Meinungen - Kleinkind Sprachentwicklung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

Moderator: Moderatorengruppe

Sheila0505
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 02.03.2017, 11:22

Beitragvon Sheila0505 » 22.08.2017, 00:08

Hi, erstmal DANKE Lisaneu für deine ausführliche Antwort. Ich habe erst jetzt bemerkt das ich vergessen hatte dir zu danken. Die vielen Infos sind echt superklasse - also Danke Dir nochmal :)

Ich wollte ein kurzes Update geben und gleich darauf mal wieder Fragen stellen :-/

Aktuell Alter (28-29 Monate alt, kortigiert - 3 Monate)

Also wir waren in der HNO Klinik => alles super, er hört super gut und Pädaudiologie meinte wir bräuchten vorläufig keine weiteren Untersuchungen.

Wir hatten den Bayley Test und auch da machte er sich recht gut. Entwicklungsverzögert (motorisch, sprachlich usw), aber das wussten wir vorher schon.

Kognitiv war er sogar noch im Durchschnittsbereich, das freute uns unheimlich. Ja ich weiß, es sind nur Zahlen auf einem Papier - aber dennoch beruhigt es einen dann doch.
Die Ärztin meinte im Nachgespräch das die gelösten "nicht sprachlichen Aufgaben" allerdings viel zu stark von den gelösten "sprachlichen Aufgaben" innerhalb der kognitiven Testung voneinander abweichen und das sollte wohl nicht so sein.
Daher rückte nun seine sprachliche Entwicklungsverzögerung in den Vordergrund und wir haben bald wieder Logopädie.
Sprachlich hat sich bei uns glücklicherweise was getan, denn er kann das Wort "Nein" nun sehr gut sprechen was zuvor nicht ging.
Und es kamen "Dö" und "Da" Wörter hinzu. Heißt: er bemüht sich Dinge zu benennen wie bspw.
Traktor = Dadö
Katze = Dadä
Trinken = Dädä usw. usf. also alles recht ähnlich, aber die Sprachmelodie und Silbenanzahl stimmt irgendwie.
Allerdings ist es immer eine Raterei, denn "Dadä" kann z.B. nicht nur die Katze sein, sondern auch irgendetwas anderes mit ähnlichem Wortlaut wie bspw. "Tanzen" oder "Danke".

Er macht nach wie vor keine Tierlaute und singt/summt auch keinerlei weitere Melodien. Dahingehend kommt (noch) gar nichts.
Des Weiteren versucht er Farben zu bennen (Englisch):
Green = Gii
Red = Dää
Yellow = Jiil(seltsamer Gurgellaut)
Orange = An(seltsamer Gurgellaut)
Blue = Blll
Purple = Böabbl (das sagt er am Besten)
White = Iiit
=> Aber ich verstehe ihn zumindest wenn er mir die Wunschfarbe seines Strohhalmes sagt :)
Allerdings natürlich nur, wenn ich weiß das es um Farben geht.

Ansonsten die "Bl" und die "Da/Dä" Laute.
Und für Licht sagt er "Li(seltsamer Gurgellaut)

Also es ist wirklich was passiert die letzten Wochen, aber selbst wir Eltern verstehen nur was er meint wenn wir wissen worum es geht (z.B. deutet auf Lampe, auf eine Farbe usw.). Ansonsten vetstehen wir kaum etwas und es ist eigentlich immer eine Raterei (gut das er Nein sagen kann :) ..)

Unser älteres Kind hatte als Säugling angefangen mit Lauten zu spielen und bald darauf auch mit Lautmalereien und hatte als Kleinkind so die normale Kleinkind/Babysprache, also feste Wörter wie "Heine" für "noch eine" oder "Ato" für "Auto", "Nane" für "Banane"...
Es ist irgendwie total anders beim Kleinen, er bekommt es nach wie vor nicht richtig raus und scheint immer so angestrengt und bemüht zu sein.
Sich selbst benennt er nur mit Gestik indem er auf sich deutet.

Daher meine erste Frage: Wie haben sich "Sprechstörungen" bei euren Kleinen zu Beginn geäußert? Kann man das überhaupt sagen? Oder ist es bei uns vielleicht gerade der bekannte Knoten der soeben platzt und sich nun peu à peu löst? Gibt es Anzeichen für Sprechstörungen? Würdet ihr euch Gedanken diesbzgl. bzw. in unserem Fall machen?

Das nächste ist was mir Sorgen macht: Bei ihm war immer die rechte Körperseite die Sorgenseite. V.a. Hemiparese, Tonusregulationsstörung/hypoton usw.
Nun ist der Muskeltonus links erhöht und es entwickelt sich linksseitig ein vermehrter Zehenspitzengang. Sein rechter Fuß ist vorne an den Zehen nach innen rotiert.
Nun frage ich mich, ob das nun mit seinen Artikulationsproblemen zusammenhängen kann. Physio winkt immer ab, vielleicht sollte ich mir daher wirklich nicht so viele Gedanken machen?

Ach ja, wir sind nun auch bei einer Heilpädagogin (SPZ) und er soll nächstes Jahr in eine Integrationsgruppe (Kita) kommen (aufgrund seiner Vorgeschichte und Regulationsstörung/propriozeptive Wahrnehmungsstörung, Entwicklungsverzögerung...).
Ich bin diesbzgl erleichtert, weil ihm eine kleinere Gruppe sicherlich gut tun wird.

Danke fürs Zuhören bzw. fürs Lesen. Über Antworten/Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße Sheila

Werbung
 
Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13391
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 22.08.2017, 01:34

Hallo Sheila,

ja, wie schon geschrieben, ich würde mir zügig eine gute Logo suchen, die eine Qualifikation für VED hat. Klingt doch sehr danach, als hätte er die Wörter korrekt und fertig im Kopf, und bringt sie nicht heraus ...
Hast Du ihm nun mal Gebärden oder Bildkarten angeboten? Hat er sie angenommen?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Sheila0505
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 02.03.2017, 11:22

Beitragvon Sheila0505 » 22.08.2017, 08:23

Hallo Engrid, also ich hatte mir das zu Herzen genommen und auch eine Praxis gefunden welche speziell VED auf ihrer Homepage aufgelistet hat.
Ich hatte ein Gesprächstermin bei unserer Kinderärztin (das war bevor die Testergebnisse vom Bayley da waren). Ich hatte das angesprochen aber nachdem er in einem Bilderbuch auf alles zeigen konnte was sie ihm benannt hatte, winkte sie ab und meinte solange er alles versteht kann man locker bleiben. Mit der Wahrnehmungsstörung und Entwicklungsverzögerungen/motorische Schwerpunkte sei er bzw. das Gehirn lt. Kinderärztin einfach mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt und man könne nicht zu viel erwarten. Die Augenklinik meinte zudem nun, das er bzgl seines Strabismus nächstes Jahr vllt operiert werden muss, er sieht doppelt und das käme auch noch dazu.
So wie ich das verstanden hatte: wenn er "normal" entwickelt wäre dann könnte/müsste man das enger sehen. Solange er aber noch so viele andere Förderbereiche hat, muss man/soll ich ihm Zeit geben.

Daher hatte ich nun vor, die SPZ Logopädin vorerst zu fragen inwiefern sie auf Sprechstörungen/VED.. spezialisiert ist. Das weiß ich ja gar nicht..

Aber auch wenn die Kinderärztin meint ich könne erstmal locker bleiben, mache ich mir als Mama ein wenig Sorgen :-/ Daher frage ich hier nochmal mit Update seiner Entwicklung
Ich habe auch schon überlegt jetzt nachdem die Ergebnisse vom Bayley da sind nochmal Vorzusprechen bzgl Verordnung. Im Bayleytest wichen die gelösten Aufgaben sprachlich/nicht sprachlich mit einer Differenz von 60% voneinander ab. Gelöste sprachliche Aufgaben waren es nur 16%.

Wenn ich nur wüsste ob meine Sorgen tatsächlich umsonst sind dann wäre ich schon sehr erleichtert. Andersherum möchte ich mich auch nicht zurücklehnen solange ich dieses mulmige Gefühl bzgl seiner Sprachentwicklung habe.

Wenn du meinst das es sich nach wie vor nach VED anhört, dann werde ich da am Ball bleiben. Deswegen frage ich ja nach, um das besser einschätzen zu können. Ich danke Dir wirklich sehr für deine erneute Einschätzung :)


Ach ja: Bildkarten habe ich noch nicht versucht, aber die von der Logopädin übermittelte pantomimische Sprachbegleitung => nimmt er leider so gar nicht an, es interessiert ihn leider überhaupt nicht. Er schaut mich dabei nicht an :-/ Bildkarten: Da wollte ich noch schauen, gut das du mir das nochmal sagst. Vielleicht geht das wirklich besser.

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1822
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 22.08.2017, 11:08

So, wie du beschreibst, dass sich dein Sohn mitteilen will, stelle ich mir Bildkarten als sehr hilfreich vor. Es geht ja nicht nur darum, zu verstehen was andere sagen, sondern auch darum, sich selbst mitzuteilen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1822
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 22.08.2017, 11:10

Hallo Sheila0505,

wenn du Bildkarten zu bestimmten Themen suchst, bzw. zu Wörtern, die bei euch öfter in Verwendung sind, dann wende dich gern an mich. Zum Kauf kann ich die DVD "Metacom" empfehlen, da ist 8000 Bildkartensymbole drauf. Aber probier lieber erst mal aus, wie dein Sohn die Bildkarten generell annimmt, denn billig ist METACOM leider nicht.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13391
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 22.08.2017, 11:13

Hallo,

Ich hatte das angesprochen aber nachdem er in einem Bilderbuch auf alles zeigen konnte was sie ihm benannt hatte, winkte sie ab und meinte solange er alles versteht kann man locker bleiben. Mit der Wahrnehmungsstörung und Entwicklungsverzögerungen/motorische Schwerpunkte sei er bzw. das Gehirn lt. Kinderärztin einfach mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt und man könne nicht zu viel erwarten.
Das ist so allgemeines pauschales Wahrnehmungsstörungsgerede und stimmt sicher oft, aber eben nicht immer. Es zeigt, dass da jemand wenig Ahnung hat und nicht genau hinsieht. Wie auch, ist kein Facharzt, kein Experte.
Klar kann man mit einer VED auf alles zeigen, das Sprachverständnis ist ja voll da. Das Mitteilungsbedürfnis wäre auch da, bloss der Output funktioniert nicht.
Lass Dich nicht von der Kinderärztin ausbremsen - habe ich damals auch viel zu lange gemacht. Ich möchte mal sehen, wie locker sie selber bleiben würde, wenn sie gerne sprechen möchte, aber nichts Verständliches herausbringt.

Mache doch zumindest mit der Logo mal einen Schnupper- bzw. Gesprächstermin aus.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1822
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 22.08.2017, 11:44

Engrid hat geschrieben:Hallo,

Ich hatte das angesprochen aber nachdem er in einem Bilderbuch auf alles zeigen konnte was sie ihm benannt hatte, winkte sie ab und meinte solange er alles versteht kann man locker bleiben. Mit der Wahrnehmungsstörung und Entwicklungsverzögerungen/motorische Schwerpunkte sei er bzw. das Gehirn lt. Kinderärztin einfach mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt und man könne nicht zu viel erwarten.
Das ist so allgemeines pauschales Wahrnehmungsstörungsgerede und stimmt sicher oft, aber eben nicht immer. Es zeigt, dass da jemand wenig Ahnung hat und nicht genau hinsieht. Wie auch, ist kein Facharzt, kein Experte.
Klar kann man mit einer VED auf alles zeigen, das Sprachverständnis ist ja voll da. Das Mitteilungsbedürfnis wäre auch da, bloss der Output funktioniert nicht.
Lass Dich nicht von der Kinderärztin ausbremsen - habe ich damals auch viel zu lange gemacht. Ich möchte mal sehen, wie locker sie selber bleiben würde, wenn sie gerne sprechen möchte, aber nichts Verständliches herausbringt.

Mache doch zumindest mit der Logo mal einen Schnupper- bzw. Gesprächstermin aus.

Grüße


Volle Zustimmung! Die Kinderärztin hat in erster Linie mit gesunden Kindern zu tun, wo eben auch viele late-talker dabei sind. Das kann bei euch natürlich auch der Fall sein. Aber sie ist NICHT der erste Ansprechpartner bei der Diagnose einer VED oder Wahrnehmungsstörung.

Hier im Forum sind viele Empfehlungen, auch von guten Logopäden. Lieber einmal zu viel vorstellig werden als wertvolle Zeit verlieren! Wenn du das Ganze streßfrei angehst spricht nichts dagegen. Du musst nicht von jetzt auf gleich eine langfristige Therapie anleiern. Aber eine Logopädin erkennt einfach besser ob was auffällig ist als eine Kinderärztin.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Sheila0505
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 02.03.2017, 11:22

Beitragvon Sheila0505 » 22.08.2017, 17:50

Danke euch allen :) Also ich habe heute eine Logopädiepraxis erreicht und der Logopäde (Chef) hatte nun zurückgerufen (nachdem die erste Logopädin der Praxis auf ihn verwies, da es nicht ihr Schwerpunkt ist - hat mich positiv überrascht) und sehr lange mit mir telephoniert (viel über ihre Arbeit berichtet, ihre Schwerpunkte und Fortbildungen, über ihre Erfahrungen usw.) und er hat offenbar sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet der Sprechstörungen/VED und ebenso mit Kindern mit Paresen.
Überhaupt fühlt es sich richtig toll bzw. erleichtert an, nun aktiv geworden zu sein und die Praxis macht mir einen wirklich super Eindruck (bzw. das was ich alles erfahren habe usw.). Ich glaube das war gut so und das wir dort erstmal gut aufgehoben sind bzgl. Diagnostik. Bestenfalls ist nichts und es steckt doch nichts dahinter. Aber falls doch, dann habe ich die Sicherheit mich richtig entschieden zu haben - Dank Euch. :)
Was ich auch super fand war, das sie sehr gerne auch mit seinen anderen Therapeuten - falls wir dort Logo tatsächlich starten - in Verbindung treten wollen und gemeinsam Therapien besprechen wollen (Ergo, Physio, Heilpädagogik..).

Nun hoffe ich, das mir unsere Kinderärztin das Rezept ausstellt. Da sie ja empfohlen hatte zu warten habe ich schon auch ein mulmiges Gefühl nun in Eigenregie gegen ihre ärztliche Meinung Logopädie angeleiert zu haben. Da sie im Urlaub ist dauert es noch bis mitte September bis ich einen Termin bei ihr habe und mit ihr über das Rezept sprechen kann.

Ich werde aber auf jeden Fall hier im Thread berichten, für alle die es vielleicht interessiert und/oder in einer ähnlichen Situation mit vielen Fragezeichen im Bauch sind.

Ich danke euch sehr für all die vielen Antworten und den vielen Input :)

Liebe Grüße Sheila

Sheila0505
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 02.03.2017, 11:22

Beitragvon Sheila0505 » 22.09.2017, 23:23

Hi, ich wollte ein kurzes Update geben.

Also mittlerweile ist er unkorrigiert knapp 2,5 J (knapp 30 Monate -12 Wochen) und die Kinderärztin stellte mir erfreulicherweise sehr gerne eine Heilmittelverordnung aus als ich danach fragte. Somit konnte ich sofort einen fixen Termin in der Logopädiepraxis vereinbaren.

Wir waren nun zur Vorstellung dort und es wurde zum ersten Mal so "richtig" auf seine Sprachentwicklung eingegangen und sich intensiv damit beschäftigt.

Der Logopäde meinte, dass er dringend Unterstützung braucht und es sehr gut war am Ball zu bleiben. Dieses Aufschieben "in der Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch was von alleine tut" fand er in unserem Falle nicht so gut und wir werden nun 2x wöchentlich Logopädie bekommen.
Soweit ich das verstanden habe, werden wir mit PROMPT arbeiten - mit Bildern/Symbolen und taktilen Stimulierungen.
Allerdings hat er nicht nur von PROMPT gesprochen, aber ich habe leider wieder vergessen wie das alles geheißen hat.

Übrigens hat sich bei uns kaum was verändert/verbessert.

Seine 4 Stammwörter sind geblieben, die anderen haben sich zum Teil leicht verändert, teilweise dezent verbessert. Wenige sind wieder gänzlich verschwunden - spricht er nicht mehr nach, schweigt.

So hat sich z.B. verändert:

Statt
Green = Gii sagt er jetzt Gee

Statt
Red = Dää sagt er jetzt Ded

Statt
Yellow = Jiil(seltsamer Gurgellaut) sagt er jetzt "Lala" (wobei "Lala" auch anderes bedeuten kann)

Der Hund "Wawa" und das Stimmspiel bei einer Katze sind gänzlich verschwunden, seit Wochen. Tierlaute macht er gar keine und Melodien kamen auch keine hinzu.

Er hat sich aber nun selbst einige Gestiken verinnerlicht und kommuniziert auch damit - ohne mein Zutun. Wenn er etwas benennen möchte und nicht sprechen kann - wir nicht wissen was er meint - dann versucht er es zunehmend durch Körpersprache irgendwie zu verdeutlichen was er meint. So schwingt er beim Helikopter bspw. kreisend die Arme über seinen Kopf um die Propeller nachzuahmen oder er öffnet immerwieder seine Hand wenn er etwas haben möchte.

Beim Auto = Dade (kann mehrere Sachen bedeuten) brummt er nun anschließend mit den Lippen um uns zu verdeutlichen das er mit "Dade" das Auto meint.

Also ich denke, dass es gut war JETZT zur Logo zu gehen. Uns wurde gesagt, dass es ein sehr langer Weg werden kann und wir als Familie bei der Therapie intensiv miteinbezogen werden.

So viel zu uns :) Danke für eure vielen Ratschläge und den Schubser in Richtung Logopädie.

Liebe Grüße Sheila

Werbung
 
Sheila0505
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 02.03.2017, 11:22

Beitragvon Sheila0505 » 28.10.2017, 10:51

Hallo ich melde mich jetzt noch einmal, denn ich habe mal wieder ein paar Fragen :roll:

Also vorab: Als ich damals hier angefangen habe zu fragen, da war ja so ziemlich alles neu für mich und diese ganzen Kürzel, Sprechstörungen usw. waren für mich als absoluter Laie ja unheimlich viele Infos zum Recherchieren und zum Belesen. Danke euch für Eure Hilfe, das war echt super.

Blöderweise habe ich das mit der VED absolut vergeigt. Ich hatte ja zich Logopädiepraxen angeschaut, Homepages durchstöbert usw. Als ich dann damals bei dieser Praxis angerufen hatte, war ich mir zu 100% sicher, dass diese VED in petto hat. Ich war mir sicher, dass ich es bei dieser Praxis auf der Homepage gelesen hatte. Sie hatten die Arbeit mit Cerebralparesen Kinder aufgelistet und auch Sprechstörungen wie bspw. die Sprechapraxie. Beim Telephonat ging ich also davon aus, das sie die VED auch auf dem Schirm haben. Letztendlich habe ich erst viel später erfahren, dass wir am Telephon absolut aneinander vorbei geredet hatten bzgl. VED - was letztendlich meine eigene Schuld war.
Naja Ende vom Lied: VED kannten sie gar nicht.

Ich weiß bis heute nicht, wie ich darauf kam und warum ich mir so sicher war. No idea. Womöglich hatte ich die VED zum damaligen Zeitpunkt mit dem Störungsbild der Sprechapraxie verwechselt - ich weiß es nicht.
Also das wollte ich im Vorfeld noch kurz berichten, weil es nun mein jetziges Anliegen begründet.

Mittlerweile bin ich schon etwas besser im Bilde als damals, habe unheimlich viel über Sprachentwicklung und Sprechstörungen gelesen - mich täglich damit befasst - und z.B. auch ein Buch explizit über die VED gekauft und gelesen. Es tun sich aber irgendwie immer wieder neue Fragen auf und das "etwas mehr im Bilde sein" heißt ja nicht, dass ich nun unheimlich gut informiert bin ;) sondern nur, dass ich mir etwas mehr Überblick verschafft habe.

Wir waren auch erneut im SPZ (Logopädie) und auf Nachfrage bzgl Sprechstörungen meinte die Logopädin, das unser Junge durchaus konkrete Hinweise auf eine VED oder evtl. auf eine Sprechapraxie hätte, er aber im Grunde noch zu jung sei, dringend regelmäßig Logopädie (2/wöchentl.) bräuchte und man schauen müsste, wie sich die weitere Sprachentwicklung verhält. Wir erstmal an einer Kommunikationsbasis arbeiten sollten, mithilfe von UK.

Durch den ersten Block Logopädie war ich bzgl der Praxis sehr verunsichert, gekoppelt mit der Erkenntnis, dass sie sich zudem nicht mit VED auskennen (war aber ja mein Fauxpas) - zunehmend verunsichert.

Ich spielte also mit dem Gedanken, nach dem ersten Block evtl zu wechseln bzw. zumindest die Diagnostik an anderer Stelle durchführen zu lassen.
Das Hauptproblem war aber, eine Praxis zu finden welche sich mit VED auskennt. Auch die Seite von "dbl" spuckt diesbzgl. in unserer Umgebung nichts aus. Unsere Stadt sowie 2 anliegende Nachbarstädte habe ich im Internet so ziemlich durchforstet. Es gäbe ein SPZ in Muc, ist aber nicht der nächste Weg und zusätzlich haben sie dort mind. 4 momentan sogar 6 Monate Wartezeit (Termin frühestens im April/übernächstes Quartal) und ich müsste das SPZ wechseln um dort einen Termin zu bekommen.
Eine einzige Praxis hätte die VED sonst noch auf dem Schirm, allerdings nicht mit der Sprechapraxie in Einem.

Nun erfuhr ich jetzt ganz frisch, dass unsere jetzige Praxis sich im Grunde doch alles sehr zu Herzen nahm - heißt: sie haben (sogar zügig) Fortbildungen in diesem Bereich gebucht und wollen jetzt die VED in ihren Behandlungsfeldern aufnehmen.
Ich werde also in dieser Praxis erstmal bleiben. Freilich weiß ich nicht, ob er diese Outputstörung hat - aber eine Praxis welcher die VED rein gar nichts sagt, wollte ich nach jetztigem Kenntnisstand auch nicht blind weiter besuchen - nicht bei (lt. SPZ) "konkreten Hinweisen auf VED oder Sprechapraxie".

Unabhängig davon was ihn nun beim Sprechen tatsächlich hindern sollte, so wurde mir mittlerweile von beiden Stellen (SPZ-Logopädin und Logopädiepraxis) mitgeteilt, dass Sprachtherapie bei unserem Sohn, ihrer Einschätzung nach, wohl ein langwieriger Prozess werden wird und es anzunehmen sei, dass es nicht mehr von "alleine" kommt..

So nun zu meinen Fragen - Sorry das viele Schreiben "drumherum":
1. Hat jemand Erfahrung mit TOLGS und kann mir ein wenig erzählen wie die Therapie damit war? Denn mit TOLGS werden sie sich fortbilden und damit möchte die Praxis durchstarten, sowie steht TAKTKIN und PECS auf dem Programm. Die Behandlung soll lt. Praxis nicht starr verlaufen. Man wolle sich (noch) nicht festlegen, sondern erstmal beginnen und die Therapie individuell am Patienten anpassen. Eingestiegen waren wir zunächst mit der PROMPT-Therapie und es wurde nach Zollinger (Sprachanbahnung) gespielt.

2. (Alter unkorrigiert knapp 31 Monate) Bei uns sind leider wieder irgendwie Wörter verschwunden. Dafür kamen vereinzelt Lautmalereien und "Wörter" hinzu. So zählt er momentan gerne bzw. spielt gerne zählen - vorzugsweise beim Versteckenspielen. Die "1,2" benennt er mit "Nana, Ditt" wobei "Ditt" nicht regelmäßig kommt.
Dafür sind ganz aktuell die bereits recht verständlich gesprochenen und somit gefestigten Farbbestimmungen verschwunden.

So konnte er:

"Blll" sagen für "blue"

und

"Witt" für "white".

Diese "Wörter", also "Blll" und "Witt" hatten sich eigentlich schon total "gefestigt", täglich suchte er sich z.B. Teller, Becher, Strohhalme nach seiner Wunschfarbe aus und ich wusste immer welche Farbe er meint.

Nun spricht er sie nicht mehr und bei "blue" und manchmal. auch bei "purple" brummt er nurmehr mit den Lippen (was bei ihm mehreres heißen kann) oder es kommt höchstens ein "B'b" und für "white" spricht er "W'h", gelegentlich "W'ff".

Die Wandlung des Wortes "blue" ging jetzt grob in 3 Schritten vonstatten

1. B'bl/Bö'bl
2. Blll (über viele Wochen)
3. Brummen mit den Lippen oder B´b

Dafür hat sich "Lich" für "Licht" gefestigt und "Tchlak" (kann es nicht besser beschreiben) für "truck".

Ansonsten sind wir auf dem Stand wie damals als ich geschrieben hatte.
Also in mir wachsen auch zunehmend Zweifel, dass sich seine Sprachentwicklung lediglich verzögert verhält und es wächst in mir die Annahme, dass er tatsächlich eine Sprechstörung hat und er wohl leider kein einfacher Spätblüher ist. Eine SES wurde nun vom Kinderarzt bereits festgelegt/attestiert.

Tierlaute und Lieder/Melodien kommen keinerlei, wobei er insbesondere dafür auch großes Interesse hat.

Ich suche immernoch nach Antworten und versuche auch weiterhin so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen und herauszufinden was ihn beim Sprechen behindert, was es sein könnte, was für Unterstützung er brauchen könnte.

Dabei werde ich nicht daraus schlau wie man eine erworbene Sprechapraxie (unmittelbar postnatal) von einer VED unterscheiden könnte, denn die Beschreibung der erworbenen Sprechapraxie deckt sich weitgehend mit der Definition der VED. Oder nennt man eine solche Störung dann einfach VED, da die Sprachentwicklung von Geburt an mit diesem Defizit der Sprechbewegungsplanung "heranreift"?

Oder umgekehrt: Würde man eine VED bei ehemaligen beidseitigen Hirnblutungen überhaupt in Betracht ziehen, vorallem da die schwereren Blutungen Grad III mit Zystenbildung die linke Gehirnhälfte betroffen hatten (was bei der erworbenen Sprechapraxie der Fall sein sollte)? Kommt also dann eine VED überhaupt noch in Frage bzw. würde man es dann automatisch als erworbene Sprechapraxie ansehen?

Bisher konnte mir weder das SPZ, noch die Praxis darauf Antwort geben.
Nach meinen Recherchen unterscheidet sich die VED von der erworbenen Sprechapraxie nämlich darin, dass die VED im Gegensatz zur erworbenen Sprechapraxie auf ein noch entwickelndes Nervensystem trifft - also quasi von Geburt an. Die erworbene Sprechapraxie hingegen nicht und die VED rührt wiederum nicht von Hirnschädigungen her.

Wie ist es aber dann bei einer unmittelbar postnatalen Hirnschädigung? Beides wiederspricht sich ja, oder nicht? Weiß das jemand?

Liebe Grüße Sheila


Zurück zu „Sprache und Kommunikation“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste