum gesunden Kind? Es gibt schon Gründe, die sowas rechtfertigen - aber etwas genauer und wirklich personenbezogen muss das dann schon sein.

LG
Katrin
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Sharima003
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Beitrag von Sharima003 »

Hallo,
meine Tochter wurde das erste Jahr mit Taxi zur Schule hin- und zurück gefahren. Ein Schulweg war 3 Kilometer lang. Eigentlich hätte sie Bus fahren sollen, aber das wäre nie gut gegangen, da der Bus nicht umsonst "Viehtransporter" heißt (total überfüllt) und sie auf den Rückweg auch noch einmal hätte umsteigen müssen. Ich habe das problemlos genehmigt bekommen. Grund war ihr Asberger. Sie wurde dann tgl. vor der Haustür abgeholt und auch wieder zurück gebracht. Gutachten wollte keiner. Eine Schulbegleitung hatte sie aber auch zu der Zeit. Es war allerdings ein Sammeltaxi. Ich glaube 5 Kinder saßen drin. Da meine Tochter aber als letztes Einstieg und als erstes wieder raus musste, war die Fahrzeit nicht länger, als wenn ich sie gefahren hätte.

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Alexandra2014
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Beitrag von Alexandra2014 »

kati543 hat geschrieben:Hallo Alex,
mit so einer Begründung wäre ich vorsichtig. Bei uns sind die Schulbegleiter sofort anwesend, wenn die Schule öffnet. Deren Arbeitszeit beginnt kurz davor. Die I-Kinder können selbstverständlich mit Schulöffnung in die Schule kommen und nicht erst mit dem Stundenklingeln.
Ob das teurer ist oder nicht, ist der Sachbearbeiterin auch persönlich vollkommen egal - ist ja nicht ihr Geld.
Ich muss dir da widersprechen!
Ich rede nicht von den Öffnungszeiten der Schule, sondern denen der Betreuung in der OGS (offener Ganztag). Ich erinnere daran, wie viele Eltern darum kämpfen müssen, eine Schulbegleitung für die nachmittägliche Betreuung in der OGS zu bekommen. Genau so sieht es für die Betreuung vor Unterrichtsbeginn aus.

Hier im Ort können Kinder ab 7:00 Uhr in die OGS gebracht werden. Die Schule beginnt um 8:05 Uhr.
Der Besuch der OGS ohne Schulbegleitung ist hier nicht möglich.

Ob teuer oder nicht, ist ganz und gar nicht egal. Der Sachbearbeiter muss seine Ausgaben rechtfertigen. Mir hat ein SB des Jugendamtes wortwörtlich gesagt, er zahle lieber den Schülerspezialverkehr zur Förderschule ins benachbarte Bundesland, als jedem dieser sechs Schüler in der Regelschule eine Schulbegleitung zu bezahlen (da das natürlich viel teurer kommt, pro Kopf).
Es geht immer nur ums Geld!

Und natürlich gibt es Eltern, die ihr Kind nicht um 8 Uhr morgens zur Schule bringen können, weil sie bereits um 7:30 Uhr (oder um 8 Uhr, aber mit 20 minütiger Fahrzeit) im Büro/Krankenhaus/in der Bank sitzen müssen. Die bringen ihr Kind dann früher in die OGS oder Oma geht mit. Aber nicht jeder hat eine Oma vor Ort. :wink:

Gruß
Alex

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