Hoffnung, von Förderschwerpunkt Lernen wieder weg zu kommen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Isaalex
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Hoffnung, von Förderschwerpunkt Lernen wieder weg zu kommen?

Beitragvon Isaalex » 03.07.2017, 10:56

Hallo Ihr Lieben,
Alex ist mit einem durchschinttleichen IQ von 91 beim Kinderpsychologen getestet worden, mit der größten Baustelle im Bereich Verarbeitungsgeschwindigkeit. Da er aber ein sehr niedriges Frustrationslevel hat und sehr impulsgesteuert reagiert (positiv wie negativ), sind wir von der Schule zum Test an eine Förderschule geschickt worden. Dort wurde unter 'realen' Alltagsbedingungen nur ein IQ von 72 gemessen.
Das heißt, unter Streß und nicht in einer exklusiven 1:1 Betreuung, hat er zwar das Potential, kann es aber nicht abrufen, ist schenell abgelenkt und ermüdet zügig.
ADHS ist ausgeschlossen worden.
Jetzt lassen wir ihn ab Sommer 2017 inklusiv beschulen, wahrscheinlich sogar mit einem Teilhabeassistenten, falls er uns genehmigt wird (das ist beantragt und von der Schule gewünscht, die Genehmigung nach SGB 8 wurde abgeleht, jetzt ist SGB 12 im Zugzwang).
Er ist bei einem privaten Kurs für ganzheitliches Lernen, geht zur Ergo und Psychomotorik, um die ganzen Strukturen im Kopf zu stärken und zu üben.

Meine Frage an euch, bei wem war die Sonderförderung LERNEN irgendwann nicht mehr nötig? Da Alex ja 'eigentlich' durchschnittlich intelligent ist, hoffe ich, dass die Zeit für uns arbeitet und er irgendwann den Lernstoff und die Lernziele gleich den anderen Schülern bewältigen kann. In vielleicht 1-2 Jahren?
Da er sich sehr an gleichaltrigen und besseren Schülern orientiert, muss er wohnortnah an unserer Regelschule beschult werden. Das wünscht er sich. So viel Normalität wie möglich. Alleine zur Schule laufen (in Gruppen natürlich), Schulfreunde um die Ecke etc.

Wenn ich eins gelernt habe, ist es, dass er seinen Weg geht und das sehr gut und sehr erfolgreich. Ich muss mich nur gedulden. Was manchmal schwer fällt...

liebe Grüsse,
Isa
"Alles fügt sich und erfüllt sich, musst es nur erwarten können"
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Isa (11/77) mit Alex (2/10) SGA-Kind, hypoton, Somatropintherapie, Minderwuchs; C (6/13) gesund

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CarolaBerlin
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Beitragvon CarolaBerlin » 03.07.2017, 12:19

Hallo Isa,

mir wurde von der Schule erzählt, das Förderbedarf Lernen regelmäßig überprüft wird.

LG Carola

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 03.07.2017, 12:32

Der Förderbedarf wird regelmäßig überprüft, ja.
Aber das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass er auch aufgehoben wird.

Vorhersagen kann das niemand, wie sich dein Kind entwickelt. Auch wenn jetzt hier einige schreiben, dass das Kind irgendwann "normal" entwickelt war, muss das ja nicht auch auf dein Kind zutreffen. Wie du selbst schreibst, hilft nur Geduld.
Ich kenne aber einige Erwachsene, die sogar bis zum Schluss eine Förderschule Lernen besucht haben und dennoch auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, einen Führerschein haben und ein "normales" Leben führen.
Alles kann, nichts muss...

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Chantal-Marie
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Beitragvon Chantal-Marie » 03.07.2017, 13:51

Unsere zweitjüngste war ein Frühchen und hat leider nicht alles aufgeholt, sie hat eine Lernbehinderung zurück behalten. R. hat die Förderschule zu Ende besucht und mit dem Hauptschulabschluss beendet. Mit Kolping hat sie eine Ausbildung am 1. Arbeitsmarkt gemacht, bestanden und arbeitet als Maler/Lackiererin. Sie ist so handwerklich so gut dass sie von mehreren Firmen Angebote hatte.

Es gibt schlimmeres als eine Förderschule zu besuchen und zu beenden. Vor allem wäre R. in der "normalen" Schule untergegangen. Erfolgserlebnisse wären rar gewesen. Es ist uns nicht leicht gefallen diesen Schritt zur FS aber am Ende wars die Richtige Entscheidung. Das Nachbarmädel hat sich sehr hart gelernt und die Eltern haben die FS verweigert. Tja, das Mädel wurde so durch gezogen, hat die Schule ohne Abschluss verlassen, hat keine Ausbildung und arbeitet als Handlangerin. Verdient schlecht und was sagt uns das?

Unser Mädel lebt seit Jahren mit ihrem Freund zusammen und führt ein ganz normales Leben. Nur weil sie die FS besucht hat ist sie doch nicht behindert. Etwas langsamer im lernen aber mehr auch nicht. Wir haben sie immer unterstützt.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

maikeb
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Beitragvon maikeb » 03.07.2017, 14:04

Es kommt gar nicht so selten vor, dass der Förderschwerpunkt Lernen gegen Ende der Schulkarriere wieder aufgehoben wird.
Dabei kann es durchaus hilfreich sein, dass der betreffende Schüler in der Regelschule auch immer wieder mit dem Regelschulmaterial konfrontiert wird, so dass die Lehrkräfte merken, wenn er damit im Laufe der Zeit besser zurecht kommt.
Meine Erfahrung (als Lehrerin): alles offen.

P.S.: Einer meiner ehem. Schüler mit Förderschwerpunkt Lernen hat am Berufskolleg nun den Mittleren Schulabschluss gemacht, und seine Lehrer raten ihm nun, die Fachhochschulreife anzustreben. Das ist sicher eher ungewöhnlich, aber hey - auch das gibt es!

Lina Mare 67
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Beitragvon Lina Mare 67 » 05.07.2017, 20:57

Hallo,

mein Sohn wurde im Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Lernen eingeschult (IQ bei allen Testungen zwischen 70 und 74). Aufgrund seiner guten schulischen Fortschritte wurde er jedoch nach der Diagnose und Förderklasse nach Grundschullehrplan unterrichtet und auch der Förderschwerpunkt wurde schon nach 1 oder 2 Jahren von der Schule ( seinen Lehrern) auf Sprache geändert.
Die Empfehlung nach der 4.Klasse war dann auch die Sprachheilschule. Den Platz hätten wir aber fast nicht bekommen, da er auch bei allen weiteren IQ-Tests immer Werte unter 75 hatte.

Wir hatten Glück, die Schule nahm ihn auf und sämtliche Lehrer bestätigten, dass die Sprachheilschule genau der richtige Förderort für meinen Sohn ist. Er hat dort erst seinen Quali mit 2,5 bestanden und ein Jahr später den mittleren Bildungsabschluß mit einem ähnlichen Notenschnitt.
Inzwischen besucht er eine FOS-Vorklasse und kämpft sich dort durch. Seine Leistungen sind nicht wirklich gut, aber entsprechen tatsächlich ungefähr dem Leistungsstand seiner Mitschüler, die zu 75 % von der Realschule bekommen. Allerdings hat er einen Nachteilsausgleich beantragt und 20% Zeitzuschlag erhalten :wink: .

Da mir solch eine "Karierre" mit so einer deutlichen Lernbehinderung seltsam erscheint, läuft derzeit auf Wunsch meines Sohnes (18 J.) nochmals eine Autismusdiagnostik.

Viele Grüße Lina

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Beitragvon Elisabeth K » 06.07.2017, 11:50

Hallo Isa,
ich habe (im Saarland) die gleichen Erfahrungen gemacht wie Maikeb. Viele Schüler, die im fünften Schuljahr mit dem Förderschwerpunkt Lernen zur weiterführenden Schule (als Integrationskind oder jetzt als Inklusionskind) kommen, können später regulär den Hauptschulabschluss dort erreichen. Bei uns muss spätenstens nach dem ersten Halbjahr des achten Schuljahres der Förderbedarf aufgehoben werden. Spätestens im ersten Halbjahr des achten Schuljahrs schauen die Lehrer, ob der Schüler mit den Mitschülern mithalten kann und zu erwarten ist, dass er den Hauptschulabschluss erreichen kann. Derzeit ist das an der Schule, an der ich unterrichte, bei ca. 2/3 der Schüler, die zunächst Förderbedarf im Bereich Lernen haben, der Fall. Gelegentlich erreicht ein solcher Schüler danach auch noch über eine Sozialpflegeschule, Handelsschule oder Gewerbeschule die Mittlere Reife (in 2 Jahren).
Diejenigen, bei denen im 8. Schuljahr der Förderbedarf noch besteht, können nach dem 9. Schulbesuchsjahr über ein Berufsgrundschuljahr oder Ähnliches an einem Berufsbildungszentrum den Hauptschulabschluss noch erreichen.
Viele Grüße

Elisabeth mit Sophie (18, AS)

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Beitragvon Michaela44 » 06.07.2017, 12:58

Nur weil sie die FS besucht hat ist sie doch nicht behindert.
Also dieser Satz stößt mir auf. Ist "behindert sein" eine Klassifikation? Na klar wünscht man sich, dass die eigenen Kinder gesund sind, eine Behinderung ist per Definition eine Einschränkung. Aber dieser Satz hört sich für mich so an, als seien Behinderte Menschen zweiter Klasse. Als müsste man sich schämen, wenn man zu dieser Gruppe gehört.
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Beitragvon Hanni 1 » 06.07.2017, 16:13

Hallo Isa!
du wirst mit deinem Kind in der Schule immer Probleme haben! Wichtig ist, dass du immer Stärke zeigst und immer hinter ihm stehst, egal was kommt!!!!!!!!!!!!!!!! Ich bin selber Mutter eines schwerstbehinderten Kindes (frühkindl.Autismus). Mein Sohn hat 5 Jahre lang eine Sonderschule für geistigbehinderte Kinder besucht. Seit vier Jahren besucht er eine Regelschule. Mein Sohn konnte sich in einer Sonderschule nicht integrieren. Er war da unterfordert. Er hatte Kommunikationsprobleme. Dadurch, dass fast jedes Kind eine andere Behinderung hat, entsteht da kaum eine Kommunikation. Die Lehrpläne werden in Sonderschulen an die Lehrpläne der Sonderschulen angepasst und nicht an die einer Regelschule. Die meisten Sonderschulen in Deutschland haben nicht mal Schulbücher. Kinder gehen mit einen Rucksack zur Schule wo sie nur Ihr Frühstück mitnehmen. In der Sonderschule meines Sohnes wurde nicht mal die Stifthaltung geübt.Als mein Sohn den Schulwechsel machte, war er sehr unruhig weil er überhaupt nicht verstanden hatte was Frontalunterricht bedeutet. Er hat erst in einer Regelschule gelernt was LERNEN bedeutet.
Ich finde deine Entscheidung gut, dass du deinen Sohn auf eine Regelschule schickst.
Auch wenn dein Sohn die Sonderförderung LERNEN die ganze Schulzeit beibehalten wird, darf man ihn nicht auf eine Sonderschule abschieben.
Zum IQ deines Sohnes, kann ich nur folgendes schreiben. Sonderschulen tendieren meistens den IQ der Kinder tiefer einzustufen. Es rechtfertigt dann den Besuch einer Sonderschule. In meinem Bekanntenkreis habe ich Freundinnen deren behinderte Kinder das gleiche Problem haben. Von Kinderärzten wurden sie mit einem IQ von über 90 attestiert und in Sonderschulen wie bei deinem Sohn mit einem IQ von über 70.

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Sandra1978
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Beitragvon Sandra1978 » 06.07.2017, 18:13

Hallo Hanni

wie kommst du darauf alle Förderschule über einen Kamm zu scheren. Nicht jedes Kind kann an einer Regelschule sein Potenzial abzurufen.

An der Regelschule konnte unsere Tochter nicht das lernen was sie kann. Da hätte sie bestimmt keinen Abschluss geschafft.

Jetzt an der Förderschule lernen macht sie Hauptschulstoff und es ist endlich erkannt worden das sie an einer Rechenschwäche leidet.

Sie braucht die kleinen Klassen um lernen zu können.

Gruß Sandra
Mama Sandra (Asperger Autist)
Papa Jochen (Lernebehindert)
Sarah (2003) (Lernbehindert)


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